Austria Glas Recycling

Austria Glas Recycling (AGR)
Typ GmbH
Gründung 1989 (Rechtsform 1988)[1]
Sitz Wien 2, Obere Donaustraße
Ursprung Austria Recycling - Verein zur Förderung von Recycling und Umweltschutz in Österreich
Personen

Harald Hauke (Geschäftsführer),[2] Bernhard Karrer (Aufsichtsrat-Vors.)[3]

Schwerpunkt Glasrecycling
Budget 22,4 Mio Euro (Lizenzeinnahmen)[3]
Angestellte 9[3]
Website www.agr.at
Behördliche Aufsicht: BMLFUW

Die Austria Glas Recycling GmbH (AGR) ist eine Non-profit Organisation, die in Österreich für das Abwickeln des Verpackungsglas-Recycling zuständig. Sie ist die Branchenrecyclinggesellschaft für den Packstoff Glas im österreichischen Recyclingsystem Altstoff Recycling Austria (ARA), das unter behördlicher Aufsicht des Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft (BMLFUW, Lebensministerium) steht.[2]

In Österreich ist – ähnlich wie in der Schweiz, aber im Unterschied etwa zu Deutschland – das Abwickeln des Glasrecycling (wie die gesamte Altstoffverwertung) weitestgehend eine gemeinnützige, nicht gewinnorientierte Branche, die Entsorger und Recycler selbst finanzieren ihre Tätigkeiten über kostendeckende, marktorientierte Preise.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die Austria Glas Recycling wurde 1989 als Gesellschaft mit beschränkter Haftung durch Ausgliederung aus dem Verein Austria Recycling[4] gegründet, der in den 1960er und 70er Jahren die systematischen Dauersammlung mit stoffspezifischen Spezialsammelbehältern in Österreich aufgebaut hatte. Gründungsgesellschafter der ARG waren Vetropack Austria GmbH (Pöchlarn NÖ, Mutter Saint-Prex CH), Stölzle-Oberglas AG (Köflach/Bärnbach, Stmk.) und Lutzky Glas GmbH (Kremsmünster OÖ).[3] Da Lutzky Glas 1993 von den Schweizer Vetropack übernommen wurde, verteilen sich die Anteile heute 50/50 zwischen Vetropack und Stölzle.[1]

2008/2009 wurden alle anderen Branchenrecyclinggesellschaften in die ARA AG eingegliedert, sodass das ARA-Sammel- und Verwertungssystem sich heute aus der ARA, der AGR für Glas, sowie der ARA-Tochter ERA für Elektroschrott und Batterien darstellt.[5] Diese Fusionierung war eine Reaktion auf die bedenklichen Entwicklungen in Deutschland gewesen, wo sogar die Duales System Deutschland, die Erfinder des Grünen Punkts, ihre Gemeinnützigkeit aufgeben musste, als sie von einer amerikanischen anlegerprofit-orientierten Investorengruppe übernommen wurde.[5] Die Trägervereine der anderen Branchen sind heute teils Miteigentümer der ARA AG, teils als Einzelunternehmen Mitglied. Da es sich bei Verpackungsglas um nur zwei beteiligte Firmen handelt, und dieser Sektor einen Spezialfall darstellt (Modellbereich des Recyclings, wie auch der Diskussion um Einweg- oder Mehrweggebinde und Pfand),[6] wurde die AGR als Branchenrecyclinggesellschaft bisher behalten. Zwar sind im Rahmen der EU-Richtlinien zum freien Markt prinzipiell auch andere Sammel- und Verwertungssysteme genehmigungsfähig, bisher wurde aber kein anderes System zugelassen.[7]

Agenden

Altglas macht in Österreich (Stand 2009)[8] mit 211.600 Tonnen jährlich[9] 7,0 % der Abfälle aus Haushalten und ähnlichen Einrichtungen aus[10] (welche gesamt 3.895.000 Tonnen/Jahr umfassen),[11] weitere 47.800 Tonnen kommen in den Restmüll.[12] Verpackungsglas (Weißglas und Buntglas), das in Hauhaltsnahen Bereich in Mülltrennung gesammelt wird, fällt im Ausmaß von 205.900 t/a[13] (756.000 m3)[14] an, bildet also den überwiegenden Teil des Altglases, wobei an Glasverpackung etwas über 25 kg (knapp 70 Liter) pro Einwohner anfällt.[15] Weitere 34.000 Tonnen fallen im Sektor Getrennt gesammelte Altstoffe aus Gewerbe und Industrie an,[16] hier dürfte verhältnismäßig wenig in den Restmüll geraten.[17] Dabei hat das Glas von 2004 auf 2009 um 11 % zugenommen (getrennt gesammelte Altstoffe aus Haushalten insgesamt um 14,3 %).[18] Die Erfassungsmenge der AGR betrug 2009 214.431 Tonnen, mit einer Verwertungsquote von über 97 % (zur Verwertung übergebene Menge 208.621 t), 2010 stieg die Menge auf 216.138 t (verwertet 209.904 t).[19]

Die AGR organisiert diese Verpackungsglassammlung aus privaten Haushalten und Betrieben in ganz Österreich, in Zusammenarbeit mit den Gemeinden, privaten und kommunalen Entsorgungsunternehmen, und regionalen Experten. Hauptaufgaben sind Optimierung im Sammelsystem, etwa was die Kosten, die Logistik der Behälter, Standplätze, Touren, oder Entleerungsintervalle, und die bedarfsgerechte Anlieferung als Sekundärrohstoff an die Glasindustrie betrifft.[20] Dabei wirtschaft sie nach dem europäischen Umweltmanagement Eco Management and Audit Scheme (EMAS).[21]

Rechtsgrundlage für die ganze Abfallwirtschaft sind in Österreich das Abfallwirtschaftsgesetz (AWG) und die Verpackungsverordnung (VerpackVO), in denen die Maßnahmen zur Vermeidung, Verringerung, Verwertung und Entsorgung von Abfällen geregelt sind. Zielsetzung ist, Umwelt und Deponien von Verpackungsabfällen zu entlasten und Verpackungen in eine Kreislaufwirtschaft zu integrieren. Im Besonderen regeln Gesetz und Verordnung die Genehmigung von Sammel- und Verwertungssystemen und ihre Aufgaben und Pflichten, etwa durch Festlegung von zu erreichenden Erfassungsquoten.[22] Austria Glas Recycling ist das gemäß § 29Vorlage:§/Wartung/RIS-Suche AWG per Bescheid genehmigte Sammel- und Verwertungssystem für im Haushalts- und Gewerbebereich anfallenden Glasverpackungen,[7] und gibt die Abnahme- und Verwertungs-Garantie für alle lizenzierten Glasverpackungen und finanziert die Verpackungsglassammlung aus den Lizenzbeiträgen und Altglaserlösen.[20] Der Vertrag zwischen der ARA und der AGR als Branchenrecyclinggesellschaft (BRG) beruht darauf, dass keinerlei Gewinnerwirtschaftung vorgesehen ist.[23]

Das getrennte Verpackungsglas wird fast vollständig in Österreich recyclet, bedarfs- und qualitätsbedingte Restmengen zur Verwertung in die Nachbarländer Italien, Deutschland und Tschechien exportiert.[24]

Außerdem bietet die AGR Kommunikation und Beratung für Gemeinden und Abfallverbände, und betreut die Öffentlichkeitsarbeit zur richtigen Verpackungsglassammlung. Wie im ganzen ARA-Verbund umfasst das Werbekampagnen zur Bewusstseinsbildung ebenso wie etwa reichhaltiges Material zur Früherziehung im schulischen Bereich.[25]

