Aktion Regen

Die Aktion Regen ist ein gemeinnütziger Verein für Entwicklungszusammenarbeit. Er wurde 1989 von der Wiener Frauenärztin und Entwicklungshelferin Maria Hengstberger gegründet. Der Verein finanziert sich zum größten Teil durch Spenden und trägt das Österreichische Spendengütesiegel. Um nicht allein von Spenden abhängig zu sein, hält Maria Hengstberger gynäkologische Vorträge in Österreich. Zudem erscheint halbjährlich die Zeitung Initiative mit medizinischen Informationen.

Inhaltsverzeichnis

Ziele

Die Aktion Regen versucht den einfachsten und ärmsten Menschen eine vernünftige Familienplanung zu ermöglichen. Der Verein will auch Analphabeten die Kenntnis über die fruchtbaren und unfruchtbaren Tage der Frau zu vermitteln. Unter fachärztlicher Leitung von Dr. Maria Hengstberger werden weltweit Seminare für Entwicklungshelfer und andere Organisationen gehalten. Zudem gibt der Verein armen Menschen in der dritten Welt Hilfe zur Selbsthilfe. Ein Schwerpunkt der Vereinstätigkeit ist der Aufbau von Gesundheitszentren und Kliniken in Entwicklungsländern. Zudem fördert er spezielle Frauenprojekte und vermittelt Wissen über Hygiene, Gesundheit und besonders über Familienplanung.

Ungewöhnliche Wege

Der Verein geht ungewöhnliche Wege, da er nicht über große finanzielle Mittel verfügt. So können engagierte Menschen, die sich für die Arbeit des Vereins interessieren und in einem Land der dritten Welt ihren Urlaub verbringen möchten, sich vom Verein schulen lassen und dann sinnvoll in den Projekten helfen. Ein Beispiel dafür ist die Geburtenkontrollkette. Diese Kette ist ein sehr einfacher, jedoch auch sehr effektiver Menstruationskalender. Den Menschen die Funktionsweise der Kette beizubringen, erfordert keine akademischen Kenntnisse. Aus diesem Grund setzt der Verein engagierte Freiwillige ein.

In Mexiko bildete die Aktion Regen Frauen als Leiterinnen für Gesundheitszentren aus. Diese bringen den einheimischen Frauen bei, mit der Geburtenkontrollkette umzugehen. Bisher zählten die Frauen in der Region Oaxaca die Tage ihres Zyklus, in dem sie 28 Maiskörner aus einem Maiskolben herausbrachen, um nicht auf dem Feld von der einsetzenden Regelblutung überrascht zu werden. Mit dieser Methode konnten sie jedoch nicht in Erfahrung bringen, an welchen Tagen sie empfängnisbereit waren. Mit der Geburtenkontrollkette können sie nun diese vertraute Praxis verbessern und genauer ihren Zyklus vorhersagen.

Die Geburtenkontrollkette

Geburtenkontrollkette

Diese Kette wurde von Maria Hengstberger erfunden und stellt einen Menstruationskalender nach der Knaus-Ogino-Verhütungsmethode dar. Sie wird von der Aktion Regen an Frauen der dritten Welt verteilt, die sich keine anderen Verhütungsmittel leisten können. Da sie sich bei richtiger Anwendung als verhältnismäßig sicher erwiesen hat, wird sie bereits von 27 kooperierenden Organisationen in 30 Ländern verbreitet. Dort, wo sie Verwendung findet, konnte die Geburtenrate um mehr als 50 % gesenkt werden. In den USA wird die Kette in modifizierter Form seit Mitte 2002 vermarktet. Dort wurde sie unter dem Namen Cycle Beads von der Georgetown University marken- und patentgeschützt.

