Burg Krems

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Burg Krems
Burg Krems aus Vischers Topographia Ducatus Styriae, 1681

Burg Krems aus Vischers Topographia Ducatus Styriae, 1681

Entstehungszeit: Mitte des 12. Jahrhunderts
Burgentyp: Höhenburg
Erhaltungszustand: Ruine
Bauweise: Bruchsteinmauerwerk, teilweise mit Ziegeln durchsetzt
Ort: Voitsberg
Geographische Lage 47° 1′ 51″ N, 15° 10′ 55″ O47.03083333333315.181944444444Koordinaten: 47° 1′ 51″ N, 15° 10′ 55″ O
Burg Krems (Steiermark)
Burg Krems

Die Burgruine Krems liegt in der Stadtgemeinde Voitsberg in der Steiermark im Ortsteil Krems. Die Geschichte der Burg reicht bis in das 12. Jahrhundert zurück. Im 16. Jahrhundert wurde sie zu einem Renaissanceschloss ausgebaut. Im 17. Jahrhundert wurde das wehrhafte Schloss dem Verfall preisgegeben. Seit dem Jahr 1988 befindet sie sich im Besitz des Vereins „Licht im Leben“ und wird seit 1993 von einem Burgenverein restauriert.

Inhaltsverzeichnis

Standort

Die Burg- bzw. Schlossruine steht auf einem Hochsiedlungsland, einem zur Kainach hin vorgeschobenen Rücken südlich von Thallein. Der Rücken fällt nach Osten, Süden und Westen hin steil ab und ist seit dem Ausbau der Kainachtalstraße durch einen tiefen Einschnitt vom Hinterland abgetrennt. Die Steilhänge wurden teilweise künstlich geböscht und das die Ruine umgebende Gelände streckenweise durch künstliche Eingriffe zur Verteidigung zugerichtet. Diese künstlichen Eingriffe in das Gelände wurden jedoch zum Teil durch einen in jüngster Zeit angelegten Umlaufweg zerstört. Im Norden wird das Burgareal durch einen Abschnittsgraben vom Hinterland getrennt. Dieser Graben wird heute von einer neuzeitlichen, in Resten erhaltenen Brücke überspannt.[1]

Geschichte

Bereits in der Mitte des 12. Jahrhunderts dürfte im Auftrag des Erzbischofs von Salzburg an der Stelle der heutigen Burg ein einfacher Wehrbau errichtet worden sein. Dieser wurde zu Begin des 13. Jahrhundert von Otto von Krems-Leonrode ausgebaut. Im Jahr 1248 erfolgte die erste urkundliche Erwähnung als "castrum Chremse". Nach 1234 kam die Burg an Hartnit von Rabenstein, der sie von seinen Dienstmannen, welche sich nach der Burg nannten, verwalten ließ. Da sich die Rabensteiner am Adelsaufstand beteiligten, verloren sie all ihre Güter und Krems kam um 1300 an die Herren von Walsee, welche Burggrafen einsetzten. Im Jahr 1363 verkaufte Eberhard von Wallsee die Burg an Leutold von Stadeck. Nach dem Aussterben der Stadecker gelangten um 1400 Grafen von Montfort durch Heirat in den Besitz der Anlage. Auch die Grafen von Montfort beauftragten Pfleger mit der Verwaltung der Burg. Im Jahr 1589 gelangte die Burg und die Herrschaft in den Besitz von Sigmund Friedrich Freiherr von Herberstein.[2]

Unter Sigmunds Sohn Otto Heinrich von Herberstein wurde die Burganlage bis 1623 zu einem Renaissanceschloss ausgebaut und prunkvoll eingerichtet. Er ließ unter dem Schloss einen großen Tiergarten anlegen. Da Otto hoch verschuldet war, musste er im Jahr 1629 die Burg sowie seine Herrschaft Krems an Max Leymann von Liebenau verkaufen. Ab 1634 gehörte die Anlage Salomon Freiherr von Meillegg, welcher Umbauarbeiten durchführte. Da weder Liebenau noch Meillegg genug Geld für die Bezahlung hatten, ließ Karl Graf Saurau, der damalige Landeshauptmann der Steiermark, die Herrschaft pfänden. Dadurch konnte Saurau die Herrschaft erwerben und verband sie mit seiner Herrschaft in Ligist. Er ließ die Burg von einem Verwalter bewohnen. In den folgenden Jahren wurde die Anlage vernachlässigt. 1730 wurde die Verwaltung in das Schloss Ligist verlegt. Die Anlage wurde dem Verfall überlassen. Im Jahr 1817 rutschte an der südöstlichen Seite ein Teil des Schlosses ab. Erzherzog Johann erwarb die Burgruine im Jahr 1857. Ab 1869 war die Ruine im Besitz der Vordernberg-Köflacher Montan Industrie Gesellschaft, ab 1880 des Zellulosefabrikanten Klusemann, anschließend der Steiermärkisch-Salzburgischen Holzwerke AG.[2]

Bereits 1936 begann ein Burgenverein mit der Sicherung und Begehbarmachung der Ruine. Seit dem Jahr 1988 befindet sich Burg Krems im Besitz des Vereins "Licht im Leben".[2] Seit 1993 kümmert sich ein Burgenverein um die Instandhaltung der Anlage. So wurde im Jahr 2002 der Bergfried saniert und wieder begehbar gemacht. 2011 wurde der Mauerstumpf des nordöstlichen Eckturmes der Vorburg mit einer Holzkonstruktion überbaut.[1][3]

Beschreibung

Der älteste Teil der Burg befindet sich im westlichen Teil der Anlage, unmittelbar um den fünfstöckigen Bergfried auf einer Anhöhe direkt am Steilhang. Der mächtige, auf einem isoliert stehenden Felsklotz errichtete Bergfried hat ein lagerhaftes, gleichmäßiges Bruchsteinmauerwerk, was auf die Entstehung im 13. Jahrhundert hinweist. Die westliche Seite des Turmes hat einen halbrunden und die östliche Seite einen unregelmäßig polygonalen Grundriss. Der ursprüngliche Zugang erfolgte über das erste Obergeschoss. Dieser hat teilweise ausgebrochene, romanische Gewände aus Werkstein. Die Tür im Erdgeschoss wurde erst in jüngerer Zeit ausgebrochen. Ursprünglich war das Erdgeschoss nur durch ein Loch im Gewölbe erreichbar. Sowohl das Erd- als auch das erste Obergeschoss haben eine Gewölbedecke. Vom ersten Obergeschoss führt eine Treppe in Mauerstärke in das zweite Obergeschoss. Anhand der Mauerabsätze kann man erkennen, dass das zweite und dritte Obergeschoss früher eine Balkendecke hatten. Alle Stockwerke werden durch Lichtschlitze erhellt. Im dritten Obergeschoss befand sich vermutlich ein Balkon. Darauf deutet eine Türöffnung gegen Süden weisende hin. Der Bergfried wurde saniert und kann bis zu einer Plattform bestiegen werden. Die oberste Plattform ist von Zinnen umgeben und bildet zugleich das vierte Obergeschoss. An der Mauer des Bergfriedes befindet sich eine Inschrift mit der Jahreszahl 1623, welche auf den Ausbau durch das Adelsgeschlecht der Herberstein hinweist. Die Mauerreste nördlich und südlich des Bergfrieds haben zum Großteil dasselbe Mauerwerk wie dieser.[2][1]

Die Anlage wird von einer Ringmauer aus dem 14. oder 15. Jahrhundert umgeben. Die Mauer im südwestlichen Teil hat zwei Schießscharten, in denen zwei liegende, aus einem Werkstück gearbeitete Senkmaulscharten erhalten sind. Diese Senkmaulscharten sind vermutlich römische Spolien. Während die Mauer auf der Hofseite, im Westen der Burg großteils verschüttet ist, erhebt sie sich nach außen hin bis in Höhen von 3 Meter über den Boden. Nur die untersten Steinscharen der östlichen Mauer stammen aus dem 14./15 Jahrhundert. Der obere Teil stammt aus einer späteren Phase im 16. Jahrhundert, zu erkennen an einer anderen Struktur des Mauerwerks. Zu jener Zeit wurde ein halbrunder Flankierungsturm in die Mauer eingebaut. Nördlich dieses Turmes, im inneren Burghof befanden sich zwei übereinander liegende Wehrgänge mit Schießscharten für Musketen. Von den Wehrgängen sind nur mehr die Mauerabsätze erhalten.[1]

Im Süden wird die Burganlage von einem Viereckturm mit lagerhaftem Bruchsteinmauerwerk aus dem 14. Jahrhundert abgeschlossen. Im 16. oder 17. Jahrhundert wurden darin Flachbogennischen mit großen Fenstern eingebaut. Er wurde als Wohnturm genutzt. Aus derselben Zeit stammt vermutlich auch die an der nördlichen Außenmauer erhaltene Nische einer Wendeltreppe. Nördlich schließen an den Viereckturm zwei Wohnbauten an. Der nordwestliche, fünfstöckige Bau diente als Palas und stammt aus dem 14. bis 15. Jahrhundert. Der zweite Bau stammt aus dem 16./17. Jahrhundert und hatte wahrscheinlich Hofarkaden.[2][1]

Im 16. Jahrhundert wurde zwischen der östlichen Ringmauer und dem Altbestand östlich des Bergfriedes ein Verbindungstrakt mit unregelmäßigem, kaum lagerhaftem und mit Ziegeln durchsetztem Bruchsteinmauerwerk errichtet. Durch diesen Trakt führt eine Torhalle vom nördlichen, neuen Burghof in den südlichen, älteren Innenhof. Der Innenhof wird im Osten und Westen von der Ringmauer, im Süden von zwei Wohngebäuden und im Norden von der Anhöhe mit dem Bergfried begrenzt. Über dem Trakt mit der Torhalle befanden sich früher vermutlich zwei Geschosse mit Wohngemächern. Die Geschosse hatten in Flachbogennischen liegende Rechteckfenster, die heute noch erkennbar sind.[1]

Im Norden wird die Anlage von der im späten 16. Jahrhundert entstandenen und als Quertrakt angelegten Vorburg abgeschlossen. Diese ist zugleich der jüngste Teil der Anlage. An den Ecken der Vorburg befanden sich zwei kleine Vierecktürme, von denen der nordöstliche in voller Höhe erhalten ist. Dieser Turm hat aus Ziegeln gemauerte Schlüssellochscharten. Der nordöstliche Turm ist als Mauerstumpf erhalten und wurde im Jahr 2011 mit einer hölzernen Konstruktion überbaut, die einer Darstellung auf einem Kupferstich aus dem 17. Jahrhundert nachempfunden wurde[3] In der Vorburg befanden sich ein kleiner Garten sowie ein großer, an die Ringmauer angebauter Pferdestall. Im Norden der Vorburg befindet sich ein Halsgraben, welcher von einer festen Brücke aus jüngerer Zeit überspannt wurde. Von dieser sind nur mehr die Pfeiler erhalten.[2][1]

Die Wasserversorgung wurde zuerst durch eine Zisterne, später durch einen Brunnen bewerkstelligt. Das Wasser wurde durch Holzrohre in die Burg geleitet.[2]

Literatur

  •  Werner Murgg, Bundesdenkmalamt (Hrsg.): Burgruinen der Steiermark (= B. 2). Ferdinand Berger & Söhne Ges.m.b.H, Wien 2009, ISSN 1993-1263, S. 158–161.

Einzelnachweise

  1. a b c d e f g  Werner Murgg, Bundesdenkmalamt (Hrsg.): Burgruinen der Steiermark (= B. 2). Ferdinand Berger & Söhne Ges.m.b.H, Wien 2009, ISSN 1993-1263, S. 158–161.
  2. a b c d e f g Eintrag über Burg Krems auf Burgen-Austria
  3. a b Landjugend Voitsberg wurde für ihr Engagement ausgezeichnet. In: Kleine Zeitung. www.kleinezeitung.at, 1. Dezember 2011, abgerufen am 13. Oktober 2012 (deutsch).

Weblinks

Eintrag über Burg Krems auf Burgen-Austria