Bayrisches Platzl

Bildstock am Bayerischen Platzl
Bayrisches Platzl: Marienbild

Das Bayrische Platzl ist kein Platz im städtebaulichen Sinne, sondern erinnert an einen gleichnamigen Flurnamen und befindet sich in der Elisabeth-Vorstadt von Salzburg an der Ecke Plainstraße und Bayrisch-Platzl-Straße.

An dem genannten und heute dicht bebauten Ort befindet sich ein Bildstock, der eine Kopie des Gnadenbildes aus der Wallfahrtskirche Maria Plain enthält. Ursprünglich war dieser Bildstock auf freiem Felde errichtet worden und stellte ein sogenanntes Reichsaltertum dar. Er markierte eine Freistätte der Bayernherzöge oder ihrer Gesandten. Laut einer Urkunde von 1594 kommt dem Ort folgende Bedeutung zu:

„Es ligt ain unangebauter Grundt Im Erzstifft, nebst bey Salzburg, der Rättenpach genannt, der solle also unangepaut sein, und in mittel des grundts, eingegrabene Seilen (Säule) mit einer umbdrehenden Höfft haben, daran man einen Schlagenden Gaul höfften khan, und dannacht ohne Schaden des Gauls, auf den unangepauten grundt, zwayundsibenzigkh gerüsste Pferdt halten khan.“

Urkunde Kurbayern 1594 XI 22, zit. nach Herbert Dorn (1996, S. 109)

An dem Bildstock ist noch heute ein Ring zu sehen, an den man einen „schlagenden Gaul höfften“ (= anbinden) könnte. In der Folge wird ausgesagt, dass dem bayerische Herzog das Recht zukommt, mit 72 Reitern vor die Tore der Stadt Salzburg zu ziehen, um dort eine „malefizische“ (= todeswürdige) Person einzufordern, die ihm dann am Bayrischen Platzl zu übergeben sei. Der Ort wurde noch 1694 als „Herzogschranne“ bezeichnet. Dieses Recht wurde von dem Salzburger Rechtsgelehrten und Archivar Johann Franz Thaddäus von Kleimayrn in seiner 1770 erschienenen Schrift „Unparteiische Abhandlung von dem Staate des hohen Erzstiftes Salzburg und dessen Grundverfassung zur rechtlich und geschichtsmäßigen Prüfung des sogenannten juris regii der Herzoge in Bayern“ zu widerlegen versucht und als „kecke Verletzung der salzburgischen Souveränitätsrechte“ gekennzeichnet. Da Salzburg im Zuge der napoleonischen Kriege als Salzburgkreis zwischen 1810-1816 dem Königreich Bayern zugeschlagen wurde, war dieses Recht erledigt.

Später wurde der Bildstock in einen Marienbildstock umgewandelt. Deswegen wird er oft missverständlich als Teil des Wallfahrtsweges nach Maria Plain und den Geheimnissäulen auf dem Weg nach Maria Plain angesehen. Seit 1935 ist die zur Salzach zum Josef-Mayburger-Kai führende Straße mit Bayrisch-Platzl-Straße benannt worden.

Literatur

  • Herbert Dorn: Spurensuche in Salzburg. 1996, Salzburg: Museum Carolino Augusteum, ISBN 3-901014-49-7.

Weblinks

47.81777777777813.040833333333Koordinaten: 47° 49′ 4″ N, 13° 2′ 27″ O