Alexander Wassilko von Serecki (Freiherr)

Freiherr Alexander Wassilko von Serecki, 1884

Alexander Freiherr Wassilko von Serecki (* 17. Dezember 1827 in Berhometh; † 20. August 1893 in Lopuszna (Lăpuşna), k. u. k. Wirklicher Geheimer Rat, erbliches Mitglied des Herrenhauses des österreichischen Reichsrats, war ein bedeutender Politiker, Landeshauptmann des Herzogtums Bukowina aus dem Hochadelsgeschlecht Wassilko von Serecki.

Inhaltsverzeichnis

Biografie

Alexander studierte nach seinem Abitur Philosophie in Czernowitz und Rechtswissenschaft in Lemberg. Ab 1850 wirkte er als Advokat in Czernowitz.[1]

Ab 1859 verwaltete Alexander die Güter seines erkrankten Vaters, Freiherr Jordaki Wassilko von Serecki.

Katharina, geb. von Flondor (um 1880)

Er heiratete am 16. Juni 1859 auf Schloss Hliniţa Katharina von Flondor (* 21. Juli 1843 in Hlinitza; † 27. Dezember 1920 auf Schloss Mihowa), die Tochter des Großgrundbesitzers und Eigners von Hliniţa, Jordaki Ritter von Flondor (1798–1868). Die Ehe brachte vier Söhne hervor: Georg, Stephan, Alexander und Viktor, die Grafen Wassilko von Serecki.[2][3] Sein überraschender Tod 1893 führte zu „tiefer Bestürzung und Trauer“ in der Bevölkerung, sowie auch fraktionsübergreifend bei seinen politischen Freunden und Gegnern.[4]

Politisches Karriere

Alexander, Großgrundbesitzer und Mitglied der Rumänischen Föderalistischen Partei, begann seine politische Karriere 1862, als er zum Abgeordneten in den Bukowiner Landtag gewählt wurde. Hier besetzte er von 1870 bis 1871 und erneut von 1884 bis 1892 die Position des Landeshauptmanns des Herzogtums Bukowina.[5][4]

1863 war er Mitbegründer, später Ehrenmitglied und Förderer der rumänische Gesellschaft „Junimea“, der einflussreichsten geistigen, kulturellen und politischen rumänischen Vereinigung des 19. Jahrhunderts.

Dort sorgte er für Aufsehen, weil er sich zusammen mit anderen jungen Abgeordneten (unter anderem Eudoxius von Hormuzaki, von Costin, von Flondor) mit erfolgreichen Petitionen nach Wien für die Einschränkung „des Monopols und der Autokratie der Geistlichen der [orthodoxen] Kirche“ einsetzte.[6] Ab 1867 zog er erstmals für den Bezirk Wisznitz in den Landtag ein, für das er von dortigen rumänischen, huzulischen und ruthenische Bevölkerung periodisch wiedergewählt wurde.

Am 24. Februar 1867 übernahm er, wie auch sein Vater zuvor, das Bukowiner Mandat im Herrenhaus, dem Oberhaus des österreichischen Reichsrates, „auf Lebenszeit“. Er war 13 Jahre lang der einzige Vertreter des Herzogtums Bukowina im Herrenhaus. 1880 wurde auch der Metropolit der Bukowina und Dalmatiens Sylvester Morariu-Andriewicz in dieses Grermium bestimmt.

Durch seine Beziehungen zum Wiener Hof konnte er erreichen, dass ab 1876 die rumänische Sprache als Unterrichtssprache am Lyzeum von Suczawa (vgl. Suceava) zugelassen wurde. Einige Jahre später folgte „die Zulassung der Unterrichtung auf Rumänisch in besonderen Klassen am Gymnasium von Czernowitz“.[7] Trotz seiner Führerungsposition in der föderalistischen Fraktion des rumänischen Adels setzt er sich als Landeshauptmanns der Bukowina für das Recht aller Bürger auf freie Ausübung ihrer eigenen Kultur und Religion sowie Anerkennung ihrer Muttersprache unter dem Dach der Donaumonarchie unter Führung des Kaisers ein.

1881 wurde das Königreich Rumänien gegründet, wonach Alexander sich als strikter Gegner der immer zahlreicher werdenden Befürworter für einen Anschluss der Bukowina an Rumänien erwies. Er galt als früher Vordenker der Idee des Vereinten Europas der Vaterländer.

