Altösterreich und Neuösterreich

Darstellung von Altösterreich (Lerchenwappen) und Neuösterreich (Bindenschild), aus dem Wernigeroder Wappenbuch, 4. Viertel 15. Jh.

Altösterreich und Neuösterreich sind zwei alte heraldische Namen für die Wappen des Herzogtums Österreich.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte der beiden Begriffe

Altösterreich, im Helmzier ein gekrönter Adler mit Adlerflug, für Österreich unter der Enns Lasislaus’
Neuösterreich mit dem Pfauenstoß, hier vielleicht für Innerösterreich Friedrichs III./V.
Adler und dreimal von Silber und Rot gespalten, aus einer Helmkrone wachsend ein Adler eine Waage im Schnabel, für Österreich ob der Enns Albrechts VI.
darüber das Motto A.E.I.O.V., datiert 1446
(Buchmalerei in der Handregistratur Friedrichs)

Ursprünglich war Altösterreich die Bezeichnung eines Fünfadler-Wappens, welches unter Rudolf IV. in der offiziellen Heraldik zum Bindenschild – dem von den Babenbergern übernommenen Hauswappen der Habsburger – hinzutrat.[1] Von Friedrich III. an bis 1918 war es Bestandteil aller wesentlichen Wappen Österreichs.[2] Die Bezeichnungen „Altösterreich“ für das Fünfadler-Wappen und „Neuösterreich“ für den Bindenschild erscheinen in Wappenbüchern erstmals um 1430.[2] Sie wurden im heraldischen Sinne bis 1804 gebraucht, als das Fünfadler-Wappen zum Wappen Österreichs unter der Enns wurde.[2]

Althabsburg

Der Bindenschild tritt zum Wappen Althabsburg, das ist der rote, blau gekrönte, gewaffnete und bezüngte Löwe auf goldenem Grund der Grafschaft Habsburg (in dieser Form seit 1359 unter Albrecht III. mit dem Zopf), wie es sich auch noch im Wappen Habsburg-Lothringen vorne findet.

Die Adler in Altösterreich waren immer Gold, der Schild war wechselnd in Schwarz oder Blau gehalten. Die Anzahl der Adler schwankt, bis sich die Zahl Fünf für die Erblande Österreich ob und unter der Enns, Steiermark, Kärnten, Krain und die Windische Mark, oder aber Niederösterreich, Innerösterreich, Oberösterreich und Vorderösterreich sowie das Amt des Reichserzjägermeisters, in der Zeit Rudolfs IV. des Stifters einbürgert (Ähnliches etwa bei der französischen Lilie, der Fleur-de-Lys, deren Zahl mit den jeweiligen Territorien schwankt und bis hin zu besätem Feld geht, und erst in den 1320er von Karl IV. auf drei festgesetzt wird).[3]

Diese Deutung verfestigte sich, als 14. und 15. Jahrhunderts die alten habsburgischen Stammlande (Habsburg, Kyburg und andere) an die Eidgenossenschaft verloren gingen. In den habsburgischen Erbteilungen kamen die Gebiete, für die die fünf Adler standen – trotz des anderslautenden Hausvertrags Rudolfs des Stifters (Rudolfinische Hausordnung 1364) – zeitweise in getrennte Hand. Erst unter Kaiser Maximilian I. – Friedrichs III. Sohn – wurde das damalige Österreich nach 1490 wieder unter gemeinsame Krone gestellt.[4]

Am Ende des 15. Jahrhunderts deuteten einige Historiographen das Fünfadler-Wappen als „Lerchenwappen“.[2], dieser Name ist gelegentlich auch heute noch in Gebrauch.

Die Wappen Neu- und Altösterreichs blieben bis 1804 Wappen des Hauses Österreich – so nennt man den Bindenschild dann in Neuzeit auch das „Wappen Haus Österreich“ – und des Landes unter der Enns. Seit 1804 waren die fünf Adler das Wappen des Erzherzogtums Österreich unter der Enns. Bis 1918 war der Schild mit dem Erzherzogshut gekrönt.[2] Heute steht das Fünfadlerwappen – auf blauem Grund – für das Bundesland Niederösterreich, der Bindenschild liegt als Brustschild auf dem Bundesadler, dem Staatswappen Österreichs.

Der Begriff Altösterreich wurde nach 1804/6 kulturgeschichtlich auf das Kaisertum Österreich und die Österreichisch-Ungarische Doppelmonarchie umgemünzt.

Zeitgenössische Abbildungen

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Eintrag zu Bindenschild in: Austria-Forum, dem österreichischen Wissensnetz – online  (auf AEIOU)
  2. a b c d e Gall, S. 124–125.
  3.  Otto Posse: Die Siegel der Deutschen Kaiser und Könige. 5, Wilhelm und Bertha v. Baensch Stiftung, Dresden 1913, Beilagen, S. 252 (Anmerkung des Autors zu Neue Titulatur und Wapen Seiner Römisch- und Oesterreichisch-Kaiserlich-, auch Königlich-Apostolischen Majestät, nach den durch den Luneviller Friedensschluß herbey geführten Veränderungen und der Allerhöchsten Pragmatikal-Verordnung vom ellften August 1804. Wien, 1804, Wikisource).
  4. vergl. Scheuch: Habsburgs Stammlande, Kriege mit den Eidgenossen, S. 44f und Habsburgs Teilungen, S. 50f

Literatur

  • Otto Posse: Die Siegel der Deutschen Kaiser und Könige. Wilhelm und Bertha v. Baensch Stiftung, Dresden 1913 (Volltext – Wikisource)
  • Peter Diem: Die Symbole Österreichs. Zeit und Geschichte in Zeichen. K&S Wien 1995, ISBN 3-218-00594-9 (Webauszug: Die Symbole Österreichs)
  • Franz Gall: Österreichische Wappenkunde. Handbuch der Wappenwissenschaft. 3. Auflage. Böhlau, Wien/Köln/Weimar 1996

Weblinks

 Commons: Altösterreich (Lerchenwappen) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Neuösterreich (Bindenschild) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien