Dekanatspfarrkirche Brixen im Thale

Dekanatspfarrkirche Brixen im Thale

Die römisch-katholische Dekanatskirche Brixen im Thale, geweiht der Himmelfahrt Mariens und des hl. Martins, befindet sich im Ortszentrum von Brixen im Thale (Nordtirol) auf 794 Meter Seehöhe. Es handelt sich um einen spätbarock-klassizistischen Sakralbau. Sie ist die Mutterpfarre des Brixentals und wird auch oft der Dom zu Brixen im Thale genannt.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

788 wird erstmals im Güterverzeichnis von Bischof Arno eine Kirche erwähnt.[1] Sie wird als Eigenkirche mit Feldbesitz (lat.: „ad prixina ecclesia cum territorio“) bezeichnet. [2] Im Spätmittelalter finden sich Aufzeichnungen über ein gotisches Gotteshaus. 1165 wird zum ersten Mal ein Pfarrer erwähnt, der für die kirchliche Betreuung des Brixentales zuständig war. Bis zum Jahre 1786 waren bereits mehrere sakrale Bauten errichtet bzw. umgebaut worden. 1790 wurde dann nach Entwürfen vom Hofbaumeister Wolfgang Hagenauer und Baumeister Andre Hueber aus Kitzbühel mit dem völligen Neubau des spätbarock-klassizistischen Gotteshauses begonnen. 1797 wurde es am 11. September zu Ehren der Himmelfahrt Mariens und des hl. Martins geweiht.

Vorläuferbauten

Nachtansicht der Pfarrkirche Brixen

Holzkirche (Kirche I)

Etwa 5,00 m weiter östlich der Westmauer des ältesten Steinbaues und auf einem 0,60 m höheren Niveau konnte der durch Brand gerötete Erdboden eines jüngeren Gebäudes freigelegt werden. Die Bodenfläche war im Osten stark durch jüngere Bautätigkeit und verschiedene spätere Bestattungen gestört. Die westliche und südliche Begrenzung des durch Brandrötung deutlich erkennbaren Raumes von etwas über 4,00 m Breite wurde durch regelmäßig verlegte Steinreihen bestimmt, die sich im rechten Winkel aus der Nord-Süd-Richtung in die Ost-West-Richtung brechen. Den Endpunkt markiert ein deutliches Pfostenloch von etwa 30 cm Durchmesser, das von einer Steinpackung umkeilt ist. Bei den aus sorgsam gelegten Findlings- und groben Bruchsteinen gelegten Trockenmäuerchen handelt es sich um die Fundamentpackungen zweier Außenwände eines Holzbaues, der als Blockbau gesehen werden muss. Nach einem Grabungsbefund kann mit einem rechteckigen Saalbau von etwas über 4,00 m Breite und um die 8,00 m Länge gerechnet werden.

Erste Steinkirche (Kirche II)

Nachdem die Holzkirche (Kirche I) einer Brandkatastrophe zum Opfer gefallen war, wurde mit annähernd gleicher Orientierung ein Steinbau (Kirche II) über dem Brandplatz errichtet. Der zeitliche Abstand zwischen Brand und Neubau, ließ sich archäologisch nicht ermitteln. Für den neuen Bau wurde die Grundrissform einer einschiffigen Saalkirche mit eingezogenen, geostetem Chor und geradem Chorschluss gewählt. Das Kirchenschiff erhielt eine lichte Weite von etwa 10,10 m × 7,00 m, der Chor von etwa 3,50 m × 3,50 m. Das Kirchenschiff erweitert sich leicht von West nach Ost, während der Chorraum nach Osten zu an Breite leicht abnimmt. Das Mauerwerk dieser ersten Steinkirche war bei Grabungen in einigen Partien noch über das zugehörige Fußbodenniveau aufragend erhalten. Die Stärke des Mauerwerkes wechselte von etwa 1,10 m (mit Verputz) an der Westmauer zu 1,00 m (ohne Verputz) an den Nord- und Südmauern bis zu 0,95 m an der Ostmauer. Die Mauern des Chores sind deutlich schwächer gehalten; ihre Stärke wechselte etwas um die 0,80 m.

