Bärenwald Arbesbach

Vinzenz ist einer der ersten Braunbären aller Projekte der Vier Pfoten

Der Bärenwald Arbesbach (eigene Schreibung BÄRENWALD Arbesbach) ist ein Bärenschutzzentrum bei Arbesbach im niederösterreichischen Bezirk Zwettl. 1998 wurde das Freigehege eröffnet und ist so das erste Bärenschutzprojekt der Tierschutzorganisation Vier Pfoten.[1] Der Bärenwald bietet Bären aus schlechter Haltung eine artgerechte Haltung. Derzeit leben hier sieben Braunbären auf insgesamt 14.000 Quadratmetern. Auch Marbu, der letzte Zirkusbär Österreichs, fand in Arbesbach ein neues Zuhause.[2] Seit 28. Mai 2000 ist die Anlage von März bis Ende Oktober auch für Besucher geöffnet.

Inhaltsverzeichnis

Hintergrund

Bären in Gefangenschaft können nicht mehr ausgewildert werden. Sie sind zu abhängig vom Menschen und würden in der freien Natur nicht überleben. Durch schlechte Haltungsbedingungen sind viele schwer verhaltensgestört. Der Bärenwald Arbesbach bietet solchen Bären die Möglichkeit, Instinkte und ihr natürliches Verhalten wiederzuentdecken.

Ein Grundsatz aller Vier Pfoten Bärenprojekte ist, dass die Bären hier nicht zur Schau gestellt werden. Der Kontakt zum Menschen wird auf ein notwendiges Minimum reduziert; die Bären sollen die Möglichkeit haben, sich ihren eigenen Tagesablauf zu schaffen.

Nachdem die Tiere in den Bärenwald gebracht wurden, verpflichten sich die ehemaligen Bärenbesitzer mit der Übergabe der Tiere an Vier Pfoten, keine weiteren Bären mehr anzuschaffen oder zu halten.

In den Bärenwäldern wird keine Nachzucht von Wildtieren in Gefangenschaft betrieben. Alle männlichen Bären sind kastriert.

Die Anlage

Das reich strukturierte Gelände in der unverfälschten Naturlandschaft Arbesbach-Schönfeld im niederösterreichischen Waldviertel bietet Bären ein tiergerechtes Zuhause. Die Anlage ist in vier Sektoren unterteilt, die es ermöglichen die Bären voneinander zu trennen und die Tiere zur Fütterung in ein anderes Areal zu schleusen. Die Bären können hier ihre natürlichen Verhaltensweisen ausleben, baden, graben, umherstreifen, klettern und die arttypische Winterruhe halten. Videokameras ermöglichen es, die Bären in ihren Höhlen oder uneinsehbaren Bereichen zu beobachten, ohne die Tiere zu stören. Das Areal wurde gepachtet und 1998 darauf der erste BÄRENWALD der Tierschutzorganisation VIER PFOTEN errichtet. 2009 wurde der Bärenwald Arbesbach erweitert eröffnet [2] . Ein Gehegeabschnitt wurde angebaut sowie ein Besucherzentrum errichtet, das über die Arbeit von Vier Pfoten und dessen Bärenschutzprojekte aufklären soll. Weiters behandelt der interaktive Rundweg den pädagogischen Auftrag in Bezug auf den Braunbären im Allgemeinen und in Österreich.

Die Bären

Im Bärenwald Arbesbach leben derzeit sieben Braunbären, davon fünf Syrische Braunbären (U.a.syriacus) und zwei Europäische Braunbären (U.a.arctos).

Die ersten Bären, die 1998 in den Bärenwald Arbesbach übersiedelten, waren Liese und ihr Bruder Vinzenz (*1988 in Slowenien) sowie Brumca (*1992 in der Slowakei). Das Geschwisterpaar wurde 9 Jahre lang als Besucherattraktion in einer Betongrube nahe einer Liftstation gehalten und Brumca war ein Gastgeschenk eines slowakischen Geschäftsmannes. Sie musste 5 Jahre auf 35m² ohne Struktur leben und galt als Prestige-Objekt. 2000 wurden dann die zwei ehemaligen Zirkusbären Tom und Jerry (*1988 in Tschechien) in den Bärenwald Arbesbach gebracht. Im Jahr 2002 kam Lara (*1980 in Deutschland) hinzu und 2006 wurde Marbu (*1982-2007), der letzte Zirkusbär Österreichs, in den Bärenwald Arbesbach übersiedelt. Marbu musste leider im Sommer 2007 aufgrund von Nierenversagen eingeschläfert werden.

