Bergbau in Bad Häring

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Seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde in Bad Häring in Tirol fast 200 Jahre lang Braunkohle abgebaut. Seit 1854 wird Kalkstein und Mergel zur Zementherstellung abgebaut. Dieser gewann vor allem nach dem Niedergang des Kohlebergbaues an entscheidender Bedeutung.

Inhaltsverzeichnis

Lage

Bad Häring befindet im Tiroler Unterland. Die Ortschaft liegt auf einem Hochplateau auf ca. 600 m Höhe etwa 5 km nordöstlich von Wörgl entfernt. Nach Osten wird die Ortschaft vom Pölven begrenzt, an dem seit langem intensiver Bergbau betrieben wird.

Kohlebergbau

Die Braunkohlevorkommen von Bad Häring sind bereits seit dem Mittelalter bekannt. Die frühe Entdeckung der Lagerstätte ist vermutlich auf die an mehreren Stellen im Wald austretenden Grubengase brennender Kohleflöze zurückzuführen.

Den ersten Schritt zum bergmännischen Abbau legte der Brixlegger Bergknappe Jakob Weindl im Jahr 1766, der – motiviert durch ein Preisausschreiben Kaiserin Maria Theresias – das Potential einer wirtschaftlichen Erschließung erkannte.

Da Jakob Weindl kurz nach Beginn des Abbaues ältere Baue antraf ist jedoch anzunehmen, dass früher bereits gegraben wurde, dies jedoch in Vergessenheit geriet und vom Brixlegger Bergknappen wiederentdeckt wurde.

Während der ersten Jahre erfolgte die Gewinnung der Kohle relativ unstrukturiert vor allem durch Bauern als Nebenerwerb, später bereits durch eine private Gewerkschaft im Tagbau an den Ausbissen der Flöze in ca. 760 bis 870 m über NN. Die gewonnene Kohle fand vor allem in der Haller Saline reissenden Absatz, nachdem die Holz-Feuerung von der Kohle-Feuerung zum Eindampfen der Sole abgelöst wurde. Da die Braunkohle einen höheren Brennwert wie Holz liefert konnte durch diese Umstellung der Brennstoffe in der Saline das Transportvolumen verringert werden. Aufgrund gestiegener Beliebtheit des neuen Brennstoffes konnte das Kohlerevier in Bad Häring an entscheidender Bedeutung gewinnen.

In der darauffolgenden Zeit wurde der systematische Abbau forciert und schließlich konnte im Jahr 1777 der Theresiastollen im Auftrag der Haller Saline angeschlagen werden. Um die Ausbeute zu steigern wurden langfristig mehrere Stollen angeschlagen, sodass bis 1800 bereits 10 Stollen im Betrieb waren. Darunter befanden sich der Josefistollen (1783), der Franziskistollen (1784) oder der Elisabethstollen (1785). Auch der Barbarastollen wurde zu dieser Zeit angeschlagen (1792) und war der bisher tiefste Stollen, der die hochwertigste Kohle lieferte.

Der Franziskistollen stieß nach etwa 600 Stollenmetern auf das Kohleflöz. Aufgrund des steilen Einfallens des Flözes konnte es von Häring aus durch diesen Gang nur im oberen Teil aufgeschlossen werden.

Während der bayerischen Besetzung Tirols von 1806 bis 1814 wurden weitere Stollen angefahren wie etwa der Ferdinand-Stollen im Berggrübl-Revier um 1810 sodass der Abbau eine jährliche Produktion von ca. 10.000 t erlangte.

Um auch jene bisher unangetasteten Vorkommen zu erreichen, die unterhalb des Franziskistollen situiert waren, wurde die Planung eines Schachtes vorangetrieben und dieser kurze Zeit darauf realisiert.

Die damals technischen Möglichkeiten erwiesen sich jedoch bald als begrenzt, sodass es mittels Schachtförderung nicht gelang dem Kohleflöz weiter in die Tiefe bis zum Auskeilen zu folgen. Daher erfolgte der Bau eines weiteren Stollens auf Höhe der Innsohle ausgehend vom ehemaligen Zementwerk in Kirchbichl. Jener Gang, genannt Fürst Lobkowitz Erbstollen, wurde 1839 angeschlagen und traf erst 1870 nach einer Länge von ca. 2500 m auf das begehrte Flöz. Mit einer Gesamtlänge des nach SE verlaufenden Stollens von 2.820 m ist er der längste des Häringer Bergbaus. Trotz seiner beachtlichen Länge entschied erwies sich der neu angelegte Stollen als damals sinnvollste Möglichkeit die Kohle kostengünstig und mit primitiven Mitteln auszufördern. Alternativ zog man einen Stollen im Häringer Gebiet in Betracht, dessen Bau durch mächtige Lockersedimente mit hohen Kosten verbunden gewesen wäre. Zudem kamen vor der Erfindung der Dampfmaschine technische Schwierigkeiten wie die Hebung des Materials hinzu, weshalb man die Pläne kurzerhand verwarf.