siehe auch: Eisprungrechner

Das Schwammdiaphragma

Als in Indien gewalttätige Männer ihre Frauen verprügelten, weil sie sich an die Vorgaben der Geburtenkontrollkette hielten und sich während der fruchtbaren Tage dem ehelichen Verkehr widersetzten, entwickelten Frau Hengstberger und Reinhard Würzner[1] (Universität Innsbruck) eine Version des Schwammdiaphragma. Diese Verhütungsmethode war vor der Antibabypille auch in Europa weit verbreitet. Das Schwammdiaphragma wurde aus einem herkömmlichen Ortho-Diaphragma entwickelt. Allerdings enthält das Ortho-Diaphragma in Europa ein spermizides Gel, das in den armen Regionen Indiens nicht erhältlich war. Dieses Problem wurde mit natürlichen Mitteln, wie Zitronensäure oder Essig gelöst. Damit hatten die Frauen einen Selbstschutz und provozierten bei ihren Männern keine weiteren Gewalttätigkeiten, beim Versuch, die Enthaltsamkeit während der fruchtbaren Tage einzuhalten.

Zur Empfängnisverhütung ist die Methode ausgereift. Zur Prophylaxe vor HIV-Infektion steht sie zur Diskussion, da sie eine mechanische und chemische Barriere für das Virus darstellt und Tests gezeigt haben, dass AIDS-Viren in saurem oder alkoholischem Milieu nicht infektiös bleiben.

Von Mann zu Mann

Die Aktion Regen klärt Frauen in Entwicklungsländern auf und vermittelt ihnen Wissen über den weiblichen Zyklus. Dadurch lernen die Frauen die Phasen ihrer Fruchtbarkeit kennen und können so eine aktive Familienplanung betreiben. Unkontrollierten Schwangerschaften sind sie nicht mehr hilflos ausgeliefert.

In den Projekt, von Mann zu Mann, werden die Männer bei der Aufklärung mit einbezogen. Es stellte sich heraus, dass es von fundamentaler Wichtigkeit war, auch den Männern Wissen über Sexualität und Familienplanung zu vermitteln.

Ruanda

Im Jahre 1999 wurde im Dorf Rurenge in Ruanda eine Klinik eröffnet. Bezahlt wurde sie aus den Spenden der Aktion Regen. Die Klinik ist ein Beitrag zur medizinischen Versorgung der Menschen, die im tropischen Afrika von Infektionskrankheiten und Malaria bedroht sind. Ursprünglich war die Klinik für die Versorgung von sechshundert Bewohnern des Ortes, sowie der benachbarten Flüchtlingslager von Rurenge konzipiert. Wegen des großen Andranges von Patienten wurde sie bereits mehrmals ausgebaut. Das Gebäude dient auch als Seminarklinik zur Aufklärung der Bevölkerung über Familienplanung, Aidsvorsorge und Frauenkrankheiten.

Weitere Projekte

Die Aktion Regen engagiert sich in vielen Ländern der Welt nicht nur für eine vernünftige Familienplanung, sondern auch in der AIDS-Aufklärung. Mit dem Seminar „Wissen als Chance“ half die Aktion Regen unter anderem in Indien und Sibirien. Dieses Seminar war auch Vorlesungsstoff im Universitätslehrgang Diploma Community Health für Ärzte aus Entwicklungsländern an der Universität Innsbruck.

Weitere Projekte gab es bisher in Äthiopien, mit einem mobilen Trainingszentrum für Familienplanung. In Mexiko, Nicaragua mit Gesundheitszentren. In Burundi und in Russland half die Aktion Regen mit Wissen und Spenden.

Literatur

  • Maria Hengstberger: Wasser an die Wurzeln. Tagebuch. Als Ärztin in Äthiopien., Verein f. Entwicklungshilfe „Aktion Regen“, Wien 1990, ISBN 3-901145-00-1.
  • Maria Hengstberger: Mein Weg durch Indien: Reisetagebuch. Familienplanung für die Dritte Welt. Verein für Entwicklungshilfe „Aktion Regen“, Wien 1993, IDN 955005175.
  • Maria Hengstberger: Gynäkologie von Frau zu Frau. Fragen, Antworten und Ratschläge. 2., überarb. Aufl., Springer, Wien, New York 2007, ISBN 978-3-211-70832-3.

Quellen

  1. http://www.minimed.at/modules/referent/detail.php?referent_id=329

Weblinks