Bahnstrecke Traisen–Kernhof

Traisen–Kernhof
Streckenlänge: 34 km
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Strecke – geradeaus
Leobersdorfer Bahn von St. Pölten
Bahnhof, Station
0,00 Traisen *03.10.1877 345,8 m ü. A.
Abzweig – in Fahrtrichtung: nach links
Leobersdorfer Bahn nach Leobersdorf
Brücke über Wasserlauf (groß)
0,7 Gölsen-Brücke (33,30 m)
Haltepunkt, Haltestelle
2,197 Traisen Markt *20.10.1878 353,3 m ü. A.
Haltepunkt, Haltestelle
4,978 Marktl *20.10.1878 368 m ü. A.
Bahnhof, Station
6,502 Lilienfeld *01.06.1878 375,7 m ü. A.
Haltepunkt, Haltestelle
7,793 Lilienfeld Krankenhaus *15.12.1887 380,3 m ü. A.
Haltepunkt, Haltestelle
8,618 Schrambach *01.06.1878 383,5 m ü. A.
   
10,0 Tavern *2. Jun. 1893 †22.04.1932 392,9 m ü. A.
   
von Türnitz
Bahnhof ohne Personenverkehr
12,199 Freiland *02.06.1893 PV †12.12.2010 405,5 m ü. A.
Brücke über Wasserlauf (groß)
12,5 Brücke über die Unrecht-Traisen (23,20 m)
   
17,156 Innerfahrafeld *02.06.1893 PV †12.12.2010 426,5 m ü. A.
   
17,414 Anschlussbahn (Awanst) Sägewerk Brunner-Stern
   
18,298 Furthof *02.06.1893 PV †12.12.2010 460,4 m ü. A.
Bahnhof ohne Personenverkehr
19,977 Hohenberg *02.06.1893 PV †12.12.2010 474,6 m ü. A.
   
22,311 In der Bruck *2. Jun. 1893 †12. Dezember 2010 498,9 m ü. A.
   
25,824 Amt Mitterbach *02.06.1893 PV †12.12.2010 540,6 m ü. A.
   
27,545 St. Aegyd Eisenwerk *28.05.1889 PV †12.12.2010
Bahnhof ohne Personenverkehr
28,491 St. Aegyd am Neuwalde *02.06.1893 PV †12.12.2010 570,9 m ü. A.
   
29,500 Markt St. Aegyd am Neuwalde *02.06.1893 PV †12.12.2010 589,5 m ü. A.
   
34,300 Kernhof *02.06.1893 †29.05.1988 688,8 m ü. A.

Die Bahnstrecke Traisen–Kernhof ist eine Nebenbahn in Niederösterreich. Die rund 34 km lange Strecke erschließt das Traisental.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Nach Vollendung der Westbahn gab es mehrere Projekte, eine Verbindung mit der Südbahn herzustellen. Schließlich setzte sich die Idee durch, die Wasserscheide zwischen Gölsen und Triesting in kaum 600 m Seehöhe mit einer Trassenführung St. Pölten-Leobersdorf zu überwinden.

Mit Gesetz vom 16. Mai 1874 wurde nicht nur die Grundlage für den Bau der Strecke Leobersdorf–St. Pölten geschaffen, sondern u. a. auch Vorsorge für eine Flügelbahn von Scheibmühl[1] nach Schrambach, eventuell Freiland getroffen.[2] Mit Concessionsurkunde vom 3. November 1874 wurde den Konzessionären Victor Graf Wimpffen im Vereine mit Adolph Horst, Leopold Hutterstraßer, Alexander Curti und August Köstlin das Recht zum Bau und Betrieb der genannten Strecken verliehen, wobei u. a. für die Zweigbahn von Scheibmühl nach Schrambach, eventuell Freiland der Status einer Secundärbahn festgelegt wurde, solange von der Staatsverwaltung keine technisch-bauliche Aufwertung angeordnet wäre.[3]

Am 19. Oktober 1876 konstituierte sich die Leobersdorf-St. Pöltener Eisenbahn-Gesellschaft unter der Firma K. k. priv. niederösterreichische Südwestbahn in der Anwesenheit von 17 Aktionären, welche mehr als neun Zehntel des Actien-Kapitals repräsentierten.[4]

