Cornelia Fischer

Cornelia Fischer (* 30. September 1954 in Berchtesgaden; † 11. August 1977 in Salzburg), auch bekannt unter ihrem Künstlernamen Nela, war eine deutsch-österreichische Malerin.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Kindheit und Lebensumfeld

Cornelia Fischer, als Malerin Nela, wurde am 30. September 1954 geboren. Ihr Vater, Hans Conrad Fischer war Filmregisseur, ihre 1986 verstorbene Mutter war als Malerin ausgebildet.

Ihre ersten Lebensjahre verbrachte sie in Berchtesgaden. Im Alter von fünf Jahren übersiedelte sie mit ihrer Familie nach Österreich, wo ihr Vater in der Salzburg bis 1961 die Literatur- und Hörspielabteilung des ORF-Landesstudios leitete. Cornelia Fischer ging in Salzburg zur Schule und maturierte im Februar 1975. Danach inskribierte sie an der Universität Salzburg Sprachen, Kunstgeschichte und Philosophie.

Erkrankung und Tod

Mit 19 Jahren erkrankte Cornelia Fischer an Myeloischer Leukämie. Von April bis Juni 1974 verbrachte sie ihren ersten längeren Aufenthalt im Salzburger Landeskrankenhaus. Zwei Jahre darauf brach die Krankheit wieder aus. Im Oktober 1976 musste Nela für sechs Wochen ins Krankenhaus.

Nach dem Ausbruch der Krankheit entwickelte die 19-jährige eine von ihrem Vater als „beängstigend“ bezeichnete Lebensökonomie beim Malen wie auch im Leben. In den Phasen der vorübergehenden Remissionen war sie gern auf Reisen. So verbrachte sie die Monate Februar und März 1977 gemeinsam mit ihren Eltern in Kalifornien. Dabei fertigte sie Skizzen für spätere Bilder an. Sie führte ihr Tagebuch in englischer Sprache und gab ihren Werken, neben den deutschen, vielfach auch englische Titel.

Zurück in Salzburg musste sie bereits nach drei Wochen wieder ins Krankenhaus, wo sie insgesamt achteinhalb Monate ihrer letzten dreieinhalb Lebensjahre verbrachte und sich einer Behandlung mit zytostatischen Mitteln unterziehen musste. Wenn es ihr Zustand zuließ, arbeitete Nela auch zuletzt noch an ihren Bildern. Rund ein Drittel ihres Werkes entstand am Krankenbett. Cornelia Fischer verstarb am 11. August 1977 um 1 Uhr nachts im Landeskrankenhaus Salzburg. Die Beerdigung fand am Salzburger Kommunalfriedhof statt.

Nela und ihre Kunst

Cornelia Fischer zeichnete seit ihrer Kindheit. Bis zu ihrem Tod im August 1977 entstanden innerhalb von nur dreieinhalb Jahren rund 150 Bilder, dazu Skizzen und kleine poetische Texte. Im Sommer 1975 besuchte sie die Malklasse von Joze Ciuha an der Internationalen Sommerakademie für Bildende Kunst in Salzburg. Dabei entstand am 11. August das Bild „Ohne Namen“ (Lebensabschnittsringe). Das hochformatige und stark vereinfacht gemalte Bild zeigt eine stehende menschliche Figur, die ganz in Schwarz gehalten, nur durch eine weiße Kontur als Silhouette erkennbar, unterwegs ist auf einem schwarzen Weg, der ins Dunkle mündet. Der Weg ist begrenzt durch die von Nela als solche bezeichneten „rot-gelben Lebensabschnittsringe“, die an hohes Gras oder Schilf denken lassen. Zu diesem Bild schrieb die Künstlerin folgenden begleitenden, ihre Gedanken zum Werk widerspiegelnden Text:

„Man sieht etwas – / eine Zeit voll von Dingen liegt vor einem / in leuchtenden Farben – /bunte Lebensabschnittsringe – / man atmet frei, lebt auf – / die Welt gehört einem – / man sieht eine kurze Zeit voraus, und doch sieht man das Eigentliche nicht – / ich gehe – noch frei atmend, / aus Dunklem kommend, dem Helleren entgegen, / das wiederum ins Dunkle, ins Stetige Unendliche mündet. [1]

Als Motive rückten Figuren (oftmals Mischwesen aus Mensch und Pflanze), Vögel, Städte, Bäume, Brücken und Landschaften hervor. Das im Mai 1976 entstandene Bild „Geheimnisvollen Augen – Mysterous eyes“ zeigt von dunklen Lidern halb verdeckte, rot unterlaufene Augen. Kopf, Stirn und Mund sind mit einem grünen Tuch verhüllt. Cornelia Fischer schrieb zu diesem Bild:

„Augen, die Dinge erzählen, die nur die Augen und ich verstehen, Augen die das Weite gesehen haben und davon einfache Dinge zu erzählen wissen. Alles übrige ist verhüllt, es kommt nur auf die Sprache der Augen an.“ [2]

Nachlass, Film und Ausstellungen

Der gesamte künstlerische Nachlass von Nela befindet sich im Besitz ihres Vaters Hans Conrad Fischer und wird vom Salzburg Museum verwahrt.

