Burgus Ybbs

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a) Burgus Ybbs
b) Burgus Neumarkt a.d.Ybbs
Alternativname a) unbekannt;
b) Ad Pontem Ises ?
Limes Norischer Limes
Abschnitt Strecke 1
Datierung (Belegung) valentinianisch,
bis 5. Jahrhundert n. Chr. ?
Typ Wachturm
Einheit a) milites auxiliares Lauriacenses oder
legio I Noricorum ?,
b) limitanei (burgarii) ?
Größe a) unbekannt,
b) 4,3 × 2,9 m,
Höhe 1,3 m,
Mauerstärke 40–60 cm
Bauweise Steinbauweise
Erhaltungszustand a) Lage unbekannt,
b) obertägig nicht mehr sichtbar
Ort Ybbs an der Donau und
Neumarkt an der Ybbs
Geographische Lage 48° 10′ 0″ N, 15° 4′ 0″ O48.16666666666715.066666666667Koordinaten: 48° 10′ 0″ N, 15° 4′ 0″ O
Vorhergehend Kastell Wallsee (westlich)
Anschließend Kastell Arelape (östlich)
Limes3.png

Die Burgi von Ybbs und Neumarkt waren Teil der Befestigungen des Donaulimes in Österreich, Bundesland Niederösterreich, Bezirk Melk, Gemeindegebiet der Stadt Ybbs an der Donau bzw. Ortsteil Neumarkt.

Inhaltsverzeichnis

Burgus Ybbs

Der Wachturm konnte bis dato nicht archäologisch nachgewiesen werden. Nur eine spätantike Bauinschrift und diverse Streufunde (u.a. Ziegelstempel der Legio I Noricorum) lassen auf eine römische Militäranlage in Ybbs schließen. Möglicherweise diente der dortige Turm (oder evt. auch ein Kleinkastell[1]) zur Überwachung der Ybbsmündung. Auch in den meisten der Hauptquellen zum norischen Limes (z.B. Itinerarium Antonini, Notitia Dignitatum) wird Ybbs nicht erwähnt. Mehrfach wurde in der Forschung versucht, das in der Tabula Peutingeriana (TP) angeführte Ad Pontem Ises Ybbs zuzuordnen, diese Ansicht gilt heute aber als weitgehend überholt.

Befunde

Das Gebiet der heutigen Stadt Ybbs liegt am Südrand der sog. Böhmischen Masse und ist durch die Flüsse Donau und Ybbs geprägt. In der Antike war dieser Abschnitt wegen Strudeln und Stromschnellen nur schwer zu passieren, aufgrund dessen diente die Station damals vielleicht schon als sicherer Ankerplatz für den Schiffsverkehr oder auch als Flottenstützpunkt der Donauflotte.[2] Weiters endet hier das Ybbstal, das für den Handels- und Reiseverkehr einen relativ bequemen Zugang zu den Ostalpen (insbesondere Eisenwurzen, Enns- und Murtal) ermöglichte. Diese Umstände begünstigten den späteren Aufstieg der Stadt zu einem der bedeutetensten Orte des Strudengaues.

1508 soll hier ein Inschriftstein gefunden worden sein, der vom Bau eines burgus im Jahr 370 durch Soldaten aus dem Legionslager Lauriacum (milites auxiliares Lauriacenses) berichtete, die unter dem Kommando eines gewissen Leontius standen. Der Stein wurde angeblich direkt am Donau-Ufer gefunden. Hin und wieder wird auch erwähnt, dass er ursprünglich aus Enns stammen soll.

Die Bauinschrift lautete wie folgt:

DDD(ominorum) nnn(ostrorum) Valentiniani / Valenti/s et Gratiani perennium Augustor/um saluberrima iussionem hunc / burgum a fundamentis ordinante / viro clarissimo Equitio comite et / utriusquae militiae magistro i/nsistente etiam Leontio p(rae)p(osito) mili/tes auxiliares Lauriacenses cu/r(a)e eius conmissi consulatus / eorundem dominorum prin/cipumque nostrorum tertii ad / summam manum perduxserunt(!) / perfectiones[3]

Laut den Humanisten Wolfgang Lazius und Peter Apianus soll er um 1508 bis 1509 von einem Gefolgsmann Kaiser Maximilians I., dem aus Hall stammenden Johannes Fuchsmagen (auch Fuxmagen) (* um 1450; † 1510), nach Wien gebracht worden sein, wo er 1622 beim Bau des Jesuitenklosters verloren ging. Auch in der Folgezeit hörte man immer wieder von Funden aus römischer Zeit (Münzfunde), zuletzt 1906 ein Ziegelstempel mit dem Aufdruck FIG IVES und ein Grabstein.