Während seiner Errichtung hatte man mit mehreren Problemen zu kämpfen, welche die lange Errichtungszeit von 30 Jahren begründen: Bei der Errichtung eines Wetterschachtes kam es 1852 durch Einbrüche von Lockersedimenten zum Verschütten von 250 Stollenmetern, wobei auch zwei Bergleute bei diesem Ereignis ihr Leben lassen mussten. Durch diesen Vorfall wurde die harte Arbeit der Bergleute der letzten zwei Jahre zunichtegemacht. Der Erbstollen, der über seine Errichtungszeit hochgerechnet einen täglichen, durchschnittlichen Vortrieb von ungefähr 25 cm erreichte, war nicht nur zur Förderung der Kohle, sondern auch zur Bewetterung und zum Abführen des Grubenwassers von großer Bedeutung.

Nach der Fertigstellung des Erbstollens war noch die Förderung des begehrten Rohstoffes im Berggrüblrevier, im Barbararevier, im Karlstollen sowie im Erbstollen aktiv.

Da mit der Fertigstellung des Erbstollens 1870 eine 20 Jahre dauernde Glanzzeit des Häringer Kohlebergbaus eingeleitet wurde konnte man sich währenddessen beruhigt neuen Projekten zuwenden, um eine Versorgungssicherheit für weitere Jahrzehnte zu garantieren. Aus diesem Grund wollte man das Abbaugebiet in tiefer gelegene Schichten erweitern und begann 1893 mit dem Abteufen eines weiteren Schachtes von der Erbstollensohle aus. Der neu errichtete Tiefbauschacht wurde 327 m abgeteuft und gemeinsam mit den neu errichteten Schächten konnte die Abbaumenge im gesamten Bergbau auf fast 40.000 t vervierfacht werden. Da sich eine fast vollständige Ausbeute der Kohlevorkommen oberhalb des Erbstollens 1890 abzeichnete verlagerte man zunehmend die Gewinnung in die neu errichteten Horizonte des Tiefbauschachtes.

1911 teufte man nach Probebohrungen schließlich den Neuschacht vom Erbstollenniveau 452 m ab, der die tiefsten Kohlevorkommen erschließen sollte. Die Schachtanlage wurde 1913 in Betrieb genommen. Nach einem Einbruch der Fördermengen aufgrund einer Vielzahl unerfreulicher Ereignisse wie den immer wieder auftretenden Grubenbränden konnte eine Steigerung der Tonnagen erzielt werden und um 1910 nahezu an die Höchstproduktion von 40.000 t angeschlossen werden. Während des ersten Weltkrieges wurde vorübergehend das bisher beste Ergebnis erwirtschaftet wobei 43.570 t an Ausbeute zu verzeichnen waren.

Während der Weltwirtschaftskrise Ende der 20er Jahre unterlag der gesamte Abbau einem Einsparungsprogramm, dessen Konsequenzen nur noch eine Kohleförderung über den Neuschacht bzw. den Erbstollen zuließ.

In der Zwischenkriegszeit konnten die Fördermengen mit 35.000 t annähernd konstant gehalten werden, nur 1926 kam es erneut aufgrund eines verheerenden Großbrandes zum Einbruch.

Der Neuschacht wurde ständig in die Tiefe erweitert, wobei seine Sohle 1937 nur noch 51,1 m über Adrianiveau befand. Weitere Untersuchungsbohrungen wurden bis 5 m über der Adria abgeteuft. Da in den untersten Revieren allerdings keine rentable Förderung mehr zu verzeichnen war wurde die Gewinnung der Kohle im Wesentlichen auf die darüber liegenden Horizonte beschränkt.

