Christina Schachtner

Christina Schachtner (* 1948) ist Professorin für Medienwissenschaft mit dem Schwerpunkt Digitale Medien.

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Leben

Christina Schachtner ist in einem kleinen Dorf in Bayern aufgewachsen. Sie erlernte zunächst den Beruf der Kindergärtnerin, dann den der Kriminalbeamtin. Von 1975 bis 1980 studierte sie Soziologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München und erwarb das Diplom. Im Anschluss daran arbeitete sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin in dem DFG-Projekt Erleben und Umgang mit Alter und Krankheit im Kontext soziokultureller Umbrüche und individueller Biografien an der Universität Augsburg unter der Leitung von Peter Atteslander. Von 1983 bis 1996 war sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Psychologie der Ludwig-Maximilians-Universität München tätig, wo sie im Jahre 1987 promovierte und im Jahre 1991 mit der Arbeit Geistmaschine: Faszination und Provokation am Computer habilitierte. Nach einer Gastprofessur für Gender Studies am Institut für Psychologie der Universität Wien nahm sie im Jahre 1996 den Ruf auf eine C4-Professur an der Philipps-Universität Marburg an. Im Jahre 2003/2004 folgte sie einem Ruf an das Institut für Medien- und Kommunikationswissenschaft an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt und wurde Professorin für Medienwissenschaft mit dem Schwerpunkt Digitale Medien.

Christina Schachtner nahm eine Reihe von Gastprofessuren und Forschungsaufenthalten an der University of California in Berkeley und San Francisco, USA, an der University of Western Sydney, Australien, an der Universidade do Vale do Rio dos Sinos in São Leopoldo, Brasilien, am Massachusetts Institute of Technology, USA und am Goldsmiths, University of London, Großbritannien wahr.

Forschung

In ihrer Dissertation mit dem Titel Störfall Alter, Für ein Recht auf Eigen-Sinn beschäftigte sich Christina Schachtner mit der Zerbrechlichkeit und Endlichkeit menschlichen Lebens sowie mit den aus der Entbindung von beruflichen und familiären Verpflichtungen erwachsenden späten Freiheiten. Die Analyse erfolgte aus der Perspektive der instrumentellen Vernunft, womit sie eine theoretische Brücke zur technischen Welt schlug, die den Gegenstand ihrer Habilitation bildete. In universitären Forschungslabors und Softwareunternehmen interviewte sie Softwareentwickler, Programmierer und KI-Forscher beiderlei Geschlechts zu der Art und Weise, wie diese programmieren und dabei ihr Verhältnis zur „Geistmaschine“ gestalten. Sie stellte fest, dass die Mensch-Maschine-Beziehung über den Beruf hinauswirkt und auch die Gestaltung von Freizeit und von sozialen Beziehungen beeinflusst. Die Ergebnisse sind in dem Buch Geistmaschine nachzulesen. Mit der Entwicklung des Internets und des Web 2.0 wurden auch diese digitalen Technologien zum Gegenstand ihrer Forschung. Von 2002 bis 2005 leitete sie das vom deutschen Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung geförderte Projekt E-Network. Kommunikation und Gemeinschaftsbildung in virtuellen Frauen-Räumen, bei dem sie mit Gabriele Winker von der TU Hamburg-Harburg kooperierte, woraus das gemeinsame Buch Virtuelle Räume – neue Öffentlichkeiten, Frauennetze im Internet entstand.

In einer weiteren Studie untersuchte sie, wie Ärzte und Ärztinnen zu ihren Diagnosen und Therapieentscheidungen kommen. Sie entdeckte, dass diese in ihrem Denken und Handeln metaphorischen Mustern folgen, für die bereits in der Kindheit die Weichen gestellt werden und die sich in das Medizinstudium sowie in der medizinischen Praxis mit medizinischen Erkenntnis- und Entscheidungsmodellen verknüpfen.

In dem aktuellen binationalen Forschungsprojekt Subjektkonstruktionen und digitale Kultur, das vom österreichischen Forschungsförderungsfond und von der VW-Stiftung finanziert und zusammen mit den Universitäten Hamburg-Harburg, Bremen, Münster bearbeitet wird, untersucht sie weltweit mit einem Forschungsteam digital gestützte Kommunikationsformen und Selbstinszenierungen auf Online-Plattformen und Blogs. Dabei werden auch Fragen von Transnationalität und Transkulturalität untersucht.

Im Mittelpunkt der Arbeiten von Christina Schachtner stehen soziale und kulturelle Grundfragen wie Kommunikation, Identität, Öffentlichkeit und Privatheit, Wahrnehmung und Erkenntnis, die sich im Kontext der digitalen Medien neu stellen.

Die wissenschaftlichen Arbeiten von Christina Schachtner zeichnen sich theoretisch durch Transdisziplinarität aus; empirisch arbeitet sie mit einer Kombination von Methoden aus dem nomothetischen und verstehend-interpretativen Methodenspektrum. Sie entwickelte das bereits in der Psychotherapie verwendete Diagnoseinstrument der Visualisierung zu einer Forschungsmethode, die verbale Aussagen kontrastiert. Sie schuf außerdem in Anlehnung an die Grounded Theory die Methode der fokussierten Netzanalyse zur Untersuchung von Online-Diskussionen.

Publikationen

Monographien

  • Ch. Schachtner: Architektinnen der Zukunft, Lokale Frauennetze im Kontext der Globalisierung. Ökom Verlag, München 2005.
  • Ch. Schachtner: Entdecken und Erfinden, Lernmedium Computer. Leske+Budrich, Opladen 2002.
  • Ch. Schachtner: Ärztliche Praxis, Die gestaltende Kraft der Metapher. Suhrkamp Verlag, Frankfurt/Main 1999.
  • Ch. Schachtner: Geistmaschine, Faszination und Provokation am Computer. Suhrkamp Verlag, Frankfurt/Main 1993.

Herausgeberschaften

  • Ch. Schachtner, A. Höber: Learning Communities, Das Internet als neuer Lern- und Bildungsraum. Campus Verlag, Frankfurt/Main 2008.
  • Ch. Schachtner: Erfolgreich im Cyberspace, Handbuch virtuelle Mädchen- und Frauennetze. Verlag Barbara Budrich, Leverkusen 2005.
  • Ch. Schachtner, G. Winker: Virtuelle Räume – neue Öffentlichkeiten, Frauennetze im Internet. Campus, Frankfurt/ New York 2005.
  • Ch. Schachtner: Das soziale Feld im Umbruch, Professionelle Kompetenz, Organisationsverantwortung, innovative Methoden. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2003.
  • Ch. Schachtner: Technik und Subjektivität, Das Wechselverhältnis zwischen Mensch und Computer aus interdisziplinärer Sicht. Suhrkamp Verlag, Frankfurt/Main 1997.

Artikel

  • Ch. Schachtner: Kommunikation und Subjektivierung. In: M. Pietraß, R. Funiok (Hrsg.): Mensch und Medien. Wiesbaden 2010, S. 115–138.
  • Ch. Schachtner: Digitale Medien und Transkulturalität. In: P. Grell, W. Marotzki, H. Schelhowe (Hrsg.): Neue digitale Kultur- und Bildungsräume. Wiesbaden 2010, S. 61–76.
  • Ch. Schachtner: Ich bin online, also bin ich. In: Psychologie heute. H. 3, 2010, S. 30–34.
  • Ch. Schachtner: Wissen und Gender. Der Cyberspace als genderrelevanter Wissensraum. In: Medien & Kommunikationswissenschaft. H. 4, 2009, S. 500–519.

Weblinks