Anton Schrötter von Kristelli

Anton Schrötter von Kristelli, Lithographie von Adolf Dauthage, 1853
Büste vor dem Gebäude der Technischen Universität Wien, von 1847 bis 1857 auch Sitz der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften

Anton Konrad Friedrich Dismas Schrötter Ritter von Kristelli (* 26. November 1802 in Olmütz; † 15. April 1875 in Wien) war ein österreichischer Chemiker und Mineraloge.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Anton Schrötter war der Sohn eines Apothekers. Sein Großvater mütterlicherseits, der Olmützer Bürgermeister Karl Kristelli, war für seine Verdienste während der Belagerung von Olmütz im siebenjährigen Krieg von Maria Theresia geadelt worden. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Olmütz studierte Schrötter ab 1822 zunächst auf Wunsch seines Vaters in Wien Medizin, wechselte dann aber unter dem Einfluss von Friedrich Mohs zu den naturwissenschaftlichen Fächern, speziell der Mineralogie. 1827 erhielt er eine Assistentenstelle für Physik und Mathematik an der Universität Wien.

1830 wurde er Professor für Physik und Chemie am Technischen Institut Joanneum in Graz. Während eines halbjährigen Urlaubs im Jahre 1838 besuchte er chemische Institute in Göttingen, Heidelberg, Frankfurt und Paris. In Gießen machte er sich bei Justus von Liebig mit der organischen Elementaranalyse vertraut. Ab 1843 arbeitete er als Professor für technische Chemie am Polytechnischen Institut der Universität Wien und übernahm dort 1845 die Professur für allgemeine Chemie.

Schrötter war neben Baumgartner, Ettingshausen und Haidinger einer der Begründer der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien und wurde 1850 ihr Generalsekretär. Die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina wählte Schrötter 1856 zu ihrem Mitglied. Ab 1868 leitete er das österreichische Hauptmünzamt und wurde gleichzeitig zum Ministerialrat ernannt. Er wurde 1874 in den Ruhestand versetzt und eröffnete in seiner Wohnung ein Privatlaboratorium, in dem er Studien über Edelmetalle betrieb. 1875 starb er in Wien. Er erhielt im Oktober 1905[1] ein Ehrengrab auf dem Wiener Zentralfriedhof (Gruppe 14 A, Nummer 36).[2]

Schrötter war zweimal verheiratet. Seine drei Söhne und zwei Töchter stammen aus der ersten Ehe mit Maria Eder. Seine Zweite Ehefrau Antonie (1828–1916), die Tochter seines Förderers Andreas Freiherr von Ettingshausen, engagierte sich im Wiener Frauen-Erwerb-Verein, deren zweite Vizepräsidentin sie von 1876 bis 1882 war, aktiv für die Emanzipation der Frauen. Schrötters Sohn Leopold Schrötter von Kristelli war ein bedeutender Arzt und Sozialmediziner. Dessen Sohn Hermann von Schrötter war ein Pionier der Luftfahrtmedizin.

Werk

Schrötter hat in seinem Leben ca. 60 wissenschaftliche Publikationen verfasst. Auf dem Gebiet der Mineralogie untersuchte er unter anderem Asphalt, Bernstein, Idrialin, Ozokerit und Dopplerit. Er fand ein einfaches Verfahren, um den Kohlensäuregehalt von Mineralwasser direkt am Quellort zu bestimmen. Als Chemiker arbeitete er über die Reaktionen von Metallen mit Ammoniak bei höheren Temperaturen. Er untersuchte ferner das Reaktionsverhalten von Kalium in flüssigem Lachgas, von Phosphor und Antimon in flüssigem Chlor und von Eisen gegenüber Sauerstoff bei sehr tiefer Temperatur.

Ab 1845 beschäftigte Schrötter sich intensiv mit Phosphor. 1848 gelang ihm der Nachweis der schon von Berzelius geäußerten Vermutung, dass roter Phosphor eine allotrope Modifikation des weißen Phosphors, nicht aber eine Phosphorverbindung ist. Schrötter wandelte weißen Phosphor durch Erhitzen in roten um, den man zeitweise Schrötterschen Phosphor nannte. Sein Verfahren zur Darstellung desselben revolutionierte die Streichholzindustrie, wo roter Phosphor schon bald als Bestandteil der Reibflächen genutzt wurde.

Er war ein Organisator in Industrie und Wissenschaft sowie Berater bei den Vorbereitungen zur Novara-Expedition und zur Österreich-Ungarischen Nordpolexpedition.

An Schrötter von Kristelli erinnern das Schrötterhorn in der Ortlergruppe sowie das Schrötter-Joch und Kap Schrötter auf der Hohenlohe-Insel (Franz-Josef-Land). In Wien ist seit 1876 eine Straße in Favoriten, die Schröttergasse, nach ihm benannt.

Auszeichnungen

Schriften (Auswahl)

  • Die Chemie nach ihrem gegenwärtigen Zustand, 2 Bände (1847–1849)
  • Beschreibung eines Verfahrens zur fabrikmäßigen Darstellung des amorphen Phosphors (1848)
  • Ueber einen neuen allotropischen Zustand des Phosphors (1849)
  • Ueber das Vorkommen des Ozons im Mineralreich (1860)

Literatur

Einzelnachweise

  1. Kleine Chronik. (…) Petzval- und Schrötter-Denkmal. In: Neue Freie Presse, Morgenblatt, Nr. 14782/1905, 17. Oktober 1905, S. 6, unten rechts. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/nfp.
  2. Hedwig Abraham: Prof. Anton Schrötter, Ritter von Kristelli. In: viennatouristguide.at, abgerufen am 6. September 2012.