Eine Schließung des mittlerweile stark defizitären Kohlebergbaus wurde 1941 realisiert, wobei die Maschinen demontiert, die Stollen vermauert sowie Gebäude und Grundstücke verkauft wurden. Die Arbeitskräfte wurden von Bergwerksbetrieben wie dem Kupferbergbau Brixlegg, Molybdänbergbau an der Alpeiner Scharte und dem Steinkohlebergbau Nößlachjoch übernommen. Am Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 führte ein Engpass an fossilen Energieträgern zur kurzfristigen Wiedereröffnung mit ca. 20 Bergleuten beim Franziskistollen. Jedoch konnte ein rentables Betriebsergebnis aufgrund der niedrigen Kohlenpreise nicht erwirtschaftet werden sodass es zur Aufgabe des Abbaus kam.

Erst ein Darlehen des Landes Tirol und finanzielle Unterstützung der Gemeinde Bad Häring ermöglichten Ende 1945 den Bau einer Anschluss-Seilbahn vom Franziski-Stollen ausgehend zur Seilbahnrampe beim Maximilian-Stollen, über die ein oberirdischer Transport erfolgen konnte. Zudem wurden unter hohem finanziellen Einsatz neue Maschinen angeschafft und eine Aufbereitungsanlage sowie eine Sortier-, Bunker-, und Verladeanlage in Kirchbichl aufgebaut werden. In den folgenden Jahren wurde bis 1954 von den oberen Horizonten des Franziskistollens und am Berggrübl erneut Kohle geschürft. Auch der Barbarahorizont und der Josefistollen erfuhren eine Wiedereröffnung; als Hauptabnehmer der Kohle fanden sich die Holzfaserplattenfabrik in Wörgl und Private zu Heizzwecken.

Der Transport des Energieträgers fand ab 1949 nicht mehr mittels Seilbahn sondern wieder über den Erbstollen statt. 1954 zeichnete sich eine Auskohlung des Erbstollenpfeilers im Süden ab, ein Ausweiten nach Norden erschien aufgrund der immer wieder auflebenden Grubenbrände nicht möglich, weshalb eine vollständige Ausbeute des Horizontes unterblieb. Um eine Fortsetzung der Lagerstätte zu finden und somit den Fortbestand des Häringer Bergwerkes zu sichern wurden geologische Gutachten erstellt. Diese lieferten im Hinblick auf die Kohlevorkommen negative Ergebnisse, weshalb eine endgültige Stilllegung des Kohlenbergbaus nach fast 200-jährigem Bestehen unerlässlich schien. Während dem letzten Aufleben des Bergwerkes in der Nachkriegszeit konnten noch beachtliche 175.000 t an Ausbeute erreicht werden.

Brände im Kohlebergbau

Die Brandgefährdung im Häringer Kohlebergbau ist sehr hoch. Die Brände entstehen vor allem durch die Bewetterung wenn die Kohleflöze mit Sauerstoff in Kontakt kommen.

Besonders leicht entzünden sich Kohlen mit hohem Schwefelgehalt. Gelangen Luft und Feuchtigkeit in Kontakt mit Schwefelverbindungen, wie beispielsweise Pyrit, kommt es zu einer exothermen Reaktion, wobei sich sie umgebenden Kohlen derart stark erhitzen können, sodass ein Schwelbrand entsteht. Dabei entsteht aufgrund unvollständiger Verbrennung unter Sauerstoffmangel Kohlendioxid und stark toxisches Kohlenmonoxid welche große Gefahren für die Bergknappen darstellen.

Die Brände waren wie bereits eingangs erwähnt bereits seit dem Mittelalter bekannt. Der erste Brand während der Kohleförderung nach Wiederauffindung der Flöze ereignete sich 1795 am Theresienstollen. Schon in den Jahren zuvor wurde eine Erwärmung beobachtet. Durch alle Arbeiter des Werkes wurden damals vier Tage lang glühender Schutt ausgefördert und Wasser in die Grube eingeleitet.

1811 registrierte man erneut im Josephirevier eine starke Erwärmung wobei der erhitzte Schutt wieder ausgefördert wurde und Wasser über Rohrleitungen eingeleitet wurde. Erst 1815 wurde die Gefahr gebannt, jedoch musste man mit neuen Problemen kämpfen, da die nassen Massen an vielen Stellen ins Rutschen gelangten und Gegenmaßnahmen forderten.

Als Prävention gegenüber neu entstehenden Bränden wollte man jegliches Kohleklein in den nächsten 8-12 Jahren ausführen und die ausgekohlten Räume mit Schutt ausfüllen. Eine vollständige Räumung der Grube war jedoch unmöglich und sehr kostspielig, sodass dies auch nicht versucht wurde. Obwohl man sich der latenten Gefahr eines Brandes bewusst war bleib es bei unzureichenden Gegenmaßnahmen, unter anderem auch weil die Arbeitskräfte und Fördermengen begrenzt waren.