Mit seiner in deutscher Sprache gehaltenen Eröffnungsrede im Bukowiner Landtag am 22. Juli 1884 rief er die Abgeordneten auf, bei der Wahrung der Autonomie und der provinziellen Selbständigkeit innerhalb des österreichischen Staatsgedankens einmütig vorzugehen. Er setzte sich für die gesetzliche Anerkennung der deutschen, rumänischen und ruthenischen Sprachen ein, betonte allerdings, dass die deutsche Sprache das gemeinsame Band aller Völker der Monarchie sei. Diese habe sich faktisch und historisch als einzige Staatssprache herausgebildet und sei deshalb von jedem zu beherrschen.[8][9]

1885 wurde der Freiherr von Seiner k. u. k. Apostolischen Kaiserlichen Majestät mit dem Orden der Eisernen Krone 2. Klasse ausgezeichnet und im Jahr 1888 geruhte der Kaiser ihm aus Anlass seiner erneuten Ernennung zum Landeshauptmann ihm die Würde eines k. u. k. Wirklichen Geheimen Rates zu verleihen.[10]

Der Landespräsident Anton Graf Pace von Friedensberg trat wegen des Konflikts über den Gebrauch der rumänischen Sprache im Frühjahr 1892 zurück. Darauf erklärte auch Alexander zukünftig nicht mehr als Landeshauptmann zur Verfügung zu stehen, blieb jedoch bis zu den Neuwahlen im Herbst 1892 im Amt.[11] Infolge der Ereignisse schlossen sich die Rumänen aller politischen Strömungen und sozialer Herkunft in der Partidul Naţional Român zusammen. Unter erschwerten Bedingungen erreichte Alexander zusammen mit der Rumänischen Nationalpartei und mit Hilfe zweier ruthenischer Abgeordneter die Regierungsmehrheit. Ebenso fand er Unterstützung durch den neuen Landespräsidenten der Bukowina, Franz von Krauß, den späteren Schwiegervater seines Sohnes Stephan.[6] Alexander blieb bis zu seinem Ableben weiterhin Präsident des Clubul Naţional, der stärksten Fraktion im Landtag.[12]

Alexander bekleidete für Jahrzehnte auch die Position des Präsidenten der Geschworenenkammer am Czernowitzer Gericht.[4]

Besitztümer

Wappen der Freiherren Wassilko von Serecki

Zur Kultivierung des Brachlandes auf seinem Besitz gründete Alexander die zwei nach ihm und seiner Gattin benannten Ortschaften Alexanderdorf (1863) und Katharinendorf (1869), wo er deutsch-lutheranische Bauern aus der Umgebung und aus Galizien ansiedelte. Jeder Familie stellte er bis zu 18 ha Grund sowie Holzrechte zum Bau von Häusern und zu Feuerzwecken kostenlos zur Verfügung. Die Siedler erhielten ein Grundstück von je 1,15 Hektar zum Bau ihres Hauses, der Stallungen und als Garten. Vorerst wurden Erbpachtverträge über 25 Jahre geschlossen, die um weitere 25 Jahre verlängert werden konnten. In beiden Orten ließ er deutsche Schulen errichten (Katharinendorf 1875), für deren Erhalt den Familien eine regelmäßige, geringfügige Taxe abverlangt wurde. Die nächste lutherische Kirche lag 70 km entfernt in Czernowitz, daher ließ Alexander einer lutherische Kirche für die beiden Dörfer bauen.[13][14]

Zu dieser Zeit planten zwei Konsortien den Bau zweier Lokalbahnlinien. Alexander förderte den Ausbau des Streckennetzes, so den Bau der 57 km langen Strecke Hliboka – Berhometh, die am 30. November 1886 eröffnet wurde. Die Bahnlinie nutzte er zum Transport von Holz aus seinen Wäldern.[15] Unter seinem Namen lief auch eine Lokomotive, die Aleco. Zusätzlich ließ er „Holzbringungsanstalten und Industriewerke“ errichten.[16] Alexanders Vater hatte den Besitz in Lopuszna (Lăpușna) zu einem Luftkurort ausgebauen lassen. Alexander versuchte diesen durch eine Bahnverbindung von Berhometh aufzuwerten.[17] Diese Trasse wurde jedoch erst 1909 mit Unterstützung seines Sohnes Georg Graf Wassilko von Serecki gebaut und in Betrieb genommen.

Alexander erwarb 1886 das "Wassilko-Palais" genannte Anwesen in der Herrengasse 38 in Czernowitz. Er ließ Schloss Berhometh fertigstellen, das 1915 während der russischen Offensive den Flammen zum Opfer fiel und gab 1889 den Bau einer neuen Kirche in Berhometh in Auftrag. Deswegen ließ er die von seinem Urgroßvater 1773 erbaute versetzen, und zwar in ein auch ihm gehörendes Dorf, nämlich Szypot (Șipotele pe Siret). Er war mit Abstand der größte Grundbesitzer der Bukowina und zählte auch in der Österreich-Ungarischen Monarchie zu den größten. Da seine Brüder kinderlos verstorben waren,[1] bewilligte ihm 1888 Kaiser Franz Joseph I. mit Zustimmung beider Häuser des Reichsrates die Einrichtung und Führung eines Realfideikommisses.