Hans Conrad Fischer produzierte 1980 den Film „Nela. Die Geschichte einer Malerin“ über das kurze Leben seiner Tochter.[3]

Er gestaltete das Porträt mit ihren Gemälden, Fotografien, privaten Filmaufnahmen, Tagebuchauszügen und ihrer Lieblingsmusik. Der Film lief im deutschen Sprachraum, in England und Amerika im Kino, später auch im Fernsehen. Auf diese Weise kam es zu einer ersten Rezeption von Nelas Malerei. Vor allem bei der Erstaufführung des Films in Österreich, den USA und Großbritannien gab es Pressereaktionen. „Es ist unmöglich, von diesem Film nicht ergriffen zu sein“, urteilte die Los Angeles Times, und CBS-TV meinte: „Ein großer, ergreifender Film über ein wunderbar begabtes junges Mädchen, das schön war und sein leidvolles Schicksal in Schönheit verwandelte. Ein Film über das Leben, nicht über den Tod.“

Kunstkritiker amerikanischer Zeitungen, wie der Evening Tribune würdigten die Gemälde Nelas „von völliger, brillantfarbiger Eigenständigkeit“, und rühmten ihr „intuitives Verstehen archetypischer Bildgleichnisse für den Kreislauf von Leben und Tod“. [4] Artikel über Nela und ihrem Werk erschienen unter anderem in Großbritannien (The Times, Financial Times, The Guardian), den USA (Los Angeles Times, San Diego Union, Readers Hollywood) und Österreich (Kurier, Neue Kronenzeitung, Salzburger Nachrichten).

Die für lange Zeit einzige Ausstellung von Nelas Bildern fand vom 23. Oktober bis 30. November 1980 posthum im Romanischen Keller der Hypothekenbank in Salzburg statt. 25 Jahre nach ihrem Tod wurde Cornelia Fischer in Salzburg erneut in das Blickfeld der Öffentlichkeit gerückt. Die Stadt Salzburg stellte von 4. Juli bis 2. August 2002 in der Galerie im Mirabellgarten eine Auswahl ihrer Werke aus und „Das Kino“ zeigte im selben Zeitraum den Film über das Leben und die Kunst der Salzburgerin. Im selben Jahr kam es erstmals zu einer wissenschaftlichen Aufarbeitung ihres künstlerischen Nachlasses. Vom 1. Juni 2007 bis 1. Juni 2008 zeigte das neue Salzburg Museum in der Neuen Residenz eine dichte Präsentation ihres Gesamtwerkes.

Bedeutendste Werke (Auswahl)

  • Die Traumstraße – Street of dreams (Wasserfarbe/Papier, 1974)
  • Ohne Titel [Lebensabschnittsringe] (Aquarellfarbe, Tusche/Papier, 1975)
  • Der sterbende Vogel (Tempera/Karton 1976)
  • Auf dem Weg zur Akropolis Lindos (Tempera/Karton 1976)
  • Geheimnisvolle Augen – Mysterious eyes (Selbstportrait; Tempera/Karton, Mai 1976)
  • Allee ins Geheimnisvolle (Tempera/Karton, Jänner 1977)
  • Mensch in der Presse (Tempera/Karton 1977)
  • Traffic-Jam (Tempera/Karton 1977)
  • San Francisco (Tempera, Tusche/Karton 1977)
  • Tanz auf der Sonne (Tempera/Karton 1977)
  • Die große Brücke (Tempera, Tusche/Karton 1977)
  • In Erwartung (Tempera/Karton 1977)
  • Der Augenbaum (Tempera/Karton 1977)

Ausgewählte Texte

  • “...Ich gehe – noch frei atmend, aus Dunklem kommend, dem Helleren entgegen, das wiederum ins Dunkle, ins Stetige, Unendliche mündet.“ [5]
  • “...man atmet frei, lebt auf – die Welt gehört einem – man sieht eine kurze Zeit voraus, und doch sieht man das Eigentliche nicht...“. [6]

Literatur und Quellen

  • Elisabeth Rath: Malen heißt leben. Und Leben ist immer auch Sterben. Nela (1954–1977). In: Lebenswerke. Neun Künstlerische Nachlässe aus Salzburg. Kulturamt der Stadt Salzburg (Hg.). Salzburg 2002. ISBN 3-901014-77-2
  • Max Kaindl Hönig: Ein Nachlass ohne Schatten. Geschichte einer Malerin und ihres Sterbens – H. C. Fischers Film über die Tochter „Nela“. In: Salzburger Nachrichten vom 16. Mai 1980
  • Ursula P. Zdroick: Kosmische Perspektive. Nelas Kunst im Romanischen Keller der Hypothekenbank. In: Salzburger Nachrichten vom 28. Oktober 1980
  • Bernhard Strobl: Nela. Blicke aus der Tiefe. In: Salzburger Nachrichten vom 6. Juli 2002
  • Hans-Conrad Fischer: Bildband „Nela“, 1954–1977“. Fischer Film- und Fernsehproduktion, Marktschellenberg 2002.
  • Nela – Die Geschichte einer Malerin. Film. Österreich 1979. Regie und Drehbuch: Hans Conrad Fischer.
  1. Nachlass:Text aus dem Notizbuch von 1975. Gedanken zum Bild vom 11. August 1975
  2. Nachlass: Bildtextlisten, von Nela geschrieben im Sommer/Herbst 1976
  3. Nachlass: Drehbuch zum Film „Nela. Die Geschichte einer Malerin“ von H. C. Fischer. Seite 78
  4. Andrea Hoffmann: Nela´s story: A young artist faces death and learns about life. In: Evening Tribune, San Diego 28. März 1980
  5. wie 2
  6. wie 2

Weblinks