Burgau

Dieser Artikel beschreibt die Stadt Burgau in Bayern. Für andere Bedeutungen siehe Burgau (Begriffsklärung)
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Burgau
Burgau
Deutschlandkarte, Position der Stadt Burgau hervorgehoben
48.43222222222210.406944444444462Koordinaten: 48° 26′ N, 10° 24′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Schwaben
Landkreis: Günzburg
Höhe: 462 m ü. NN
Fläche: 25,92 km²
Einwohner:

9299 (31. Dez. 2011)[1]

Bevölkerungsdichte: 359 Einwohner je km²
Postleitzahl: 89331
Vorwahl: 08222
Kfz-Kennzeichen: GZ
Gemeindeschlüssel: 09 7 74 121
Adresse der
Stadtverwaltung:
Gerichtsweg 8
89331 Burgau
Webpräsenz: www.burgau.de
Bürgermeister: Konrad Barm (Freie Wähler Vereinigung)
Lage der Stadt Burgau im Landkreis Günzburg
Baden-Württemberg Landkreis Augsburg Landkreis Dillingen an der Donau Landkreis Neu-Ulm Landkreis Unterallgäu Winzerwald Ebershauser-Nattenhauser Wald Aichen Aletshausen Balzhausen Bibertal Breitenthal (Schwaben) Bubesheim Burgau Burtenbach Deisenhausen Dürrlauingen Ebershausen Ebershausen Ellzee Günzburg Gundremmingen Haldenwang (Schwaben) Ichenhausen Jettingen-Scheppach Kammeltal Kötz Krumbach (Schwaben) Landensberg Leipheim Münsterhausen Neuburg an der Kammel Offingen Rettenbach (Landkreis Günzburg) Röfingen Thannhausen (Schwaben) Ursberg Waldstetten (Günz) Waltenhausen Wiesenbach (Schwaben) Winterbach (Schwaben) ZiemetshausenKarte
Über dieses Bild
Blick auf Burgau mit seiner Stadtpfarrkirche

Burgau ist eine an der Mindel gelegene Stadt im schwäbischen Landkreis Günzburg.

Die Autobahn 8 München-Stuttgart führt im Süden an ihr vorbei.

Die Stadt verfügt über eine wechselvolle Geschichte. Die einstige Markgrafschaft gehörte fast 500 Jahre zu Vorderösterreich.

Heute ist die bayerisch-schwäbische Stadt auch durch die hier beheimatete und vom Bezirk Schwaben geförderte Rehabilitationsklinik für schwer Schädel- und Hirnverletzte weithin bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Anno 1147 wurden erstmals „Herren von Burguo“ urkundlich erwähnt. Das Entstehen ihrer „Burg ob der Au“ wird um das Jahr 1100 herum vermutet. Die Edlen wurden 1212 zu Markgrafen geadelt. Sie waren in der Gefolgschaft von Kaiser Friedrich II. vertreten. Zur Hochzeit des Markgrafen Heinrich III. von Burgau kam auch König Rudolf I. am 28. November 1288 nach Schwäbisch Gmünd. Es entstanden hierbei erste Kontakte zum Haus Habsburg. Der Wittelsbacher und Kaiser Ludwig IV. der Bayer belagerte im Jahr 1324 vergebens die Stadt.

Zur Geschichte der Markgrafschaft Burgau, siehe Markgrafschaft Burgau.

Im Bauernkrieg 1525 unterstützten die Burgauer die Leipheimer Aufständischen, konnten deren Niederlage aber nicht abwenden. Schwere Zeiten durchlitt die Stadt im Dreißigjährigen Krieg und im Spanischen Erbfolgekrieg.

1806 wurde Burgau ins Königreich Bayern eingegliedert. Durch eine bayerische Verwaltungsreform im Jahr 1862 wurde ein Amtsgericht, ein Notariat und ein Finanzamt geschaffen. Im Folgejahr bewirkte ein Großbrand das Entstehen der Freiwilligen Feuerwehr.

Vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurden im Februar 1945 ein Konzentrationslager in Burgau, nämlich ein Männerlager und im März ein Frauenlager als Außenlager des KZ Dachau errichtet. Die über 1.000 Häftlinge, darunter 500 jüdische Frauen und Mädchen aus Polen und Ungarn, hierher verlegt aus den Konzentrationslagern Dachau, Bergen-Belsen und Ravensbrück, mussten unter elenden Bedingungen in den Kuno-Werken im Scheppacher Forst beim Flugzeugbau Zwangsarbeit verrichten. 18 von ihnen starben und wurden auf dem jüdischen Friedhof in Ichenhausen begraben.[2] Die meisten der verbliebenen Häftlinge, vor allem die jüdischen Frauen, wurden im März und April 1945 über das KZ Kaufering VI in Türkheim nach Allach mit einem Todesmarsch "evakuiert" und dort schließlich größtenteils befreit.[3]

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden rund 1.600 Heimatvertriebene der Stadt zur Unterbringung zugewiesen.

