Carl von Noorden (Mediziner)

Carl Harko Johannes Hermann von Noorden (* 13. September 1858 in Bonn; † 26. Oktober 1944 in Wien) war ein deutscher Internist und Diabetologe.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Karl Harko v. Noorden

Carl war der Sohn des Historikers Carl von Noorden und dessen in England geborener Ehefrau Elizabeth Fanny Lavino. Urgroßväter waren der Mediziner Johannes von Noorden, er wirkte in Rotterdam, sowie Christian Friedrich Nasse, der Direktor der medizinischen Klinik an der neugegründeten Universität Bonn. Schulausbildung in Bonn, Greifswald, Marburg und Tübingen. 1876 legte er die Abiturprüfung ab. Carl Harko von Noorden studierte u. a. in Leipzig, Tübingen und in Freiburg. Anfangs lag sein Schwerpunkt auf dem Gebiet der Rechte, der Philosophie und der Mathematik. Dann begeisterte er sich für Chemie und Medizin, insbesondere die Stoffwechselerkrankungen. Während seines Studiums in Tübingen gehörte er zu dem Freundeskreis, der ein Jahr später die Akademische Verbindung Igel Tübingen begründete. 1881 legte von Noorden in Leipzig das Staatsexamen ab und promovierte noch im Dezember desselben Jahres mit dem Thema „Über die Bestimmung des Hämoglobins im Blute mit Hilfe der quantitativen Spectralanalyse“.

Als approbierter Arzt ging er als Assistent zunächst nach Kiel an das Physiologische Institut, anschließend volontierte er für vier Monate bei Werner Hagedorn in Magdeburg auf dem Gebiet der Chirurgie. Ab Dezember 1883 in Gießen, war Carl von Noorden klinischer Assistent an der Medizinischen[1] Klinik von Prof. Franz Riegel. Hier griff er das Thema der Magen-Darm-Krankheiten wieder auf. Nach zweijähriger Tätigkeit in Gießen habilitierte er sich am 30. September 1885 für das Fach Innere Medizin mit dem Thema „Über Albuminurie bei gesunden Menschen“ und wurde Privatdozent. Noch im selben Jahr heiratete er Agnes Binz (1863–1917), die Tochter des bekannten Pharmakologen und Medizinhistorikers Carl Binz. Aus der Ehe gingen vier Kinder hervor: Elisabeth (1886–1960), Karl (Carl) (1888–1975), Hans (1892–1972) und Roda (1894–1986). 1921 heiratete er erneut: Hedwig Herta an der Heiden, Oberschwester am Cottage Sanatorium in Wien, diese Ehe blieb kinderlos.

1889 folgte er der Aufforderung von Karl Gerhardt an die zweite Medizinische Klinik der Charité zunächst als 1. Assistenzarzt nach Berlin und blieb dort bis 1894. Nach seiner Ernennung zum Professor Mitte des Jahres 1893 verfolgte er die universitäre Lehrtätigkeit. Ab Herbst 1893 wurde ihm kommissarisch das Colleg über spezielle Pathologie und Therapie von Prof. Hirsch übertragen. Die Grundsteine seiner späteren Tätigkeit als Mediziner und Wissenschaftler besonders im Hinblick auf Stoffwechselerkrankungen wurden in Berlin gelegt. Hier erschien sein berühmtes „Handbuch der Pathologie des Stoffwechsels“ im Jahr 1893 in der ersten Auflage. Neben weiteren Abhandlungen zum Thema Stoffwechselerkrankungen wurde er kurz vor seinem Wechsel nach Frankfurt vom Herausgeber des amerikanischen „20th Century Practice in Medizin“ gebeten, einen Beitrag über die Zuckerkrankheit zu schreiben, der ihn nicht nur in den USA bekannt machte. Der Artikel, verfasst im Jahr 1895, war die Anregung zu seinem späteren ureigensten Spezialgebiet. Aus diesem Beitrag über Diabetes Mellitus ging noch im selben Jahr von Noordens Hauptwerk „Die Zuckerkrankheit und ihre Behandlung“ hervor und begründete die Noordensche Ära in der Therapie der Zuckerkrankheit. Dieses Werk blieb über 30 Jahre ein unumstrittenes Lehrbuch.

