Dalberg (Adelsgeschlecht)

Wappen Dalbergs, der Kämmerer von Worms
Scheiblersches Wappenbuch
1450 - 1480

Die von Dalberg waren ein altes deutsches Adelsgeschlecht vom Mittelrhein, die erste Bedeutung als Kämmerer von Worms im Spätmittelalter erhielten und bis über das Ende des Heiligen Römischen Reiches hinaus in bedeutenden Positionen Herrschaft ausübten.

Inhaltsverzeichnis

Herkunft und Aufstieg

Die Anfänge des Adelsgeschlechts reichen bis weit ins Mittelalter zurück. Die Familie gehörte im Heiligen Römischen Reich zwar nicht zum regierenden Hochadel, aber zu den wichtigsten reichsritterlichen Geschlechtern. Ihr Aufstieg begann, als die 1208 erstmals im Nahegau nachgewiesene Familie das Amt der Kämmerer des Bischofs von Worms erwarb. Die Kämmerer aus Worms brachten sich in dieser Zeit in den Besitz der Burg Dalberg und fügten fortan ihrem Familiennamen Kämmerer von Worms den Zusatz genannt von Dalberg bei. Im Lauf der Zeit erwarb die Familie beträchtliche Besitzungen mit Schwerpunkt im Rheinland, um Worms und Kreuznach. Anstelle der ruinös gewordenen Burg Dalberg baute die Familie sich später im Tal das neue Schloss Wallhausen, das sich heute noch im Eigentum der Erben, Prinzen zu Salm-Dalberg, befindet.

Mehrfach hatten Familienangehörige Stellungen in hohen und höchsten Ebenen, als Bischöfe und Erzbischöfe, Äbte und Fürstäbte, Präsidenten des Reichskammergerichts usw. Der bei weitem bedeutendste Vertreter war Karl Theodor von Dalberg (1744–1817), Erzbischof und letzter Kurfürst von Mainz, Reichserzkanzler, Großherzog von Frankfurt und Fürstprimas von Deutschland.

Die Mitglieder der Familie hatten seit der Kaiserkrönung Friedrichs III. 1452[1] das Recht, als erste zum Reichsritter geschlagen zu werden. Aus diesem Grund fragte seitdem der Reichsherold, ehe der neugekrönte Kaiser die neuen Reichsritter schlug, nach etwa anwesenden Vertretern des Dalberggeschlechts. Aus dieser Gepflogenheit entwickelte sich die Redensart „Ist kein Dalberg da?“, die Julius Mosen in einem gleichnamigen Gedicht aufgriff.[2]

Der Reichsfreiherrentitel von Dalberg wurde dem Geschlecht 1654 verliehen.[1] Das Adelsgeschlecht ist mit Johannes von Dalberg (1909–1940) im Mannesstamm erloschen, über seine Schwester Maria Anna von und zu Dalberg (1891–1979) fiel deren Erbe mit Schloss Wallhausen an eine Nebenlinie des Fürstenhauses Salm-Salm.

Wappen

Wappen am Jüngeren Dalberger Hof in Mainz

Die Wappen der verschiedenen Familienzweige der Adelsfamilie enthalten meist sechs silberne Lilien (Wappen der Kämmerer von Worms) und bei jüngeren Wappen mindestens ein Ankerkreuz (Wappen der Herren von Dalberg). Wappen der Jüngeren Linie (u.a. Karl Theodor): Geviert, in Feld 1 und 4 unter einem mit drei Spitzen abgeteilten goldenen Schildhaupt auf blauem Grund 6 silberne Lilien (3:2:1) gestellt (Kämmerer von Worms), Feld 2 und 3 auf goldenem Grund ein schwarzes Ankerkreuz (Dalberg, jüngerer Zweig)

 Commons: Wappen der Dalberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Personen

Bekannte Vertreter des Adelsgeschlechts sind:

  • Johann Kämmerer von Worms, genannt von Dalberg (1398-1415), Ritter im Dienste der Pfalzgrafen; Burgmann in Oppenheim
  • Philipp von Dalberg, Wormser Stadtkämmerer
  • Wolf von Dalberg (1426–1476), pfälzischer Hofmarschall und Vater von Johann von Dalberg
  • Johann von Dalberg (1455–1503), Bischof von Worms und Kanzler der Universität Heidelberg
  • Wolfgang von Dalberg, (1538–1601), Erzbischof von Mainz, Kurfürst
  • Adolf von Dalberg (1678–1737), Fürstabt von Fulda von 1726 bis 1737
  • Franz Heinrich von Dalberg (1716–1776), Burggraf der Burggrafschaft Friedberg
  • Karl Theodor von Dalberg (1744–1817), Erzbischof und letzter Kurfürst von Mainz, Großherzog, Fürstprimas
  • Marianne von der Leyen, Schwester des vorigen
  • Wolfgang Heribert von Dalberg, (1750–1806), Intendant des Mannheimer Nationaltheaters, Bruder von Johann Friedrich Hugo von Dalberg
  • Johann Friedrich Hugo von Dalberg (1760–1812), Domkapitular, Schriftsteller und Komponist; jüngster Bruder von Karl Theodor von Dalberg
  • Emmerich Joseph von Dalberg (1773–1833), Neffe und Erbe von Karl Theodor von Dalberg, badischer Gesandter, Minister unter Napoleon und Ludwig XVIII., Vertrauter Talleyrands, 1810 von Napoleon zum französischen Duc de France (Herzog von Dalberg) ernannt
  • John Emerich Edward Dalberg-Acton (1834–1902), britischer Historiker und Journalist, Nachfahre des „Emmerich Joseph von Dalberg“
  • Friedrich von Dalberg (1863–1914), österreichischer Publizist
  • Hermann von Dalberg, großherzoglich badischer Finanzminister
  • Maria Anna von und zu Dalberg (1891–1979), als Schwester Erbin von Johannes von Dalberg und letzter Spross der Adelsfamilie, seit 1912 Ehefrau von Prinz Franz zu Salm und Salm-Salm
  • Johannes von Dalberg (1909–1940), Besitzer der Liegenschaften Schloss Datschitz in Mähren, Schloss Friesenhausen und Erlaxe bei Eger in Ungarn (als letzter männlicher Spross der Adelsfamilie am 21. April 1940 gestorben)

Literatur

Weblinks

 Commons: Dalberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b Ludwig LenhartDalberg, v.. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 3, Duncker & Humblot, Berlin 1957, S. 488 (Digitalisat).
  2. Julius Mosen: Ist kein Dalberg da? In: ders.: Sämmtliche Werke. Band 1, Ferdinand Schmidt, Oldenburg 1863, S. 27.