Colloredo (Adelsgeschlecht)

Stammwappen derer von Colloredo

Colloredo ist der Name eines aus Friaul stammenden[1] ehemals böhmisch-österreichischen Adelsgeschlechts des Hochadels.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Franz de Paula Gundaker von Colloredo-Mannsfeld

Nach der Überlieferung entstammt das Geschlecht den Herren von Waldsee, von denen Liabordo von Waldsee angeblich nach Italien zog und vom Patriarchen Poppo von Aquileia im Jahr 1031 mit der Burg Mels belehnt wurde.[2] Glizoio de Mels erscheint am 25. Oktober 1247 urkundlich mit seinen Brüdern,[3] von denen Glizoio die Linie Colloredo und Heinrich die Linie Mels-Colloredo gründete. Wilhelm von Mels bekam am 4. Dezember 1302 vom Patriarchen Ottobono von Aquileia die Erlaubnis, im Friaul) bei Udine die Burg Colloredo zu erbauen,[4] nach der sich die Familie nunmehr benannte. Die drei Söhne Wilhelms begründeten drei Linien des Geschlechts (Asquinische, erloschen 1693, Bernhardinische und Weikhardische Linie). Am 19. März 1588 erlangten die Brüder Ludwig und Lälius von Colloredo für sich (und die übrige Deszendenz des Wilhelm von Mels) aus Prag die Reichsfreiherrenbestätigung mit dem Wappen der Herren von Waldsee.[4] Im Jahr 1591 kam es zur Vereinigung der Colloredo mit der schwäbischen Familie von Waldsee auch Walsee oder Walseer genannt. Die Zurückführung ihres Ursprunges auf die Walseer ist heute umstritten.

In den Jahren 1629 wurde die Asquinische Linie und 1724 das Gesamthaus in den Reichsgrafenstand erhoben. Im Jahr 1763 wurde Reichsvizekanzler Rudolph Joseph zum Reichsfürsten ernannt. Von den Söhnen wurde der Ältere Franz de Paula Gundakar ebenfalls Reichsvizekanzler.

Hieronymus Graf von Colloredo, letzter Fürsterzbischof von Salzburg

Dieser wurde Begründer der Linie Colloredo-Mansfeld mit Schwerpunkt in Ostböhmen, da er 1771 eine Enkelin von Fürst Heinrich Franz von Mansfeld-Fondi heiratete. 1780 starb der letzte männliche Mansfelder Graf Josef Wenzel Nepomuk von Mansfeld-Vorderort-Bornstedt. Sämtliche Mann-Lehen der Grafen fielen an die Lehnsherren zurück; namentlich an Kursachsen und Preußen als Rechtsnachfolger des säkularisierten Erzbistums Magdeburg. Die böhmischen Allodiale kamen an die Erbgräfin und Halbschwester Josef Wenzels, Maria Isabella, die seit 1771 mit Franz de Paula von Colloredo verheiratet war. Die kaiserliche Regierung in Wien gestattete dem Fürsten 1789 die Namens- und Wappenvereinigung der beiden Geschlechter, um das Andenken an die Mansfelder Grafen zu bewahren. Nachfahren dieser Linie leben heute noch in Österreich und den USA. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gehörte der Fürst von Colloredo als Personalist dem schwäbischen Reichsgrafenkollegium an.

Zahlreiche Mitglieder der Familie Colloredo standen in politischen und diplomatischen Diensten des Heiligen Römischen Reiches, der Habsburger beziehungsweise Österreichs. Auch hohe Kirchenämter wurden von Angehörigen des Geschlechts bekleidet. Als eines von 16 mediatisierten Fürstenhäusern hielt es einen erblichen Sitz im Herrenhaus, dem Oberhaus des österreichischen Reichsrates.

Restitution

Im Zuge der Restitutionsgesetzgebung in der Tschechischen Republik erhielt die Familie Colloredo-Mansfeld ihre ehemaligen Besitzungen (rund 20.000 Hektar Wald und Teiche) zurück, die ihnen mit der Vertreibung aus der nach dem Zweiten Weltkrieg wieder gegründeten Tschechoslowakei enteignet wurden.

Im Jahr 2007 verklagte die Familie den Tschechischen Staat auf Restitution der Kunstsammlung aus dem Renaissanceschloss Opočno in Ostböhmen. Ein Gerichtsentscheid des Kreisgerichts von Hradec Králové (Königgrätz) im Oktober 2007 lehnte dies jedoch in einem Berufungsverfahren erneut ab, so dass die Colloredo-Mansfelds nun das Oberste Gericht der Tschechischen Republik anrufen wollen. Zu der Sammlung, deren Wert das Denkmalschutzamt auf über eine Milliarde Kronen, rund 35 Millionen Euro, einschätzt, gehören unter anderem eine künstlerisch wertvolle Kutsche, eine Gemäldesammlung und mehrere tausend Gegenstände wie historische Waffen und Geschirr [5].

Wappen Colloredo-Mannsfeld

Wappen

Das Stammwappen (Waldsee/Walsee) zeigt in Schwarz einen silbernen Balken. Auf dem Helm mit schwarz-silbernen Decken ein wie der Schild bezeichneter Adlerflügel.[4]

Personen

Linie Waldsee/Wallsee
Linie Waldsee-Mels
Philip Alexius de László: Gräfin Ferdinand Colloredo-Mannsfeld, Öl auf Leinwand, 1913
Linie Man(n)sfeld


Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Eintrag zu Colloredo (Adelsgeschlecht) in: Austria-Forum, dem österreichischen Wissensnetz – online  (auf AEIOU)
  2. Bauzer, Mscr. historie rerum Norie et Forojul. libr. V
  3. Giambattista von Crollalanza: Das Adelsgeschlecht der Waldsee-Mels und insbesondere der Grafen Colloredo. Wien 1889.
  4. a b c Genealogisches Handbuch des Adels, Adelslexikon, Band II, Band 58 der Gesamtreihe, S. 324–326.
  5. Ostböhmisches Gericht entschied über Kunstsammlung in Schloss Opocno. Meldung auf Radio.cz.
  6. Franz Philipp von Sommaruga: Colloredo-Waldsee, Franz. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 4, Duncker & Humblot, Leipzig 1876, S. 415 f.

Literatur

Weblinks

 Commons: Colloredo – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien