Bahnstrecke Lambach–Haag am Hausruck

Neukirchen bei Lambach–Haag am Hausruck
Plandienstfahrzeug ET 25.103 in Haag am Hausruck
Plandienstfahrzeug ET 25.103 in Haag am Hausruck
Streckenlänge: 22,0 km
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Stromsystem: 750 Volt =
Minimaler Radius: 142 m
Höchstgeschwindigkeit: 60 km/h
Strecke – geradeaus
Westbahn von Wien
Haltepunkt, Haltestelle
4,2 Neukirchen bei Lambach
   
Westbahn nach Salzburg
   
5,7 Strohham
   
7,0 Aichkirchen
   
8,9 Bachmanning
   
11,0 Getzing
   
11,9 Hörbach
   
13,8 Eggerding
   
14,8 Gaspoltshofen
   
18,0 Altenhof am Hausruck
   
19,4 Weinberg-Geboltskirchen
   
22,2 Weibern-Aistersheim
   
24,4 Untermeggenbach
   
26,2 Haag am Hausruck
Triebwagen im Bahnhof Haag am Hausruck (1977). Das Bahnhofsgebäude wurde 1991 abgerissen.
Der Quecksilberdampfgleichrichterwagen wird in Bachmanning beigestellt (Mai 1988)
Werkstatt und Remise Haag am Hausruck

Die Bahnstrecke Lambach–Haag am Hausruck, auch Haager Lies genannt, ist eine stillgelegte Lokalbahn in Österreich. Die 22,0 Kilometer lange normalspurige Stichbahn war eine Zweigstrecke der Westbahn und verband die Orte Neukirchen bei Lambach und Haag am Hausruck in Oberösterreich. Die meisten Züge fuhren durchgehend von und nach Lambach, wo auch die Kilometrierung ihren Ausgangspunkt hat. Einige verkehrten darüber hinaus bis Wels.

Die Strecke nach Haag wurde am 23. Juli 1901 eröffnet. Sie befindet sich vollständig im Besitz der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB), die Betriebsführung wurde von Stern & Hafferl Verkehrs-GmbH durchgeführt. Die Bahn war elektrifiziert und wurde mit 750 Volt Gleichstrom betrieben. Auf der Westbahn fuhren die Züge von und nach Haag mit einer Spannung von 15.000 Volt Wechselstrom, das heißt es waren Zweisystemfahrzeuge erforderlich.[1] Am 13. Dezember 2009 wurde der Schienenverkehr auf der Strecke eingestellt und die Zugverbindungen durch Busse ersetzt.[2]

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die Aktiengesellschaft der Lokalbahn Lambach - Haag wurde 1901 gegründet. Mit der Betriebsführung auf dieser Strecke wurden ursprünglich die k.k. österreichische Staatsbahnen beauftragt, betrieben wurde sie mit Dampflokomotiven. Von Anfang an war eine Verlängerung nach Ried im Innkreis geplant, diese wurde jedoch nie realisiert. Mit 1. Jänner 1930 wurde die Aktiengesellschaft liquidiert,[3] die Staatsbahnen BBÖ Eigentümer der Strecke. Da sich die Einnahmen in den 1930er-Jahren weiter rapide verschlechterten, wollte diese die Bahn einstellen. Die Verkehrsunternehmen Stern & Hafferl rettete die Bahn und die ÖBB übertrug dieser Firma die Betriebsführung. Daraufhin begann Stern & Hafferl im Jahre 1932 mit der Elektrifizierung der Strecke. Ein Jahr später, konnte man am 8. April 1938 den ersten elektrischen Triebwagen auf der Strecke in Betrieb nehmen.

1948 führte die ÖBB auf der Westbahn Elektrifizierungsarbeiten mit Wechselstrom durch, was für den Lokalbahnbetrieb Veränderungen mit sich brachte. Die Fahrleitung der Lokalbahn musste deswegen zwischen Lambach und Neukirchen abgebaut werden. Da ein Betrieb mit Elektrotriebwagen in diesem Abschnitt nicht mehr möglich war, mussten diese Fahrten zwangsläufig mit Dampfloks durchgeführt werden. Stern & Hafferl konnten dafür eine dauerhafte Lösung finden: Die Hauptwerkstätte Vorchdorf baute ein Fahrzeug mit einem Transformator und Quecksilberdampfgleichrichter, der einen Betrieb mit Gleich- und Wechselstrom ermöglichte.

Im Jahre 1952 baute die Werkstatt einen zweiten solchen Gleichrichterwagen, der sich überaus gut bewährte. Die Lokalbahnfahrzeuge konnten somit das Streckennetz der ÖBB befahren; bei Sonderfahrten und diversen Überstellungsfahrten kamen die Stern & Hafferl-Fahrzeuge mit Gleichrichterwagen schon bis nach Linz und Salzburg. Der Übergang zwischen Gleich- und Wechselstrom erfolgt auf einem 800 Meter langen Streckenabschnitt bei Neukirchen.[4]

Die letzten Betriebsjahre

Wochentags verkehrten in der letzten Fahrplanperiode sieben Zugpaare, bis Wels zwei zusätzliche. An Samstagen wurden nur zwei Zugpaare angeboten, an Sonntagen nur mehr eines.[5] Im Planbetrieb kamen die beiden Triebwagen der Reihe 4855 zum Einsatz.