Siehe auch

Weblinks

Einzelnachweise

  1. a b AUSTRIA GLAS RECYCLING GmbH, Firmenbuchdaten, Creditreform/firmenabc.at
  2. a b Watchlist März: Neuer Geschäftsführer für Austria Glas Recycling, handelszeitung.at, 15. März 2012
  3. a b c d Unternehmensdaten, agr.at, abgerufen 25. März 2012
  4. Austria Recycling - Verein zur Förderung von Recycling u Umweltschutz in Österreich, herold.at
  5. a b ARA: Richtungsweisende Entwicklung in der Abfallwirtschaft: ARA SYSTEM ordnet sich neu. Presseaussendung, APA OTS OTS0218 / 27. Juni 2008]
  6. vergl. etwa Nur Bier steht noch auf die Mehrwegflasche. derStandard.at, 28. Dezember 2011
  7. a b Prinzipiell für Glas genehmigt ist auch das Sammel- und Verwertungssystem der GUT – Galle Umwelttechnik GmbH (Klosterneuburg) im gewerblichen Bereich und für Einweggeschirr und -besteck (Mc Donald`s Restaurants), die aber keine Recycling für Glasverpackung in diesem Sektor anbietet.
    Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft: Sammel- und Verwertungssysteme für Verpackungen Veröffentlichung gemäß § 29 Abs.4 letzter Satz AWG 2002, Stand: September 2011 (Online-Artikel, lebensministerium.at → Umwelt → Abfall und Ressourcenmanagement → Verpackungen → Sammel- und Verwertungssysteme; pdf;)
    Zum Leistungsumfang siehe Entsorgungs- & Verwertungswege, gut.at
  8.  Lebensministerium, Abt. VI/3 (Hrsg.): Bundes-Abfallwirtschaftsplan 2011. Wien März 2012, 3. Betrachtung ausgewählter Abfallströme, S. 36 ff (Link auf pdf Kap. 3, bundesabfallwirtschaftsplan.at).
  9.  Bundes-Abfallwirtschaftsplan 2011. Tabelle Abfälle aus Haushalten und ähnlichen Einrichtungen im Jahr 2009 – Bundesweites Aufkommen nach einzelnen Fraktionen, S. 38.
  10.  Bundes-Abfallwirtschaftsplan 2011. Tabelle Abfälle aus Haushalten und ähnlichen Einrichtungen, S. 37.
  11. Abfälle aus Haushalten und ähnlichen Einrichtungen gesamt: 466 kg/EW, Stand 2009.  Bundes-Abfallwirtschaftsplan 2011. Tabelle Abfälle aus Haushalten und ähnlichen Einrichtungen im Jahr 2009 – Bundesweites Aufkommen nach Hauptfraktionen, S. 37.
  12.  Bundes-Abfallwirtschaftsplan 2011. Tabelle Restmüll aus Haushalten und ähnlichen Einrichtungen – Anteile ausgewählter Verpackungen (Nettomassen), S. 44.
  13.  Bundes-Abfallwirtschaftsplan 2011. Tabelle Getrennt erfasste Verpackungen im Jahr 2009 Aufkommen (berechnet und gerundet), S. 38.
  14.  Bundes-Abfallwirtschaftsplan 2011. Tabelle Abfälle aus Haushalten und ähnlichen Einrichtungen im Jahr 2009 – Massen und Volumina (gerundet), S. 39.
  15.  Bundes-Abfallwirtschaftsplan 2011. Tabelle Altstoffe aus Haushalten und ähnlichen Einrichtungen im Jahr 2009 (ohne sortierte Altstoffe aus MBA und Splitting) – Bundesweites Aufkommen nach einzelnen Fraktionen, S. 48. Volumen errechnet nach Faktor Umrechnung in kg/m3 in Tabelle S. 39
  16. Weißglas (Verpackungsglas): 15.600 t, Buntglas (Verpackungsglas) 18.400 t.  Bundes-Abfallwirtschaftsplan 2011. Tabelle Altstoffe aus der getrennten Sammlung aus Gewerbe und Industrie im Jahr 2009 – Aufkommen nach Fraktionen, S. 57.
  17. allenfalls in der Klasse Abfälle aus dem Bauwesen. Ausserdem fallen im Gewerbe 36.000 Tonnen Flachglas (Fensterglas, einschliesslich Geschirrglas, Trinkglas, Spiegelglas) an, die nicht unter die Agenden der Austria Glas Recycling fallen.   Tabelle, S. 57.
  18.  Bundes-Abfallwirtschaftsplan 2011. S. 48 Sp. 2.
  19. Sammlung und Verwertung in Zahlen → Sammel- und Verwertungsleistungend es ARA-Systems → 2009/2010], ara.at
  20. a b Leistungen der Austria Glas Recycling GmbH, agr.at
  21. Verordnung (EWG) Nr. 1836/93 des Rates vom 29. Juni 1993 über die freiwillige Beteiligung gewerblicher Unternehmen an einem Gemeinschaftssystem für das Umweltmanagement und die Umweltbetriebsprüfung (EMAS-Verordnung), vergl. emas.gv.at
  22. Rechtliche Rahmenbedingungen, ara.at
  23. vergl. Spruch des Verwaltungsgerichtshofs vom 20. Oktober 2009Vorlage:§§/Wartung/alt-URL, Geschäftszahl 2007/13/0029
  24.  Bundes-Abfallwirtschaftsplan 2011. Abschnitt Flachglas und Verpackungsglas, S. 57 Sp. 2.
  25. Für Pädagog(inn)en, agr.at