Buschwindröschen

Buschwindröschen
Buschwindröschen (Anemone nemorosa)

Buschwindröschen (Anemone nemorosa)

Systematik
Ordnung: Hahnenfußartige (Ranunculales)
Familie: Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae)
Unterfamilie: Ranunculoideae
Tribus: Anemoneae
Gattung: Windröschen (Anemone)
Art: Buschwindröschen
Wissenschaftlicher Name
Anemone nemorosa
L.

Das Buschwindröschen (Anemone nemorosa) ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Windröschen (Anemone) in der Familie der Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae). Volkstümlich wird diese Pflanzenart auch als Hexenblume bezeichnet, in der Schweiz auch als Geissenblümchen oder Geisseblüemli.[1]

Beschreibung

Illustration des Buschwindröschen (Anemone nemorosa)

Das Buschwindröschen wächst als vorsommergrüne, ausdauernde, krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 11 bis 25 Zentimetern. Als Speicher- und Überdauerungsorgan dient ein unterirdisches, etwa 30 Zentimeter langes, kriechendes Rhizom. Es setzt an seinem einen Ende das Wachstum fort und bildet die Sprossknospe, stirbt am anderen Ende jedoch ab. Das Rhizom verzweigt sich sympodial. Die endständige Sprossknospe entspringt einer Schuppe.

Zur Blütezeit zwischen März und April/Mai fehlen grundständige Blätter. Im oberen Stängeldrittel befinden sich in einem Quirl (Wirtel) angeordnet drei deutlich gestielte, jeweils handförmig dreiteilige Hochblätter mit grob gesägten Abschnitten. Sie schützen die Blütenknospen und übernehmen so die Funktion des fehlenden Kelches. Erst nach der Blüte wird ein gestieltes Grundblatt ausgebildet.

Gewöhnlich entwickelt das Buschwindröschen nur eine Blüte (selten zwei) pro Pflanze. Der Blütenstiel entspringt der Vereinigung der drei Hochblätter und ist mit zahlreichen kleinen nach oben gekrümmten Haaren besetzt. Die Blüte enthält sechs bis acht (selten: zwölf) weiße, manchmal leicht rosa getönte Perigonblätter. Sie sind in zwei Kreisen angeordnet. Sie bilden eine länglich-elliptische Form aus. Die Blütenblattspitze ist gewöhnlich gerundet, gelegentlich jedoch auch leicht eingekerbt. Zahlreiche Staubblätter mit weißen Staubfäden und gelben Staubbeuteln umgeben etwa 10 bis 20 unverwachsene, längliche und flaumig behaarte Fruchtblätter. Diese sitzen der leicht gewölbten Blütenachse auf und gehen in einen kurzen und aufwärts gebogenen Griffel über. Als Früchte entwickeln sich, analog zur Anzahl der befruchteten Fruchtblätter, einsamige Nüsschen.

Lebensweise

Die Überdauerungsknospen des Buschwindröschens befinden sich an seinem Rhizom in mehr als einem Zentimeter unterhalb der Erdoberfläche. Seine Lebensform entspricht daher der eines Rhizom-Geophyten. Das Buschwindröschen gehört im Hinblick auf den Laubrhythmus zu den frühjahrsgrünen Pflanzen. Der Laubaustrieb erfolgt im zeitigen Frühjahr. Nach dem Verstreuen der Samen ziehen die oberirdischen Teile der Pflanze im Laufe des Frühsommers ein. Die Nährstoffe für die nächste Vegetationsperiode werden im Rhizom gespeichert.

Ökologie

Blütenökologie

Die Blüten sind „Pollen-Scheibenblumen“. Die Weißfärbung der einfachen Blütenhülle, des Perigons, wird durch Totalreflexion des Lichts an den Grenzflächen zwischen den Zellen und den lufterfüllten Interzellularräumen hervorgerufen. Für die Blütenbesucher ist die starke UV-Absorption wichtig, die das Perigon dunkel erscheinen lässt. Bestäuber sind verschiedene Insekten.

