Anton Pelinka

Anton Pelinka (2006)

Anton Pelinka (* 14. Oktober 1941 in Wien) ist seit September 2006 Professor für Politikwissenschaft und Nationalismusstudien an der englischsprachigen Central European University in Budapest. Davor war er seit 1975 Professor für Politikwissenschaft an der Universität Innsbruck, davon mehrere Jahre auch als Dekan (zuletzt 2004 bis 2006 Dekan der Fakultät für Politikwissenschaft und Soziologie).

Inhaltsverzeichnis

Leben

Nach dem Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Wien (Promotion 1964) und anschließend der Politikwissenschaft am Institut für Höhere Studien und Wissenschaftliche Forschung arbeitete er zunächst als Redakteur für die Wochenzeitung „Die Furche“. Für seine erste wissenschaftliche Tätigkeit, eine Assistenzstelle, kehrte er an das Institut für Höhere Studien und Wissenschaftliche Forschung zurück, dessen Direktor zu dieser Zeit der österreichisch-US-amerikanische Historiker und Politikwissenschaftler Ernst Florian Winter war. 1971 verschlug es ihn nach Salzburg. Dort habilitierte er sich ein Jahr später. Er ging für zwei Jahre nach Deutschland, lehrte in Essen und Berlin. 1975 bekam er eine feste Professurstelle an der Universität Innsbruck. In den kommenden Jahren folgten jedoch diverse Gastprofessuren im Ausland, 1977 an der Jawaharlal-Nehru-Universität in Neu-Delhi, sowie drei Aufenthalte in den USA: 1981 an der University of New Orleans, 1997 an der Stanford University und von 2001 bis 2002 an der University of Michigan in Ann Arbor, im Anschluss zudem an der Université Libre de Bruxelles. Zu Forschungszwecken hielt er sich außerdem von 1990 bis 1991 an der Harvard University und 1994 am Collegium Budapest auf.

Mit Wirkung 1. Oktober 2004 wurde Professor Pelinka zum Dekan der per 1. Januar 2005 neu gegründeten Fakultät für Politikwissenschaft und Soziologie der Universität Innsbruck ernannt. Diese Position hatte er bis zu seinem Wechsel an die Budapester Central European University inne.

Anton Pelinka ist Vorsitzender der Gesellschaft für politische Aufklärung und regelmäßig Kommentator im österreichischen Fernsehen ORF. Neben seiner Tätigkeit als Wissenschaftler vertrat er Österreich in den 1990er Jahren in einer Kommission zu Rassismus und Fremdenfeindlichkeit der EU.

Nachdem Pelinka im Jahre 1999 Jörg Haider im italienischen Fernsehen vorwarf, den Nationalsozialismus zu verharmlosen, wurde er von Haider verklagt. In dem Rechtsstreit wurde Pelinka in letzter Instanz nach einem Urteil des OLG Wien am 21. März 2001 vom Vorwurf der üblen Nachrede freigesprochen.

Pelinka ist ein Bruder des Journalisten Peter Pelinka und Onkel von Niko Pelinka.[1]

Forschung und Lehre

Anton Pelinka (Dritter von rechts) bei der Pressekonferenz zur Gründung des Wiener Wiesenthal Institut für Holocaust-Studien (VWI) im Juni 2006

Pelinkas Schwerpunkte liegen auf den Gebieten Demokratietheorie, Politisches System und Politische Kultur in Österreich und der Vergleichenden Parteien- und Verbändeforschung. Österreich betreffend ist er ein gefragter Experte für die Themen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit in der Gesellschaft.

Werk

In vielen Publikationen setzt sich Pelinka mit seinen Forschungsschwerpunkten auseinander, allen voran mit dem politischen System Österreichs.

So zeichnet er den Wandel der österreichischen Gesellschaft auf historischer Ebene unter anderem in seinem Buch „Fünf Fragen an drei Generationen. Der Antisemitismus und wir heute.“ nach. Im Kontrast dazu analysierte er ebenfalls jeweils herausragende Etappen der Politik Österreichs, wie etwa den Aufschwung der FPÖ und ihres damaligen Vorsitzenden Jörg Haider, in The Haider Phenomenon (2001). In anderen Veröffentlichungen verdeutlicht er den Einfluss von Parteien sowie wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Faktoren auf die Gesellschaft.

Beispiel: Vom Glanz und Elend der Parteien (2005):

  • Untersuchung der Bedeutung von Parteien für die Demokratie

Die österreichische Politik der letzten 50 Jahre ist in besonderer Intensität von Parteien geprägt.

