Alfred Klahr

Alfred Klahr auf einer Briefmarke der Deutschen Post der DDR (1962)

Alfred Klahr (* 16. September 1904 in Wien; † Juli 1944 in Warschau) war ein österreichischer Staatswissenschaftler, Kommunist und Journalist.

Inhaltsverzeichnis

Leben vor dem Krieg

Klahrs Vater, Salman Klahr, war als Kantor ein kleiner Angestellter der Israelitischen Kultusgemeinde in Wien. Als Schüler wurde Klahr Mitglied der Vereinigung Sozialistischer Mittelschüler und trat später zum Kommunistischen Jugendverband über, um 1924 schließlich Mitglied der KPÖ zu werden. 1928 promovierte er an der Universität Wien zum Doktor der Staatswissenschaften und begann anschließend bei der Roten Fahne mit seiner Tätigkeit als Journalist, bei der er bis zu deren Verbot im Sommer 1933 (während der Zeit des Austrofaschismus) zum stellvertretenden Chefredakteur aufstieg.

Nach dem Februaraufstand zeitweise inhaftiert, emigrierte Klahr zunächst nach Prag und war dann bis 1937 als Lektor im österreichischen Sektor der Internationalen Lenin-Schule in Moskau tätig.

Klahr und die österreichische Nation

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Im März und April 1937 erscheint in der theoretischen Zeitschrift der KPÖ „Weg und Ziel“ eine Artikelserie Zur nationalen Frage in Österreich. In dieser Serie setzt sich Klahr unter dem Pseudonym „Rudolf“ mit der Frage auseinander, ob Österreich ein Teil der deutschen Nation sei oder eine eigenständige nationale Identität nachweisbar wäre. Er kommt letztendlich zu dem Schluss, dass dieser Nachweis erbracht werden kann. Diese Arbeit wurde überdies am 13. März 1938 im Aufruf des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Österreichs veröffentlicht, mit welchem das „Volk von Österreich und alle Völker Europas und der Welt“ zum Widerstand gegen den Faschismus aufgerufen wurden.

Klahr stützte sich bei seiner Arbeit allerdings ausdrücklich auf die politischen Klassentheorien des sowjetischen Diktators Josef Stalins. Er verstand Nationen nicht als übergeschichtliche unveränderliche Tatsachen, sondern ordnete gemäß seiner marxistischen Methode lediglich die 'nationalen Probleme' in soziale und klassenmäßige Zusammenhänge ein.

Es ist im Lichte des repressiven Klimas im Moskau dieser Jahre fraglich, ob Klahr diese Schrift aus eigenem Antrieb verfasst hat. Wahrscheinlicher ist die Annahme, dass dies im Auftrag der Kremlführung geschah.

Klahr als NS-Opfer

1937 kehrte Klahr nach Prag zurück, um als Redakteur von Weg und Ziel zu arbeiten, musste aber schon bald, nach dem Münchner Abkommen, erneut fliehen. In der Folge arbeitete Klahr, ständig auf der Flucht, in mehreren europäischen Ländern im Widerstand, bis er 1941 von der Zürcher Kantonspolizei festgenommen und an das Vichy-Regime ausgeliefert wurde. Im August 1942 wurde er aus dem dortigen Internierungslager Le Vernet (Internierungslager) ins KZ Auschwitz-Birkenau abtransportiert, von wo ihm Ende Juni 1944 mit Unterstützung der Kampfgruppe Auschwitz die Flucht gelang. Klahr schaffte es, sich bis nach Warschau durchzuschlagen, wo er dann aber von einer SS-Streife aufgegriffen und erschossen wurde.

Zitate

„Die Auffassung, dass das österreichische Volk ein Teil der deutschen Nation ist, ist theoretisch unbegründet. Eine Einheit der deutschen Nation, in der auch die Österreicher miteinbezogen sind, hat es bisher nie gegeben und gibt es auch heute nicht. Das österreichische Volk hat unter anderen wirtschaftlichen und politischen Lebensbedingungen gelebt als die übrigen Deutschen im Reich und daher eine andere nationale Entwicklung genommen. Wie weit bei ihm der Prozeß der Herausbildung zu einer besonderen Nation fortgeschritten ist bzw. wie eng noch die nationalen Bindungen aus der gemeinsamen Abstammung und gemeinsamen Sprache sind, kann nur eine konkrete Untersuchung seiner Geschichte ergeben.“[1]

Literatur

  • Alfred Klahr: Gegen den deutschen Chauvinismus! (eine Debatte mit Bruno Baum, gegen dessen Chauvinismus Klahr sich wandte) Auschwitz 1944, wieder Benario-Baum, Berlin 1997, ISBN 3932636139

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Rudolf (d.i. Alfred Klahr): Zur nationalen Frage in Österreich in: Weg und Ziel, 2. Jahrgang (1937), Nr. 3 (eLibrary Austria)