Altstoff Recycling Austria

Altstoff Recycling Austria (ARA)
Typ Aktiengesellschaft
Gründung 1993 (Rechtsform)[1]
Sitz Wien 6, Mariahilfer Straße
Ursprung Austria Recycling – Verein zur Förderung von Recycling und Umweltschutz in Österreich
Schwerpunkt Verpackungsrecycling
Budget 179,8 Mio. € (Lizenzeinnahmen)[2]
Angestellte 85[1]
Mitglieder ca. 15.000 Partner
Website www.ara.at
Behördliche Aufsicht: BMLFUW

Die Altstoff Recycling Austria GmbH (ARA) ist eine Non-profit Organisation, die in Österreich für das Abwickeln des Verpackungsrecycling zuständig ist. Das ARA-System steht unter behördlicher Aufsicht des Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft (BMLFUW, Lebensministerium). Sie vertritt in Österreich das System Grüner Punkt (hier: Der Punkt)[3]

Inhaltsverzeichnis

Geschichte und Organisation

Verein Austria Recycling

Austria Recycling (AREC)
Zweck: Verein zur Förderung von Recycling und Umweltschutz in Österreich.[4]
Vorsitz:
Gründungsdatum: 1946[5]
Mitgliederzahl: ca. 200
Sitz: Wien 2, Obere Donaustraße

Gegründet wurde die Altstoff Recycling Austria 1993 durch den Verein Austria Recycling' (AREC)[5][4], der in den 1960er und 1970er Jahren die systematischen Dauersammlung mit stoffspezifischen Spezialsammelbehältern in Österreich aufgebaut hatte. Die ARA ist als Aktiengesellschaft strukturiert und wird privatwirtschaftlich, aber nicht auf gewinn ausgerichtet geführt.[6]

Dem Trägerverein beitreten kann jedes Unternehmen werden, das Verpackungen herstellt, importiert oder verpackte Waren vertreibt, nicht aber Unternehmen der Entsorgungsbranche[7] – Ende 2006 hatte der Verein 206 Mitglieder.[6] Der Verein besteht aus drei Kurien, die die drei Interessengruppen – Verpackungshersteller, Abfüller/Abpacker/Importeure und Handel – repräsentieren, und gliedert sich entsprechend gleichgestellt in die neun Packstoffe gemäß Verpackungsverordnung.[8] Die Repräsentanten der einzelnen Packstoffe halten ihren 3,7-%-Anteil entweder indirekt als Vereinsmitglied oder über einen separat organisierten eigenen Träger[7] (das sind insbesondere die Vereine Österreichischer Kunststoff Kreislauf, und Verein für Holzpackmittel VHP, die ARO Holding GmbH der Papierpackstoffe, und derVerein zur Förderung von Aluminium-Verpackungen und Metallrecycling Ferropack mit je einem Halbanteil), sodass der Trägerverein selbst heute einen 85,2-%-Anteil hat.[7][1]

Kenndaten (ausgewählte Jahre)
Jahr Erfassungs-
menge in t
Verwertungs-
leistung
in t
Lizenz-
partner
Lizenz-
einnahmen
in Mio. €
weiter-
geleitete
Lizenzeinn.1
Lizenz2 in €/t Mitarbeiter ARA AG / ARA-System
1995 310
1997 10.994 189,5
2000 12.295 184,8 240
2004 13.557 151,2 144,4 165 42/114
2007 807.855 757.310 14.352 139,5 136,6 132
2010 835.146 784.751 15.231 179,8 146 00/82
Quelle: ARA/Quality Austria[9][2]
1 An die Branchenrecyclinggesellschaften (BRG)
2 ARA Lizenzierungskosten: Durchschnittliche Kosten in Euro pro Tonne Verpackungsmaterial

Die Kontrolle obliegt einem vom Umweltministerium bestellten Expertengremium, das aus einen Wirtschaftstreuhänder, einen abfallwirtschaftlichen Sachverständigen und einem Rechtsexperten gebildet wird. Diese überwachen die Einhaltung der grundlegenden Leitlinien der ARA und der rechtlichen Rahmenbedingungen.[10][11]

