Alfons Benedikter

Alfons Benedikter

Alfons Benedikter (* 14. März 1918 in Pettneu am Arlberg, Österreich; † 3. November 2010 in Bozen, Italien) war ein politischer Vertreter des deutschsprachigen Bevölkerungsteils in Südtirol (Italien). Er war 50 Jahre lang (1948–1998) Mitglied des Südtiroler Landtags, sieben Jahre lang (1952–1959) Mitglied der Regionalregierung der Region Trentino-Südtirol und 33 Jahre lang (1948–1952 und 1959–1988) Mitglied der Südtiroler Landesregierung (Autonome Provinz Bozen). Er hat wesentlich an der Ausarbeitung und Durchsetzung der Südtirol-Autonomie mitgewirkt.

Inhaltsverzeichnis

Werdegang

In seiner Kindheit und Jugend erlebte Alfons Benedikter in Schlanders die faschistische Unterdrückung der deutschen Volksgruppe in Südtirol. Nach der Matura 1936 in Bozen begann er das Studium der Rechtswissenschaften in Neapel, das er im Juni 1940 abschloss. Am dortigen Orientalischen Institut lernte er fließend Russisch. Während der für Südtirol tragischen Zerreißprobe der „Option“ 1939 (Hitler-Mussolini-Abkommen zur Aussiedlung der Südtiroler) entschied sich seine Familie fürs Bleiben. Daraufhin musste Alfons Benedikter 1940 zum italienischen Militär einrücken, desertierte später ins Deutsche Reich, wo er sofort von der Wehrmacht rekrutiert wurde. Bis April 1945 leistete Benedikter Kriegsdienst an verschiedenen Fronten. Seine Russisch-Kenntnisse retteten ihm an der Ostfront das Leben. Auch später pflegte er seine Leidenschaft für die russische Sprache, Kultur und Politik und besuchte in politischer Mission mehrfach die UdSSR und später die Russische Föderation. Seit 1960 lebte Alfons Benedikter in Frangart bei Bozen gemeinsam mit seinen Söhnen Heinz und Armin. Ehefrau Traudl Noldin (Tochter des Katakombenlehrers Josef Noldin) starb im Jahre 1994. Benedikter verstarb am 3. November 2010 im Landeskrankenhaus Bozen. Am 5. Oktober 2012 überreichte sein Sohn Rudi Benedikter den 500 Ordner umfassenden schriftlichen Nachlass an das Südtiroler Landesarchiv, um ihn für die zeitgeschichtliche Forschung zugänglich zu machen.[1]

Politik

Alfons Benedikter gehörte zur Gründergeneration der Südtiroler Volkspartei (SVP) und war von 1956 bis 1966 ihr Obmannstellvertreter. Er war Mitbegründer der Gewerkschaft CISL und des Katholischen Verbands der Werktätigen. Von 1948 bis 1960 vertrat er die SVP in der Regionalregierung und von 1960 bis 1988 war er Landesrat (Mitglied der Landesregierung) für geförderten Wohnbau, Raumordnung und Wirtschaftsprogrammierung (bis 1970 auch für Landschaftsschutz). In dieser Zeit war er auch Landeshauptmannstellvertreter unter Silvius Magnago.

In den 60er Jahren vertrat Alfons Benedikter Südtirol zusammen mit Friedl Volgger mehrfach bei den Debatten zur Südtirolfrage in der UNO. Im Konflikt mit dem italienischen Staat zur Gewährung einer echten Autonomie stellte er sich gegen die sogenannte „Paket-Lösung“ von 1969, die zur Inkraftsetzung des neuen Autonomiestatuts für Südtirol 1972 führte.

Als Mitglied der wichtigsten Kommissionen zur Umsetzung dieser Autonomie war Benedikter von 1972 bis 1989 wesentlich an der Ausarbeitung der Durchführungsbestimmungen zum Statut – etwa der Einrichtung des ethnischen Proporz-Systems – beteiligt und nahm an rund 60 Ministerratssitzungen in Rom teil, um die Anliegen Südtirols zu vertreten. In dieser Zeit war er auch Vorsitzender der SVP-Fraktion im Regionalrat Trentino-Südtirol und galt als „die rechte Hand Magnagos“.

Ende der 1980er Jahre stellte sich Benedikter gegen den Abschluss der Autonomieverhandlungen und die sog. Streitbeilegungserklärung Österreichs gegenüber der UNO im Juni 1992. Er verließ die SVP und begründete zusammen mit Eva Klotz und Gerold Meraner die Partei „Union für Südtirol“, die sich für die Selbstbestimmung Südtirols einsetzt. Von 1988 bis 1998 vertrat er im Landtag diese Oppositionskraft.

Alfons Benedikter hat - neben seiner Rolle als einer der Architekten der Südtirol-Autonomie - auch für seinen beharrlichen Einsatz für den Erhalt der Natur- und Kulturlandschaft Südtirols und eine strenge Raumordnung vielfach internationale Anerkennung erfahren.

Ehrungen

  • 1965: Ehrenzeichen des Landes Tirol
  • 1973: Ehrenkreuz in Gold des Landesfeuerwehrverbandes
  • 2000: Heimatpreis des Kulturwerks für Südtirol, verliehen vom Landesverband für Heimatpflege
  • 2005: Ehrenkranz des Südtiroler Schützenbundes
  • 2009: Ehrenbürgerschaft der Gemeinde Eppan

Literatur

  • Alfons Benedikter: Erinnerungen. Leben und politischer Weg, Edition Löwentier, Kaltern 2008.
  • Thomas Benedikter (Hrsg.): Den Grundsätzen treu geblieben. Alfons Benedikters Wirken für Südtirol im Spiegel der Erinnerung, Prokopp & Hechensteiner, St.Pauls/Eppan 2012.
  • Joachim Gatterer: Aus den Kriegstrümmern zur Demokratie. Zum politischen Werdegang von Alfons Benedikter, Pietro Mitolo und Egmont Jenny, in: Günther Pallaver (Hrsg.): Politika 11. Jahrbuch für Politik/Annuario di politica/Anuer de pulitica, Edition Raetia, Bozen 2011, S. 325-338. ISBN 978-88-7283-388-9.

Einzelnachweise

  1. Alfons-Benedikter-Nachlass nun im Südtiroler Landesarchiv. Pressemitteilung der Autonomen Provinz Bozen – Südtirol, abgerufen am 7. Oktober 2012.

Weblinks

 Commons: Alfons Benedikter – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien