Anton Schmid (Unteroffizier)

Aktion Allee der Gerechten - A Letter To The Stars in Wien (2011)

Anton Schmid (* 9. Januar 1900 in Wien; † 13. April 1942 in Vilnius) war ein österreichischer Installateur und Geschäftsbesitzer sowie Unteroffizier der deutschen Wehrmacht. Schmid rettete hunderte Juden im Wilnaer Ghetto vor dem sicheren Tod und wurde dafür hingerichtet.

Inhaltsverzeichnis

Wirken

Anton Schmid war gelernter Installateur, der in Wien-Brigittenau ein Radiogeschäft besaß. Er gehörte keiner politischen Partei an. Nach dem Anschluss Österreichs verhalf er einigen jüdischen Bekannten zur Flucht ins Ausland.

1940 wurde er in die deutsche Wehrmacht eingezogen und im Herbst 1941 in Wilna stationiert. Als Feldwebel einer „Versprengtensammelstelle“ in Vilnius beschäftigte er daneben in Werkstätten jüdische Mitarbeiter. Ihm wurden 15 Arbeitsgenehmigungen zugestanden. Diese so genannten „Gelben Scheine“ waren für diese Juden samt ihren Familien lebensrettend und schützten vor dem Zugriff der Einsatzgruppen. Bis zum Januar 1942 hatte Schmid etwa 90 Arbeitsbescheinigungen ausgestellt.[1] Mehrmals rettete er einige seiner Arbeiter aus dem Lukiszki-Gefängnis, mindestens zwei Personen verschaffte er gefälschte Papiere.

Bis zum Januar 1942 transportierte er mit selbst ausgefertigten Marschbefehlen über dreihundert Juden aus dem Ghetto von Wilna nach Weißrussland, wo sie noch nicht unmittelbar von der Vernichtung bedroht waren.

Neuerdings wird Schmids Beitrag zum Aufbau einer jüdischen Widerstandsbewegung als „historisch bedeutend“ hervorgehoben.[2] Er ließ Mitglieder der jüdischen Widerstandsbewegung in seinem Haus versteckt übernachten, um sie vor möglichen Verhaftungen zu schützen. Schmid war auch an der Vorbereitung des Aufstandes im Warschauer Ghetto beteiligt, indem er eine Delegation des jüdischen Widerstands mit einem Lastwagen nach Warschau brachte.

Verurteilung

Im Februar 1942 verschwand Schmid – offenbar nach einem Hinweis – aus seiner Wohnung, wurde aber einige Tage später verhaftet. Am 25. Februar 1942 wurde in Wilna ein Kriegsgerichtsverfahren gegen ihn eröffnet. Ihm wurde zu Last gelegt, Juden aus dem Ghetto fortgeschafft zu haben. Anton Schmid wurde nach § 90 des Militär-Strafgesetzbuches und § 32 des Reichs-Strafgesetzbuches zum Tode verurteilt und am 13. April 1942 erschossen. Er wurde am Rande des Soldatenfriedhofs Wilna-Antokol begraben.

In seinem letzten Brief bat er seine Familie um Verzeihung: „Ich habe nur als Mensch gehandelt und wollte ja niemandem weh tun.“[3] Die Verurteilung wurde in Wien bekannt: Mehrere Nachbarn äußerten sich gegenüber Frau Schmid abfällig über den „Landesverräter“. Einmal wurde ihr die Fensterscheibe eingeschlagen.

Ehrungen

Im Mai 1967 zeichnete Yad Vashem ihn postum als Gerechter unter den Völkern aus. Der israelische Botschafter in Österreich überreichte die dazugehörige Medaille samt Ehrendiplom an die in Wien lebende Witwe Schmids.

Der englische Lyriker Thom Gunn würdigte Schmid 1967 in einem Gedicht.

1968 wurde im ZDF ein Dokumentarfilm „Feldwebel Schmid“ gesendet.

Die Wohnungsanlage „Anton Schmid-Hof“ in der Brigittenau wurde vom Wiener Bürgermeister Helmut Zilk nach Beschluss des Gemeinderatsausschusses für Kultur am 11. Dezember 1990 nach Anton Schmid benannt und zudem dort eine Gedenktafel enthüllt. Ebenfalls trägt seit 2002 die Anton-Schmid-Promenade am linken Ufer des Wiener Donaukanals seinen Namen. Am geschichtsträchtigen 8. Mai des Jahres 2000 wurde die Kaserne der Heeresflugabwehrschule der Bundeswehr in Rendsburg in „Feldwebel-Schmid-Kaserne“ umbenannt. Ende März 2011 wurde Rendsburg „militärfrei“; somit erlosch der Traditionsname „Feldwebel Schmid“. Aber in Haifa, Israel, ist weiterhin die Verkehrsfläche bei der Südeinfahrt in die Stadt als „Anton-Schmid-Platz“ benannt.

Arno Lustiger widmete sein Buch Rettungswiderstand [4] den „Helden des Rettungswiderstandes in Europa“ und nennt dabei an erster Stelle Anton Schmid.

An der Heeresunteroffiziersakademie in Enns wurde 2012 ein Lehrsaal nach Anton Schmid benannt.[5]

Siehe auch

Literatur

  •  Arno Lustiger: Feldwebel Anton Schmid. Judenretter in Wilna 1941 – 1942. In: Wolfram Wette (Hrsg.): Retter in Uniform. Handlungsspielräume im Vernichtungskrieg der Wehrmacht. Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt/M. 2002, ISBN 3-596-15221-6, S. 45–67.
  •  Wolfram Wette: Entsorgte Erinnerung. In: Die Zeit Nr. 16. 12. April 2012, S. 19 (Online).

Weblinks

 Commons: Anton Schmid (Unteroffizier) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Wolfram Wette (Hrsg.): Zivilcourage. Empörte, Helfer und Retter aus Wehrmacht, Polizei und SS. Fischer-Taschenbuch, Frankfurt 2004, ISBN 3-596-15852-4, S. 313. / bei Lustiger (s. Literatur, S. 49) wird 140 angegeben. Die Quellenlage ist problematisch, da Schmid aus naheliegenden Gründen keine Aufzeichnungen machte.
  2. Arno Lustiger: Feldwebel Anton Schmid. In: Wolfram Wette (Hrsg.): Retter in Uniform…, Frankfurt/ M 2002, ISBN 3-596-15221-6, S. 53f.
  3. Arno Lustiger: Feldwebel Anton Schmid. In: Wolfram Wette (Hrsg.): Retter in Uniform…, Frankfurt/ M 2002, ISBN 3-596-15221-6, S. 63.
  4. Arno Lustiger: Rettungswiderstand - Judenretter in Europa während der NS-Zeit, Wallstein Verlag, Göttingen 2011, ISBN 3-8353-0990-0
  5. http://ooe.orf.at/news/stories/2551537/