August von Loehr (Numismatiker)

August Oktavian Julius Perpetuus Maria Karl Josef Ritter von Loehr (* 31. März 1882 in Wien; † 11. Juli 1965 ebenda) war ein österreichischer Numismatiker und Geldhistoriker.

Inhaltsverzeichnis

Biografie

August von Loehr, Sohn des Eisenbahningenieurs und Numismatikers August von Loehr, besuchte das Stiftsgymnasium Seitenstetten und studierte ab 1900 Geschichte, Geographie und Kunstgeschichte an den Universitäten Wien, Heidelberg und Grenoble. 1903–1905 war er Mitglied des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung. Am 17. November 1905 wurde er an der Universität Wien mit der Arbeit Die Schiffahrt im Donaugebiet bis zum Ende des 14. Jahrhunderts zum Dr. phil. promoviert. 1905–1906 war er Stipendiat am Österreichischen Historischen Institut in Wien, wo er an der Bearbeitung der Nuntiaturberichte zum Westfälischen Frieden arbeitete.

Seit 1906 war er am Münzkabinett des Kunsthistorischen Museum in Wien, der Bundessammlung von Medaillen, Münzen und Geldzeichen, tätig, zunächst als Volontär, seit 1907 als Assistent, seit 1913 als Kustos, seit 1926 als Direktor. Daneben studierte er von 1907 bis 1911 Rechtswissenschaften an der Universität Wien und schloss mit dem Dr. jur. ab. Im Münzkabinett war er für die Bearbeitung der neueren Münzen zuständig und erkannte bald, von der herkömmlichen Numismatik abweichend, die Bedeutung der Münzen in der Geld- und Finanzgeschichte. Seit 1929 lehrte er an der Universität Wien als Honorarprofessor für Numismatik und Geldgeschichte des Mittelalters und der Neuzeit. Seit 1908 war er im Bundesdenkmalamt auch Referent für wirtschaftsgeschichtliche und technische Denkmale sowie für Museumswesen. In dieser Funktion war er an der Verteidigung der österreichischen Kultursammlungen gegenüber den Nachfolgestaaten nach dem 1. Weltkrieg beteiligt. 1938 wurde er in all seinen Positionen in den Ruhestand versetzt.

Im April 1945 wurde er reaktiviert, er übernahm erneut die Leitung des Münzkabinetts und wurde 1. Direktor des Kunsthistorischen Museums, in dieser Funktion war er für den Wiederaufbau des Museums nach dem Kriege verantwortlich. Er wurde zum Generaldirektor der kulturhistorischen Museen Österreichs ernannt und gründete das Museum österreichischer Kultur als Abteilung des Kunsthistorischen Museums. Am 31. Dezember 1949 trat er in den Ruhestand. Von 1945 bis 1954 lehrte er auch wieder als Honorarprofessor für Numismatik und Geldgeschichte an der Universität, seit 1946 auch für Museumskunde.

Veröffentlichungen

  • Die niederländische Medaille des 17. Jahrhunderts, Wien 1921
  • Numismatik und Geldgeschichte, Wien 1944
  • Österreichische Geldgeschichte, Wien 1946
  • mit Victor Miller zu Aichholz/Eduard Holzmair: Österreichische Münzprägungen 1519-1938, 2. Auflage Wien 1948

Literatur

  • Eduard Holzmair, in Numismatische Zeitschrift 81, 1965, S. 68–75 (mit Schriftenverzeichnis)
  • Erwin M. Auer: DDr. August O. Loehr (31. März 1882–11. Juli 1965), Wien 1982
  • Fritz Fellner/Doris A. Corradini: Österreichische Geschichtswissenschaft im 20. Jahrhundert. Ein biographisch-bibliographisches Lexikon, Wien/Köln/Weimar 2006, S. 259
  • Erwin M. Auer: Loehr, August Ritter von. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 15, Duncker & Humblot, Berlin 1987, S. 44 f. (Digitalisat).

Weblinks