Die Blüten sind nachts und bei kühler Witterung aufgrund von Wachstumsbewegungen verschlossen; dabei wächst die Außenseite des Blütenblatts bei niedrigen Temperaturen schneller als die Oberseite. Der Blühbeginn des Buschwindröschens gilt als das Einsetzen des Erstfrühlings.

Ausbreitungsökologie

Die Fruchtstiele sind zur Fruchtzeit nach unten gerichtet. Dadurch werden eine Schwerkraftausbreitung und eine Ausbreitung durch Ameisen ermöglicht. Letzteres wird unterstützt durch die sehr kurzen, dicken, als Elaiosom dienenden Fruchtstiele. Die Fruchtreife erfolgt bereits im Mai. Der Embryo besteht daher zunächst nur aus wenigen Zellen. Die Art ist ein Licht- und Frostkeimer.

Die vegetative Vermehrung erfolgt durch Verzweigung des Rhizoms. Nicht selten gehören über 100 Blütentriebe zu einer Pflanze.

Giftigkeit

Die Pflanze ist in allen Teilen giftig. Hauptwirkstoff ist das Protoanemonin, das anscheinend beim Trocknen unwirksam wird. Daneben findet man Anemonol und weitere unbekannte Giftstoffe.

Krankheiten

Das Buschwindröschen wird manchmal vom Anemonenbecherling parasitiert.[2]

Vorkommen

Das Verbreitungsgebiet umfasst vor allem das eher atlantisch bis subkontinental geprägte westliche und mittlere Europa sowie Teile Asiens von der Ebene bis ins Gebirge (in Österreich bis 2000 m NN). Deutschland ist bis auf die Küstenmarschen und ähnlich waldfreie Landschaften weitgehend geschlossen besiedelt.

Das Buschwindröschen ist ein typischer Frühjahrsgeophyt, der die Krautschicht in Wäldern bildet, während die Bäume im Frühling noch kein Laub tragen. Da das Buschwindröschen hohe Lichtansprüche hat, findet der gesamte Lebenszyklus der Pflanze im Frühjahr statt. Oft werden große Flächen von der gesellig wachsenden Art eingenommen und mit einem weißen Blütenteppich bedeckt. Es werden mäßig frische bis feuchte, nährstoffreiche, tiefgründige, lehmige Mullböden in sommergrünen Laubwäldern (z. B. Buchen-Mischwäldern, Eichen-Hainbuchenwäldern, Hartholzauwäldern), in Schlehengebüschen sowie sekundär in mageren Glatthaferwiesen besiedelt. Es ist eine Charakterart der Buchen- und sommergrünen Eichenwälder Europas. Das Buschwindröschen gilt als ökologisch mäßig anspruchsvoll hinsichtlich der Standortgegebenheiten; es verhält sich etwas indifferenter als das Gelbe Windröschen, mit dem es syntop vorkommen kann.

Im Garten gedeiht das Buschwindröschen am besten an ungestörten Plätzen unterhalb von Gehölzen. Als Pflege ist eine gelegentliche Humusgabe ausreichend. Jede bodenbearbeitende Maßnahme stört die Pflanze in ihrer Entwicklung.

Systematik

Die Erstveröffentlichung von Anemone nemorosa erfolgte 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum.[3] Ein Homonym ist Anemone nemorosa Schangin in Neueste Nordische Beyträge zur physikalischen und ... 6, 1793, S. 34.[4] Der wissenschaftliche Name Anemone nemorosa setzt sich zusammen aus der Gattungsbezeichnung Anemone, das vom griechischen Wort anemos für Wind abgeleitet ist und dem Artepitheton nemorosa, das vom lateinischen Wort nemorosus/-a/-um für „schattig, waldreich“ stammt.

