Burg Stein (Reichersberg)

p3

Burg Stein
Lageplan der Burg Stein nach Johann Ev. Lamprecht

Lageplan der Burg Stein nach Johann Ev. Lamprecht

Entstehungszeit: 1085 (erste urk. Erwähnung)
Burgentyp: Höhenburg, Uferrandburg
Erhaltungszustand: abgekommen Ende 12. Jahrhundert
Ort: Reichersberg
Geographische Lage 48° 20′ 48,5″ N, 13° 22′ 13,4″ O48.346813.3704Koordinaten: 48° 20′ 48,5″ N, 13° 22′ 13,4″ O
Burg Stein (Oberösterreich)
Burg Stein

Die einst mächtige Burg Stein (Reichersberg) befand sich am Minaberg, etwa zwei Kilometer flussabwärts von Reichersberg in Oberösterreich.

Geschichte

In einer Urkunde des Stiftes Reichersberg wird die Burg erstmals 1085 erwähnt. Als ihr Erbauer wird Albuin (+ 1090) aus dem Geschlecht der Askuiner genannt. Danach war sie im Besitz der Herren von Ried. 1153 wurde sie von Herzog Heinrich II. erobert und zerstört, da die damaligen Herren von Stein (de Petra) im Streit um das Lehen Münsteuer das Stift Reichersberg angegriffen hatten.

Burg Stein nach der Brevis cronica cenobii Reicherspergensis

Nach dem Wiederaufbau war die Burg im Besitz des Heinrich von Paumgarten (Baumgarten), Sohn des Erchenbert von Stein. Problematisch war die Tatsache, dass Reichersberg zwar im Einflussgebiet der Diözese Passau lag, durch seinen Stifter Wernher von Reichersberg, der ein Schwager des Salzburger Erzbischofs Gebhard von Helfenstein war, aber mit dem Hochstift Salzburg in enger Verbindung stand und diesen um Schutz für seine Gründung und direkte Unterstellung unter den Salzburger Vogt gebeten hatte. 1153 konnte der Besitz von Reichersberg um das nahe Gut Münsteuer erweitert werden. Dieses Lehen wurde auch von Erchenbert von Stein beansprucht. Im Investiturstreit stand der Reichersberger Probst Gerhoch wie der Salzburger Erzbischof Konrad II. auf Seiten des Papstes Alexander III. und nicht auf Seiten des von der kaiserlichen Seite gewählten Gegenpapstes Paschalis III., was dem Kaiser Friedrich Barbarossa nicht gefallen konnte. Vom Kaiser wurde deshalb 1167 über Salzburg und Reichersberg die Reichsacht verhängt. Daraufhin plünderte Heinrich von Paumgarten zweimal 1166 das streitige Lehen Münsteuer und brannte auch das Stift Reichersberg 1167 nieder. Ende des 12. Jahrhunderts wurde die Burg Stein zerstört und danach nicht wieder aufgebaut.

Burg Stein heute

Ein Teil der Burg war bereits im 19. Jahrhundert in den Inn abgestürzt. Mitte des 19. Jahrhunderts stand am südlichen Zugang noch ein gemauertes Bogenstück als Überrest des einstigen Eingangstores. Die Erdsubstruktion der Burg Stein ist noch gut erkennbar. Der ebene Schlossraum umfasst ca. einen halben ha, wobei das Gelände durch Baumbewuchs etwas schwer erkennbar ist. Nordwestlich befindet sich ein steiler Abfall zum Inn hin, nordöstlich ist ein tiefer Graben zu einem Bächlein, das vom Minaberg zum Inn fließt, im Süden sind ein Graben sowie zwei Wällen erkennbar.

Lamprecht vermutet aufgrund von römischen Münzfunden (Kaiser Domitian und andere von Kaiser Antoninus Pius), dass hier bereits die Römer ein Uferkastell angelegt hatten.

Literatur

  •  Oskar Hille: Burgen und Schlösser in Oberösterreich einst und jetzt. Verlag Ferdinand Berger & Söhne, Horn 1975, ISBN 3-85028-023-3.
  • Johann Ev. Lamprecht: Archäologische Streifzüge u. Untersuchungen verschiedener Umwallungsorte des unteren Innviertels. Manuskript im OÖ. Landesmuseum, ohne Ort und ohne Jahr (ca. 1880).
  •  Christian K. Steingruber: Eine kritische Betrachtung des Historisch-Topographischen Handbuches von Norbert Grabherr. Ober-Österreichisches Landesarchiv, Linz.
  • Wilhelm Mahler, Bundschuh Nr. 10, 2007, 11.