Claudia von Werlhof

Claudia von Werlhof (* 17. Mai 1943) ist emeritierte Professorin für Frauenforschung am Institut für Politikwissenschaft der Universität Innsbruck. Sie arbeitet an einer feministischen Gesellschaftstheorie des Patriarchats sowie den Alternativen dazu. Dazu lebte und forschte sie jahrelang in Entwicklungsländern, insbesondere in Lateinamerika.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Nach dem Abitur 1963 in Köln studierte Werlhof Volkswirtschaft und Soziologie in Köln und Hamburg. 1968 erreichte sie den Abschluss einer Diplom-Volkswirtin. 1968–70 folgte ein Promotionsstipendium der Friedrich-Ebert-Stiftung in El Salvador und Costa Rica. 1974 wurde sie an der Universität zu Köln im Fach Soziologie promoviert. 1974/75 war sie Lehrbeauftragte am Fachbereich Gesellschaftswissenschaften der Universität Frankfurt am Main. 1977–79 forschte sie in Venezuela.

1975–1986 arbeitete sie als wissenschaftliche Assistentin am Praxisschwerpunkt Entwicklungspolitik der Universität Bielefeld. 1984 habilitierte sie in Politikwissenschaft an der Universität Frankfurt mit einer Arbeit über die Frauen- und Agrarfrage in der Dritten Welt. Sie war Lehrbeauftragte und Gastprofessorin an verschiedenen in- und ausländischen Universitäten und von 1988 bis 2011 Ordinaria für Politisches System Österreichs mit besonderer Berücksichtigung der Frauenforschung am Institut für Politikwissenschaft der Sozial- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Innsbruck (dem sogenannten Frauenforschungslehrstuhl).

Von Anfang an war Claudia von Werlhof in der Frauenbewegung engagiert. Sie gilt als Mitbegründerin der Frauenforschung in der Bundesrepublik Deutschland und zusammen mit Maria Mies und Veronika Bennholdt-Thomsen als Begründerin des Ökofeminismus und einer feministischen Subsistenztheorie.[1] Sie arbeitete an zivilgesellschaftlichen Alternativen zur Globalisierung[2], entwickelte die Patriarchatskritik weiter und betrieb Matriarchatsforschung. 2007 gründete sie den Verein FIPAZ (Forschungsinstitut für Patriarchatskritik und alternative Zivilisationen).[3]

Kritik

Im Februar 2010 geriet von Werlhof in die Kritik, als sie eine Verschwörungstheorie verbreitete. Ihrer Aussage nach verfügten die Vereinigten Staaten über eine Technik, mittels HAARP künstlich Erdbeben auszulösen und das Erdbeben in Haiti 2010 könnte dadurch verursacht worden sein.[4][5][6][7] Aufgrund dieser Kritik sieht sich Werlhof inzwischen als Speerspitze einer Bewegung gegen den "Mord an Mutter Erde durch das Patriarchat". 2010 gründete sie dazu den Verein Planetare Bewegung für «Mutter Erde».[8][9]

Ihre Ausführungen zur Verursachung des Erdbebens in Haiti durch die USA brachten ihr im Jahr 2011 eine Nominierung für das Goldene Brett vorm Kopf ein; mit dieser Auszeichnung "für Verdienste um die Verblödung der Menschen" prämiert die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) die "größte Unsinnigkeit auf dem Gebiet der Esoterik". [10]

Werke

  • Hg.: "Beiträge zur Dissidenz", Buchreihe (11 Bände), Frankfurt/M. (Peter Lang Verlag) 1996-2002
  • Hg.: zus. mit Maria Mies: Lizenz zum Plündern. Das Multilaterale Abkommen über Investitionen MAI, Hamburg (EVA/Rotbuch) 1998, ISBN 3434530177
  • zus. mit Annemarie Schweighofer, Werner W. Ernst (Hg.): Herren-Los. Herrschaft-Erkenntnis-Lebensform, Frankfurt/M. (Peter Lang Verlag) 1996, ISBN 3631488017
  • Über die Liebe zum Gras an der Autobahn. Analysen, Polemiken und Erfahrungen in der 'Zeit des Bumerang'. Rüsselsheim (Göttert) 2010, ISBN 978-3-939623-21-2
  • Vom Diesseits der Utopie zum Jenseits der Gewalt. Feministisch-patriarchatskritische Analysen - Blicke in die Zukunft? Freiburg (Centaurus) 2010, ISBN 978-3-8255-0754-1
  • West-End. Das Scheitern der Moderne als "kapitalistisches Patriarchat" und die Logik der Alternativen. Köln (PapyRossa) 2010, ISBN 978-3-89438-435-7
  • Mutter-Los. Frauen im Patriarchat zwischen Angleichung und Dissidenz, München (Frauenoffensive) 1996, ISBN 3881042741
  • Was haben die Hühner mit dem Dollar zu tun? Frauen und Ökonomie, München (Frauenoffensive) 1991, ISBN 388104213X
  • Männliche Natur und künstliches Geschlecht. Texte zur Erkenntniskrise der Moderne, Wien (Frauenverlag) 1991, ISBN 3900399514
  • Wenn die Bauern wiederkommen. Frauen, Arbeit und Agrobusiness in Venezuela. Bremen (Edition CON) 1985, ISBN 3-88526-305-X
  • Die Verkehrung. Das Projekt des Patriarchats und das Gender-Dilemma. Wien (Promedia Verlag) 2011, ISBN 978-3-85371-332-7
  • Der unerkannte Kern der Krise: Die Moderne als Er-Schöpfung der Welt. Arun-Verlag 2012, ISBN 978-3866630857

Aufsätze (Auswahl)

  • Claudia von Werlhof, Gewalt und Geschlecht. In: Claudia von Werlhof, Carola Meier-Seethaler, Christa Mulack, Heide Göttner-Abendroth, Charlene Spretnak, Joan Marler, Kurt Derungs (Autorengemeinschaft): Die Diskriminierung der Matriarchatsforschung: Eine moderne Hexenjagd. Edition Amalia, 2003. ISBN 3-905581-21-3

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Claudia von Werlhof, Subsistenz – Abschied vom ökonomischen Kalkül, Vortrag an der HU Berlin, 25. Januar 1993
  2. Claudia von Werlhof, Selbsternannte Heilsbringer propagieren die Globalisierung, BFAG, 9. August 2001
  3. FIPAZ e.V (abgerufen 31. März 2010)
  4. Kapitalismus, ein Zerstörungsprojekt, Interview mit Claudia von Werlhof, Der Standard, 12. Februar 2010
  5. Hans Peter Hye, Krude Weltverschwörungstheorien, Der Standard, 18. Februar 2010
  6. Christian Ortner, Für wen Lichtermeere leuchten, Die Presse vom 19. Februar 2010
  7. Claudia von Werlhof, Offener Brief an Herrn K. – Oder: Ich bin ein „Institutsschädling“!, Tirol im Zoom, 23. Februar 2010
  8. Forschungsinstitut für Patriarchatskritik und alternative Zivilisationen: Ausrufung der „Planetaren Bewegung für die Mutter Erde“
  9. Interview mit Michael Friedrich Vogt zur Planetaren Bewegung für «Mutter Erde» vom 3. März 2011
  10. Die Presse, vom 3. Juni 2011 http://diepresse.com/home/science/667389/Skeptiker_Goldenes-Brett-fuer-LichtnahrungsFilm?_vl_backlink=/home/science/index.do