Christoph Waltz

Christoph Waltz bei der Oscarverleihung 2010
Christoph Waltz 2010

Christoph Waltz (* 4. Oktober 1956 in Wien) ist ein deutsch-österreichischer Schauspieler.[1] Im deutschen Sprachraum ist er seit Jahren ein vielbeschäftigter Theater- und Fernsehschauspieler. International bekannt wurde er 2009 in der Rolle des SS-Standartenführers Hans Landa in Quentin Tarantinos Film Inglourious Basterds. 2009 wurde er dafür als „Bester Darsteller“ bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes ausgezeichnet, 2010 erhielt er den Golden Globe Award und den Oscar jeweils als „Bester Nebendarsteller“. Durch seine Leistung in Inglourious Basterds konnte er Hollywood auf sich aufmerksam machen und spielt seitdem in großen amerikanischen Produktionen.

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Leben und Karriere

Waltz ist der Sohn des Bühnen- und Kostümbildnerehepaares Johannes Waltz und Elisabeth Urbancic. Er entstammt einer Theaterfamilie: bereits seine Großeltern mütterlicherseits, Maria Mayen und Emmerich Reimers, waren als Schauspieler am Burgtheater tätig.[2] Sein Urgroßvater mütterlicherseits war der aus Hamburg stammende Schauspieler Georg Reimers.

Christoph Waltz ist auch weit entfernt mit dem Regisseur Michael Haneke verwandt. Der Komponist Alexander Steinbrecher war in zweiter Ehe mit Hanekes Mutter Beatrix Degenschild verheiratet, war somit Hanekes Stiefvater. Nach dem Tod von Degenschild lernte Steinbrecher Waltz' Mutter Elisabeth Urbancic kennen und lieben. Waltz und Haneke haben somit denselben Stiefvater.[3]

Als Schüler besuchte er das Theresianum im Wiener Gemeindebezirk Wieden und das Gymnasium Billrothstraße in seinem Heimatbezirk Döbling, wo er auch maturierte. Später studierte er Schauspiel am Max-Reinhardt-Seminar und am Lee Strasberg Theatre Institute in New York. 1977 stand er erstmals in seiner Heimatstadt auf der Theaterbühne. Es folgten Theater-Engagements in Zürich und Köln, er spielte außerdem in Frankfurt am Main, Hamburg, Salzburg und Wien. 1982 erhielt er den renommierten O.E. Hasse-Preis. Seit Ende der 1970er Jahre wirkte er in zahlreichen Fernseh- und auch Kinofilmen mit und übernahm Episodenrollen in den Krimiserien Derrick, Der Alte, Schimanski, Kommissar Rex, Polizeiruf 110, Rosa Roth, Unter Verdacht, Der letzte Zeuge, SOKO Rhein-Main und Stolberg.

Ende der 1980er-Jahre sollte Waltz die Rolle des Wiener Tatort-Ermittlers Inspektor Passini übernehmen, sein Engagement kam jedoch nicht über eine Folge hinaus.

Waltz spielt zumeist ambivalente, abgründige Charaktere, die nach außen eine bürgerliche Fassade wahren, oder verkörpert den Typus des Labilen mit Hang zur Melancholie und geplagt von Selbstzweifeln.

