Dücker (Adelsgeschlecht)

Wappen derer von Dücker

Dücker ist der Name eines westfälischen Adelsgeschlechts, welches sich mit dem Orden ins Baltikum und von dort weiter nach Schweden und Tirol ausgebreitet hat.

Inhaltsverzeichnis

Westfalen

Die Familie Dücker wird dem Limburgischen Uradel zugerechnet.

Bereits um 1190 wird Goswin Dukere als Vogt zu Valkenburg in Brabant urkundlich genannt.[1] Es folgt Ritter Henricus Ducere im Jahre 1220.[2] Schließlich wird Henrich dictus Ducker als früher Vertreter seiner Familie am 10. Januar 1299 urkundlich genannt. Dieser vermachte dem Stift Fröndenberg einige Güter.

Sie sollen zunächst die Burg beziehungsweise das Schloss Dücker bei Kempen besessen haben. An der Ruhr gelten die Dücker als Erbauer von Haus Kemnade, wo sie ab 1266 nachweisbar sind. Auch für Haus Heisingen werde sie als erste Lehnsnehmer genannt. Ein weiterer Henrich Dücker verkaufte 1315 den dritten Teil des Hauses Horst an die Grafen von der Mark.

In Westfalen bildeten sich zahlreiche Linien des Geschlechts aus, die sich durch verschiedene Beinamen unterschieden. So gab es die Dücker genannt Neiling, gen. Overling, gen. Umberg, gen. Westenfelde, gen. in den Doernen, gen. in der Netelenbeck, gen. Nünum, gen. von Ostendorp.

Mitglieder der Familie dienten als Ministeriale für verschiedene Herren. So dienten einige den Grafen von Cleve, andere der Äbtissin von Essen, den Grafen von der Lippe und anderen. Wennemar Dücker war 1391 Zeuge als Erzbischof Friedrich von Köln und die Grafen von Kleve einen Vergleich schlossen. Auch bei vergleichbaren Akten war er anwesend. Er nannte sich miles (Ritter) und war Herr zu Stiepel, Kemnade und Bruch, Amtmann zu Lüdenscheid und Bilstein. Er hat mit anderen Mitgliedern der Familie den Grafen von Kleve Geld geliehen und war zusammen mit seiner Frau Greta ab 1400 Pfandherr von Lüdenscheid, Neustadt und Plettenberg.[3]

In den Jahren 1405 bis 1602 erscheint ein Zweig der westfälischen Dücker in Finnland.

Im 17. Jahrhundert ist die Linie zu Heyden und Mellen ausgestorben. Eine noch existierende Linie zu Ober- und Nieder-Röddinghausen wurde wegen nicht standesgemäßer Heiraten aus der Liste der stiftsfähigen Ritterschaft gestrichen.

Zu dieser Linie gehört auch der kurfürstliche Oberkellner Hermann (von) Dücker, der 1627 neben dem Haus Obereimer verschiedene Ländereien und gutsherrlichen Rechte bei Arnsberg erwarb und in ein von Schatzungen und Contributionalen befreites, landtagsfähiges Rittergut zu verwandeln. Kurfürst Maximilian Heinrich von Bayern zwang ihn zum Verkauf. Dücker erbaute mit dem Geld als Stadtpalais in Arnsberg den Dückerschen Hof. Seine Söhne strengten 1687 die Erneuerung des Adelstitels an. Wilhelm Lothar Bernd Dücker kurkölner Geheimer Rat und Rat und Gesandter von König Ludwig XIII. von Frankreich durfte sich fortan Edler Herr nennen und die übrigen wurden als Herren bezeichnet.[4]

Baltikum

Mit Ewert Duker, welcher am 15. Juli 1375 Beisitzer des Deutsch-Ordens-Vogt in Jewe war, erscheint die Familie erstmals im Baltikum. Bis 1483 werden von den Dücker mehrfach Komture und Vögte des Ordens gestellt. Bedeutende Güter der Familie in Estland waren u.a.: Pastfer, Ladigfer, Kau und Engdes; in Livland u.a.: Kuikatz, Penniküll und Puderküll.

Standeserhebungen erfolgten in Schweden (1634 introduziert) für Karl Gustav Düker sowohl in den Freiherrenstand (12. Juli 1711 als Freiherr zu Säby) als auch in den Grafenstand (17. April 1719 als Graf zu Jacobsberg).[5] Die von Estland nach Schweden gelangten Zweige sind daselbst 1698 bzw. 1892 erloschen.

Die Dücker waren sowohl in der Estländischen als auch in der Livländischen Ritterschaft immatrikuliert. Mit dem russischen Admiral Richard von Dücker a.d.H. Berghof (* 1847; † 1932), der drei Töchter hatte, erlischt die estländische Linie im Mannestamm.

Salzburg

Nach der Besetzung des Hochstifts Dorpat durch moskovitische Truppen während des Livländischen Kriegs emigrierte der in Haselau ansässige Familienzweig 1558 zunächst nach Schweden und kam 1592 nach Tirol. Franz Dückher von Hasslau (1609–1671) liess sich 1649 im Erzstift Salzburg nieder und gründete die Salzburger Linie des Geschlechts. 1651 erhielt es die Salzburger Landmannschaft. 1671 wurden die Dückher von Hasslau in den Reichsfreiherrenstand erhoben.[6] 1923 ist auch die Salzburger Linie im Mannesstamm erloschen.[7] Sitz der Familie war Schloss Urstein bei Puch, das bis 1837 in ihrem Besitz war.[8]

Wappen

Stammwappen: In Silber 5 blaue Balken. Auf dem blau-silbern bewulsteten Helm mit gleichen Decken 2 Arme, der rechte silbern, der linke blau, die eine goldene Sonne emporhalten; um die nach außen gekrümmten Arme ist ein schmales Band in gewechselten Farben geknüpft, dessen Schleife und Enden am Ellbogen nach außen abfliegen.

Personen

Einzelnachweise

  1. Simon Pierre Ernst: Historie du Limbourg VI. Lüttich 1850; und Hermann Friedrich Macco: Beiträge zur Geschichte und Genealogie rhein. Adels- und Patrizierfamilien. 2 Bände, Aachen 1885–1887.
  2. Theodor Joseph Lacomblet: Urkundenbuch für den Niederrhein II. 85.
  3. Johann Diederich von Steinen: Westfälische Geschichte mit vielen Kupfern. Teil 3. Lemgo, 1757 S.1089ff.
  4. Leopold von Ledebur: Dynastische Forschungen. Zweites Heft. Berlin, 1855 S.13f.
  5. Maximilian Gritzner (Bearb.): Der Adel der Russischen Ostseeprovinzen. In: Johann Siebmachers Großes Wappenbuch. Neue Folge. Battenberg-Verlag, München, 1979, Dücker, S. 280.
  6. Salzburger Landesarchiv, Frankkartei, Karton DT
  7. Franz Martin: Hundert Salzburger Familien. Verlag der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde. Salzburg 1946, S. 54
  8. Friederike Zaisberger und Walter Schlegel: Burgen und Schlösser in Salzburg. Flachgau und Tennengau. St. Pölten/Wien 1992, S. 183-187

Literatur