Bahnstrecke Feldbach–Bad Gleichenberg

Feldbach–Bad Gleichenberg
Strecke der Bahnstrecke Feldbach–Bad Gleichenberg
Kursbuchstrecke (ÖBB): 532
Streckenlänge: 21,214 km
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Stromsystem: 1800 Volt =
Maximale Neigung: 42 
Minimaler Radius: 270 m
Höchstgeschwindigkeit: 40 km/h
Strecke – geradeaus
Steirische Ostbahn von Graz Hbf
Bahnhof, Station
0,0 Feldbach 280 m ü. A.
Abzweig – in Fahrtrichtung: nach links
Steirische Ostbahn nach Fehring
Brücke über Wasserlauf (groß)
Raab
Abzweig – in Fahrtrichtung: nach links
Anschlussbahn Steirische Hartsteinwerke Appel
BSicon STR.svg
Bahnhof, Station
1,7 Feldbach Landesbahn 290 m ü. A.
BSicon STR.svg
Haltepunkt, Haltestelle
3,3 Oedt Siedlung 300 m ü. A.
Haltepunkt, Haltestelle
4,3 Oedt 308 m ü. A.
Haltepunkt, Haltestelle
7,5 Prädiberg 380 m ü. A.
Haltepunkt, Haltestelle
9,6 Fischa 390 m ü. A.
Haltepunkt, Haltestelle
11,5 Burgfried 405 m ü. A.
Bahnhof, Station
12,3 Gnas 371 m ü. A.
Haltepunkt, Haltestelle
14,6 Katzendorf
Bahnhof, Station
15,2 Maierdorf 300 m ü. A.
Haltepunkt, Haltestelle
17,3 Hofstätten 380 m ü. A.
Haltepunkt, Haltestelle
19,6 Trautmannsdorf in Steiermark 310 m ü. A.
Kopfbahnhof – Streckenende
21,2 Bad Gleichenberg 269 m ü. A.

Die Bahnstrecke Feldbach–Bad Gleichenberg, auch Landesbahn Feldbach–Bad Gleichenberg oder Gleichenberger Bahn genannt, ist eine normalspurige und elektrifizierte Eisenbahnstrecke im österreichischen Bundesland Steiermark. Sie ist 21,214 Kilometer lang und wird von den Steiermärkischen Landesbahnen (STLB) betrieben. Die Stichbahn schließt in Feldbach an die Steirische Ostbahn an und hat ihren Endpunkt in Bad Gleichenberg. Weiterführende Planungen bis Bad Radkersburg konnten nie realisiert werden. Die Strecke ist seit 28. Februar 1994 in den Verkehrsverbund Steiermark integriert und wurde am 9. Dezember 2007 als S32 in die neu eingeführte S-Bahn Steiermark eingebunden.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Nicht verwirklichte Projekte

Die Geschichte der Landesbahn [1] reicht bis zum 14. April 1886 zurück, als erstmals ein Projekt einer Eisenbahnlinie von Feldbach nach Bad Gleichenberg, mit der Option einer Verlängerung nach Bad Radkersburg vorgelegt wurde[Anm. 1].

1900 wurden einem Dr. Hermann Brück, Hof- und Gerichtsadvokat in Wien, technische Vorarbeiten zum Bau einer normalspurigen Lokalbahn von der Station Feldbach über Gleichenberg zur Station Purkla der Linie Spielfeld–Radkersburg erteilt. [2]

Mitte 1909 wurde von einer geplanten Lokalbahn Fehring–Gleichenberg–Radkersburg berichtet. Für eine Variante dieses Projekts, eine von Mahrensdorf über Windisch-Kölldorf nach Bayerisch-Kölldorf führende Linie, war vom Eisenbahnministerium die Vornahme technischer Vorarbeiten bewilligt worden. [3]

Bau und Betrieb

1916/1917, in der Zeit des Ersten Weltkriegs wurde das in Mühldorf bei Feldbach situierte Kriegsgefangenenlager mit einer Schleppbahn an die Steirische Ostbahn angeschlossen. Das Lager blieb nach Kriegsende als Lazarett bestehen.