Die größte Brandkatastrophe ereignete sich am 25. Januar 1836 im Franziski-Feld, der bis heute andauert. Bereits ein Jahr zuvor wurde eine starke Wärmeentwicklung festgestellt. Innerhalb weniger Stunden breitete sich das Feuer rasch aus, sodass am nächsten Morgen bereits das gesamte nördliche Feld in Flammen stand. Das gesamte verfügbare Personal wurde zur Brandbekämpfung herangezogen, über 100 weitere Hilfskräfte wurden aus Häring und Umgebung aufgenommen. Schnell wurde klar, dass die einzige Möglichkeit darin bestand den Brandherd einzudämmen, wofür man eine Brandmauer errichten wollte. Nach eineinhalb Jahren war der Raum für den Absperrdamm geschaffen und man begann mit der Verschlämmung. Ober Tage konnte man starken Rauchaustritt an vielen Stellen feststellen, wobei man alle Rauchstellen mit Lehm versiegelte. Teils mussten zu diesem Zweck auch Waldflächen gerodet werden.

Im Zuge dieses Brandes ereignete sich ein schweres Unglück in einem nahegelegenen Haus, wobei dem Gasaustritt drei Menschen zum Opfer fielen. Zudem wurden viele Arbeiter im Zuge der Brandbekämpfung körperlich schwer belastet, sodass einige schwer erkrankten und eine Person unmittelbar verstarb.

Zweieinhalb Jahre nach Ausbruch des Feuers wurde erneut glühende Kohle aufgefunden und ein Ersäufen des Reviers in Erwägung gezogen. Da jedoch das Dammsystem entsprechend erweitert wurde sah man vor einer Flutung ab. Durch sie unterirdischen Brände entstanden an der Oberfläche zahlreiche Pingen, die verfüllt wurden.

Mehrere Jahrzehnte blieben die Häringer vor größeren Brandereignissen verschont, erst am 22. Januar 1893 wurde im nördlichen Erbstollenfeld infolge Selbstentzündung ein Brand wahrgenommen. Für fast drei Monate wurde die Produktion eingestellt, da nahezu die gesamte Belegschaft erneut zur Brandbekämpfung herangezogen werden musste.

Während der folgenden Jahre flammten immer wieder an mehreren Stellen Brandherde auf, die nie vollständig eingedämmt werden konnten. Aufgrund der starken Rauch- und Gasentwicklung wurden häufig Beschwerden geäußert, weshalb man sich unter hohem Zeitdruck für eine Flutung des gesamten Tiefbaufeldes entschloss. Der Wasserspiegel stieg anfangs im Bergwerk bis zu vier Meter, das Wasser erwärmte sich auf bis zu über 45° Celsius, die Lufttemperatur stieg auf 60° Celsius. Nach dem Auspumpen des Wassers konnten erneut glühende Verbruchsmassen gefunden werden, woraufhin man die Brandstelle abdämmte.

Im Jänner 1907 griff der Brandherd auf den Elisabethstollen über, worauf man den Abbau aufgrund der Minderwertigkeit der Kohlen aufgab.

In den Folgejahren traten wiederholt kleinere Brände auf, die teilweise rasch durch Überfluten und Verschlämmen eingedämmt werden konnten.

Unfälle

Während des langjährigen Bestehens des Bergbaues kam es häufig zu schweren Unfällen, oftmals mit tödlichem Ausgang. Eine vollständige Aufführung ist mangels Unterlagen nicht mehr möglich.

Am 4. März 1817 wurde Peter Hausperger von einer einstürzenden Wand schwer verletzt. Als Entschädigung erhielt er täglich 14 Kreuzer.

Im Dezember 1819 wurde verletzte sich Kaspar Nagiller im Zuge einer Sprengung und musste einige Tage Krankenstand in Anspruch nehmen.

Der Truchner Johann Hörner wurde beim Ausschwemmen des Schuttes am 3. September 1822 schwer verletzt. Es kam zu einem Wasserstau im Kanal, als sich dieser löste wurde der Arbeiter mitgerissen und von einem Grubenzimmerungsstempel an der Hüfte getroffen.