Die nach der Familie benannte Wassilkogasse in Czernowitz, eine Seitenstraße der Herrengasse, hieß ihm zu Ehren ab 1924 Strada Alexandru Vasilco. In dieser Straße, Hausnummer 5, wuchs der deutsch-jüdische Autor Paul Celan auf.

Bildergalerie

Einzelnachweise

  1. a b Rudolf Wagner, Paula Tiefenthaler, Landsmannschaft der Buchenlanddeutschen, Adolf Armbruster (Hrsg.): Vom Moldauwappen zum Doppeladler: Ausgewählte Beiträge zur Geschichte der Bukowina, Band 2, Hofmann-Verlag, 1993, ISBN 3-922-86554-2, S. 483.
  2. Justus Perthes: Die Gothaschen Genealogischen Taschenbücher des Adels S-Z, GB 1919, S. 606.
  3. coresno.com, Collegium Res Nobilis Austriae: Der Adel der Bukowina.
  4. a b c "Bukowinaer Rundschau" vom 22. August 1893
  5. Paul Brusanowski: Rumänisch-orthodoxe Kirchenordnung 1786-2008, Böhlau Verlag GmbH & Cie, Köln – Weimar – Wien, 2011, S. 193.
  6. a b Ion Nistor: Istoria Bucovinei, Ed. Humanitas, Bukarest, 1991, S. 128, S. 260, in rumänischer Sprache.
  7. Istoricul Liceului din Suceava, Eusebie Popovici: Ştefan cel Mare, Suceava, Editura Societăţii ṣcoala Română, 1935, S. 50, in rumänischer Sprache.
  8. Neue Freie Presse, Wien, 23. Juli 1884.
  9. Prager Tagblatt, 24. Juli 1884.
  10. http://www.anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=bur&datum=18930822&seite=1&zoom=33
  11. Mihai-Ştefan Ceauşu, Czernowitz, 1892. In: Wladimir Fischer (Hrsg.), Waltraud Heindl: Räume und Grenzen in Österreich-Ungarn 1867-1918: kulturwissenschaftliche Annäherungen, Francke Verlag, 2010, ISBN 3-772-08239-4, S. 409, hier S. 33 ff.
  12. Hans-Christian Maner (Hrsg.): Grenzregionen der Habsburgermonarchie im 18. und 19. Jahrhundert: ihre Bedeutung und Funktion aus der Perspektive Wiens, Lit Verlag Mainz, 2005, ISBN 3-825-88032-X S. 247, hier S. 89.
  13. The Bukovina Society of the Americas: Alexanderdorf and Katharinendorf Evangelical Lutheran Communities in Bukovina from 1863 until 1940, in englischer Sprache. In: Konrad Gross: Die evangelischen Gemeinden in der Bukowina Alexanderdorf und Katharinendorf von 1863-1940, Hilfskomitee für die evangelischen Umsiedler aus der Bukowina, 1978, S. 43.
  14. Gesellschaft für die Geschichte des Protestantismus in Österreich: Jahrbuch der Gesellschaft für die Geschichte des Protestantismus in Österreich, Bände 83-89, Verlag des Evangelischen Pressverbandes in Österreich, 1967, S. 145.
  15. Südostdeutsche Historische Kommission: Südostdeutsches Archiv: Bände 46-47, Verlag R. Oldenbourg, 2003, S. 115, S. 145.
  16. Centralblatt für das gesamte Forstwesen, Band 11, 1885, S. 414.
  17. Erich Prokopowitsch: Der Adel in der Bukowina, Südostdeutscher Verlag, München, 1983, S. 141-147.

Literatur

  • Justus Perthes: Die Gothaschen Genealogischen Taschenbücher des Adels S-Z, GB 1919, S. 606.
  • Justus Perthes: Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Gräflichen Häuser, Teil B, Perthes, 1868, 114. Jahrgang 1941, S. 536-537.
  • Ion Nistor: Istoria Bucovinei, Ed. Humanitas, Bukarest, 1991, S. 128, S. 260, in rumänischer Sprache
  • Erich Prokopowitsch: Der Adel in der Bukowina, Südostdeutscher Verlag, München, 1983, S. 141-147
  • Almanach der Zeitschrift für Literatur Junimea, Iaşi, 1926.
  • Ion Drăguşanul: Bucovina faptului divers, Vol. 1,2, Editura Bucovina Viitoare, Suceava, 2002.

Weblinks

 Commons: Alexander Wassilko von Serecki – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien


Vorgänger Amt Nachfolger
Eudoxius Freiherr von Hormuzaki Landeshauptmann der Bukowina
1870–1871
Eudoxius Freiherr von Hormuzaki
Anton Kochanowski Ritter von Stawczan Landeshauptmann der Bukowina
1884–1892
Iancu von Lupul