Eingemeindungen

Als Folge der bayerischen Gebietsreform vergrößerte sich Burgau 1978 um die zuvor selbstständigen Gemeinden Oberknöringen, Unterknöringen mit Großanhausen (bis 1865 Groß- und Kleinanhausen, am 1. Juli 1970 nach Unterknöringen eingemeindet)[4] und Limbach.

Stadtgliederung

Burgau 7197 Ew. (1.10.2012)
Großanhausen 129
Kleinanhausen 227
Limbach 240
Oberknöringen 790
Unterknöringen 747

Politik

Stadtrat

Der Stadtrat hat 20 Mitglieder. Bei den Kommunalwahlen verteilten sich die Sitze auf folgende Listen:

Sitzverteilung bei der Kommunalwahl 2002 2008
CSU 6 5
Freie Wähler Vereinigung 7 5
Christliche Wählergemeinschaft 3 3
SPD 3 3
FDP/Freie Bürger 1 2
Aktive Bürger Burgau 2

Bürgermeister

Bürgermeister ist seit 2002 Konrad Barm (FWV).[5]

Wappen

Das Wappen zeigt in einem blauen Feld einen altgotischen Turm, der aus weißen Quadersteinen besteht und von vier Zinnen bekrönt wird. Zwei Schießscharten und ein offenes Tor schmücken den Turm. Rechts und links von ihm steht jeweils eine Tanne. Symbolisiert wird damit eine „Burg in der Au“, woraus sich der Ortsname herleitet.

Städtepartnerschaften

Bereits seit Mitte der 1970er Jahre bestehen Kontakte zur Marktgemeinde Burgau (Steiermark) in Österreich. Offiziell besiegelt wurde die Städtepartnerschaft im Jahr 1982. Bereits seit 1978 pflegen insbesondere die Einwohner der Stadtteile Ober- und Unterknöringen den Kontakt zur Partnergemeinde Knöringen (bei Landau in der Pfalz).

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Baudenkmäler

Liste der Baudenkmäler in Burgau

Museen

Burgauer Schloss, jetzt Heimatmuseum
  • Heimatmuseum in der Burg / Schloss
  • Tiermuseum

Bauwerke

Das Stadtbild prägen:

  • der 1614 errichtete Blockhausturm (das einzig erhaltene Stadttor)
  • der Marienbrunnen (sog. „Röhrenkasten“) am Kirchplatz mit einer von Franz Schäfferle 1696 konzipierten, 1731 aufgestellten Figur
  • die Sankt-Leonhards-Kapelle von 1668 mit barocker Fassade
  • die von 1788–1791 errichtete Stadtpfarrkirche
  • das hoch über dem Mindeltal thronende Schloss
  • das ehemalige Kapuzinerkloster. Hier befand sich ursprünglich in der Apsis das Bild von Leonardo da Vinci „Madonna mit der Nelke“, welches sich heute in der Münchner Alten Pinakothek befindet.
  • die Loretokapelle mit schwarzer Madonna
  • die alte Mädchenschule
  • das alte Rathaus. Im ehemaligen Sitzungssaal ist in der Stuckdecke noch der österreichische Adler zu sehen.
  • das älteste Wohnhaus Burgaus aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges, auf dem Weg zum Schloss
  • die alte Münzprägestätte. Auch hier ist noch eine Stuckdecke mit dem österreichischen Adler zu sehen.


Regelmäßige Veranstaltungen

Historische Feste

Im Jahr 1997 feierte die Stadt das 850-jährige Jubiläum der ersten urkundlichen Erwähnung mit einem aufwändigen „Historischen Fest“. In etwas verkleinerter Form wurden weitere historische Feste in den Jahren 2001, 2005 und 2009 gefeiert.

Die gefeierten Anlässe hierzu waren:

  • 2001: 700 Jahre Zugehörigkeit zu Vorderösterreich
  • 2005: 200 Jahre Zugehörigkeit zu Bayern
  • 2009: Burgau im Mittelalter (kein konkreter historischer Anlass)

Diese fünftägigen Feste wurden von tausenden Gästen besucht. Ob es weitere „Historische Feste“ geben wird, ist vorerst offen. Nach bisherigem Rhythmus wäre im Jahr 2013 ein Fest zu erwarten.

