Christian Calliess

Christian Calliess (* 1964) ist ein deutscher Jurist und derzeitiger Professor für öffentliches Recht und Europarecht an der Freien Universität Berlin.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Calliess studierte Rechtswissenschaften an den Universitäten Saarbrücken und Göttingen. In Saarbrücken absolvierte er parallel ein Studium am Europa-Institut im Aufbaustudiengang „Europäische Integration“. 1990 legte er seine Erste Juristische Staatsprüfung in Göttingen ab. Von 1990 bis 1991 war er Stipendiat im Postgraduiertenstudiengang des Collège d´Europe in Brügge, den er mit Diplom und Master abschloss.

Zwischen 1991 und 1995 absolvierte er sein Referendariat am Kammergericht in Berlin mit einer Station im Juristischen Dienst der EG-Kommission und am OVG Berlin, von dem er 1993 zur Fertigstellung der Dissertation mit Unterstützung eines Stipendiums beurlaubt wurde. 1995 legte er die Zweite Juristische Staatsprüfung in Berlin ab. Im selben Jahr wurde er an der Universität Saarbrücken mit einer Arbeit zum Thema Subsidiaritäts- und Solidaritätsprinzip in der EU unter der Betreuung von Georg Ress am dortigen Europa-Institut promoviert.

Von 1995 bis 2000 war Calliess Wissenschaftlicher Assistent am Europa-Institut der Universität des Saarlandes am Lehrstuhl von Torsten Stein. 2000 folgte seine Habilitation mit einer Arbeit zum Thema ’’Rechtsstaat und Umweltstaat – Zugleich ein Beitrag zur Grundrechtsdogmatik im Rahmen mehrpoliger Verfassungsrechtsverhältnisse’’ unter der Betreuung der Professoren Stein und Ress. Die Arbeit wurde 2001 mit dem aus Anlass ihres 25-jährigen Bestehens ausgelobten Umweltpreis der Gesellschaft für Umweltrecht in Berlin ausgezeichnet.[1]

2000/01 übernahm er eine Vertretungsprofessur an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main. 2001 folgte ein Ruf an die Karl-Franzens-Universität Graz, wo er zudem 2002 Vorstand des Instituts für Europarecht wurde. 2003 erhielt er Rufe an die Universität Erlangen und an die Georg-August-Universität Göttingen. An letzterer war er von 2003 bis 2008 Inhaber des Lehrstuhls für öffentliches Recht und Europarecht sowie Direktor des ’’Instituts für Völkerrecht und Europarecht’’ und des ’’Instituts für Landwirtschaftsrecht’’.

2008 nahm Calliess einen Ruf an die Freie Universität Berlin an, wo er seit Sommersemester 2008 Inhaber des dortigen Lehrstuhls für öffentliches Recht und Europarecht ist. Darüber hinaus ist er seit 2001 Lehrbeauftragter im Postgraduiertenstudiengang ’’Europäische Integration“ des Europa-Instituts der Universität des Saarlandes, Sektion Rechtswissenschaft und seit 2003 Lehrbeauftragter im Postgraduiertenstudiengang ’’EURO-JUS Legal Studies of Excellence“ der Donau-Universität Krems.

Zum 1. Juli 2008 wurde Calliess als juristisches Mitglied in den Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) berufen. Der 1971 eingerichtete SRU berät die Bundesregierung und bewertet aktuelle politische Initiativen in allen wichtigen umweltpolitischen Handlungsfeldern.

Calliess' Vater ist der Strafrechtler Rolf-Peter Calliess. Sein Bruder Gralf-Peter Calliess lehrt als Professor für Zivilrecht an der Universität Bremen.

Forschungsschwerpunkte

Einen Schwerpunkt seiner wissenschaftlichen Arbeit bilden das Europa- und das Umweltrecht. Zu beiden Bereichen publizierte er zahlreiche Aufsätze, u. a. die jeweiligen Artikel in verschiedenen juristischen Handbüchern.[2] Einen weiteren Schwerpunkt seiner Arbeit bildet das Verfassungsrecht (u. a. Abhandlungen zur Auswärtigen Gewalt [3]) sowie der Grund- und Menschenrechtsschutz (u. a. die Schutzpflichten [4] und die Europäische Grundrechtecharta[5]).

Schriften (Auswahl)

  • Subsidiaritäts- und Solidaritätsprinzip in der Europäischen Union, Vorgaben für die Anwendung von Art. 3b EGV am Beispiel der gemeinschaftlichen Wettbewerbs- und Umweltpolitik, Baden-Baden 1996, 2. aktualisierte und überarbeitete Auflage, Baden-Baden 1999, ISBN 3-7890-5946-3
  • Rechtsstaat und Umweltstaat – Zugleich ein Beitrag zur Grundrechtsdogmatik im Rahmen mehrpoliger Verfassungsrechtsverhältnisse, Tübingen 2001, ISBN 3-16-147578-X
  • Europarecht – Über die Köpfe von Ländern und Kommunen hinweg?, Burgwedel 2006, ISBN 3-9808773-2-9
  • Verfassung der Europäischen Union, Kommentar der Grundlagenbestimmungen, München 2006 (Hrsg. zusammen mit Matthias Ruffert) ISBN 3-406-54717-6
  • EUV/EGV Kommentar des Vertrages über die Europäische Union und des Vertrages zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft, 3. aktualisierte und überarbeitete Auflage, München 2007 (Hrsg. zusammen mit Matthias Ruffert), ISBN 978-3-406-55350-9
  • Verfassungswandel im europäischen Staaten- und Verfassungsverbund (Hrsg.), Tübingen 2007, ISBN 978-3-16-149503-8

Weblinks

Einzelnachweise

  1. http://www.uni-protokolle.de/nachrichten/id/79743/
  2. EG-Umweltrecht in: K. Hansmann/D. Sellner, Grundzüge des Umweltrechts, 3. völlig neu bearbeitete und erweiterte Auflage 2007, S. 51-121; Vorgaben für ein Umweltgesetzbuch: Europarecht in: Michael Kloepfer (Hrsg.), Das kommende Umweltgesetzbuch, Berlin 2007, S. 35-75; Stichwort Europarecht in: Werner Heun u. a. (Hrsgg.), Evangelisches Staatslexikon, 2006, S. 506-516.
  3. Auswärtige Gewalt, § 83 in: Josef Isensee/Paul Kirchhof (Hrsg.), Handbuch des Staatsrechts, Band IV, 3. Auflage, Heidelberg, 2006, S. 589-631.
  4. Schutzpflichten § 44 in: Detlef Merten/Hans-Jürgen Papier (Hrsgg.), Handbuch der Grundrechte in Deutschland und Europa, Band II, Heidelberg, 2006, S. 964-991.
  5. Die Europäische Grundrechtecharta in: Dirk Ehlers (Hrsg.), Europäische Grundrechte und Grundfreiheiten, Berlin u. a., 2. Auflage 2005, § 20, S. 531-552.