Tochterunternehmen und Branchenrecyclinggesellschaften

Die ARA selbst Austria Glas Recycling ist das gemäß § 29Vorlage:§/Wartung/RIS-Suche AWG per Bescheid genehmigte Sammel- und Verwertungssystem für im Haushalts- und Gewerbebereich anfallende Packstoffe aus Kunststoff, Materialverbunde, Holz, textile Faserstoffe, Keramik, biogene Packstoffe und Metall, Papier, Karton, Pappe und Wellpappe sowie Materialverbunde.[12]

Branchenspezialisten und Branchenrecyclinggesellschaften (BRG) sind:

  • ERA Elektro Recycling Austria GmbH[13] – Tochterunternehmen der ARA zusammen mit dem ERA Verein: WEEE-Sektor (Elektrogeräte und Batterien)
  • AGR Austria Glas Recycling GmbH – Branchenrecyclinggesellschaft für den Packstoff Glas (Sammel- und Verwertungssystem gemäß § 29 AWG für Glas)

2008 wurden die anderen der ehemals acht Branchenrecyclinggesellschaften, die ArgeV GmbH (ARGEV Verpackungsverwertungs-Ges.m.b.H als BRG für aus Kunststoff, Metall, Holz, textilen Faserstoffen, Keramik und Materialverbunden), die ÖKK AG (Österreichischer Kunststoff-Kreislauf AG als BRG für Kunststoffverpackungen) und die ARO GmbH (Altpapier-Recycling-Organisationsgesellschaft, BRG für Altpapier und Kartonage) mit der ARA AG als übernehmende Gesellschaft verschmolzen.[12][14] Vorher waren die FerroPack Recycling Ges.m.b.H. (BRG für Weissblechverpackungen), die Verwertungsgesellschaft des Verein für Holzpackmittel (VHP)[15] (BRG für Holzpackmittel) und die ALUREC (Aluminium Recycling GmbH des Vereins Pro-Alu-Pack, BRG für den Packstoff Aluminum) in die ARGEV integriert worden,[16] womit die ARA nun alle Bereiche außer der der Tochterfirma und der AGR direkt betreut. Diese Fusionierung, die in den frühen 2010ern für Aufsehen gesorgt hatte,[17] war eine Reaktion auf die bedenklichen Entwicklungen in Deutschland, wo sogar die Duales System Deutschland, die Erfinder des Grünen Punkts, ihre Gemeinnützigkeit aufgeben musste, als sie von einer amerikanischen anlegerprofit-orientierten Investorengruppe übernommen wurde.[16] Die Trägervereine der Branchen sind heute teils direkte Miteigentümer der ARA AG, teils als Einzelunternehmen Mitglied.

Die ARA erfasst auch die Daten der anderen Sammel- und Verwertungssysteme in Österreich, wie der Öko-Box Sammel GmbH für Getränkeverbundkartons,[18] und übermittelt sie an die Umweltbehörden und die Statistik Austria.

Tochterfirmen für die Organisations- und Dienstleistungsagenden:[11]

  • NetMan Network Management und IT Service GmbH – Datenkommunikations- und Informationsmanagementleistungen
  • ARES Advanced Recycling Solutions GmbH – entwickelt maßgeschneiderte Entsorgungslösungen

Agenden

Die ARA organisiert die Verpackungssammlung aus privaten Haushalten und Betrieben in ganz Österreich, in Zusammenarbeit mit den Gemeinden und Städten, Abfallwirtschaftsverbänden, privaten und kommunalen Entsorgungsunternehmen, regionalen Experten und anderen Organisationen der Mülltrennung.[19] In Österreich werden etwa 60 % des Mülls recycelt, in Europa sind es im Durchschnitt nur ungefähr 10 % (Stand 2006).[20]