Bärenjunges Eddie beim Spielen

2011 bereicherte ein jordanisches Bärenkind den Bärenwald Arbesbach. Eddie (*2010 in Jordanien) kam in einem Zoo in Amman zur Welt und wurde kurz darauf von seiner Mutter getrennt um ihn zu verkaufen. Mit 4 Monaten fanden ihn Mitarbeiter des Bärenwald Arbesbachs sowie der Princess Alia Foundation kurz PAF. Im Mai 2011 wurde Eddie von Jordanien nach Österreich gebracht, um hier von Artgenossen zu lernen und von seinen Verhaltensanomalien ab zu lassen.[3]

Pflege

Einige Bären haben in den langen Jahren ihrer Gefangenschaft schwere Verhaltensstörungen ausgebildet, die sie unter den neuen Lebensbedingungen erst nach und nach ablegen. Hierfür wird ihr Lebensraum bereichert, um ihr natürliches Verhalten zu fördern (Behavioral and Environmental Enrichment).

Braunbärin Lara pflückt eine für sie aufgesteckte Birne

Ziel ist, für die Tiere Bedingungen zu schaffen, die sich an ihrem Leben in freier Wildbahn orientieren. So wird zum Beispiel die Nahrung versteckt, so dass der Bär einen Großteil seiner Zeit mit Nahrungssuche beschäftigt ist, wie in freier Wildbahn. Hierbei wird darauf geachtet, dass für jeden Bären genügend Nahrung zur Verfügung steht, sodass es zu keinen Kämpfen um das Futter kommt.

Erfahrene Tierpfleger und Wildtierärzte betreuen die Bären individuell, damit sie von ihren gesundheitlichen Leiden und stereotypen Verhaltensweisen genesen. Das Verhalten der Bären wird beobachtet und dokumentiert. Vier Pfoten arbeitet eng mit Wissenschaftlern und Universitäten zusammen.

Obwohl Braunbären in freier Wildbahn Einzelgänger sind, werden sie im Bärenwald Arbesbach teilweise „vergesellschaftet“ – sie leben in kleinen Gruppen zusammen. Dies kann sich positiv auf ihr Verhalten auswirken, wenn man die richtigen Partner findet. Hierbei wird sehr vorsichtig umgegangen, damit kein Bär gestresst wird oder gar den anderen attackiert. Unter kontrollierten Bedingungen kann die Nähe eines Artgenossen sogar bereichernd sein.

Das Gehege

In jedem Sektor des insgesamt 14 000 m² großen Areals befindet sich ein Teich sowie Winterhöhlen und Unterschlupfmöglichkeiten für die Tiere. In der naturnahen Umgebung können die Tiere ihre Instinkte wieder entdecken und die für sie bereitgestellten Enrichment - Objekte erkunden sowie den Großteil des Tages mit der Futtersuche verbringen.

Für Besucher

Der Bärenwald Arbesbach hat von Ostern bis Allerheiligen täglich für Besucher geöffnet. Hier können sie sich an Stationen im Gelände über das Leben der Tiere informieren. Betreute Führungen und Vorträge machen auf das Thema der privaten Wildtierhaltung in Österreich und die damit verbundene Tierschutzarbeit von Vier Pfoten aufmerksam. Spezielle Schulführungen sowie Kinder- und Jugendprogramme sollen die jungen Generationen für das Thema BÄR sensibilisieren um in der Zukunft ein leben "Tür an Tür" mit freilebenden Bären zu ermöglichen. Rund 2/3 des Areals sind nur durch Glasscheiben einsehbar, um den Tieren eine Rückzugsmöglichkeit zu bieten.

Ziel

Ziel ist es auf zu klären und strengere Haltungsrichtlinien für diese Tiere durch zu setzen. Bären sind weder Haustiere noch Zirkusclowns. Auch braucht man sie nicht zu fürchten, wenn man den richtigen Umgang kennt und den Freiraum der Tiere respektiert. Der Bär soll wieder einen Platz in seiner angestammten Heimat haben, dafür muss jedoch ein Umdenken stattfinden. Die Arbeit mit den Menschen ist gleichsam Tierschutz.

Externe Projekte

Kragenbärin Ali bei einem mit Datteln gefülltem Futterstamm

Seit kurzem engagiert sich das Bärenwald Arbesbach Team auch außerhalb des Bärenwaldes. In Wiener Neustadt, in dessen Stadtpark immer noch ein Bär in einem Käfig gehalten wird, werden regelmäßig Verbesserungsarbeiten durch geführt sowie Hilfestellungen in Bezug auf bärengerechte Haltungsweisen erbracht.

Die dortige Kragenbärin Ali ist mittlerweile zu alt, um sie noch in ein anderes Gehege zu bringen. So wird alles getan, um ihr das bestehende Gehege altersgerecht zu gestalten und in Zusammenarbeit mit dem dortigen Tierpfleger ein Beschäftigungsprogramm aus zu arbeiten. Ali wird ihr Futter nun täglich altersgerecht verteilt sowie Reizeindrücke geschaffen, die den Alltag der Bärin bereichern sollen. Die Kragenbärin nimmt die Veränderungen mit großem Interesse an.

Weblinks

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. BÄRENWALD Arbesbach auf der Seite von VIER PFOTEN Österreich
  2. a b Die Bären sind los - Presseartikel in derStandard
  3. Transport des jordanischen Bärenwaisen Eddie nach Arbesbach

48.4807314.92667Koordinaten: 48° 28′ 51″ N, 14° 55′ 36″ O