Anticodon

Eine tRNAiMet aus S. cerevisiae.[1]
Das Anticodon ist rot geschrieben (CytosinAdeninUracil).

Ein Anticodon ist ein kurzer RNA-Abschnitt einer tRNA, der aus einem Basentriplett d. h. aus drei Nukleinbasen besteht. Mit dem Anticodon heftet sich die tRNA während der Translation der Proteinbiosynthese an das Codon der mRNA, welches zu dem Anticodon komplementär ist.

Liegt zum Beispiel auf der mRNA das Triplett GAA vor, so bindet sich eine tRNA mit dem komplementären Anticodon CUU an dieses Codon. Dadurch wird die Aminosäure Glutaminsäure an dieser Position des entstehenden Peptids eingebaut.

Über das Anticodon wird einem Codon der mRNA eine Aminosäure innerhalb der Aminosäuresequenz, der Primärstruktur eines Polypeptids, zugeordnet. Die Zuordnung zwischen Codon und Aminosäure bezeichnet man als genetischen Code. Damit ist das Anticodon unmittelbar an der Übersetzung der Basensequenz einer DNA in die Aminosäuresequenz eines Polypeptids beteiligt.

Soweit die ursprüngliche Theorie. Die genaue Untersuchung führte jedoch auf ein Problem. Abzüglich der drei Stop-Codons enthält der genetische Code 43 − 3 = 61 verschiedene Codons. Demnach wären 61 komplementären Anticodons und mindestens soviele tRNAs zu erwarten. Man findet in einer Zelle aber nicht mehr als (für verschiedene Organismen unterschiedlich) ca. 40 verschiedene tRNAs. Daraus schloss Crick bereits 1966[2], dass bestimmte ungenaue Passungen von Codon und Anticodon für die Funktion der tRNA bei der Proteinsynthese ausreichen müssten. Seine inzwischen gut bestätigte Vermutung bezeichnete er als Wobble-Hypothese (von engl. wobble = wackeln).

Einzelnachweise

  1. S. E. Kolitz, J. R. Lorsch: „Eukaryotic initiator tRNA: finely tuned and ready for action“, in: FEBS Letters, 2010 Jan 21, 584 (2), S. 396–404 (doi:10.1016/j.febslet.2009.11.047, PMC 2795131 (freier Volltext), PMID 19925799).
  2. F. H. C. Crick: „Codon-anticodon pairing: the wobble hypothesis“, in: J. Mol. Biol., 1966, 19 (2), S. 548–555 (PMID 5969078; PDF).