Rechtsgrundlage für die ganze Abfallwirtschaft sind in Österreich das Abfallwirtschaftsgesetz (AWG) und die Verpackungsverordnung (VerpackVO), in denen die Maßnahmen zur Vermeidung, Verringerung, Verwertung und Entsorgung von Abfällen geregelt sind. Zielsetzung ist, Umwelt und Deponien von Verpackungsabfällen zu entlasten und Verpackungen in eine Kreislaufwirtschaft zu integrieren. Im Besonderen regeln Gesetz und Verordnung die Genehmigung von Sammel- und Verwertungssystemen und ihre Aufgaben und Pflichten, etwa durch Festlegung von zu erreichenden Erfassungsquoten.[21] Hauptaufgaben sind – entsprechend dieser rechtlichen Rahmenbedingung – Verpackungssammlung und Verwertung von Verpackungsabfällen, und insbesondere die Optimierung im Sammelsystem, etwa was die Kosten, die Logistik der Behälter, Standplätze, Touren, oder Entleerungsintervalle, und die bedarfsgerechte Anlieferung als Sekundärrohstoff an die Industrie betrifft.[22] So konnten von 1995 bis 2010 die Lizenzierungskosten je Tonne Verpackungsmaterial von 310 € auf 146 € gedrittelt werden.[23] Der Datenaustausch zwischen der ARA und ihren Partnern erfolgt in den meisten Bereichen elektronisch. Dazu wurde ein eigenes webbasierter System entwickelt, CONDAT (Collect-Organize-Navigate DATa), mit dem die Leistungsverrechnung und -belegung über die Wiegescheine einheitlich implementiert werden kann.[24]

Daneben ist Abfallvermeidung ein Hauptanliegen des ARA-Systems. Dazu initiierte die ARA etwa schon 2003 den Lehrstuhl für Ressourcenmanagement an der Technischen Universität Wien.[25] Regelmäßige Veranstaltungen (ARA-Lectures)[26] finden im Center for Sustainable Technology (CST) der TU Wien statt.[27]
Die Förderungsinitiative Abfallvermeidung wird in Zusammenarbeit mit Stadt Wien, dem Land Niederösterreich und der Wirtschaftskammer Österreich betrieben und unterstützt betriebliche Investitionen zu dauerhafter Abfallvermeidung.[28] Im Zeitraum 2004 bis 2009 wurden etwa 2,4 Mio. € zur Förderung von Abfallvermeidung verwendet und Investitionen von über 5,5 Mio. € unterstützt.[29]

Die ARA bietet Kommunikation und Beratung für Gemeinden, Abfallverbände und Unternehmen (als Dienstleistung seit 2004), und betreut die Öffentlichkeitsarbeit zur richtigen Verpackungssammlung.[30] Zu den bekannteren Kampagnen der letzten Jahre gehören Oida, trenn! („Alter, trenn“) Spätsommer 2011 in Wien, mit der Coverversion der Trackshittaz,[31] oder die ARA Tonnendemo März 2012.[32] Die Erfolge dieser Arbeit sind groß, in Österreich trennen 96 % aller Personen im Haushalt Müll, womit Österreich europaweit führend ist, der Durchschnittswert liegt bei 82 %.[33]

Außerdem betreut die ARA die Abfallberater, die es seit 1997 gibt,[34] und übernimmt auch die Mitfinanzierung.[35] Diese sind im Verband Abfallberatung Österreich (VABÖ)[36] organisiert.

Publikationen

  • TRENNT – Das Magazin der ARA AG (Archiv, ara.at)

Siehe auch

Literatur

  •  Altstoff Recycling Austria AG (Hrsg.): Nachhaltigkeits- und Geschäftsbericht der Altstoff Recycling Austria. 2006. Wien Mai 2007 (pdf, qualityaustria.com, abgerufen am 27. März 2010).
  • Altstoff Recycling Austria AG: Leistungsreport. Jahresberichte 2005 ff (Download pdf, ara.at)

