August Mandorfer

August Mandorfer (* 1. September 1933 in Kremsmünster) war unter dem Ordensnamen Pater Alfons Mandorfer ein Benediktiner des Stiftes Kremsmünster sowie dessen ehemaliger Regens Chori, Vorstand des Musikarchivs und Konviktsdirektor. Am 27. April 2012 wurde Mandorfer von Papst Benedikt XVI. persönlich in den Laienstand zurückversetzt.[1]

Inhaltsverzeichnis

Werdegang

Einer alteingesessenen Kremsmünsterer Familie entstammend, besuchte August Mandorfer von 1945 bis 1953 das Stiftsgymnasium als Externer Schüler. Am 17. August 1953 wurde er eingekleidet und begann ein Jahr später (am 18. August) im Stift für drei Jahre das Noviziat und nahm den Ordensnamen Alfons an; die ewige Profess legte er am 18. August 1957 ab.

Bereits in Kremsmünster hörte er Philosophie, von 1955 bis 1959 studierte er am Päpstlichen Athenaeum Sant’Anselmo in Rom Theologie. Seine Priesterweihe in Salzburg erfolgte am 13. Juli bzw. 3. August 1958. 1959–1962 schloss sich ein Studium der Schulmusik in Salzburg an, 1962 wurde er auch als Theologe promoviert.

Von diesem Zeitpunkt an wirkte er kontinuierlich in Kremsmünster in einer ganzen Reihe von Funktionen: Seit 1962 unterrichtete er am Stiftsgymnasium als Professor für Religion und Musik, anfänglich bis 1966 auch für Latein. In den Jahren 1962 bis 1970 war er als Präfekt im Konvikt des Stifts tätig, dem er darauf folgend bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1996 auch als Konviktsdirektor vorstand.[2] Bis 1965 war er Präses der Marianischen Studien-Kongregation, zugleich war er zwischen 1963 und 1966 am Studium philosophicum Lektor für Ethik. Sowohl 1970 als auch seit 1983 war Mandorfer Mitglied des Wirtschaftsrates, ab 1984 auch des Seniorenrates im Stift Kremsmünster, 1981 war er Delegierter des Konvents für das Generalkapitel der Österreichischen Benediktinerkongregation. Im Jahr 1985 wurde ihm vom Oberösterreichischen Landesschulrat der Berufstitel Oberstudienrat verliehen, mit dem österreichische Gymnasialprofessoren üblicherweise für deren langjährige pädagogische Verdienste ausgezeichnet werden.

Langjährig war er Adjunkt des Regens Chori Pater Altman Kellner und von 1977–2002 dessen Nachfolger in dieser Funktion. 1964 sorgte Mandorfer für den Fortbestand der Musikschule in Kremsmünster. Von 1981–2008 unterstand ihm das Musikarchiv in der Regenterei. Die Erneuerung der 2005 geweihten Orgel in der Stiftskirche ist zu einem Gutteil auf das Engagement von Mandorfer zurückzuführen.

Missbrauch ehemaliger Zöglinge

1995 wurde Mandorfer erstmals sexueller Übergriffe bezichtigt, doch kam es in dieser Zeit, als bereits die Affäre um den Kardinal Groër in den Medien diskutiert wurde, lediglich zu internen Abmahnungen durch Abt Oddo Bergmair.[3] Erst ein Jahr später zog das Stift Mandorfer aus dem Schuldienst ab, wobei er weiterhin den Knabenchor leitete. Weitere Anschuldigungen wurden 2008 erhoben, doch auch damals kam es zu keiner öffentlichen Diskussion der Vorfälle, selbst wenn sie bereits juristische Vernehmungen zur Folge hatten, in denen Mandorfer selbst einräumte, dass er pädophil veranlagt sei (was dann auch protokolliert wurde).[4]