Am 17. März 1926 erfolgte der Beschluss der Steiermärkischen Landesregierung, den Bahnbau von Feldbach nach Bad Gleichenberg wieder aufzunehmen, worauf im Jänner 1927 die politische Begehung der geplanten Trasse erfolgte. Am 10. Dezember 1928 wurde die Konzession auf 90 Jahre an Landesrat Franz Winkler und Rechtsanwalt Dr. jur. Gustav von Webenau (beide Graz) erteilt.[4]

Am 20. Juni 1931 wurde auf der Strecke der Personen- und Güterverkehr aufgenommen. Die Betriebsführung wurde dem Steiermärkischen Landeseisenbahnamt übertragen. Die Strecke wurde mit 1500 Volt Gleichstrom elektrisch betrieben.

Am 4. April 1932 erfolgte die Gründung der „Aktiengesellschaft Lokalbahn Feldbach–Bad Gleichenberg“, die am 2. Juli gleichen Jahres vom Bundesministerium für Handel und Verkehr die Bewilligung zur Vornahme technischer Vorarbeiten einer Verlängerung nach Purkla zum Anschluss an die Radkersburger Bahn erhielt. Das Projekt ging aber nie über das Planungsstadium hinaus.

Mit der Auflösung der Aktiengesellschaft der Lokalbahn Feldbach–Bad Gleichenberg am 30. Juni 1942 wurde die Konzession und das Vermögen an das Land Steiermark übertragen, womit die „Lokalbahn“ zur „Landesbahn“ wurde.

Im April 1945 wurde anlässlich des Zweiten Weltkriegs das gesamte Gebiet der Bahnstrecke zum unmittelbaren Kriegsschauplatz. Die Bahnstrecke wurde dabei erheblich in Mitleidenschaft gezogen. Der Betrieb konnte erst am 1. November 1947 – vorerst provisorisch mit Dampflokomotiven – wieder aufgenommen werden. Die Wiederherstellung der Oberleitung und die Aufnahme des elektrischen Verkehrs dauerte bis 15. November des Folgejahres.

Mit der Aufnahme des Autobusbetriebes der StLB zwischen Feldbach über Straden nach Bad Radkersburg am 16. Dezember 1947 wurde die beabsichtigte Verlängerung der Bahnstrecke endgültig ad acta gelegt. Zwischen 1962 und 1970 wurde eine direkte Verbindung mit Dieseltriebwagen zwischen Wien Südbahnhof und Bad Gleichenberg als E 953 / E 954 „Oststeirer“ angeboten. Danach wurde dieser Zug von Wien nach Graz geführt, nach Bad Gleichenberg wurde noch einige Jahre ein Kurswagen beigegeben.

In der Zeit zwischen 1. Jänner 1987 und 30. Juni 2005 wurde der Schnellstückguttransport „Bahnexpress“ angeboten.

Nachdem die alte Quecksilberdampfgleichrichterstation in Gnas nicht mehr den Ansprüchen genügte, wurde diese 1975 gegen eine Siliziumdioden-Gleichrichteranlage getauscht. Das Stromsystem wurde bei dieser Gelegenheit auf 1.800 V Gleichstrom umgestellt. Diese Anlage wurde 1992 nochmals erneuert. Zwischen 1991 und 1995 wurde die gesamte Oberleitung zwischen Feldbach und Gnas abschnittsweise erneuert.

Infrastruktur

Die Wahl der Trasse erwies sich nachteilig. Da viele Gemeinden an die Bahn angeschlossen werden wollten, folgt sie nicht der direktesten Linie, sondern verläuft überaus kurvenreich. Der engste Radius beträgt 270 Meter. Die Strecke ist für eine Höchstgeschwindigkeit von 40 km/h ausgelegt und ist knapp doppelt so lang wie die Straßenverbindung zwischen den beiden Orten. Hinzu kommen, bedingt durch das Südoststeirische Hügelland, Steigungen bis zu 42 Promille. Dies schlägt sich in der langen Gesamtfahrzeit von 33 Minuten nachteilig nieder. Überaus nachteilig ist auch, dass auf der gesamten Strecke 82 Eisenbahnkreuzungen bestehen. Die Strecke ist mit 32 Weichen ausgestattet.