Die Strecke

Bei Neukirchen bei Lambach befand sich die Einbindung in die Westbahn. Die Strecke war zuletzt wegen des schlechten Oberbauzustandes nur mit maximal 50 km/h befahrbar und die zugelassene Achslast beschränkt sich auf 20 Tonnen.

2001 wurden im Bahnhof Bachmanning alle Weichen erneuert.[6] Remisen gibt es in Bachmanning und Haag am Hausruck. Da nicht alle Fahrzeuge geschützt abgestellt werden konnten, stand ein Großteil im Freien.

Das Ende

Mit 12. Dezember 2009 wurde der Personenverkehr auf der gesamten Strecke eingestellt.[7] Der Grund dafür liegt mehrere Jahre zurück: Der ÖBB-Rahmenplan von 2005–10 (über alle ÖBB-Infrastrukturinvsetitionen) sieht eine Linienverbesserung der Westbahn für höhere Geschwindigkeiten vor, die jedoch eine oberflächenquerende Einbindung der Haager Lies nicht mehr erlauben. Ein Budget für eine Über- bzw. Unterführung wurde nicht eingeplant. Daher wäre die Haager Lies ein Inselbetrieb ohne Verbindung an die Westbahn und damit ohne Fahrbetrieb bis Lambach oder Wels geworden. Im ÖBB-Regionalbahnkonzept, das im Juni 2006 dem ÖBB-Aufsichtsrat vorgelegt wurde, ist die Haager Lies als "dauerhaft einzustellen" geführt. Im ÖBB-Regionalbahnkonzept, das im Juni 2008 vorgelegt wurde, wird die Strecke als "nicht vernetzte Eisenbahn" geführt, deren Strecke abzutreten oder einzustellen ist.

Die ÖBB Infrastruktur Betrieb AG hatten ursprünglich vor, den Betrieb bereits 2006 einzustellen, verlängerten den Betriebsvertrag auf Drängen des Betreibers Stern&Hafferl bis 2009. Eine weitere Verlängerung bis 2010 wurde abgelehnt. Ein Nachfolgeverkehr mit Bussen wurde eingerichtet.

Fahrzeuge

Siehe auch: Fahrzeuge der Stern & Hafferl Verkehrsgesellschaft

Übersicht über die auf der Haager Lies eingesetzten Fahrzeuge:

Abgestellte Fahrzeuge in Haag am Hausruck
ET 24.104
Nummer Baujahr Hersteller Sonstiges
Lokomotiven
E 20.001 1915 Grazer Waggonfabrik Elektrolok, 1935 von der Werksbahn Wöllersdorf gekauft
Triebwagen
ET 24.101 1935 Grazer Waggonfabrik Planverkehrstriebwagen
ET 24 102 1935 Grazer Waggonfabrik Planverkehrstriebwagen
ET 22.105 1921 Grazer Waggonfabrik 1962 von der Linzer Lokalbahn übernommen
Güterwagen
B 38.208 1950 Sankt Pölten ÖBB Spantenwagen, seit 1974/1975 auf der Strecke eingesetzt
B 38.210 1950 Sankt Pölten ÖBB Spantenwagen, seit 1974/1975 auf der Strecke eingesetzt
DPost 84 202 1915 Grazer Waggonfabrik ÖBB Postwaggon, seit 1968 im Besitz der Haager Lies
G 119 481 1913 Ringhoffer gedeckter Stückgutwaggon
G 20.811032 852 1928 Niederzwehren gedeckter Stückgutwaggon
N 24.424 1904 Kolin Niederbordwaggon
N 20.520 1941 Breda Kesselwagen
N 24.601 1941 Breda Kesselwaggon
Bahndienstfahrzeuge
X 25.601  ? Eigenbau Bahnwagen
X 25.621  ? Eigenbau Turmwagen
Sonstige Fahrzeuge
EGL 25.051 1950 Werkstätte Vorchdorf Gleichrichterwagen, Eigenbau der Hauptwerkstätte
EGL 25.052 1952 Werkstätte Vorchdorf Gleichrichterwagen, Eigenbau der Hauptwerkstätte[8]

Literatur

  • Stern & Hafferl – Visionen mit Tradition. GEG Werbung GmbH, Herausgeber: Stern und Hafferl GmbH, Gmunden 2003, ISBN 3-9501763-0-6
  • Die Unternehmung Stern & Hafferl II. Helmut Weis, Herausgeber: Bahn im Bild, Band 26 1982
  • 100 Jahre Haager Lies. Stern & Hafferl

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Stern & Hafferl
  2. Landeskorrespondenz Nr. 262 vom 13. November 2009
  3. Dieter Geerkens, Wertpapiere Österreichischer Eisenbahnen, Bd. 1, bahnmedien.at, Wien 2009, S. 130
  4. Buch: Die Unternehmung Stern & Hafferl I. Peter Pospischil Herausgeber: Bahn im Bild, Band 12, 1980, Seite 51
  5. Regionale Schiene: Ausgabe 3/2008, Seite 45
  6. Zeunert:Die Kleinbahn - Privatbahnen & Werksbahnen. Band 12, 2000, Seite 93
  7. OÖNachrichten: Haager Lies ab 13. Dezember eingestellt
  8. Buch: Die Unternehmung Stern & Hafferl I. Peter Pospischil Herausgeber: Bahn im Bild, Band 12, 1980, Seite 52