Brauerei Kapsreiter

Die Brauerei Kapsreiter ist ein österreichisches Unternehmen mit Sitz in Schärding am Inn, das sich im Besitz der Wiener Industriellenfamilie Gustav Harmer befindet.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Kapsreiter-Bierdeckel (Anfang 1980er-Jahre)
Kapsreiter-Landbier-Etikett (Ende 1990er-Jahre)

Brauereien gab es in Schärding stets mehrere. 1590 gründete Leonard Lachmüller ein Sudhaus, das schließlich 1863 durch den bayerischen Bierbrauer Michael Kapsreiter (1834–1899) übernommen wurde. Die Bierbrauerei blieb danach für fast 120 Jahre im Besitz seiner Nachkommen, die das Unternehmen zu einem anerkannten Brau- aber vor allem auch Baukonzern entwickelten. Besonders in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg zählte die Kapsreiter-Gruppe mit ihren drei Sparten Kapsreiter Bau, Kapsreiter Bier und Kapsreiter Granit zu den wichtigsten Arbeitgebern in der Region am unteren Inn. Mitte der 1980er-Jahre erlebte die Kapsreiter-Gruppe einen wirtschaftlichen Niedergang. Durch den Einstieg des Immobilienhändlers Johann Haas konnte der Konzern zwar zunächst vor der Schließung gerettet werden, doch konnte er die dringend notwendigen Investitionen nicht aufbringen. Nach dem Konkurs wurden die Baufirmen und Steinbrüche der Kapsreiter-Gruppe geschlossen. In ihrer früheren Form weitgehend erhalten blieb lediglich die Brauerei Kapsreiter, die Haas schließlich 1986 an die Ottakringer Brauerei verkaufte.

Die Ottakringer Brauerei eröffnete Kapsreiter den Zugang zu den Märkten in Wien und Ostösterreich, zudem wurde ab 1987 die neue Marke Kapsreiter Landbier in Bügelverschlussflaschen eingeführt. War die Brauerei lange Zeit für ihr „billiges Baustellenbier“ bekannt, mit dem zunächst vor allem die Mitarbeiter der Sparten Bau und Granit der Kapsreiter-Gruppe versorgt wurden, so wurden die Erzeugnisse des Unternehmens durch die Ottakringer Brauerei im hochpreisigen Marktsegment vermarktet. In diesem Zusammenhang änderte sich auch das öffentliche Auftreten der Brauerei Kapsreiter grundlegend. 1990 wurde ein neues Sudhaus gebaut.Das Landbier hell in der Bügelverschlussflasche ist das Aushängeschild der Brauerei Kapsreiter. Angesiedelt im höchsten Preissektor betont dieses Bier die Qualität und Kompetenz der Brauerei. Das findet seinen Ausdruck im hochwertigen Design und in der aufwendigen Flasche. Mit diesem Bier hat die Brauerei Kapsreiter nationale Bekanntheit erreicht und vor allem einer jungen, qualitätsbewussten Generation bewiesen, dass auch Bier ein hochentwickeltes, modernes Image und ein ganz besonderes Lebensgefühl vermitteln kann. Dieses Bier tritt deutlich gegen den Trend der “fallenden Stammwürze” auf und verkörpert vollen Biergeschmack.

Infolge einer Neuorganisation der Ottakringer Brauerei und ihrer Beteiligungen ging die Brauerei Kapsreiter 1995 in den Besitz der Harmer-Holding über. Deren Generaldirektor Gustav Harmer stammt aus der Familie der Besitzer der Ottakringer Brauerei und war zwischen 1962 und 1995 selbst Alleinvorstand dieses Unternehmens. Über die Harmer-Holding ist die Brauerei Kapsreiter zu 100 % in Besitz der Familie Harmer, die auch die Mehrheit an der Brauerei Grieskirchen hat. Harmer versuchte bis 2012 mehrmals, beide Brauereien zu verkaufen, wobei die Ottakringer Brauerei immer wieder als Interessent genannt wurde. Entsprechende Geschäfte kamen jedoch letztlich nicht zustande.[1]

2004 wurde anlässlich der Oberösterreichischen Landesausstellung durch den Braumeister Jens Luckart das Schärdinger Stadtbräu kreiert. Das Malz kommt aus Bayerns letzter Tennenmälzerei, beim Läutern wird lediglich die Vorderwürze verwendet.

Die Marken „Kapsreiter Landbier“ in den wiederverschließbaren Bügelflaschen mit Porzellanverschluss werden mittlerweile schon weltweit angeboten.[2]

Der Jahresausstoß lag 2011 bei etwa 12.000 Hektoliter Bier;[2] zuletzt waren in Schärding 17 Mitarbeiter in der Brauerei Kapsreiter beschäftigt.[1]

Anfang September 2012 gab Geschäftsführer Michael Harmer die Schließung der Brauerei Kapsreiter zum Ende des Jahres bekannt. Die Produktion und der Vertrieb in Schärding sollen geschlossen, und die Biere des Kapsreiter-Sortiments ab Jänner 2013 nur mehr in der Brauerei Grieskirchen erzeugt werden.[1]

Infrastruktur

Die Brauerei Kapsreiter verfügte in Schärding ursprünglich über zwei größere Gebäudekomplexe, einen in der Innenstadt am Unteren Stadtplatz, den anderen in der Vorstadt beim Linzer Tor, wobei letzterer lediglich durch eine schmale Straße vom Sudhaus der konkurrierenden Brauerei Baumgartner getrennt ist. Die Liegenschaften am Unteren Stadtplatz gehören heute der Immobilienfirma Haas. Mit dem Kapsreiter Bräustüberl besteht ein eigener Gasthof. Das Brauwasser aus dem hauseigenen Brunnen muss aufbereitet werden.

Sortiment

  • Kapsreiter Landbier hell (12,8° / 5,3%)[2]
  • Kapsreiter Landbier goldbraun (12,8° / 4,4%)[2]
  • Kapsreiter Märzen (12,2° / 5,1%)[2]
  • Kapsreiter Pils (11,5° / 4,7%)[2]
  • Kapsreiter Landbier Bock (16,3° / 6,9%)[2]
  • Kapsreiter Hopfenkrone (12,6° / 5,9%)
  • Kapsreiter Stadtbräu (12,3° / 4,9%)

Weblinks

 Commons: Kapsreiter (Brewery) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b c Kapsreiter in Schärding schließt (ooe.orf.at), abgerufen 3. September 2012
  2. a b c d e f g [1] abgerufen 27. Mai 2010