Anton Dreher senior

Anton Dreher sen., Lithographie von Josef Kriehuber, 1863

Anton Dreher senior (* 7. Juni 1810 in Schwechat bei Wien; † 27. Dezember 1863 ebd.) war ein österreichischer Brauherr und gilt als Erfinder des Lagerbieres.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Anton Dreher wurde als Sohn des Brauers Franz Anton Dreher und dessen zweiter Ehefrau Katharina Widter geboren. Zunächst besuchte er ein Piaristenkonvikt und ging danach in der Simmeringer Brauerei Meichl in die Lehre. 1836 pachtete er von seiner Mutter, die seit 1820 verwitwet war, das Klein-Schwechater Brauhaus (heutige Brauerei Schwechat), das er 1839 mit dem Geld seiner Gattin käuflich erwarb.

In jungen Jahren unternahm er Studienreisen nach Deutschland, traf in München Gabriel Sedlmayr, den Sohn des Spatenbräubesitzers und reiste mit ihm 1837 zu Barclay und Perkins nach England, das zu dieser Zeit "biertechnisch" führend war. Nach seiner Rückkehr übernahm er als erster europäischer Brauer das englische Mälzungsverfahren. Er erkannte, dass für untergärige Biere, eine Technik, die aus Bayern stammte, eine entsprechende Kühlung und Lagerung entscheidend waren. Anton Dreher legte große Keller, gefüllt mit Natureis an, um sein Bier zu kühlen. Bis 1841 braute Anton Dreher in Schwechat obergäriges Kaiserbier, bis er zwischen 1840 und 1841 ein helles untergäriges Lagerbier, das Schwechater Lagerbier, entwickelte, das er zunächst freilich als Märzenbier bezeichnete. Dieser Biertyp erfreute sich bald größter Beliebtheit in Wien und später auch weltweit.

Die Dampfmaschine von Vinzenz Prick im Technischen Museum Wien

Die starke Nachfrage nach Lagerbier führte dazu, dass Anton Dreher 1850 als zweiter Bierbrauer der Monarchie nach Mautner Markhof[1] eine Dampfmaschine zum Bierbrauen einsetzte. Diese von der k.k. landesbefugten Metall-Maschinen-Fabrik des Vinzenz Prick errichtete Dampfmaschine kann heute im Technischen Museum in Wien besichtigt werden.

Im Laufe der 1850er Jahre wurde die Brauerei Schwechat zur größten des europäischen Festlandes, und die Sendungen Klein Schwechater Lager gingen weit über die Grenzen Österreichs hinaus. Anton Dreher kaufte kleinere Brauereien auf: 1859 die Brauerei Michelob bei Saaz in Böhmen, 1862 die Brauerei Steinbruch in Budapest; sein Sohn Anton Dreher junior erwarb 1869 die Brauerei Triest. Das ungarische Dreher-Bier und das italienische Birra Dreher gibt es heute noch.

Anton Dreher war von 1861 bis 1863 auch Landtags- und Reichsratsabgeordneter und einer der größten Steuerzahler in der Monarchie.

1863, kurz vor seinem Tode, vertraute er Cajetan Felder die Vormundschaft über seinen minderjährigen (14-jährigen) Sohn Anton Dreher jun. (1849–1921), und die Leitung der Brauereibetriebe an. Sein Sohn übernahm die väterliche Firma 1870, vergrößerte das Brauereiimperium weiter und begann den Export des Lagerbieres in alle Welt. Dessen Halbbruder war der Schriftsteller Anton Breitner.

Im Jahr 1894 wurde in Wien Simmering (11. Bezirk) die Dreherstraße nach Anton Dreher senior benannt.

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

  1. H.Stekl: Adolf Ignaz Mautner Markhof. In: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950 (ÖBL). Band 6, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1975, ISBN 3-7001-0128-7, S. 165.