Burg Reichenstein (Österreich)

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Burg Reichenstein
Burg Reichenstein von Osten

Burg Reichenstein von Osten

Alternativname(n): Schloss Reichenstein
Entstehungszeit: um 1230
Burgentyp: Höhenburg, Umbau zum Schloss
Erhaltungszustand: Ruine
Ort: Tragwein
Geographische Lage 48° 21′ 51″ N, 14° 34′ 52″ O48.36416666666714.581111111111Koordinaten: 48° 21′ 51″ N, 14° 34′ 52″ O
Burg Reichenstein (Oberösterreich)
Burg Reichenstein

Die Burg Reichenstein ist eine Burgruine rund 5 Kilometer nordöstlich von Pregarten. Sie liegt in der gleichnamigen Ortschaft Reichenstein im Gemeindegebiet von Tragwein im Bezirk Freistadt im Mühlviertel in Oberösterreich.

Reichenstein auf einem Stich von Georg Matthäus Vischer 1674
Ruine und Ortschaft Reichenstein
Ruine Reichenstein von Westen
Historisches Handwerksfest des Burgvereins Reichenstein 2008

Inhaltsverzeichnis

Lage

Die Ruine der einstigen Höhenburg erstreckt sich auf einem schmalen, steil abfallenden Felsriegel oberhalb einer Flussschleife der Waldaist. Am Fuß der Erhebung befindet sich die aus einer kleinen Häuseransammlung bestehende Ortschaft Reichenstein mit einem Gastronomiebetrieb und einer Schmiede. Zusätzlich gibt es in der Ortschaft einen Kindergarten und eine Volksschule (Kleinschule).

Beschreibung

Von der mittelalterlichen Anlage ist heute nur mehr die Burgkapelle an der Geländespitze über dem Fluss erhalten. 1576 wurde anstelle des früheren Palas ein Renaissance-Wohntrakt errichtet, von den ebenso neu errichteten Flankentürmen ist heute noch der rechte erhalten. Im Rittersaal des mit Doppelfensterbögen ausgestatteten Wohntrakts sind heute noch Freskenreste erkennbar.

Bei Bauarbeiten im Jahr 2012 wurden auf dem Gelände der Burgruine große Teile einer älteren Burg entdeckt.[1]

Geschichte

Ein Ulrich von Reichenstein wird 1230 erstmals urkundlich genannt. Der Bau der mittelalterlichen Burganlage wird zwischen 1230 und 1300 angesetzt. Verschiedene Geschlechter wechselten sich im Besitz der Burg ab: Kapeller, Wallseer, Liechtensteiner.

1567 erwarb der steirische Ritter Christoph Haym die kleine Festung. Er baute die ursprünglich mittelalterliche Burg innerhalb von 3 Jahren zu einem prächtigen Renaissanceschloss um, dessen Reste das Gros der heutigen Bausubstanz bilden. Möglich wurde der Neubau nur durch die Erhöhung der Abgaben- und Robotleistung der Untertanen, welche Haym deshalb den Gehorsam aufkündigten, sich unter ihrem Anführer Siegmund Gaisrucker zusammenrotteten und die beiden zur Burg gehörigen Meierhöfe brandschatzten (Reichensteiner Robotaufstand (1567–1582)). 1571 wurde Christoph Haym aus dem Hinterhalt erschossen, der tatverdächtige Gaisrucker wurde seither nicht mehr gesehen. Um dieses Geschehen ranken sich mehrere Sagen. Haym wurde in seiner Gruft in Wartberg beigesetzt.

Seit 1729 ist die Burg im Besitz der vormals fürstlichen Familie Starhemberg. 1750 wurde die Anlage von ihren Bewohnern verlassen und verödete danach. Seit 1989 wird sie restauriert: Der heutige Besitzer G. Starhemberg hat die Ruine einem Verein verpachtet, der sich um die Renovierung und Nutzung für kulturelle Veranstaltungen bemüht. Als heutiger „Burgvogt“ gilt DI Roland Huber.

Etymologie

Jahr Urkundliche
Bezeichnung (Auswahl)[2]
1230 Volricus de Richenstein
1277 Poppo de Richenstain
1326 Jans von Reichenstain
1362 ob Reychenstain pey der ayst
1411 die vest Reichenstain
1610 Reichenstein
1732 Reichenstain
1815 Reichenstein

Beim Namen Reichensteins handelt es sich um einen gefügten Burgnamen aus dem mhd. Grundwort stein (Fels, Stein) und dem mhd. Beiwort rîch(e) (mächtig, gewaltig, vornehm, stattlich, herrlich, edel). Der Name meint also sinngemäß eine mächtige, stattliche Burg auf einem Felsen. Aus den Namensteilen entstand durch die im Mittelalter übliche dativische Ortsnamensnennung (zum) reichen Stein der gefügte Name Reichenstein.

Heutige Nutzung

Museum

An die Kapelle der Burg ist im Nordwesten das Waldaist-Stöckl angebaut, das bis 1816 als Schule diente. Jetzt beherbergt das Waldaist-Stöckl ein Museum. Darin wird das Tal der Waldaist mit seinen Sagen, seiner besonderen Ökologie (z.B.: Aistblume, Flussperlmuscheln) sowie seiner wirtschaftlichen Nutzung (Mühlen, Holzschwemmen) behandelt.

Kulturelle Veranstaltungen

Bekannte kulturelle Veranstaltungen in Reichenstein sind neben verschiedenen Vortragsreihen beispielsweise

Literatur

  • Baumert, Herbert E. und Grüll, Georg: Burgen und Schlösser in Oberösterreich. Band 1: Mühlviertel und Linz. Wien 1988, S. 134–136.
  • Hohensinner, Karl und Peter Wiesinger: Die Ortsnamen der politischen Bezirke Perg und Freistadt. Ortsnamenbuch des Landes Oberösterreich Band 11. Wien 2003.

Siehe auch

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Unter Burgruine Reichenstein Reste einer älteren Burg entdeckt. derStandard.at GmbH, 22. Mai 2012, abgerufen am 22. Mai 2012.
  2. Hohensinner und Wiesinger, Ortsnamen, S. 130.