Nach einer langen Lücke in den Aufzeichnungen kam es im Oktober 1852 auf einer Länge von ca. 200 m zu einem Einbruch loser Schuttmassen in den Erbstollen. Als man die Gesteinsmassen entfernte wurden für den Fall eines erneuten Einbruches Schutztüren eingebaut. Die Bergknappen, die mit der Beseitigung des Schuttmaterials beschäftigt waren konnten eine erneute Bewegung der Massen feststellen. Zwei der drei Beschäftigten versuchten sich hinter der Schutztüre in Sicherheit zu bringen, einer ergriff sofort die Flucht. Nachdem die Arbeitskameraden nicht mehr auftauchten begann die Suche nach den Vermissten. Der Stollen war erneut bis auf 200 m hinter die Schutztüren verschüttet. Die Sperrvorrichtung hatte nicht standgehalten wodurch die Bergleute verschüttet wurden und nur noch tot geborgen werden konnten.

Eineinhalb Jahre später, am 21. Februar 1854 wurde der Maurer Georg Lindebner von einer sich ablösenden Wand erdrückt.

Am 3. Juni 1854 wurde der Förderer Johann Maxstetter von einem niedergehenden Kohlenstück erschlagen. Ein Arbeitskamerad nahm verdächtige Geräusche war, worauf sich der Knappe aufrichtete, um zu horchen. Zeitgleich löste sich das Gestein und verletzte ihn derart schwer, dass er an Ort und Stelle verstarb.

Schlagende Wetter traten erstmals am 3. und am 4. März 1854 im Erbstollen auf. Einige Arbeiter erlitten dadurch leichte Verbrennungen.

Ein schweres Unglück ereignete sich am 11. Februar 1857. Genaue Angaben zum Unfallhergang sind nicht überliefert.

Nach 10 Jahren erfolgte am 11. Juli 1867 ein tödlicher Unfall. Der Häuer Josef Fleck wurde von einer sich ablösenden Platte im Berggrübl-Revier erdrückt als dieser ein Bohrloch kniend anbringen wollte. Er wurde schwerst verletzt aus der Grube getragen und verstarb 10 Wochen später an den Folgen.

1870 verletzte sich der Häuer Kemeter außer Dienst als er mit Dynamitpatronen, die er vom Werk mitnahm, hantierte. Die Verletzungen an der Hand war so schwer, dass er arbeitsunfähig wurde.

1871 wurden zwei Beinbrüche und 1872 ein Bruch durch Überanstrengung gemeldet.

1873 kam es erneut zu einem tödlichen Unfall mit Sprengstoff. Der Häuer Nikolaus Gratl näherte sich zu früh nach einem Schussversager an die Schusswand. Eine verzögerte Explosion verletzte ihn so schwer, dass er nach drei Stunden zuhause verstarb.

1876 wurde der Häuer Johann Weindl in einem Schacht von einem aufwärtsfahrenden Förderkorb erfasst und mit aufgezogen. Als Todesursache wird von schwersten Quetschungen angenommen. Weindl suchte während einer Sprengung im Schacht Schusszuflucht, wobei dieser normalerweise während der Nachtschichten und am frühen Nachmittag still stehen sollte. Eine unplanmäßige Inbetriebnahme des Fördersystems führte zum Unglück.

Im selben Schacht kam der Zimmerer Josef Pörnbacher am 24. September 1881 beim Erneuern der Zimmerung durch herabbrechende Gesteine zu Tode.

1883 kam ein Vorzimmerer um Leben, als sich dieser außer Dienst im Verschubgebiet er Waggons aufhielt.

Am 13. September 1888 erlitt der Häuer Max Angerer einen tödlichen Arbeitsunfall im Erbstollen. Bei den Rettungsarbeiten verletzte sich der Grubenaufseher Johann Weindl, sodass dieser lange Zeit seinen Beruf nicht mehr ausüben konnte.

1890 verletzte sich der Arbeiter Johann Gründhammer an einer Bremsmaschine schwer am Kopf als er vom Seil eingeklemmt wurde.

Am 22. August 1891 kam der Häuer Georg Hager durch einen schweren Unfall ums Leben.

Am 27. März 1891 stürzte der Häuer Josef Marksteiner bei der Einfahrt in einen Schacht von der Führung und verunglückte tödlich.

Zwei Knappen kamen bei einem außergewöhnlichen Unfall im Jahre 1895 ums Leben. Die Förderer Ludwig Hell und Peter Exenberger stellten sich auf einen Gestellwagen im Erbstollenhorizont um sich aufziehen zu lassen. Plötzlich löste sich ein Gesteinsstück aus der Ulm, welches das Zugseil durchschlug. Der Wagen sauste unkontrolliert zurück wobei die Arbeiter tödliche Verletzungen erlitten.

