Breitspurstrecke Košice–Wien

Die Breitspurstrecke Košice–Wien ist ein Gemeinschaftsprojekt der Länder Russland, Ukraine, Slowakei und Österreich, eine Eisenbahnstrecke in russischer Breitspur (1520 mm) bis nach Wien zu bauen.

Inhaltsverzeichnis

Voraussetzungen

Während sich bei den Eisenbahnen in China und fast allen Ländern der Europäischen Union die Normalspur (1435 mm) durchgesetzt hat, verwenden die Länder der ehemaligen UdSSR Breitspur mit einer Spurweite von 1520 mm und Indien Breitspur mit 1676 mm. Das behindert den Schienentransport zwischen diesen Ländern. Nahe Košice, in Haniska, endet derzeit die breitspurige, vom slowakischen Grenzbahnhof Maťovské Vojkovce aus der Ukraine – und damit letztendlich aus Russland – kommende, eingleisige Breitspurstrecke Uschhorod–Košice. Durch die geplante Verlängerung dieser Strecke nach Wien kann allerdings keineswegs ganz Westeuropa mit Russischer Breitspur erschlossen werden. Für Güter, die über Wien hinaus am Schienenweg weiter transportiert werden, würde somit auch nach dem Bau dieser Breitspurbahn, das Problem des Spurweitenwechsels bestehen bleiben. Auf die Frage, welchen Vorteil es bringen würde, eine teure Neubaustrecke zu bauen, wenn man die Waren ohnehin umladen muss antwortete der Chef der staatlichen russischen Eisenbahngesellschaft Wladimir Iwanowitsch Jakunin , dass es dabei um die Überwindung von administrativen Hürden an der ukrainischen Grenze ginge. Die Bahn würde derzeit gegenüber dem LKW-Verkehr bei der Grenzabfertigung stark benachteiligt. Durch die Beteiligung der ukrainischen Staatsbahn an der Breitspurstrecke erhofft sich Vladimir Yakunin ein Ende dieser schikanösen Grenzkontrollen.[1]

Der Internationale Eisenbahnverband (UIC) und die Organisation für die Zusammenarbeit der Eisenbahnen (OSShD) arbeiten in einer, im November 2011 gegründeten, gemeinsamen Arbeitsgruppe „Automatische Spurwechselsysteme“ (JWG AGCS) an einer technischen Lösung für das Spurwechselproblem zwischen russischer Breitspur, europäischer Normalspur und iberischer Breitspur.[2]

Planungen

Die RŽD arbeiten schon seit mehreren Jahren an Planungen, ihr Breitspurnetz nach Westeuropa zu erweitern. Am 7. Mai 2007 unterzeichneten die RŽD und das slowakische Ministerium für Verkehr, Post und Telekommunikation eine Absichtserklärung, die die Verlängerung der Breitspurstrecke bis Bratislava vorsieht.[3] Absicht der RZD ist es, schon ab 2016 Güterzüge bis Bratislava fahren zu lassen.[4] Die Breitspurstrecke soll die „Twin City Region“ (Region Wien-Bratislava) für Breitspurfahrzeuge erschließen.

Dem Projekt traten die Eisenbahngesellschaften der Ukraine (Ukrsalisnyzja), der Slowakei (Železnice Slovenskej republiky – ŽSR) sowie die Österreichischen Bundesbahnen – ÖBB) bei. Im Jahr 2008 wurde die Breitspur PlanungsgesmbH gegründet, die ein Joint Venture dieser Bahnen ist.[5] Am 6. April 2010 unterzeichneten die beteiligten Bahnen in Bratislava ein Abkommen, dass eine Studie zur finanziellen Machbarkeit eines solchen Projekts ermöglichen soll. Nach Schätzungen der Beratungsfirma werden die Baukosten bei 6,3 Mrd. Euro liegen. Die geplante Kapazität der Bahn liege bei 20 Millionen Tonnen jährlich.[6] Eine Machbarkeitsstudie der Roland Berger Strategy Consultants besagt, dass das Projekt sowohl technisch wie rechtlich machbar sei.[7]

Im Juni 2010 gab die neue slowakische Regierung bekannt, dass sie sich aus dem Projekt zurückziehe und die Planungen nicht weiter unterstütze.[8] Die ÖBB erklärte im März 2011, dass sie mit einer möglichen Fertigstellung nicht vor 2024 rechne.[9] Auch im bis zum Jahr 2032 reichenden Ausbauplan für die österreichische Eisenbahninfrastruktur "Zielnetz 2025+" wird das Projekt nicht erwähnt.[10]

Bei einem Treffen im Mai 2011 unterzeichneten die österreichische Verkehrsministerin Doris Bures, ÖBB-Chef Christian Kern, ÖBB-Aufsichtsratschef Horst Pöchhacker sowie der Chef der russischen Staatsbahn Wladimir Iwanowitsch Jakunin, einen Zwischenvertrag für das verkehrspolitische Großprojekt. In dem Zwischenvertrag wurde beschlossen, dass ab Ende 2011 eine neue, umfassendere Machbarkeitsstudie durchgeführt werden soll. In dieser Studie sollen Wirtschaftlichkeit, Finanzierung, sowie volkswirtschaftliche Überlegungen sorgfältig untersucht werden. Als Bedingung für die Durchführung dieser Studie muss eine Konkretisierung des zusätzlichen Verkehrs für das Normalspurnetz in Österreich nach Fertigstellung der Breitspurstrecke erfolgen.[11] Das Treffen fand im Zuge eines Staatsbesuchs in Russland durch Bundespräsident Heinz Fischer sowie einer österreichischen Delegation von Spitzenpolitikern und Unternehmern statt. [12]

Weblinks

Einzelnachweise

  1. "Mit der "Transsib" bis nach Wien" (Die Presse, 7. September 2012)
  2. Projekt „Automatische Spurwechselsysteme“ auf www.uic.org
  3. http://www.eng.RŽD.ru/news.html?action=view&nav_id=15&ti_id=2414
  4. mr: RZD planen Breitspur bis Wien. In: Eisenbahn-Revue International 6/2010, S. 298f.
  5. High-Level für die Breitspur bei der Industriellenvereinigung vom 8. April 2010 abgerufen am 13. Juni 2010
  6. Breitspur-Gleis von Slowakei nach Wien soll Transportzeit für Güter aus Asien halbieren auf RIA Novosti vom 12. Januar 2011 abgerufen am 21. Januar
  7. http://www.nov-ost.info/index/Article/1593567_Kern,_Yakunin_Breitspur_bis_Wien_ist_moglich.html
  8. Slowakei steigt bei Breitspur-Bahn nach Österreich aus im Standard vom 24. Juni 2010 abgerufen am 9. März 2011
  9. ÖBB: Breitspurbahn nach Russland nicht vor 2024 auf ORF vom 4. März 2011 abgerufen am 9. März 2011
  10. Zielnetz 2025+ (Österreichisches Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technik)
  11. OTS Pressemitteilung der ÖBB-Holding vom 19. Mai 2011
  12. http://www.krone.at/Oesterreich/Oesterreich_streichelt_den_russischen_Baeren-Fischer_in_Moskau-Story-263539