Burgauer Fasching

Bereits seit dem 30-jährigen Krieg ist der Brauch der „Kinderbrotspeisung“ bekannt. Anfang der 1950er Jahre wurde dieser Brauch von Albert Vogele sen. wieder belebt. In der Verkleidung eines Burgauer Stadtsoldaten „befreit“ heute sein Sohn als Trommler-Albert mit seiner Trommel am Rosenmontag die Kinder aus der Schule und zieht mit ihnen durch die Stadt. Vor den Geschäften rufen die Kinder dann alte überlieferte Faschingssprüchlein, um die Inhaber aufzufordern, ihre Gaben zu verteilen.

Einige Beispiele für solche Faschingssprüchlein und Rufe:

  • Burga zua, Burga zua - Ohne Strempf und ohne Schuah! Hio!
  • I ond Du, ond no a paar, sind mas rechte Lompa, und wenn ma s'Geld versoffa hand, dann mias ma Wassr gompa. Hio!
  • I bin a kloina Pumprnikl, i bin a kloina Bär, ond wia mi Gott erschaffa hat, so trab i halt daher. Hio!
  • Brezga raus, Brezga raus! Hio!
  • Beim Käppelewirt, beim Käppelewirt, dau kehrat d' Maschker ei. Sie saufat Bier und Branntawei und schiabat d' Gläsla ei! Hio!
  • D' Fischer-Bäs, d' Fischer-Bäs hat da beschta Leaber Käs'! Hio!

Die Kinderbrotspeisung ist auch der Startschuss für den „Straßenfasching“ in Burgau, der am Nachmittag in den traditionellen Rosenmontagsumzug mündet, welcher jährlich tausende Zuschauer anlockt - Schwabens längster Gaudiwurm. Am besten beschreibt die „Faschingsverrücktheit der Burgauer“ der Spruch: „Am Rosenmontag ist in Burgau selbst das Straßenpflaster narrisch!“.

Kulinarische Spezialitäten

Neben den Burgauer Busserln, welche Mozartkugeln ähneln, werden als Bonbons sogenannte Schloßbergkiesel angeboten. Als alkoholische Spezialitäten sind Burgauer Obstwasser, Burgauer Schloßgeist und Markgräflicher Burgauer Rat regional bekannt.[6]

Wirtschaft und Infrastruktur

Verkehr

Am 26. September 1853 wurde der Abschnitt Neu-Ulm–Burgau der Bayerischen Maximiliansbahn in Betrieb genommen und Burgau erhielt seinen Bahnhof. Am 1. Mai 1854 wurde daraufhin die Gesamtstrecke der Maximiliansbahn von Ulm über Augsburg nach München offiziell eröffnet. Heute besitzt der an der Bahnstrecke Augsburg–Ulm liegende Bahnhof Burgau (Schwab) drei Gleise und wird im Stundentakt von der Regional-Express-Linie Fugger-Express, die zwischen Ulm und München verkehrt, bedient.

Prälat Jakob von Türk, Ehrenbürger von Burgau

Persönlichkeiten

Ehrenbürger

Söhne und Töchter der Stadt

Persönlichkeiten, die in der Stadt gewirkt haben

  • Albert Auffinger (1839–1912), Maler

Literatur

  • Wolfgang Wüst: Burgau und die habsburgische Städtepolitik in Vorderösterreich, in: Franz QUARTHAL/ Gerhard FAIX (Hgg.: Die Habsburger im deutschen Südwesten. Neue Forschungen zur Geschichte Vorderösterreichs, Stuttgart 2000, S. 137-152.

Weblinks

 Commons: Burgau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Burgau – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung – Fortschreibung des Bevölkerungsstandes, Quartale (hier viertes Quartal, Stichtag zum Quartalsende) (Hilfe dazu)
  2. Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation, Band 1. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1995, ISBN 3-89331-208-0, S. 149
  3. Alois Epple. KZ Türkheim. Das Dachauer Außenlager Kaufering VI. Lorbeer Verlag. Bielefeld 2009 ISBN 978-3-938969-07-6
  4.  Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C.H.Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1983, ISBN 3-406-09669-7. Seite 475
  5. Günzburger Zeitung vom 26. Oktober 2007, abgefragt am 13. Juli 2010
  6. „Augsburger Allgemeine“ vom 3. Juni 2006: Schönheiten im Verborgenen