Trotz mehrfacher staatlicher Unterstützung[5][6][7] sah sich die Aktiengesellschaft k. k. priv. niederösterreichische Südwestbahnen,[8] die den Bahnbau begonnen hatte, unlösbaren Finanzierungsproblemen gegenüber, sodass der Staat die Restfinanzierung und schließlich 1878 die gesamte Bahnanlage[9] unter der Bezeichnung k. k. niederösterreichische Staatsbahnen übernahm.[8]

Abzweigstation Scheibmühl[1] (um 1905)
Bahnhof St. Aegyd am Neuwalde (1906), gesehen in Fahrtrichtung Kernhof, links: Heizhaus (47.85361315.572234)

Am 1. Juni 1878 wurde diese 8,5 km lange Strecke eröffnet[10] (auf welcher bis 5. Juli selben Jahres eine Maximalgeschwindigkeit von 12 Kilometern per Stunde[9] galt).

Zehn Jahre später konkretisierte sich die weitere Planung im Gesetz vom 30. Juni 1888, das eine theils als Adhäsions-, theils als Zahnstangenbahn herzustellende Eisenbahnverbindung von der Station Schrambach […] über Freiland, St. Egyd, Terz und Mürzsteg nach Neuberg mit einer Abzweigung von Terz über Mariazell nach Gußwerk, eventuell nach Wegscheid zum Inhalt hatte.[11]

Weitere im Rahmen der gesetzlich festgelegten Projektierung vorgenommene Kostenschätzungen legten der Regierung nahe, einstweilen nur die Thalstrecke von Schrambach über Freiland und St. Egyd nach Kernhof auszuführen.[12]

Der Bau der als normalspurige Secundärbahn auszuführenden Locomotiveisenbahn von Schrambach nach Kernhof erfolgte auf Basis des Gesetzes vom 1. Juni 1890[13]die Eröffnung der 25,6 km langen Strecke fand am 2. Juni 1893 statt.[12]

Die Seitenlinie der Leobersdorfer Bahn beginnt im Bahnhof Traisen, folgt der Traisen flussaufwärts und erreicht nach den Haltestellen Traisen Markt und Marktl den Bahnhof Lilienfeld, nachdem sie kurz zuvor das Stift Lilienfeld passiert hat.

Es folgen die Haltestellen Stangenthal und Schrambach sowie die aufgelassene Haltestelle Tavern, bevor der Bahnhof Freiland erreicht wird, von dem die 2001 stillgelegte Strecke nach Türnitz abzweigt.

Nun folgt die Strecke der Unrecht-Traisen. Die nächsten Haltestellen sind Innerfahrafeld und Furthof. Danach folgt der Bahnhof Hohenberg. Die Haltestellen In der Bruck, Amt Mitterbach sowie St. Aegyd Eisenwerk befinden sich vor dem Bahnhof St. Aegyd am Neuwalde. Hier endet der Güterverkehr auf dieser Strecke. Nur knapp hinter diesem Bahnhof liegt der Endpunkt der Strecke (bis 12. Dezember 2010) in der Haltestelle Markt St. Aegyd am Neuwalde. Der Bahnhof Kernhof wird seit 29. Mai 1988 nicht mehr erreicht.[14] Die Teilstrecke Schrambach–St. Aegyd am Neuwalde Markt wurde am 12. Dezember 2010 für den Personenverkehr eingestellt; der Güterverkehr zwischen Freiland und St. Aegyd wurde, verbunden mit einer Frachtkostenerhöhung von 150 Euro/Waggon, ursprünglich bis Mitte 2011, nach politischer Urgenz bis zum Fahrplanwechsel Dezember 2011 aufrechterhalten. [15][16]

Seit dem 1. April 2012 ist die 17 km lange Strecke zwischen Freiland und St. Aegyd eine Anschlussbahn im Besitz der Region Traisen-Gölsental GmbH,[17] die diese der ÖBB Rail Cargo zur Verfügung stellen.