Obwohl er in der Vergangenheit überwiegend fürs Fernsehen arbeitete, stand Waltz immer wieder auch für internationale Produktionen vor der Kamera, drehte fürs französische, australische und britische Fernsehen. Anfang der 1990er Jahre spielte er neben Ian Richardson in der Miniserie Der große Reibach (The Gravy Train, The Gravy Train Goes East), einer Politsatire um die Brüsseler Bürokratie in Zeiten neu aufbrechender Absatzmärkte in Osteuropa, den jungen EU-Beamten Dorfmann, der sich mit Verve und großem Idealismus den Herausforderungen seiner neuen Tätigkeit stellt. In Krzysztof Zanussis Film Leben für Leben über den Minoritenpater Maximilian Kolbe verkörperte Waltz 1991 einen entflohenen KZ-Häftling, der mit Schuldgefühlen kämpft. Mit Die Farbe des Lebens (Our God's Brother) folgte 1997 eine weitere Zusammenarbeit mit dem polnischen Regisseur. 1993 übernahm Waltz in Tom Toelles Historien-Zweiteiler König der letzten Tage den Part des Täufers Jan van Leiden. 1995 gehörte er zur Darstellerriege der international besetzten Fernsehproduktion Katharina die Große mit Catherine Zeta-Jones in der Titelrolle. Einem breiteren Publikum bekannt wurde er zunächst als Roy Black in der Verfilmung von dessen Lebensgeschichte und, ebenfalls unter der Regie Peter Keglevics, in der Rolle des gewieften wie skrupellosen Entführers in Der Tanz mit dem Teufel – Die Entführung des Richard Oetker.

Für seine darstellerische Leistung in Du bist nicht allein – Die Roy Black Story wurde er 1996 mit einem Sonderpreis bei den Baden-Badener Tagen des Fernsehspiels und 1997 mit dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet. 2002 erhielt er gemeinsam mit Regisseur Peter Keglevic und den Schauspieler-Kollegen Sebastian Koch und Tobias Moretti für die Verfilmung der Entführung des Industriellensohns Richard Oetker, Der Tanz mit dem Teufel, den Adolf-Grimme-Preis.

Sein komödiantisches Talent zeigte Waltz unter anderem als frustrierter Romanautor in Marc Rothemunds Das merkwürdige Verhalten geschlechtsreifer Großstädter zur Paarungszeit und als gelangweilter Außendienstmitarbeiter in der schwarzen Komödie Dienstreise – Was für eine Nacht, für die er 2004 mit Regisseur Stephan Wagner und Armin Rohde erneut mit einem Grimme-Preis bedacht wurde.

Im Jahr 2000 führte Waltz erstmals selbst Regie bei dem Fernsehfilm Wenn man sich traut, dessen Drehbuch er auch mitverfasste.

Für die Rolle des SS-Standartenführers Hans Landa in Quentin Tarantinos Film Inglourious Basterds erhielt Waltz 2009 und 2010 über ein Dutzend Auszeichnungen als Bester Nebendarsteller, darunter den Golden Globe Award, den Screen Actors Guild Award, den British Academy Film Award und den Oscar. Damit wurde 48 Jahre nach Maximilian Schell, der 1962 den Oscar als Bester Hauptdarsteller für Das Urteil von Nürnberg gewann, erstmals wieder ein deutschsprachiger Schauspieler von der Academy of Motion Picture Arts and Sciences geehrt. Bereits im Mai 2009 war Waltz mit dem Preis für den besten Darsteller bei den 62. Filmfestspielen in Cannes ausgezeichnet worden.[4]

Nach dem Erfolg von Inglourious Basterds wurde der Schauspieler für weitere US-Produktionen verpflichtet, so verkörperte er in der Comic-Verfilmung The Green Hornet den Bösewicht Chudnofsky und war in dem im April 2011 angelaufenen Streifen Wasser für die Elefanten als Zirkusdirektor zu sehen.

Im März 2010 gab 20th Century Fox bekannt, dass Waltz die Regie für den Film Auf und davon übernehmen wird, an dessen Drehbuch er auch mitarbeitete. Der Film handelt vom Geschäft mit Liebesgefühlen, ein Thema, das Christoph Waltz laut Eigenaussage schon mehrere Jahre im Visier gehabt hat, und basiert lose auf dem gleichnamigen Roman von Meike Winnemuth und Peter Praschl.[5]

2012 stand Waltz für Quentin Tarantinos Film Django Unchained vor der Kamera. In dem Western spielt er den deutschen Kopfgeldjäger Dr. King Schultz.

