Christoph Markschies

Christoph Johannes Markschies (* 3. Oktober 1962 in Berlin-Zehlendorf) ist ein deutscher evangelischer Theologe (Kirchenhistoriker). Vom 1. Januar 2006[1] bis zum 18. Oktober 2010[2] war er Präsident der Humboldt-Universität zu Berlin. Am 2. Dezember 2011 wurde er zum Vizepräsidenten der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften gewählt.[3]

Inhaltsverzeichnis

Leben

Christoph Markschies studierte Evangelische Theologie, klassische Philologie und Philosophie in Marburg, Jerusalem, München und Tübingen und veröffentlichte 1991 seine Dissertation über Valentinus. 1994 habilitierte er sich und wurde 1995 Professor für Kirchengeschichte an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Im Herbst 2000 wechselte er an die Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg und hatte dort den Lehrstuhl für Historische Theologie inne. Im Jahr 2001 erhielt er den Leibniz-Preis. Seit 2004 hat er den Lehrstuhl für Ältere Kirchengeschichte (Patristik) an der Humboldt-Universität zu Berlin inne. 2010 erhielt Markschies für sein Gesamtwerk den Theologischen Preis der Salzburger Hochschulwochen.

Christoph Markschies' Bruder ist der Kunsthistoriker Alexander Markschies.

Wirken

Christoph Markschies ist ordentliches Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und als Sekretär der geisteswissenschaftlichen Klasse zudem Mitglied des Vorstands der Akademie. Weiter gehört er den Akademien der Wissenschaften zu Erfurt und Heidelberg an und ist Mitglied der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste.

Er leitet die Akademieunternehmen „Die Griechischen Christlichen Schriftsteller der ersten Jahrhunderte“ und das „Turfan-Unternehmen“ des Langzeitvorhabenprogramms der Union deutscher Akademien, ist Senator der Leibniz-Gemeinschaft, Mitglied des wissenschaftlichen Beirates der Fritz Thyssen Stiftung und diverser weiterer Beiräte wissenschaftlicher Institutionen. Er war Fellow des Wissenschaftskollegs zu Berlin und Mitglied seines wissenschaftlichen Beirates, zweimal Fellow des Institute for Advanced Study der Hebräischen Universität Jerusalem und lehrt seit 1996 regelmäßig auch dort. Als ordinierter Pfarrer predigt er regelmäßig in Berlin.

2005 schlug ihn eine Findungskommission zur Nachfolge des zurückgetretenen HU-Präsidenten Jürgen Mlynek als neuen Präsidenten vor. Das Kuratorium der Universität hat ihn daraufhin am 23. September 2005 als Nachfolger vorgeschlagen. Am 1. November 2005 wählte ihn das Konzil der Universität im ersten Wahlgang mit 47 der abgegebenen 54 Stimmen (vier ungültige Stimmen, drei Gegenstimmen) zum neuen Präsidenten. Seine Amtszeit begann am 1. Januar 2006, Markschies war zu dieser Zeit Deutschlands jüngster Universitätspräsident.

2007 verlieh die Theologische Fakultät der Universität Lucian Blaga Sibiu Markschies die Ehrendoktorwürde. 2011 erhielt Markschies überdies die Ehrendoktorwürde der Theologischen Fakultät der Universität Oslo.[4]

Markschies’ Amtsführung ist insbesondere in der Studentenschaft umstritten.[5] Sie soll zum Rücktritt der Vizepräsidentin Susanne Baer geführt haben, die vorher autoritäre Tendenzen durch den Präsidenten beklagte. Zudem wird die Rücknahme der anfänglich erteilten Genehmigung der Aufführung des Films Loose Change seitens der Humboldt-Universität zu Berlin kritisiert. Die Dokumentation im Kinosaal der Hochschule wurde nicht aufgeführt, da nach Aussage des Präsidiums die Voraussetzungen einer Genehmigung (Forschung und Lehre oder hochschulpolitisches Interesse der Studierenden) entgegen dem Antrag nicht vorlag. Zusätzlich wurde die Genehmigung der Rosa-Luxemburg-Konferenz im Herbst 2006 plötzlich ohne Nennung besonderer Gründe zurückgezogen. Die Konferenz fand in den Vorjahren immer wieder in den Räumlichkeiten der Humboldt-Universität statt.

