Besserungsstück

Das Besserungsstück ist ein Genre des Alt-Wiener Volksstückes. Seine Blütezeit erlebte es Anfang des 19. Jahrhunderts mit über 30.000 Aufführungen allein in den Wiener Vorstadttheatern.

Im Zentrum der Handlung steht ein Mensch, der sich aus Dummheit, Unzufriedenheit oder Vermessenheit nicht der gesellschaftlichen oder göttlichen Ordnung fügt. Seine Besserung erfolgt durch Prüfungen und Schicksalsschläge. Häufig greifen übernatürliche Wesen wie Feen und Zauberer in das Geschehen ein, was sowohl für größere Anschaulichkeit als auch für Unterhaltung sorgen soll. Das Besserungsstück hat immer ein glückliches Ende: die Eingliederung in gutbürgerliche Verhältnisse. Die Besserung der Hauptfigur soll sich durch Identifikation auf das Publikum, das meist aus den unteren Gesellschaftsschichten stammt, übertragen.

Das Besserungsstück ist noch stark im religiösen Empfinden des Barocks verankert. Es hat Vorläufer in den spätmittelalterlichen Moralitäten oder dem jesuitischen Schuldrama.

Herausragende Vertreter des Besserungsstücks sind Josef Alois Gleich, Karl Meisl und Adolf Bäuerle, Vertreter des Alt-Wiener Volkstheaters. Ferdinand Raimund bringt das Besserungsstück zu einem letzten Höhepunkt (Der Verschwender, 1834), indem er die komödiantischen Momente zugunsten der pathetischen reduziert.

Johann Nestroy stellt in seiner Posse Der böse Geist Lumpazivagabundus oder das liederliche Kleeblatt (1833) die angestrebte Besserung der Menschen als illusorisch und künstlich bloß. Ödön von Horváth verneint in seinem Volksstück Geschichten aus dem Wiener Wald (1931) ebenfalls die Möglichkeit einer Besserung. Sie wird dort durch Stagnation der Protagonisten verhindert.

Literatur

  • Walter Dietze: Tradition und Ursprünglichkeit in den Besserungsstücken des Wiener Volkstheaters. In: Weimarer Beiträge 12, 1966.
  • Otto Rommel: Die Altwiener Volkskomödie. Wien: Schroll 1952
  • Otto Rommel: Barocktradition im österreichisch-bayerischen Volkstheater. Besserungsstücke. 2 Bde., Leipzig: Reclam 1937/38