Am 16. August 1895 wurde der Nachzimmerer Josef Winderl durch ein sich herabgelöstes Gesteinsstück zum Gerüst geschleudert, wodurch dieser einen Unterkieferbruch und Quetschungen erlitt.

Am 24. Oktober 1896 ereignete sich ein schwerer Firstbruch, wobei der Häuer Johann Müller auf der Stelle, der Häuer Johann Margreiter nach drei Tagen verstarb.

Nach einigen leichteren Unfällen traten 1900 nach langer Zeit wieder schlagende Wetter auf. Bei einer Ortsuntersuchung durch den Aufseher Georg Stadler und den Häuer Franz Dumm erfolgte eine Explosion, bei der sich beide schwere Verbrennungen zuzogen, die bei Dumm tödlich verliefen.

1905 ereignete sich ebenfalls eine Grubenexplosion, bei der ein Bergarbeiter namens Stadler ums Leben kam.

Im selben Jahr kam es bei Brandbekämpfungsarbeiten unter Tage in 18 Fällen zu schweren Rauchgasvergiftungen, bei denen Arbeiter bewusstlos aus der Grube getragen werden mussten. Zudem kam es in einigen Fällen zu schweren, chronischen Augenentzündungen.

Ein schwerer Arbeitsunfall mit elektrischem Strom ereignete sich am 25. Juni 1907. Der Pumpenwärter Anton Widauer verunglückte dabei tödlich.

Drei Arbeiter starben am 21. März 1908 im Barbarastollen. Die Arbeiter Sebastian Hechenberger, Josef Guggenberger und Johann Nagiller kamen vermutlich aufgrund schlechter Wetter zu Tode, als sie Holz in den Stollen schaffen wollten, um die Zimmerung auszubessern. Bei einer Schlagwetterexplosion am 11. Juli 1910 erlitt der Häuer Johann Walcher Brandverletzungen. Anschließend wurde die Verwendung von Sicherheitslampen eingeführt um ähnliche Vorfälle zu vermeiden.

Das Jahr 1911 wurde von drei schweren Unfällen gezeichnet, wobei keiner tödlich verlief.

1912 ereigneten sich drei weitere schwere Unfälle und ein tödlicher. Der Häuer Simon Pöll wurde am 23. Mai beim Nachreissen durch eine nachstürzende Gesteinsplatte getötet.

Am 16. Januar 1913 trat ein Hangendbruch ein und verschüttete die zwei Arbeiter Franz Egger und Ignaz Weindl. Die beiden Verschütteten konnten nach mehreren Stunden schwer verletzt geborgen werden. Als Ursache wird die planlose Abbaumethode angegeben.

Während den Kriegsjahren gibt es nur allgemeine Meldungen über Zwischenfälle. Eine Vielzahl schwerer sowie leichter Unfälle scheint auf. Eine detaillierte Meldung beschreibt einen tödlichen Unfall 5. August 1918, bei dem der Häuer Peter Knapp durch einen Versatzeinbruch starb.

In den Nachkriegsjahren kamen insgesamt wenige Leute beim Sprengvortrieb zu Schaden. Zwischen 1918 und 1926 verunglückten bei 20.000 Schuss zwei Mann leicht und einer schwer. 1922 werden zudem zwei Arbeiter durch Kohlenstaubexplosionen schwer verletzt. In den Folgejahren werden von 1924 bis 1941 380 schwere Unfälle gemeldet. Auffallend dabei ist, dass es zu einem starken Anstieg der Unfallzahlen nach 1926 kam, die auf rücksichtlose Rationalisierungsmaßnahmen des Häringer Bergbaus zurückzuführen sind. Aus dieser Zeit sind zwei tödliche Unfälle bekannt: Am 28. Mai 1932 wurde der Häuer Josef Hanser durch herabrutschende Kohle von einem Mittelstempel derart unglücklich getroffen, dass er einen tödlichen Schädelbasisbruch erlitt. Weiters starb Johann Lanner bei der Ausfahrt aus dem Erbstollen bei einem schweren Unfall.

Weblinks

Literatur

  • Löhmer, Alfred: Geschichte des Häringer Kohlenbergbaues: Werk und Menschen. Mit einem Nachtrag von Dipl.Ing. Otto Sykora. Eigenverlag, Häring, 1953