  • Status der Großparteien SPÖ und ÖVP
  • Wandel der Parteienlandschaft Österreichs seit Anfang der 1980er Jahre

Sein Aufenthalt in Neu-Delhi motivierte ihn zur Hinterfragung der Demokratie Indiens (Demokratie in Indien. Subhas Chandra Bose und das Werden der politischen Kultur, 2005) – denn trotz der Einstufung als Entwicklungsland gibt es in diesem Staat eine seit Jahrzehnten überraschend stabile, funktionierende Demokratie – hinsichtlich der Bevölkerungszahl die größte der Welt. Diese analysiert er mit Blick auf Geschichte des Landes, insbesondere seit der Unabhängigkeit, sowie den Einfluss durch die vielfältigen kulturellen Strömungen.

Auch sind diverse Publikationen zur vergleichenden Parteien- und Verbändeforschung erschienen, die hauptsächlich der Einführung in dieses Teilgebiet der Politikwissenschaften dienen. Beispiel: Vergleich politischer Systeme (2005):

  • Typologisierung von den wichtigsten Bereichen politischer Systeme: Verfassung, Wahlsystem, etc.
  • Transformation von politischen Systemen
  • Fallstudien zu den USA, EU und verschiedenen Kleinstaaten
  • Konkrete Fallstudie: China – Indien

Bibliographie (Auswahl)

Demokratietheorie

  • Dynamische Demokratie. Zur konkreten Utopie gesellschaftlicher Gleichheit. Stuttgart 1974.
  • Jaruzelski oder die Politik des kleineren Übels. Zur Vereinbarkeit von Demokratie und "leadership". Frankfurt am Main 1996.
  • Demokratie in Indien. Subhas Chandra Bose und das Werden der politischen Kultur. Innsbruck 2005.

Politisches System und Politische Kultur in Österreich

  • Windstille. Klagen über Österreich, 1985.
  • Zur österreichischen Identität. Zwischen deutscher Vereinigung und Mitteleuropa. Wien 1990.
  • Die Kleine Koalition. SPÖ – FPÖ 1983–1986. Wien 1993.
  • The Haider Phenomenon. New Brunswick (NJ) 2001.
  • Fünf Fragen an drei Generationen. Der Antisemitismus und wir heute, Wien 2002.
  • Vom Glanz und Elend der Parteien. Struktur- und Funktionswandel des österreichischen Parteiensystems. Innsbruck 2005.
  • Chronos und Ödipus. Der Kreisky-Androsch-Konflikt (mit Barbara Liegl). Wien, Braumüller 2004, ISBN 978-3-7003-1476-9
  • Österreichische Politik. Grundlagen, Strukturen, Trends. Wien 2007.
  • Kreisky – Haider. Bruchlinien österreichischer Identitäten (mit Hubert Sickinger und Karin Stögner). Wien, Braumüller 2008, ISBN 978-3-7003-1644-2

Vergleichende Parteien- und Verbändeforschung

  • Gewerkschaften im Parteienstaat. Ein Vergleich zwischen dem Deutschen und dem Österreichischen Gewerkschaftsbund. Berlin (West) 1980.
  • Vergleich politischer Systeme. Wien 2005.

Politikwissenschaftliche Nachschlagewerke

  • Politisches Alltagsverständnis. Entwicklung des Demokratie- und Politikbegriffes. Materialien und Texte zur politischen Bildung. Wien 1986.
  • Grundzüge der Politikwissenschaft. Wien 2004.
  • Idee und Interesse II. Politische Ideen und Gesellschaftstheorien im 20. Jahrhundert (Hrsg.). Wien, Braumüller 2007, ISBN 978-3-7003-1627-5

Herausgeberschaft wissenschaftlicher Reihen

  • Studien zur politischen Wirklichkeit. Wien, Braumüller, ISSN 1814-5604
  • Studienreihe Konfliktforschung, Wien, Braumüller, ISSN 1814-568X
  • Vergleichende Gesellschaftsgeschichte und politische Ideengeschichte, Wien, Braumüller, ISSN 1814-5671

Auszeichnungen

Weblinks

 Commons: Anton Pelinka – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Elisabeth Horvath: Die Pelinkas, Der Österreichische Journalist, Ausgabe 10/11 2010. Abgerufen am 29. Dezember 2011.
  2. Onlineauftritt Institut für Politikwissenschaft Innsbruck (PDF) Einladung zur Verleihung des Willy und Helga Verkauf-Verlon Preises des DÖW für österreichische und antifaschistische Publizistik