Antlassritt

Der Antlassritt ist von der Entstehung und Intention ein ausschließlich religiöses Ereignis: Es handelt sich um eine am Fronleichnamsfest durchgeführte eucharistische Prozession zu Ehren des im Allerheiligsten Sakraments des Altares unter der Brotsgestalt gegenwärtigen Herrn. Der Anlass für das Verlöbnis der jahrhundertelang geübten einzigen Prozession zu Pferd am Fronleichnamstag in Nordtirol ist nicht mehr sicher festzustellen, wird aber häufig auf die "Schwedengefahr" gegen Ende des Dreißigjährigen Krieges zurückgeführt.

An der Prozession beteiligen sich neben den Seelsorgern der Gemeinden Brixen im Thale, Kirchberg in Tirol und Westendorf ausschließlich Männer aus den genannten Dörfern. Der Antlassritt beginnt am Fronleichnamstag um 13 Uhr bei der Dekanatskirche in Brixen und führt über die Bundesstraße nach Kirchberg bis zum Rastplatz ("Schwedenkapelle") und zurück. Glockengeläut und das Spiel der örtlichen Musikkapellen begleiten den Zug. Für Ross und Reiter ist der lange Ritt eine besondere Anstrengung, aber die Teilnahme auch eine Auszeichnung.

Geschichte

Bezüglich des geschichtlichen Hintergrundes des Antlaßrittes gibt es verschiedene Überlieferungen. Am Klausenbach, der, wie schon der Name sagt, eine natürliche Talsperre bildet, sollen im Dreißigjährigen Krieg die sogenannten „Enterlender Bauern“, das sind die Kirchberger, Brixner und Westendorfer, den eingebrochenen Schweden entgegengeritten sein und sie im mörderischen Kampf besiegt haben.

Nach einer anderen Version habe der Brixner Dekan die anstürmenden Feinde durch das Entgegenhalten der Monstranz zu wilder Flucht veranlasst. Diese lebendige und phantastische Schilderung soll allerdings mit der Wirklichkeit nicht ganz übereinstimmen, denn es ist historisch nachgewiesen, dass die Schweden das rechte Innufer nie überschritten haben. Die Annahme des Heimatforschers Anton Dörrer, es handle sich bei dem Ritt um ein Gelöbnis zur Bannung der Schwedengefahr, gewinnt dadurch an Glaubwürdigkeit.

Dörrer vermutet im Antlassritt außerdem eine uralte germanische Darstellung vom Sieg des Sommers über den Winter und gibt als Begründung dafür das Umreiten des Maibaumes als Vertreter des Wachstums und als Fruchtbarkeitssymbol an. Nach dem Verblassen der Erinnerung an die ursprüngliche Bedeutung habe sich dann der Ritt in den Kriegsnöten des 17. Jahrhunderts mit einer gelobten Prozession zur Schwedenkapelle verschmolzen.

Quellen

Weblinks