Brevillier & Co. und A. Urban & Söhne

Brevillier-Urban & Sachs GmbH & Co KG
Rechtsform GmbH & Co. KG
Sitz Hirm
Website http://www.brevillier-urban.com

Brevillier & Co. und A. Urban & Söhne entstand 1900 durch die Fusion der beiden Metallwaren- und Schraubenhersteller Brevillier & Comp. (gegründet 1823) und A. Urban & Söhne (gegründet 1848) und war - mit zeitweise 5000 Mitarbeitern - eines der bedeutendsten Unternehmen Österreich-Ungarns. Brevillier & Comp. alleine war Mitte des 19. Jahrhunderts einer der größten Schraubenhersteller der Welt. 1983 wurde die Schraubenherstellung eingestellt. Bis heute wird jedoch die 1863 begonnene Bleistiftproduktion unter dem Namen Brevillier Urban & Sachs GmbH & Co KG (2008) fortgeführt.

Inhaltsverzeichnis

Vom Schraubenmagnaten…

Um 1790 wurde der von Frankfurt am Main nach Wien gezogene Bankier Alexander Brevillier (1759-1808) Gesellschafter von Moritz Reichsgraf von Fries. 1802 gründete Alexander Brevillier gemeinsam mit Moritz Trenk von Tonder eine moderne Spinnweberei in Schwadorf. Sein ältester Sohn Karl Brevillier (1793-1840) ließ 1823 eine Holz- und Metallschraubenfabrik in Neunkirchen in Niederösterreich errichten, welche in den nächsten Jahrzehnten ausgebaut wurde und österreichische Industriegeschichte schrieb. Karl Brevillier und später sein jüngerer Bruder Ludwig Brevillier hatten die Brevillier und Comp. zum größten und modernsten Konzern Österreich-Ungarns gemacht, der für sein innovatives Tiegelgussverfahren und seine modernen Webstühle internationale Auszeichnungen bei etlichen Weltausstellungen bis 1900 erhielt. 1855 starb Ludwig Brevillier und sein Neffe Heinrich Trenk von Tonder (1812-1887) übernahm die Leitung des Betriebs. Er führte das Unternehmen weiter, stieg in den Eisenbahnbau ein und versuchte 1863 eine Bleistiftproduktion aufzubauen. Seine Frau Isabella Trenk von Tonder (1819-1872), Tochter des Orientalisten und Schriftstellers Joseph von Hammer-Purgstall, war eine bedeutende Mäzenin.

Heinrich Trenk von Tonders Erben zogen sich immer mehr aus dem Geschäft zurück und so fusionierte 1900 das Unternehmen mit Urban & Söhne zur Schrauben-, Schmiedewaaren- und Bleistiftfabriks-Aktiengesellschaft Brevillier & Co. und A. Urban & Söhne. 1848 hatte Anton Urban in Wien die Firma A. Urban & Söhne gegründet. Diese war in den 1880er-Jahren zu einem großen Schraubenhersteller heran gewachsen, dessen wichtigste Produktionsstätte gleich neben einem der Hauptabnehmer - der Lokomotivfabrik Floridsdorf - lag. Es wurden die 1. Ungarische Schraubenfabrik in Budapest gekauft, dann weitere Fabriken in Neunkirchen und in Galizien. Kurz vor dem Ersten Weltkrieg sollte die gemeinsame Aktiengesellschaft 4000 Personen beschäftigen. Während des Weltkrieges arbeiteten 5000 Menschen für das Unternehmen. Zwei Dampfkessel von Babcock & Wilcox wurden 1917 in Neunkirchen aufgestellt[1].

… zum Bleistiftproduzenten

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Produktion von Bleistiften in der Zeus-Schreibwarenfabrik in Graz-Gösting aufgenommen. Das damals bekannteste Produkt war der Cullinanbleistift, nach dem Cullinan-Diamanten benannt. Doch blieb die Bleistiftproduktion mit ihren 70 Mitarbeitern ein kleiner Nebenzweig. Der Großteil der 3000 Mitarbeiter war weiterhin in der Metallwaren- und Schraubenherstellung in den Fabriken von Neunkirchen und in Fabriken in Ungarn, Jugoslawien und Polen beschäftigt. Nach der Weltwirtschaftskrise hatte das Unternehmen 1933 nur noch 870 Mitarbeiter. Bis 1937 hatte es sich jedoch wieder erholt. Die Familie Urban war Haupteigentümer, hatte jedoch französische und englische Partner. 1938 schaffte die WSV (Werksportverein) Brevillier & Urban Neunkirchen unter Franz Kellinger fast den Aufstieg in die höchste Fußball-Liga. Während des Zweiten Weltkriegs mussten in den Fabriken des Unternehmens Zwangsarbeiter für die (Rüstungs-)Industrie arbeiten. Nach 1945 wurden die Fabriken in Osteuropa nationalisiert.

In Österreich wurde Brevillier und Urban vor allem mit den 1965 entstandenen Jolly-Bleistiften bekannt. Nachdem sich die Familie Urban zurückgezogen hatte, wurde zuerst die bayrische Schraubenfirma RIBE Haupteigentümer und eröffnete eine Produktionsstätte in Argentinien. 1983 ging das Unternehmen in Konkurs. Die Kirchdorfer Gruppe kaufte die Brevillier-Urban Schreibwarenfabrik GmbH in Graz. Die Schraubenproduktion in Neunkirchen wurde im selben Jahr vom Neunkirchner Schraubenwerk übernommen, jedoch bald stillgelegt. Die aus dem 19. Jahrhundert stammenden Fabriksanlagen in Neunkirchen wurden nach 1998 größtenteils abgerissen. Von einem der größten Schraubenhersteller der Welt der 1860er Jahre blieb somit einzig die Brevillier Urban Schreibwaren GmbH mit ihrer Bleistiftproduktion übrig. Diese fand 2007 neue Eigentümer[2] und trägt seit 2008 den Namen Brevillier Urban & Sachs GmbH & Co KG unter diesem Namen werden die Marken JOLLY, SAX, Brevillier´s Cretacolor und BIBA vertrieben.[3]

Einzelnachweise

  1. Gerhard A. Stadler: Das industrielle Erbe Niederösterreichs: Geschichte, Technik, Architektur. Wien 2006, S. 497
  2. Stifthersteller Jolly wechselte Eigentümer: Imarco-Gruppe kaufte Schreibwarenfabrik im News vom 5. November 2007
  3. Geschichte von Brevillier Urban & Sachs

Literatur

  • Franz Mathis: Big Business in Österreich. Österreichische Großunternehmen in Kurzdarstellungen, München 1987, Kapitel zu Brevillier-Urban ab Seite 69
  • Gerhard A. Stadler: Das industrielle Erbe Niederösterreichs: Geschichte, Technik, Architektur. Wien 2006, S. 497

Weblinks