Trivialnamen

Für das Buschwindröschen sind oder waren, zum Teil nur regional, auch die Bezeichnungen Aeschabluomen (St. Gallen bei Gaster), Aprilenblume (Sommerfeld), Aprilenhahnenfuss (Schlesien), Augenblume (Ostfriesland), Augewurz (Ostpreußen), Bettsaichern (St. Gallen), Eierbluome (St. Gallen am Unterrhein), Gaisanägeli (St. Gallen in Untertoggenburg), Gaisglöggli (St. Gallen in Toggenburg), Gastglöggli (Appenzell), Geistblümli (Luzern, St. Gallen in Toggenburg), Geissblumen (Bern), Gockeler (Augsburg), Guggechblume (Schweiz), Gugguche (Schweiz), Hahnefüssel (Schlesien), Hanotterblom (Altmark), Haselblume, Heinanemone, weiße Holzblume (Henneberg), Käsblümchen (Eifel bei Kirchweiler), Käsblume (Henneberg, Erzgebirge), Katzenblume (Henneberg bei Epdorf), Kukuksblume (Eifel bei Uelner), Licht, Lick, Luck (Tübingen), Luk (Tübingen), Merzaglöggli (St. Gallen in Toggenburg), Merzenblume, Morgendämmcher (Siebenbürgen, Zuckmantel), Ostblome (Delmenhorst), Osterblome (Bremen), Osterblume (St. Gallen im Unterrheintal), Schneeglöggli (St. Gallen im Seebezirk), Schneekaterl (Salzburg), Storchblume (Brandenburg, Schwaben), Tubateckel (St. Gallen im Oberrheintal), wilde Veilchen (Schlesien), Waldglöckli (Berner Oberland), Waldhähnchen (Oldenburg), Waldhänlein, weiß Waldheele, Waldheelin (Ostpreußen), weiße Waldviolen (Ostpreußen), Wasserblume (Vogtland), Weißäugel (Waldbrühl), Wissi Steibluoma (St. Gallen im Oberrheintal), Witte Oeschen (Mecklenburg, Pommern), Witte Oeschken (Mecklenburg, Pommern), Wittögschen, Zegenblaume (Göttingen) und Zitlosa (St. Gallen im Oberrheintal) gebräuchlich.[5]

Bilder

Literatur

  •  Manfred A. Fischer, Wolfgang Adler, Karl Oswald: Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol. Bestimmungsbuch für alle in der Republik Österreich, in der Autonomen Provinz Bozen/Südtirol (Italien) und im Fürstentum Liechtenstein wildwachsenden sowie die wichtigsten kultivierten Gefäßpflanzen (Farnpflanzen und Samenpflanzen) mit Angaben über ihre Ökologie und Verbreitung. 2., verbesserte und erweiterte Auflage. Land Oberösterreich, Biologiezentrum der Oberösterreichischen Landesmuseen, Linz 2005, ISBN 3-85474-140-5.
  •  Ruprecht Düll, Herfried Kutzelnigg: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands und angrenzender Länder. Die häufigsten mitteleuropäischen Arten im Porträt. 7., korrigierte und erweiterte Auflage. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2011, ISBN 978-3-494-01424-1.
  •  Lutz Roth, Max Daunderer, Kurt Kormann: Giftpflanzen – Pflanzengifte. Giftpflanzen von A-Z. Notfallhilfe. Vorkommen. Wirkung. Therapie. Allergische und phototoxische Reaktionen. 4. Auflage. Nikol, Hamburg 2000, ISBN 3-933203-31-7 (Nachdruck von 1994).

Einzelnachweise

  1. Was blüht denn da? Informationsseite auf der Website Link-Aid, einem Projekt der Schule Wolhusen
  2.  Ewald Gerhardt: BLV-Handbuch Pilze. 4. Auflage. BLV, München 2006, ISBN 3-8354-0053-3, S. 568.
  3. Carl von Linné: Species Plantarum. Band 1, Impensis Laurentii Salvii, Holmiae 1753, S. 541, Digitalisat
  4. Anemone nemorosa bei Tropicos.org. Missouri Botanical Garden, St. Louis
  5. Georg August Pritzel, Carl Jessen: Die deutschen Volksnamen der Pflanzen. Neuer Beitrag zum deutschen Sprachschatze. Philipp Cohen, Hannover 1882, S. 28 f., online.

Weblinks

 Commons: Buschwindröschen (Anemone nemorosa) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien