Arbeiterkammer Oberösterreich

Die Arbeiterkammer Oberösterreich (AKOÖ) ist die gesetzliche Interessenvertretung für mehr als 570.000 Arbeitnehmer[1] im Bundesland Oberösterreich.

Inhaltsverzeichnis

Gesetzliche Grundlage und Organisation

Das Arbeiterkammergesetz aus dem Jahr 1992 bildet die Grundlage für die Tätigkeit der Arbeiterkammer Oberösterreich. Die AKOÖ ist eine von neun Länderkammern der Kammer für Arbeiter und Angestellte und entsendet Delegierte zum Bundesarbeitskammertag.

Die Arbeiterkammer ist eine Körperschaft Öffentlichen Rechts, sie agiert ohne staatliche Eingriffe und basiert auf der Selbstverwaltung ihrer Mitglieder. Alle fünf Jahre wählen die AK-Mitglieder 110 Kammerräte. Diese bilden die Vollversammlung der AKOÖ, die ihrerseits Präsident, Vizepräsident und Vorstand wählen. Die Vollversammlung beschließt Finanzgebarung und politische Richtlinien. Sie tritt zweimal pro Jahr zu einer Sitzung zusammen.

Nach der letzten AK-Wahl in Oberösterreich im März 2009 setzt sich die Vollversammlung aus 67 Kammerräten der Fraktion Sozialdemokratischer Gewerkschafter/-innen (FSG), 28 des Österreichischen Arbeiter- und Angestelltenbundes (ÖAAB), 11 der Freiheitlichen Arbeitnehmer/-innen (FA) und 4 Mandataren der Alternativen und Unabhängigen Arbeitnehmer/-innen (AUGE) zusammen.

Derzeit ist Johann Kalliauer (FSG) Präsident der Arbeiterkammer Oberösterreich.

Die nächste Arbeiterkammerwahl in Oberösterreich ist für das Frühjahr 2014 angesetzt.

Sitz der AKOÖ ist Linz. Die Arbeiterkammer Oberösterreich ist darüber hinaus mit 13 Bezirksstellen im Bundesland Oberösterreich vertreten. Bezirksstellen der Arbeiterkammer gibt es an folgenden Standorten: Braunau, Eferding, Freistadt, Gmunden, Grieskirchen, Kirchdorf, Perg, Ried/Innkreis, Rohrbach, Schärding, Steyr, Vöcklabruck und Wels.

Die AKOÖ beschäftigt derzeit rund 450 Mitarbeiter.

Die Arbeiterkammer finanziert sich ausschließlich über die Beiträge ihre Mitglieder. Der durchschnittliche Beitrag (Kammerumlage) beträgt rund fünf Euro pro Monat und Mitglied.

Kernaufgaben der Arbeiterkammer Oberösterreich

Interessenvertretung

  • Die AKOÖ ist in die Begutachtung von Gesetzen eingebunden. Ihr Ziel ist es, die Anliegen der Arbeitnehmer in den Gesetzen zu vertreten und zu berücksichtigen.
  • Die AKOÖ ist Teil der Selbstverwaltung unter anderem von Arbeitsmarktservice, Pensionsversicherungsanstalt oder Krankenkasse.
  • Die AKOÖ entsendet Laienrichter in die Arbeits- und Sozialgerichte.

Serviceangebote

  • Die Arbeiterkammer Oberösterreich bietet ihren Mitgliedern umfangreiche Beratung in Fragen des Arbeits- und Sozialrecht. Falls notwendig, werden die Mitglieder im Rahmen des kostenlosen Rechtsschutzes sowohl außergerichtlich als auch vor Gericht vertreten. Zudem vertritt die AKOÖ Arbeitnehmer auch in Insolvenzfällen und bietet besondere Beratung für Lehrlinge.
  • Weitere Serviceangebote der Arbeiterkammer sind der umfassende Konsumentenschutz, Hilfe in Gleichbehandlungsfragen, Bildungsberatung als auch die Beratung von Einwanderen.
  • Die Arbeiterkammer ist mit dem Berufsförderungsinstitut (bfi), dem BBRZ und den Volkshochschulen auch eine bedeutende Anbieterin von Aus- und Weiterbildung.
  • Die AKOÖ erhebt seit 1997 den Österreichischen Arbeitsklima Index, der eine fundierte Datenbasis zur Situation der Arbeiternehmer in Österreich.

Leistungsbilanz 2011

Im Jahr 2011 haben die Mitarbeiter der Arbeiterkammer Oberösterreich im Arbeits- und Sozialrecht

  • mehr als 233.000 Beratungen (telefonisch, persönlich, E-Mail) durchgeführt
  • 18.500 Mitglieder gerichtlich oder außergerichtlich vertreten
  • insgesamt mehr als 93 Millionen Euro für die Mitglieder erstritten
  • 9.700 Insolvenz-Beratungen geleistet
  • 16.500 Lohnsteuer-Beratungen durchgeführt
  • 1.500 Lehrlinge beraten

Darüber hinaus wurden mehr als 15.000 Bildungsberatungen, 108.000 Konsumentenberatungen, rund 1.300 Gleichbehandlungs- und rund 3.000 Migranten-Beratungen geleistet.

Die Website der Arbeiterkammer Oberösterreich bietet den Internet-Usern das vollständige Angebot der Arbeiterkammer. Sie wurde im Jahr 2011 insgesamt 3,7 Millionen mal aufgerufen.

Geschichte

Gründung und Erste Republik

Die Vollversammlung der AKOÖ trat im Frühjahr 1921 erstmals zusammen. Damit wurde das vom Sozialreformer Ferdinand Hanusch vorgelegte Arbeiterkammergesetz umgesetzt.

Die Arbeiterkammer entwickelte sich in den 1920er Jahren zu einem bedeutenden Faktor der österreichischen Innenpolitik und schuf dadurch auch in Oberösterreich das notwendige Korrektiv zur Dominanz der Handelskammer.

Der austrofaschistische Ständestaat von 1934 bis 1938 unterbrach das Reformwerk der Arbeiterkammer und der Gewerkschaften. Nach heftigem Widerstand der Arbeiterbewegung in den Februarkämpfen in Linz und anderen Industriegebieten Oberösterreichs wurde die Demokratie in Österreich abgeschafft, Arbeiterkammer und Gewerkschaft verboten. Die Herrschaft der Nationalsozialisten von 1938 bis 1945 setzte diese Politik fort, wichtige Vertreter der Arbeiterbewegung wurden verfolgt.

Aufschwung und Sozialpartnerschaft

Der Neubeginn

Die Arbeiterkammer Oberösterreich wurde im Frühjahr 1946 wiedergegründet. Am 11. Mai 1946 fand im alten Rathaus der Stadt Linz die konstituierende Sitzung statt. Präsident Heinrich Kandl (SPÖ) sowie die beiden Vizepräsidenten Franz Razinger (SPÖ) und Franz Kriz (ÖVP) legten damit den Grundstein für den erfolgreichen Wiederaufbau der Arbeiterkammer als auch des Landes Oberösterreich. In dieser ersten Vollversammlung waren neben Mandataren von SPÖ und ÖVP auch ein Mandatar der KPÖ vertreten.

Präsident Kandl betonte in seiner Antrittsrede das neue Selbstbewusstsein der Arbeitnehmer: "Die ungeheuren Umwälzungen haben einen weltgeschichtlich bedeutsamen Machtaufschwung der Arbeiterklasse gebracht. Das Wesentliche ist, dass nicht mehr gegen das Proletariat regiert werden kann. Mit heutigem Tage beginnt ein neuer Abschnitt im Wirken unserer Arbeiterkammer. Wir wollen alle unser Bestes geben. In diesem Sinne darf ich alle, gleich welcher politischen Richtung sie angehören mögen, zur gemeinsamen und verständnisvollen Mitarbekit und Förderung einladen."[2]

Oktoberstreik und Wiederaufbau

Um die wirtschaftliche Entwicklung und den sozialen Ausgleich zu fördern, entwickelten Arbeiterkammer und Gewerkschaft gemeinsam mit Regierung und Vertretern von Bauern und Wirtschaft das System der Sozialpartnerschaft. Mit diesem System konnte sich Österreich zu einem sozialen, modernen und leistungsfähigen Staat entwickeln.

Der Wiederaufbau ging allerdings nicht ohne Härten und Konflikte vor sich. Um die wirtschaftliche Erholung nicht zu gefährden, wurden den Arbeitnehmer große Opfer abverlangt. Die Lebens-Erhaltungskosten stiegen kontinuierlich, während die Einkommen niedrig blieben. Die Industrie konnte so investieren, Lohnabhängige sich in Verzicht üben. Während die Spitzenvertreter der Arbeiterkammer diese Entwicklung vorübergehend akzeptierten, begann sich Unmut in der Arbeiterschaft breit zu machen.

Im Herbst 1950 kam es in weiten Teilen Österreichs zu Streiks, in Linz marschierten Arbeiter vor das AK-Gebäude und verlangten lautstark den Rücktritt von Präsident Kandl. Diese Aufforderung verhallte, in den darauffolgenden Tagen wurde die Streikbewegung als kommunistisch denunziert, der Einfluss der KPÖ auf die Arbeitnehmer in Oberösterreich ging stark zurück.

Die Entwicklung der nachfolgenden Jahrzehnte gab der damaligen Führung von Arbeiterkammer und Gewerkschaft recht. Die harten Nachkriegsjahre waren bald überwunden, die Arbeitnehmer konnten ihren Anteil am Wohlstand in Österreich ausbauen und sichern.

Die Arbeiterkammer heute

Die Arbeiterkammer erzielt seit Jahren in Umfragen unter der österreichischen Bevölkerung große Zustimmung und Vertrauen. Im APA/OGM-Vertrauensindex aus dem März 2012 nimmt die Arbeiterkammer unter 24 abgefragten Einrichtungen Platz 1 ein.[3]

Weblinks

Einzelnachweise

  1. http://www.arbeiterkammer.com/beratung
  2. 60 Jahre: AK Oberösterreich in der Zweiten Republik, Beilage zum AK Report Mai 2006, Linz 2006.
  3. OGM/APA Vertrauensindex, Institutionen, März; abgerufen am 9. Aug. 2012