Weblinks

Einzelnachweise

  1. a b c Altstoff Recycling Austria Aktiengesellschaft, Firmenbuchdaten, Creditreform/firmenabc.at
  2. a b Zahlen und Fakten, ara.at, abgerufen 27. März 2010
  3. Der „Punkt", ara.at
  4. a b Statuten des Vereines ‘Austria Recycling’, arecon.at (pdf)
  5. a b Austria Recycling - Verein zur Förderung von Recycling und Umweltschutz in Österreich, herold.at
  6. a b Lit.  Nachhaltigkeits- und Geschäftsbericht 2006. Eigentumsverhältnisse, S. 8.
  7. a b c Eigentümer der ARA AG, ara.at
  8. Packstoffe im Sinne dieser Verordnung sind folgende Erzeugnisse, aus denen unmittelbar Packmittel oder Packhilfsmittel hergestellt werden: 1. Papier, Karton, Pappe und Wellpappe; 2. Glas; 3. Holz; 4. Keramik; 5. Metalle; 6. textile Faserstoffe; 7. Kunststoffe; 8. Materialverbunde; 9. sonstige Packstoffe, insbesondere auf biologischer Basis. Begriffsbestimmungen § 2. Z. 6 VerpackVO 1996
  9. Lit.  Nachhaltigkeits- und Geschäftsbericht 2006. Auf einen Blick, S. 2. und Tabellen Auf einen Blick der Leistungsberichte 2005 ff
  10. Lit.  Nachhaltigkeits- und Geschäftsbericht 2006. Rechtlichen Rahmenbedingungen, S. 7.
  11. a b Rechtlichen Rahmenbedingungen, ara.at
  12. a b Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft: Sammel- und Verwertungssysteme für Verpackungen Veröffentlichung gemäß § 29 Abs.4 letzter Satz AWG 2002, Stand: September 2011 (Online-Artikel, lebensministerium.at → Umwelt → Abfall und Ressourcenmanagement → Verpackungen → Sammel- und Verwertungssysteme; pdf)
  13. ERA Elektro Recycling Austria GmbH
  14. Branchenrecyclinggesellschaften und Dachverbände, VABÖ, Stand 2007, abgerufen 24. März 2012
  15. Verein für Holzpackmittel
  16. a b ARA: Richtungsweisende Entwicklung in der Abfallwirtschaft: ARA SYSTEM ordnet sich neu. Presseaussendung, APA OTS OTS0218 / 27. Juni 2008]
  17. ARA beteiligt sich mit elf Prozent an ÖKK. Bernhard Martin in: Wirtschaftsblatt, 26. März 1998
  18. Nach § 29 AWG genehmigt sind in Österreich (Stand 2012)neben der ARA und Öko-Box noch die Bonus Holsystem Ges.m.b.H. & Co KG, Reclay UFH GmbH für diverse Verpackungsstoffe im Gewerbebereich, Interseroh Austria GmbH (ex EVA, Erfassen und Verwerten von Altstoffen GmbH, der Bescheid der Firma ist anhängig), sowie GUT – Galle Umwelttechnik GmbH für Einweggeschirr und -besteck.
  19. Partner, ara.at
  20. EU: 25 Staaten – Eine Abfallpolitik? In: TRENNT 1/06, S. 5
  21. Rechtliche Rahmenbedingungen, ara.at
  22. Sammlung und Verwertung, ara.at
  23. ARA Lizenzierungskosten, ara.at, 11. Mai 2011 (Grafik jpg)
  24. Leistungsverrechnung und Datenaustausch, ara.at
  25. Institut für Wassergüte, Ressourcenmanagement und Abfallwirtschaft
  26. ARA Lectures, ara.at
  27. Center for Sustainable Technology
  28. Abfallvermeidung, ara.at
  29. Altstoff Recycling Austria AG: Leistungsreport. 2009, S. 16
  30. Kampagnen, ara.at
  31. "Oida, Trenn!" - Kampagne zur Mülltrennung, wien.gv.at
  32. ARA Tonnendemo – 19. März 2012, st-stephens.at
  33. ARA: Österreich führt europaweit in der Abfalltrennung, APA Presseaussendung OTS0231 / 13. April 2010 / 14:09 / Channel: Chronik
  34. ARA: AbfallberaterInnen für herausragende Projekte 2006 ausgezeichnet, APA Presseaussendung OTS0142 / 25. Mai 2007 / 11:30 / Channel: Chronik
  35. Altstoff Recycling Austria AG, Land Oberösterreich, umweltprofis.at › Landesabfallverband › Partner
  36. VABÖ, yourate.at