Ansicht von Ybbs/Donau/NÖ, Blick aus Nord

Burgus Neumarkt an der Ybbs

Im Zuge einer 1961 durchgeführten Notgrabung des Österreichischen Bundesdenkmalamtes entdeckte man in einer Schottergrube bei Neumarkt an der Ybbs (neben frühbronzezeitlichen und frühmittelalterlichen Bestattungen) auch Fundamente und aufgehendes Mauerwerk eines rechteckigen römischen Gebäudes, welches von den Ausgräbern (Herma Stiglitz-Thaller, Gustav Melzer) als Wachturm identifiziert wurde.

Befunde

Nach der Tabula Peutingeriana könnte der Name dieses Stützpunktes Ad Pontem Ises oder Pons Ivesis gelautet haben.[4] Die in der Tabula Peutingeriana angegebene Entfernung von acht römischen Meilen entspricht in etwa der Fundstelle der römischen Mauerreste. Die im Burgus stationierte Truppe wird in keiner antiken Quelle erwähnt.

Mündung des Ybbsflusses in die Donau

Die Fundstelle befindet sich ca. 700 m nordöstlich des Ortes Neumarkt an der Ybbs und 1 km westlich der Ortschaft Kemmelbach in einer Schottergrube. Das mehrphasige Gebäude, zusammengefügt aus vermörtelten Bruchsteinen, war noch bis zu einer Höhe von 1,30 m erhalten und 40–60 cm breit. Seine Innenmaße betrugen 4,3 × 2,9 m. Der Eingang lag im Nordwesten. Es konnten hier ein Stiegenabgang (zwei etwa 1,25 m breite Stufen) und eine Türschwelle dokumentiert werden. Etwa 35 m vom Turm entfernt fand man noch Spuren eines Wehrgrabens. Der Estrichbefund lässt auch noch eine ältere Bauphase erkennen. Er war 2,10–2,55 m dick und lag auf einer Schicht Rollschotter, die vermutlich zur Isolation diente. Darunter befand sich noch eine ca. 3 cm starke, dunkle Erdschicht.[5] Die Fundobjekte wurden nicht publiziert.[6] Auch in puncto Datierung ist heute keine genaue Eingrenzung mehr möglich. Der Wachtturm von Neumarkt stammte vermutlich aus valentinianischer Zeit und sicherte wohl eine stark frequentierte Furt über die Ybbs.[7] Seine Besatzung kontrollierte daneben sicher auch den Straßenverkehr, da er wahrscheinlich auch direkt an der Limesstraße stand, die vom Loco Felicis (Mauer an der Url/Kastell Wallsee?) nach Kastell Arelape (Pöchlarn) führte.

Denkmalschutz

Die Anlagen sind Bodendenkmäler im Sinne des Denkmalschutzgesetzes.[8] Nachforschungen und gezieltes Sammeln von Funden ohne Genehmigung des Bundesdenkmalamtes stellen eine strafbare Handlung dar. Zufällige Funde archäologischer Objekte (Keramik, Metall, Knochen etc.), sowie alle in den Boden eingreifenden Maßnahmen sind dem Bundesdenkmalamt (Abteilung für Bodendenkmale) zu melden.

Siehe auch

Literatur

  • Kurt Genser: Der österreichische Donaulimes in der Römerzeit. Ein Forschungsbericht. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1986, ISBN 3-7001-0783-8 (Der römische Limes in Österreich, 33), S. 220–231,
  • Manfred Kandler, Hermann Vetters (Hrsg.): Der römische Limes in Österreich. Ein Führer. Wien 1989, S. 140–141.
  • Gustav Melzer: Archäologische Untersuchungen in der Filialkirche St. Veit in Sarling, Gemeinde Ybbs an der Donau. In: Fundberichte aus Österreich, Band 14, 1975, S. 27–28.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Kurt Genser: 1986, S. 224
  2. Kurt Genser: 1986, S. 225.
  3. CIL 3, 5670a; Kandler/Vetters, 1989, S. 122
  4. Segmentum IV/6
  5. Kurt Genser: 1985, S. 228.
  6. Fundberichte aus Österreich, Band 8, 1961–1965, S. 99.
  7. Kurt Genser, 1985, S. 231.
  8. [1] auf der Seite des Bundesdenkmalamtes.