Alfred von Montenuovo

Alfred von Montenuovo in Galauniform für Hofchargen, 1902

Alfred Fürst von Montenuovo (italisierte Form von Neipperg, * 16. September 1854 in Wien; † 6. September 1927 ebenda) war 1909 bis 1917 Obersthofmeister der österreichischen Kaiser Franz Joseph I. und Karl I.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Alfred von Montenuovo war der Sohn von Wilhelm Albrecht von Montenuovo, dem morganatischen Sohn der Erzherzogin Marie-Louise von Österreich, der Witwe des französischen Kaiser Napoleons I. Bonaparte und Adam Albert von Neipperg, Angehöriger der fränkisch-schwäbischen Grafen von Neipperg. Montenuovo studierte an den Universitäten Heidelberg und Bonn Rechts- und Geschichtswissenschaften.

Alfred von Montenuovo nahm in jungen Jahren als Ordonanzoffizier an der Besetzung Bosnien durch österreichisch-ungarische Truppen teil. 1896/97 wurde er Oberst-Hofmeister des Erzherzog Otto Franz Joseph von Österreich, dem jüngeren Bruder des Thronfolgers Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich-Este. In dieser Funktion versuchte er, die Erbansprüche des Franz Ferdinand auf die österreich-ungarische Kaiserkrone zugunsten des jüngeren Bruders Otto Franz zu hintertreiben. 1898 wurde er im Dienst des Kaiserhofes in Wien 2. Obersthofmeister neben Rudolf von Liechtenstein. Aufgrund der krankheitsbedingten Ausfälle Liechtensteins übernahm Montenuovo zumeist dessen Aufgaben und war so de facto bereits damals erster Obersthofmeister. Nach Liechtensteins Tod wurde er 1909 erster Obersthofmeister. Unter Montenuovos Dienstbefugnissen wurden bei den Hofbehörden aus Kostengründen verschiedene administrative Reformen durchgesetzt, Sanierungen und Modernisierungen von Wohnsitzen und Verwaltungsgebäuden durchgeführt. Seine persönlichen Interesse galten seinem Landsitz Schloss Margarethen am Moos, der Blumenzucht und dem Hoftheater, wo er Gustav Mahler als Dirigent der Hofoper protegierte.

Fürst Montenuovo war ein persönlicher Gegner des Erzherzog-Thronfolgers Franz Ferdinand, was besonders bei dessen Bestattung und der seiner Ehefrau Sophie Herzogin von Hohenberg, geborene Gräfin Sophie Chotek von Chotkowa nach dem Attentat von Sarajewo am 28. Juni 1914 in aufsehenerregender Weise sichtbar wurde. Die Särge des Thronfolgers Erzherzog Franz Ferdinand und seine durch morganatische Ehe verbundene Ehefrau wurden nach der Überführung aus Bosnien in der Kapelle der Wiener Hofburg für zwei Stunden aufgebahrt. Den Sarg der Herzogin Sophie ließ Montenuovo als Obersthofmeister eine Stufe tiefer stellen als den des Erzherzog-Thronfolgers, um den Rangunterschied zu betonen. Auf dem Samtkissen vor ihrem Sarg lagen für sie als ehemalige Hofdame ein schwarzer Fächer und ein Paar weiße Handschuhe, keine ihrer Orden und sonstigen Ehrenzeichen. Vor dem Sarg des Erzherzogs lagen die Embleme seines Rangs, Erzherzogshut, Generalshut, Säbel und Orden. Nach Einbruch der Dunkelheit erfolgte ohne militärisches Geleit und Trauerparade unter Anteilnahme der Bevölkerung die Überführung nach Schloss Artstetten in Niederösterreich.[1]

In der Wiener Öffentlichkeit war Obersthofmeister Fürst Alfred Montenuovo unpopulär. Ihm wurde großer Einfluss auf Kaiser Franz Josef in dessen letzten Lebensjahren zugeschrieben. Im Jahr 1917, ein Jahr vor dem Ende Österreich-Ungarns, wurde er von Kaiser Karl zugunsten von Konrad zu Hohenlohe-Schillingsfürst als seinem Dienst entlassen. Montenuovo erhielt während seines Lebens zahlreiche Auszeichnungen und Beförderungen. 1896 wurde er Geheimer Rat, 1900 Inhaber des Ordens vom Goldenen Vlies und 1908 erhielt er das Großkreuz des St. Stephansordens.

Montenuovo war seit 1879 mit Gräfin Franziska Kinsky verheiratet. Aus der Ehe entstammten vier Kinder.[2] Er starb an einem Herzschlag in dem Wiener Palais Montenuovo in der Löwelstraße 6. Sein Leichnam wurde nach Ungarn überführt und in der Familiengruft der Batthyany und Montenuovo in Bóly beigesetzt.[2][3]

Rezeption

Sein Andenken in den nachfolgenden Generationen wurde beeinflusst durch eine Porträtierung in Max Ophüls 1939 entstandenen Liebesfilm Von Mayerling nach Sarajevo, der das Leben von Erzherzog Franz Ferdinand und dessen Ehefrau Sophie Chotek nachzeichnet. Hier erscheint Montenuovo, gespielt von Aimé Clariond, als Intrigant, der dem fortschrittlichen Thronfolger, gegen den er aus reaktionärer Verbohrtheit und sonstiger Aversion einen persönlichen Groll hegt, mit allerlei Ränkeschmiedereien nachstellt und versucht, dessen Liebesglück zu zerstören.

Einzelnachweise

  1. Viktoria Luise von Preußen: Im Strom der Zeit. Neuausgabe 1985, Langen Müller Verlag, München/Wien, ISBN 3-7844-2025-7, S. 65; Friedrich Weissensteiner: Franz Ferdinand – Der verhinderte Herrscher. Kapitel Die Schüsse von Sarajewo. Österreichischer Bundesverlag, Wien 1983, ISBN 3-215-04828-0.
  2. a b Todesnachrichten: Alfred Montenuovo. In: Wiener Zeitung, 8. September 1927, S. 6 (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/wrz
  3. Der ehemalige Obersthofmeister (Fürst) Montenuovo. In: Neue Freie Presse, 8. September 1927, S. 7 (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/nfp

Literatur