Für erneutes Aufsehen sorgten Äußerungen Markschies’ im Zusammenhang mit dem Abschneiden der Humboldt-Universität im Exzellenzwettbewerb. Markschies verwies darauf, dass die HU als frühere Universität der DDR erst seit 17 Jahren zum „bundesrepublikanischen Wissenschaftssystem“ gehöre. Durch Vergleiche mit anderen Universitäten entwarf er ein Bild, wonach die HU erst seit 17 Jahren als Universität existiere, auch wenn derzeit das Jubiläum zum 200. Jahrestag der Universität vorbereitet wird und es eine 60-jährige Geschichte der Hochschule unter dem Namen Humboldts gibt. Vor allem Wissenschaftler und Angestellte, die bereits vor 1990 an der HU arbeiteten, fühlten sich gekränkt. [6]

Am 8. September 2009 kündigte Markschies an, für keine weitere Amtszeit als Präsident der Humboldt-Universität zur Verfügung zu stehen und dieses Amt zum Ende seiner Wahlperiode im Jahr 2010 aufzugeben.[7] Nach der Wahl von Jan-Hendrik Olbertz zum neuen Präsidenten gaben beide auf einer Pressekonferenz bekannt, dass Markschies sein Amt am 18. Oktober 2010 übergeben wird.[8]

Im Frühjahr 2010 wurde Markschies Vorsitzender der Kammer für Theologie der Evangelischen Kirche in Deutschland, seit Juni desselben Jahres ist er Beauftragter des Rates für den Johanniterorden. [9]

Wichtige Veröffentlichungen

  • Valentinus Gnosticus? Untersuchungen zur valentinianischen Gnosis, mit einem Kommentar zu den Fragmenten Valentins. WUNT 65. Mohr, Tübingen 1992 ISBN 3-16-145993-8
  • Arbeitsbuch Kirchengeschichte. UTB 1857. Mohr, Tübingen 1995 ISBN 3-16-146354-4 (Standard-Einführung für Theologiestudierende)
  • Zwischen den Welten wandern. Strukturen des antiken Christentums. Fischer TB 60101. Fischer-Taschenbuch-Verl., Frankfurt a.M. 1997, 2. Aufl. 2001 ISBN 3-596-60101-0 (neue Ausgabe unter dem Titel: Das antike Christentum : Frömmigkeit, Lebensformen, Institutionen, München, Beck 2006, ISBN 978-3-406-54108-7)
  • Die Gnosis. Beck’sche Reihe 2173: C. H. Beck Wissen. Beck, München 2001 ISBN 3-406-44773-2
  • (Hrsg.:) Zwischen Altertumswissenschaft und Theologie. Zur Relevanz der Patristik in Geschichte und Gegenwart. Studien der Patristischen Arbeitsgemeinschaft 6. Peeters, Leuven 2002 ISBN 90-429-1200-6
  • Ist Theologie eine Lebenswissenschaft? Einige Beobachtungen aus der Antike und ihre Konsequenzen für die Gegenwart. Olms, Hildesheim u.a. 2005 ISBN 3-487-13065-3
  • (mit Johannes Zachhuber als Hrsg.): Die Welt als Bild. Interdisziplinäre Beiträge zur Visualität von Weltbildern. Berlin, New York: Walter de Gruyter Verlag 2008. ISBN 978-3110200294

Fußnoten

  1. Humboldt-Universität: „Der Präsident der Humboldt-Universität zu Berlin“. Website mit Stand vom 1. September 2010 laut am 5. Oktober 2010 zwischengespeicherter Seite bei der Suchmaschine "bing.de" http://cc.bingj.com/cache.aspx?q=%22Christoph+Markschies%22+site%3ahu-berlin.de&d=4739788603982029&mkt=de-DE&setlang=de-DE&w=5dddc1a9,7f0242e3, abgerufen am 19. Oktober 2010. Darin „Lebenslauf: [...] seit 01.01.2006 Präsident der Humboldt-Universität zu Berlin"
  2. Humboldt-Universität: Universitätsleitung: „Der Präsident der Humboldt-Universität zu Berlin“ http://www.hu-berlin.de/ueberblick/leitung/praesident/, abgerufen am 19. Oktober 2010
  3. Pressemitteilungen der BBAW: Wahl der Vizepräsidenten 2011
  4. Deutsche Botschaft Oslo
  5. Leserbrief von Christoph Markschies in der unAufgefordert
  6. Tilmann Warnecke: Exzellenz-Initiative - Die HU fühlt sich „gedemütigt“. Der Tagesspiegel, 22. Oktober 2007, abgerufen am 18. Dezember 2010.
  7. Uwe Schlicht: Humboldt-Universität: Markschies geht. Der Tagesspiegel, 9. September 2009, abgerufen am 18. Dezember 2010.
  8. Jan-Hendrik Olbertz zum neuen Präsidenten der HU gewählt, Pressemitteilung der HU Berlin vom 20. April 2010, abgerufen am 15. Mai 2010.
  9. Markschies zum Beauftragten für den Johanniterorden berufen. EKD, 28. Juni 2010, abgerufen am 11. März 2011.

Weblinks