1895 gründete Carl von Noorden zusammen mit dem Frankfurter Arzt Eduard Lampé die „Privatklinik für Zuckerkranke und diätetische Kuren“ im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen, später als Carl-von-Noorden-Klinik bekannt und heute das „Krankenhaus Sachsenhausen“. Bei der Privatklinik für Zuckerkranke und diätetische Kuren handelte es sich vermutlich um die erste Fachklinik für Diabetes in Europa. Im Alter von 36 Jahren bekam von Noorden 1894 eine Anstellung zum Chefarzt für innere Medizin am Städtischen Krankenhaus in Frankfurt, welche er bis 1906 innehatte. Im selben Jahr erhielt er einen Ruf nach Wien an die Universität um dort die Nachfolge Hermann Nothnagels als Ordinarius für innere Medizin und Leiter der Ersten Medizinische Klinik anzutreten. Hier baute er ebenfalls ein Zentrum für Diabetiker auf.

1913 kehrte er nach Frankfurt a.M. zurück und fungierte auch wieder als Chefarzt an der Privatklinik in Sachsenhausen. Möglicherweise kam dieser Wechsel durch den Frankfurter Oberbürgermeister Franz Adickes zustande. In der Vor-Insulin-Ära entwickelte Carl von Noorden schon früh geeignete Therapiemöglichkeiten, insbesondere auf dem Gebiet der Diätetik. Wegweisend seine Hafertage und die Einführung des Kohlehydratäquivalents WBE (Weißbroteinheit), die es erleichterte, die Energiezufuhr für Diabetiker besser zu steuern. Er setzte sich für die Ausbildung von Ärzten und Diätassistenten ein, gründete eine der ersten Diätschulen am Krankenhaus Sachsenhausen. Nach der Entdeckung des Insulins 1921 durch Banting und Best war er einer der ersten Mediziner, die Insulin in Deutschland als erfolgreiche Behandlung zur Bekämpfung der Diabetes einsetzten.

Ab 1930 wechselte von Noorden wieder zurück an die Städtischen Krankenanstalten (Krankenhaus Lainz) in Wien. Dort lehrte und arbeitete er bis zu seinem Tod.

Auch sein Bruder Werner von Noorden wurde Arzt. An den Bekanntheitsgrad von ihm reichte er aber nicht heran. Der Bekanntheitsgrad und die Nachwirkung von Carl Harko von Noorden als Mediziner sind deutlich größer als die seines Vater als Historiker.

Noordens wissenschaftlichen Betätigungsfelder lagen hauptsächlich in der Erforschung und Behandlung von Stoffwechselkrankheiten. Bekannt wurde er durch die Entwicklung einer Diäthaferkur schon im Jahre 1902, die den Blutzuckerspiegel senkt. Diese wird auch heute zur Behandlung dieser Krankheit angewendet.

Er behandelte lange Jahre die an Diabetes leidende jüngste Schwester der Kaiserin Auguste Victoria, Feodora von Schleswig-Holstein.

Ehrungen: Ernennung zum Hofrat und Geheimrat, Ehrenbürger der Stadt Wien, Ehrenplakette der Stadt Frankfurt am Main, Carl-von-Noorden Platz in Frankfurt-Sachsenhausen.

Schriften

  • Der Diabetes mellitus. 2., umgearb. Aufl. Hölder Wien, 1906.
  • (Hrsg.): Handbuch der Pathologie des Stoffwechsels. 2 Bde. 2. Aufl. Berlin 1907.

Literatur

  • M. Jantsch: Noorden Karl von. In: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950 (ÖBL). Band 7. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1978, ISBN 3-7001-0187-2, S. 147.
  • Joachim Hauk: Carl von Noorden (1858–1944). Sein Leben und Werk unter besonderer Berücksichtung seiner Theorie über die Ursachen des Diabetes mellitus. Univ. Diss., Mainz 1980.
  • Karl Irsigler: Der Wissenschaftler Carl von Noorden. In: Festschrift Krankenhaus Sachsenhausen 1895–1995. Frankfurt 1995.

Weblinks

Einzelnachweise und Anmerkungen

  1. = internistischen