Am 10. März 2010 wurde Mandorfer von einem ehemaligen Zögling des Konvikts mit Vorwürfen von wiederholtem physischem und sexuellem Missbrauch konfrontiert.[5] In einer ersten Stellungnahme wies er diese Vorwürfe strikt von sich und warf dem mutmaßlichen Opfer vor, er habe sich diese "nach 30 Jahren schön zusammengereimt".[6] Als in der Folge weitere konkrete Anschuldigungen von ehemaligen Zöglingen des Stiftsgymnasiums Kremsmünster an die Öffentlichkeit[7] gelangten, begannen sich diese auch in einem spontan gegründeten Internetforum zu organisieren und auszutauschen.[8] Erst daraufhin sah sich die Stiftsleitung gezwungen, Mandorfer von allen offiziellen Funktionen im Kloster zu suspendieren.[9] Später relativierte er sein anfängliches Dementi in einem offenen Brief auf der Webseite des Stiftes mit den Worten "Ein Sadist wollte ich nie sein".[10] Die Staatsanwaltschaft Steyr leitete daraufhin wegen Verdachts auf Missbrauchs des Autoritätsverhältnisses, sexuellen Missbrauchs von Unmündigen, sowie wegen absichtlicher Körperverletzung Ermittlungen gegen fünf Patres und Professoren des Stiftsgymnasiums Kremsmünster ein.[11] Gegen Mandorfer wird weiterhin in mindestens 22 Fällen wegen sexuellem Missbrauch ermittelt.[12] Als direkte Konsequenz der öffentlichen Stellungnahmen Mandorfers wurde er im Mai 2010 aufgrund vereinsschädigenden Verhaltens aus dem Absolventenverband der Altkremsmünsterer ausgeschlossen.[13] Im Zuge der weiteren Ermittlungen wurde im Rahmen einer Hausdurchsuchung eine sogenannte Pumpgun in den privaten Räumlichkeiten Mandorfers sichergestellt.[14] Im anhängigen Verfahren droht Mandorfer abhängig von der Schwere der ihm zur Last gelegten Straftaten – darunter schwerer sexueller Missbrauch und Vergewaltigung – eine mehrjährige Haftstrafe, es gilt jedoch bis zu einer allfälligen Verurteilung die Unschuldsvermutung. Laut Auskunft der Staatsanwaltschaft Steyr ist Anfang 2013 mit einer Anklage gegen Mandorfer zu rechnen, nachdem ein Gutachten der Linzer Psychiaterin Adelheid Kastner drei der zahlreichen Betroffenen "schwere Folgen" auf Grund wiederholten Missbrauchs attestiert.[15]

Mitte März 2012 hat August Mandorfer das Stift Kremsmünster verlassen, um diesem „wegen der öffentlichen Meinung in seinem Fall keinen Schaden zuzufügen".[16] Er hatte sich in den letzten beiden Jahren (zuletzt von Jänner bis März 2012) mehrfach vorübergehend im Niederösterreichischen Benediktinerstift Altenburg (bei Abt Christian Haidinger) aufgehalten, gegenwärtig wohnt er in einem Altenheim der Kreuzschwestern in Wels, Oberösterreich.

Veröffentlichungen und Schriften (Auswahl)

  • Abt Berthold Vogl von Kremsmünster, sein Wirken als Professor und Rektor an der Salzburger Universität. Diss. theolog. Universität Salzburg 1962.
  • Die Psalmenzitate des Römerbriefes – Kremsmünster und MariaDer Platonismus in den Confessiones des hl. Augustinus
  • Autorität heute. In: Öffentliches Stiftsgymnasium Kremsmünster, Jahresbericht 116 (1973), S. 7–29
  • Das neue Schwimmbad. In: Öffentliches Stiftsgymnasium Kremsmünster, Jahresbericht 116 (1973), S. 31–32
  • Erziehung und Unterricht in Kremsmünster, In: Kremsmünster. 1200 Jahre Benediktinerstift, Linz 1976, S. 147–192.
  • Jubiläumsfeiern in Kremsmünster. In: Öffentliches Stiftsgymnasium Kremsmünster, Jahresbericht 119 (1976), S. 7–44
  • Kremsmünster und seine Schulen. In: Jahrbuch 1977 für die Katholiken des Bistums Linz, S. 61–66
  • Musikerziehung in Kremsmünster. In: Studien und Mitteilungen zur Geschichte des Benediktinerordens und seiner Zweige 88 (1977), S. 9–52
  • Zur Pflege des Oratoriums in Kremsmünster. In: Öffentliches Stiftsgymnasium Kremsmünster, Jahresbericht 120 (1977), S. 67–83
  • 1200 Jahre Kremsmünster. Das Stiftsjubiläum im Rückblick. In: Öffentliches Stiftsgymnasium Kremsmünster, Jahresbericht 121 (1978), S. 7–68, mit 9 S. Abb.
  • Die Uhrensammlung des Stiftes Kremsmünster. In: Alte Uhren 2 (1979), S. 274–89
  • Subprior P. Altman Kellner. In: Öffentliches Stiftsgymnasium Kremsmünster, Jahresbericht 124 (1981), S. 7–14
  • Ordnung und Ordnungen im Konvikt. In: Öffentliches Stiftsgymnasium Kremsmünster, Jahresbericht 124 (1981), S. 17–28
  • Internat heute - Probleme, Aufgaben, Chancen. In: Öffentliches Stiftsgymnasium Kremsmünster, Jahresbericht 129 (1986), S. 9–18
  • Heimordnung Konvikt Kremsmünster. Kremsmünster o. J.
  • Anton Bruckner und Kremsmünster. In: Studien & Berichte, Journal of the Internationale Bruckner-Gesellschaft (IBG) 45, Dezember 1995, S. 18–20
  • Das Gymnasium im Rückspiegel. In: Öffentliches Stiftsgymnasium Kremsmünster, Jahresbericht 142 (1999)
  • „…und es war alle Tage Music“ Die 1000-Jahr-Feier des Stiftes Kremsmünster 1777 als Beispiel für klösterliche Musikpflege im Barock. In: Erbe und Auftrag 82 (2006), S. 383–399

Mandorfer als Dirigent

  • "Stift Kremsmünster - 400 Jahre Musikschaffen" – CD mit Kompositionen der Patres u. Stiftsmusiker, Benedikt Lechler, Georg Pasterwiz, bis zu P. Altman Kellner u.a. Ausführende: Chor der Stiftskirche, Solisten und das dazugehörige Orchester. Dirigent: P. Alfons Mandorfer.

Ehrung

In einem Schreiben vom 7. September 2012 hat Mandorfer die Ehrenbürgerschaft der Marktgemeinde Kremsmünster zurückgelegt, noch rechtzeitig bevor die Fraktion der Grünen in der Gemeinderatssitzung am 27. September 2012 einen Antrag auf Aberkennung einbringen konnte.

Literatur

  • Profeßbuch des Stiftes Kremsmünster. Kremsmünster 1968, S. 566–567 und 622
  • Theodorich Pichler: Ergänzungen zu P. Altman Kellners Profeßbuch des Stiftes Kremsmünster. Stellenbesetzung 1945-1985. Kremsmünster o. J., S. 80
  • Roland Girtler: Die alte Klosterschule. Eine Welt der Strenge und der kleinen Rebellen. Wien-Köln-Weimar 2000

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Emil Bobi, Profil, 2. Juni 2012.
  2. P. Tassilo Boxleitner: "Vor 200 Jahren: Gründung des Konvikts im Jahr 1804", 147. Jahresbericht des Stiftsgymnasiums, Kremsmünster 2004, S.87–93.
  3. Der Standard zu den Vorfällen 1995
  4. Der Standard zur Vernehmung 2008
  5. Oberösterreichische Nachrichten, 10. März 2010
  6. Oberösterreichische Nachrichten, 11. März 2010
  7. Oberösterreichische Nachrichten, 12. März 2010
  8. Kremsmünster Blog
  9. Oberösterreichische Nachrichten, 11. März 2010
  10. Die Presse, 15. März 2010. Vollständiger Wortlaut des Briefes: "An meine ehemaligen Schüler und an meine Freunde! In den letzten Tagen sind eine Reihe von Vorwürfen und Anschuldigungen gegen mich erhoben worden. Zu ihnen möchte ich folgendes sagen: Ein Sadist wollte ich nie sein! Wenn ich den entsprechenden Eindruck erweckt habe, tut mir das leid! Ich war leider oft gedankenlos, oft launenhaft und allzu oft unbeherrscht. Dafür möchte ich mich entschuldigen! Meine Schüler habe ich ausnahmslos gern gehabt. Mag sein, dass ich meine Gefühle oft zu wenig, manchmal auch gar nicht – bei anderen Gelegenheiten dann wieder zu deutlich und auf unzulässige Weise gezeigt habe. Wenn ich jemand durch mein Verhalten traumatisiert und seelisch verletzt habe, bedaure ich das zutiefst und bitte von Herzen um Entschuldigung! Mehr kann ich im Nachhinein leider nicht tun. Meine Fehltritte kann ich weder ungeschehen, noch wieder gut machen. Ich bin aber bereit, sie im Rahmen des mir Möglichen zu sühnen. Danke für alle Freundschaft! P. Alfons Mandorfer. Kremsmünster am 13. März 2010."
  11. Oberösterreichische Nachrichten, 16. März 2010
  12. Oberösterreichische Nachrichten, 12. April 2010
  13. Oberösterreichische Nachrichten, 11. Mai 2010
  14. Oberösterreichische Nachrichten, 3. September 2010
  15. Oberösterreichische Nachrichten, 6. Dezember 2012
  16. Oberösterreichische Nachrichten, 16. März 2012