Fahrbetriebsmittel

Die Niederösterreichischen Südwestbahnen beschafften ursprünglich sechs Lokomotiven der Serie A, sieben Maschinen der Serie B, eine Tenderlokomotive 1C und sechs Tenderlokomotiven der Serie C mit den Nummern 2–7. Alle diese Maschinen wurden von den kkStB übernommen. Die kkStB selbst ließ 1893 drei Lokomotiven (97.59–61) für die NÖSWB im Zusammenhang mit der Eröffnung der Zweiglinie nach Kernhof bauen.

Bedeutung

Die Strecke wurde als eine der ersten verstaatlicht und läutete die große Staatsbahnära in Österreich ein, noch bevor die Kaiserin-Elisabeth-Bahn (Westbahn) in den Staatsbesitz überging.

Mit der immer stärker werdenden Konkurrenz durch den Straßenverkehr verlor die Strecke in der Nachkriegszeit immer mehr an Bedeutung.

Die nicht durchgeführten Investitionen und Modernisierungen (automatische Schrankenanlagen, fernbediente Weichen, Erneuerungen des Oberbaus) führten zu einer personalintensiven und langsamen Abwicklung des Verkehrs, der nicht mehr kostendeckend durchgeführt werden konnte. Die in den 1960er und 1970er Jahren gut besetzten Arbeiter- und Schülerzüge verloren immer mehr an Bedeutung. Die Folge war 1988 die Einstellung des Verkehrs nach Kernhof.

Galerie

Literatur

  • Hans Sternhart, Friedrich Slezak, Josef O. Slezak: Niederösterreichische Südwestbahnen. Leobersdorf, Hainfeld, St. Pölten, Traisen, Kernhof/Türnitz, Wittmannsdorf, Piesting, Gutenstein, Pöchlarn, Scheibbs, Kienberg-Gaming. Internationales Archiv für Lokomotivgeschichte, Band 25. Verlag Slezak, Wien 1977, ISBN 3-900134-35-9.
  • Peter Wegenstein, Heinz Albrecht: Bahnen zwischen Süd- und Westbahn. Die Strecken Leobersdorf – St. Pölten, Traisen – Kernhof und Freiland – Türnitz. Bahn im Bild, Band 75, ZDB-ID 52827-4. Verlag Pospischil, Wien 1990.
  • Wolfdieter Hufnagl: Die Niederösterreichischen Landesbahnen. transpress Verlag, Stuttgart 2003, ISBN 3-613-71214-8.

Weblinks

 Commons: Leobersdorfer Bahn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b Heute: Traisen; Scheibmühl bis Mitte der Zwanzigerjahre in Verwendung. – Sternhart, Slezak, Niederösterreichische Südwestbahnen, S. 12 und 35.
  2. RGBl 1874/64
  3. RGBl 1875/10
  4. Niederösterreichische Südwestbahn. In: Neue Freie Presse, Morgenblatt, Nr. 4368/1876, 22. Oktober 1876, S. 9, Mitte links. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/nfp.
  5. RGBl 1875/11
  6. RGBl 1876/68
  7. RGBl 1876/69
  8. a b RGBl 1878/104
  9. a b RGBl 1878/88
  10. Geschichte der Eisenbahnen der österreichisch-ungarischen Monarchie. Band: 1,2. Karl Prochaska, Wien 1898, S. 193.
  11. RGBl 1888/109
  12. a b Geschichte der Eisenbahnen der österreichisch-ungarischen Monarchie. Band: 1,2. Karl Prochaska, Wien 1898, S. 394.
  13. RGBl 1890/105
  14. Bereits im Frühjahr 1968 bestand der Beschluss, die Nebenbahnlinien Traisen–Kernhof und Freiland–Türnitz einzustellen, wogegen der ÖGB in einer Resolution protestierte. – Siehe: ÖGB-Protest gegen Nebenbahneinstellung. In: Arbeiter-Zeitung. Wien 26. April 1968, S. 4, Mitte unten.
  15. Ärger über Zuschlag der ÖBB. In: noen.at, 7. Dezember 2010, abgerufen am 2. Jänner 2011.
  16. Traisentalbahn: Güterverkehr verlängert In: noe.orf.at, 2. Juli 2011, abgerufen am 2. Juli 2011.
  17. Eröffnung der Anschlussbahn Freiland St. Aegyd/Nw. Regionalmanagement Traisen-Gölsental, 15. März 2012, abgerufen am 5. April 2012.