Fahrzeuge

Der Elektrotriebwagen „ET 1“ im Bahnhof Bad Gleichenberg

Der Betrieb auf der Gleichenberger Bahn wird mit zwei Elektrotriebwagen und einer Elektrolokomotive abgewickelt.

Der „ET1“ wurde am 16. Jänner 1980 nach vollständiger Überarbeitung und Modernisierung wieder in Betrieb genommen. Am 16. September 1991 wurde der nach gleichem Muster umgebaute „ET 2“ wieder in Dienst gestellt. Bei beiden Fahrzeugen wurden unter anderem die hölzernen Aufbauten durch stählerne Wagenkästen ersetzt. Im Jahr 2002 erfolgte der Umbau der Elektrolokomotive „E 41“ inklusive Ausstattung mit einer Funkfernsteuerungsanlage. Letztlich wurde 2004 der vorwiegend für Sonderfahrten verwendeten Personenwagen „EB 22“ teilausgebessert.

Für Arbeiten an den Oberleitung wird der mit einem funkferngesteuertem Hydraulikkran und Montagekorb ausgestattete Motobahnwagen „X 51“ (Inbetriebnahme 1992) eingesetzt.

Personenverkehr

Durch die aufkommende Konkurrenz des Busses und ab den 1950ern die des Individualverkehrs gingen die Fahrgastzahlen stetig zurück. Während in den 1950er Jahren noch rund 100.000 Personen im Jahr mit der Bahn fuhren, gab es in den 1990er Jahren nur noch knapp 30.000 Fahrgäste pro Jahr.

Gegenwärtig wird der Personenverkehr von Montag bis Freitag mit vier Zugpaaren und am Wochenende mit drei Zugpaaren durchgeführt.

Seit dem Fahrplanjahr 2006/2007 gibt es an Wochenenden und Feiertagen von Ostern bis Allerheiligen ein zusätzliches Zugpaar am späteren Nachmittag mit Anschlüssen von und nach Graz.

Güterverkehr

Der Güterverkehr, welcher beinahe ausschließlich für die „Steirische Basalt- und Hartgesteinwerke Appel Steinbruch Ges.m.b.H.& CO KG“ in Mühldorf bei Feldbach erfolgt, ist eine der Haupteinnahmequellen der Bahn.

Galerie

Literatur

  • Sepp Tezak, Franz Kleindel: Steiermärkische Landesbahnen. Normalspur. Dieser Band behandelt die Strecken Gleisdorf – Weiz, Peggau – Deutschfeistritz – Übelbach und Feldbach – Bad Gleichenberg. Bahn im Bild, Band 29. Verlag Pospischil, Wien 1982. [5]
  • Franz Weinzettl: Abseits, auf den Gleisen. Edition Korrespondenzen, R. Ziegler, Wien 2008, ISBN 978-3-902113-55-9. (Literarische Beschreibung der Strecke in Tagebuchform). [6]

Einzelnachweise

  1. Steiermärkische Landesbahnen: Wissenswertes, Landesbahn Feldbach - Bad Gleichenberg
  2. Eisenbahnproject Feldbach–Purkla. In: Marburger Zeitung, 12. Juni 1900, S. 5 Mitte. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/mbz
  3. Handel, Industrie, Verkehr und Landwirtschaft. (…) Vorkonzession.. In: Wiener Zeitung, 15. August 1909, S. 9, unten rechts. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/wrz
  4. Österreichische Nationalbibliothek, ALEX: Bundesgesetzblatt 1928, 93. Stück, Nr. 334, Seiten 2099–2103
  5. Permalink Österreichischer Bibliothekenverbund.
  6. Inhaltstext online.

Anmerkungen

  1. Bereits im November 1872 wurde von zwei ähnlichen, wenn nicht gar gleichen Projekten berichtet, wovon eines, normalspurig, von der Gesellschaft der Graz-Köflacher Bahn beim k.k. Handelsministerium zur Vorkonzession eingereicht worden war (Strecke: Fürstenfeld–Gleichenberg–Luttenberg in der Steiermark (Ljutomer)–Station Polstrau (Središče ob Dravi). – Siehe: Eisenbahn-Nachrichten. (…) Graz-Köflacher Bahn. In: Das Vaterland, 24. November 1872, S. 6, oben links. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/vtl.

Weblinks