Bild-Telegraf

Der Bild-Telegraf war eine österreichische Boulevardzeitung, die im Rahmen des Wiener Zeitungskriegs umkämpft, umbenannt und schließlich eingestellt wurde.

Die Zeitung wurde am 3. April 1954 von drei Vertretern lokaler österreichischer Tageszeitungen gegründet, und sollte ein von Anfang an unabhängiges, bundesweit erscheinendes Konkurrenzblatt zur Wiener Boulevardzeitung Kurier (damals: Neuer Kurier) darstellen. Die Gründer waren Gustav Canaval von den Salzburger Nachrichten, Hans Behrmann von den Oberösterreichischen Nachrichten sowie Joseph Moser von der Tiroler Tageszeitung.

Als Chefredakteur wurde Gerd Bacher, der damals 28-jährige Lokalchef der Salzburger Nachrichten eingesetzt, der bereits als 21-jähriger bei der Gründung der Salzburger Volkszeitung beteiligt war.

Die Zeitung machte dem Neuen Kurier von Ludwig Polsterer tatsächlich bald große Konkurrenz. Wegen des gegenseitigen Konkurrenzkampfes standen beide Zeitungen Mitte der Fünfziger Jahre finanziell sehr schlecht da.

Ab 1955 wird die Zeitung im renommierten Wiener Pressehaus am Fleischmarkt gedruckt, das damals der Zeitungsmacher Fritz Molden (Die Presse) gepachtet hatte. In den Druckereivertrag wurde eine folgenreiche Klausel eingebaut: Sobald die Schulden des Bild-Telegrafen bei Fritz Molden zwei Millionen Schilling übersteigen, darf Molden eine "ähnliche Zeitung" herausgeben.

Am 12. März 1958 ist es bereits soweit. Fritz Molden bringt einen Konkursantrag gegen die Zeitung ein und übernimmt die gesamte Redaktion des Bild-Telegrafen, um mit ihr die Zeitung Bildtelegramm herauszugeben, die dem Bild-Telegrafen äußerlich und inhaltlich komplett gleicht.

Daraufhin erscheint die Zeitung Bild-Telegraf einige Tage lang nicht. Der Geschäftsführer Hans Behrmann führt schließlich mit Kurier-Chef Ludwig Polsterer und Unterstützung des Landesparteiobmanns der Österreichischen Volkspartei (ÖVP), Fritz Polcar, die Zeitung weiter. Sie wird ab 17. März 1958 von der Redaktionsmannschaft des Kurier unter Chefredakteur Hans Dichand produziert.

Mit Schlagzeilen wie "Ein Skandal ohne Beispiel - Bild-Telegraf gestohlen! Ab heute sind wir wieder da!" (17. März 1958) versuchte man, den Gegner zu diskreditieren und seine eigene Position am Markt wieder zu behaupten.

Das Redaktionsteam schaffte es noch bis 23. Juli desselben Jahres, zwei Zeitungen auf einmal zu produzieren. Dann stellte der Bild-Telegraf sein Erscheinen ersatzlos ein.