Christian Meier

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Christian Meier (* 16. Februar 1929 in Stolp/Pommern) ist ein deutscher Historiker und emeritierter Professor für Alte Geschichte an der Universität München.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Der Sohn eines Landwirts besuchte Gymnasien in Stettin, Rostock und Hamburg. 1948 legte Meier in Hamburg sein Abitur ab und studierte anschließend Geschichte, Klassische Philologie und Römisches Recht. 1956 folgte die Promotion zum Dr. phil. in Heidelberg bei Hans Schaefer und 1963 die Habilitation in Frankfurt a. M. In Frankfurt war er Schüler von Hermann Strasburger und Matthias Gelzer. Ab 1964 war er Privatdozent in Freiburg i. B., danach folgten Professuren für Alte Geschichte in Basel (1966), Köln (1968), wiederum Basel (1973) und Bochum (1976). 1981 wurde er Nachfolger Siegfried Lauffers auf dem Lehrstuhl für „Alte Geschichte unter besonderer Berücksichtigung der Sozial- und Wirtschaftsgeschichte“ in München, den er bis zu seiner Emeritierung 1997 innehatte. Im akademischen Jahr 1984/1985 war Meier Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin [1]

Meier war von 1980 bis 1988 Vorsitzender des Verbandes der Historiker Deutschlands und von 1981 bis 1995 Kurator des Historischen Kollegs in München. Meier ist zudem Mitbegründer der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und war von 1996 bis 2002 Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt. Christian Meier ist mit einer Germanistin verheiratet.[2]

Wirken

Meier ist einer der bekanntesten Historiker Deutschlands, zumal er sich mit einigen seiner Werke auch an die breite Öffentlichkeit wandte. Weit über die Fachkreise hinaus bekannt geworden ist er durch seine beiden Bücher Caesar und Athen. Ein Neubeginn der Weltgeschichte. Das Besondere an seiner Herangehensweise war die schon von seinem akademischen Lehrer Hans Schäfer und dessen Schule proklamierte Abwendung von der seit der Renaissance weithin unreflektiert eingenommenen klassizistischen und identifikatorischen Perspektive, die jahrhundertelang auf der Vorstellung von einer auf Wesensverwandtschaft und ungebrochenem Traditionszusammenhang beruhenden unmittelbaren Zugänglichkeit der antiken Kultur für die Menschen der europäischen Moderne beruht hatte. Die Antike erschien Meier vielmehr als das "nächste Fremde", dessen Verstehen von Grund auf zu neu erarbeiten und nur in einem hermeneutischen Vorgehen zu gewinnen sei. Schwerpunkte seiner Forschung sind das klassische Athen und die späte Römische Republik, deren Krisenzeit und Niedergang er in seiner Studie Res publica amissa als "Krise ohne Alternative" beschrieb, womit gemeint war, dass die Akteure über keine Vorstellung von einer anderen als der bestehenden politischen Ordnung verfügt hätten. Die Folge sei gewesen, dass sie diese zerstörten, ohne dies zu beabsichtigen und ohne gezielt auf die Etablierung einer neuen politischen Ordnung hinzuarbeiten. Konsens habe vielmehr darüber geherrscht, die unübersehbaren Krisenphänomene als Verfall der überkommenen Ordnung zu deuten, dem mit dem Ziel entgegenzutreten sei, diese wieder herzustellen. Insofern ist für Meier die Anwendung des Revolutionsbegriffs im Sinne einer Revolutionstheorie auf die späte Republik nicht sinnvoll. Folgerichtig habe Augustus seine Neuordnung, die auf die Etablierung einer Monarchie hinauslief, nur als Wiederherstellung der alten Ordnung (res publica restituta) präsentieren können. Beim Historikerstreit war er bereit, offensiv Stellung zu beziehen, um Positionen zu klären.[2]

Als Historiker hat er den Anspruch, erzählerische Geschichtsschreibung zu betreiben. Nicht alles kann erzählt werden, und oft sind es eher Wahrscheinlichkeiten als Tatsachen (vgl. dazu Meier: Athen, Taschenbuchausgabe 1997, S. 692 f.). Meier blickt immer wieder über den Tellerrand seines Fachs. So beschäftigte er sich mit der modernen Demokratie und der Politik der Bundesrepublik Deutschland (vor allem im Zuge der Wiedervereinigung). Als leidenschaftlicher Vertreter und Promotor einer am Angelsächsischen geschulten Geschichtsschreibung verbindet er hohes wissenschaftliches Niveau mit literarischen Ansprüchen.[2]

1998 wurde er für seine eigene Beredsamkeit mit dem CICERO rednerpreis ausgezeichnet. Beim Thema Rechtschreibreform äußerte sich Meier in seiner Rolle als Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung engagiert und kritisch. Für seinen Einsatz für die deutsche Sprache überreichte Eberhard Schöck Christian Meier 2003 den Jacob-Grimm-Preis.[3]

2004 erhielt er den Ernst-Hellmut-Vits-Preis der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster (Westfalen). Am 2. März 2006 wurde Meier vom österreichischen Bundespräsidenten Heinz Fischer das Österreichische Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst überreicht. 2007 wurde Meier mit dem Reuchlinpreis ausgezeichnet, 2009 mit der Lichtenberg-Medaille.

Schriften

Viele Werke Meiers wurden in andere Sprachen übersetzt und erschienen in mehreren Neuauflagen. Der Siedler-Verlag hat ihm zu Ehren seine Caesar-Biographie und sein Athen-Buch in einer Neuausgabe herausgebracht. Meier verfasste zahlreiche Lexika- und Zeitschriftenartikel. Außerdem ist er Herausgeber mehrerer Sammelwerke und wissenschaftlicher Beirat der Zeitschrift DAMALS.

In Auswahl (ansonsten siehe Weblink):

  • Die Ohnmacht des allmächtigen Dictators Caesar. Drei biographische Skizzen, Frankfurt am Main 1980.
  • Res publica amissa. Eine Studie zu Verfassung und Geschichte der späten römischen Republik, Frankfurt 1997. (Erstauflage Wiesbaden 1966)
  • Die Entstehung des Politischen bei den Griechen, Frankfurt a. M. 1995. (Erstaufl. 1980)
  • Caesar, München 1997. (Erstaufl. Berlin 1982)
  • Die politische Kunst der griechischen Tragödie, München 1988.
  • Zusammen mit Paul Veyne: Kannten die Griechen die Demokratie?, Berlin 1988.
  • Deutsche Einheit als Herausforderung. Welche Fundamente für welche Republik?, München 1990.
  • Die Nation, die keine sein will, München 1991.
  • Athen. Ein Neubeginn der Weltgeschichte, Berlin 1993. Zahlreiche Neuauflagen.
  • Die Parlamentarische Demokratie, München 1999.
  • Von Athen bis Auschwitz, München 2002.
  • Sprache in Not? Zur Lage des heutigen Deutsch. Hrsg. von Christian Meier im Auftrag der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung zu Darmstadt, Göttingen 1999, ISBN 3-89244-341-6
  • Kultur, um der Freiheit willen: Griechische Anfänge - Anfang Europas?, München 2009 [bildet den ersten Teil von Meiers Beitrag für die Siedler Geschichte Europas].
  • Das Gebot zu vergessen und die Unabweisbarkeit des Erinnerns: vom öffentlichen Umgang mit schlimmer Vergangenheit. München 2010, ISBN 978-3-88680-949-3

Literatur

  • Christian Meier: Lehrstuhl Christian Meier. 1.3.1981–31.3.1997. In: Jakob Seibert (Hrsg.): 100 Jahre Alte Geschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität München (1901–2001). Duncker und Humblot, Berlin 2002, ISBN 3-428-10875-2, S. 183–195 (Selbstdarstellung der Lehr- und Forschungstätigkeit in München).
  • Monika Bernett, Wilfried Nippel, Aloys Winterling (Hrsg.): Christian Meier zur Diskussion. Autorenkolloquium am Zentrum für Interdisziplinäre Forschung in Bielefeld. Steiner, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-515-09148-0.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. siehe Liste der Fellows unter http://www.wiko-berlin.de/index.php?id=155#M
  2. a b c Verena Auffermann: Christian Meier Neuer Präsident der Akademie für Sprache und Dichtung. In: Süddeutsche Zeitung. 14. Oktober 1996.
  3. Helmut Glück, Walter Krämer, Eberhard Schöck (Hrsg.): Kulturpreis Deutsche Sprache 2003 – Reden und Ansprachen. Paderborn 2003, ISBN 3-931263-45-2.