In Mike Newells Film Reykjavik, der 2013 gedreht wird, wird Waltz Michail Sergejewitsch Gorbatschow verkörpern.[6]

Im August 2010 entspann sich in den österreichischen Medien eine Debatte, nachdem bekannt geworden war, dass Waltz keine österreichische, sondern die deutsche Staatsbürgerschaft besaß. Da sein Vater die deutsche Staatsbürgerschaft besessen hatte, erhielt auch er als Abkömmling nach seiner Geburt in Wien die deutsche Staatsangehörigkeit.[7][8] Waltz zeigte sich von Spekulationen um seine Staatsbürgerschaft genervt; auf Journalistenfragen äußerte er dazu, er fühle sich als Österreicher, die deutsche Staatsbürgerschaft sei lediglich eine juristische, staatsbürgerliche Nebensächlichkeit:[9]

„Ich bin in Wien geboren, ich bin in Wien aufgewachsen, ich bin in Wien zur Schule gegangen, ich habe in Wien Matura gemacht, ich habe in Wien studiert, ich habe in Wien mein Berufsleben begonnen, ich habe in Wien zum ersten Mal Theater gespielt, ich habe in Wien zum ersten Mal gedreht, es gibt noch ein paar Wiener Details. Wie österreichisch wollen Sie es denn noch haben?“

Christoph Waltz, zitiert nach wien.orf.at[8]

Am 24. August 2010 genehmigte die österreichische Bundesregierung im Ministerrat die Verleihung der österreichischen Staatsbürgerschaft an Waltz. Im Herbst 2010 fand die Verleihungszeremonie durch die Stadt Wien statt.[8][10]

Privatleben

Aus einer früheren Ehe mit einer US-Amerikanerin stammen drei Kinder. Gegenwärtig ist Waltz mit der Kostümbildnerin Judith Holste liiert. Aus der Beziehung entstammt eine weitere Tochter.[11] Er wohnt in London und Berlin.[12]

Filmografie (Auswahl)

Auszeichnungen (Auswahl)

Nominierungen

Weblinks

 Commons: Christoph Waltz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. tz München: Oscar-Preisträger Christoph Waltz im tz-Interview Nicht zu nett, aber Vollprofi 27. April 2011. Abgerufen am 29. April 2011
  2. Christoph Waltz – Buiography in www.christophwaltzfans.com abgerufen am 5. Juni 2011
  3. Haneke und Waltz sind quasi "verwandt"
  4. Preisträger bei festival-cannes.fr, abgerufen am 24. Mai 2009 (englisch).
  5. Christoph Waltz debütiert als Kino-Regisseur in RP Online 19. März 2010 abgerufen am 26. August 2010
  6. Christoph Waltz to Play Mikhail Gorbachev in 'Reykjavik'
  7. Der Standard: Österreichische Staatsbürgerschaft für Christoph Waltz, 8. August 2010
  8. a b c wien.orf.at: Christoph Waltz erhält Staatsbürgerschaft, 24. August 2010. Abgerufen am 25. August 2010.
  9. Süddeutsche Zeitung: Waltz fühlte sich schon immer als Österreicher, 20. August 2010
  10. Polanski-Film: Waltz dreht mit Winslet. nachrichten.at, 28. September 2010. Abgerufen am 20. Dezember 2010.
  11. vgl. Christoph Waltz. In: Internationales Biographisches Archiv 08/2009 vom 17. Februar 2009 (hy), ergänzt um Nachrichten durch MA-Journal bis KW 51/2009 (aufgerufen am 18. Januar 2010 via Munzinger Online)
  12. vgl. Christoph Waltz im Interview: Schauspielerei ein Albtraumberuf bei bunte.de (deutsch; aufgerufen am 9. September 2009)
  13. Ehrenkreuz für Waltz auf news.at vom 6. Juni 2012 abgerufen am 6. Juni 2012