Zweite Steinkirche (Kirche III)

Unter Weiterverwendung einzelner Mauerpartien wurde noch im Hochmittelalter nach einem Teilabbruch der ersten Steinkirche (Kirche II) ein vergrößerter Kirchenbau (Kirche III, oder die zweite Steinkirche) mit gleicher Orientierung aufgeführt. Erhalten blieben die gesamte Westmauer und die gesamte Nordmauer der älteren Kirche (Kirche II). Abgetragen wurden der Chorbau und die gesamte Südmauer. Das neue Kirchenschiff wurde um die Stärke der abgerissenen Südmauer verbreitert und auf die äußere Ostflucht des älteren Chorbaues verlängert. Damit erhielt die neue Kirche III einen rechteckigen einschiffigen Saal von etwa 15,40 m × 8,00 m Raumlicht mit eingezogener Halbkreisapsis im Osten, die einen inneren Radius von gut 2,50 m zeigte. Das alte Westportal scheint beibehalten worden zu sein. Zusätzlich lässt sich nun auch ein Südportal durch Stufenvorlage im Kirchenschiff im westlichen Drittel der Südmauer nachweisen. Erhalten blieb wohl auch zusammen mit dem Glockenturm die Nordpforte.

Kirche IV (A und B)

Noch während des Hochmittelalters wurden die spätromanische Kirche III durch Teilabbruch des Kirchenschiffes und vollständige Schleifung des Presbyteriums mit folgenden größeren Umbauten des erhaltenen Restes und neuen Zubauten stark verändert. Nach einem nicht allzu großen Zeitraum erfolgte ein neuer Umbau, bei dem das Presbyterium wiederum abgetragen und in neuer Gestalt wieder errichtet wurde. Gleichzeitig wurden auch das Inneren des Kirchenschiffes einschneidend umgestaltet. Da bei den letzten Adaptierungsarbeiten das Kirchenschiff als Baukörper nur unwesentlich verändert worden ist, kann von zwei Bauphasen eines Neubaues gesprochen werden.

Der heutige spätbarock-klassizistische Bau

Innenraum der Dekanatskirche mit Altar

Der Baubeginn erfolgte 1789, die Weihe 1797. Die Länge der Kirche beträgt 38 m, die Breite 16 m, die Höhe bis zur flachen Kuppel 17 m. Die Türme sind beachtliche 52 m hoch. Im hellen Kircheninneren ist das gesamte Gewölbe mit Deckenmalereien versehen. In der flachen, kreisrunden Hauptkuppel sind die Krönung Mariens und die Bilder der vier Evangelisten in den Gewölbezwickeln von Joseph Schöpf (1795) zu sehen. In den Nebenkuppelfresken von Andreas Nesselthaler (1795) findet man im Chor die „Anbetung des Allerheiligsten Altarsakramentes durch die Nationen der Erde“ und über der Orgelempore das „Opfer des Melchisedek“.

Die reich verzierte Hauptkuppel in der Mitte. Sie misst fast 16 Meter im Durchmesser und gehört zu den größten Flachkuppeln im Tiroler Unterland.

Hochaltar

Der mächtige Hochaltar aus poliertem, teilvergoldetem, rotbraunem Stuckmarmor wurde von Hagenauer und Nesselthaler entworfen und von Peter Pflauder in strengen, klassizistischen Formen errichtet. Die beiden Altarblätter von Joseph Schöpf stellen die beiden Kirchenpatrone dar, die Himmelfahrt Mariens und die Mantelspende des hl. Martin dar. Die vier überlebensgroßen vergoldeten Schnitzfiguren des hl. Dominikus, der Apostel Petrus und Paulus, und der hl. Katharina von Siena) geben dem Hochaltar eine majestätische Gesamtwirkung und sind dem Kitzbüheler Bildhauer Josef Martin Lengauer (1727 – 1793) zuzuschreiben. Er hat eine Höhe von ungefähr 12 m.

Bilder

Auf den Bildern des linken Seitenaltares findet man den hl. Franz Xaver und oberhalb den hl. Evangelisten Johannes auf der Insel Patmos, die Schnitzfiguren zeigen die Eltern Mariens, Joachim und Anna. Auf dem gegenüberliegenden Altar sind die Pestheiligen Sebastian und Rochus und auf dem Oberbild die hl. Barbara abgebildet, die linke Seitenfigur zeigt den hl. Joseph und die rechte den hl. Johannes von Nepomuk. Die Bilder sind von Andreas Nesselthaler und die Figuren vom Zillertaler Franz Xaver Nißl.

Kanzel und weitere Ausstattung

Ein klassizistisches Werk von Peter Pflauder ist die stuckmarmorne Kanzel aus dem Jahre 1795. Gegenüber der Kanzel am linken Chorpfeiler findet man eine monumentale Kreuzgruppe von Franz Xaver Nissl. Auf den vier Beichtstühlen an den Langhauswänden finden sich die Schnitzwerke von Franz Xaver Nissl, die in Form und Inhalt auf das Beichtsakrament Bezug nehmen (hl. Petrus – Reue; König David – guter Vorsatz; verlorener Sohn – Gewissenserforschung; hl. Magdalena – Sündenbekenntnis und Lossprechung). Im Jahre 2001 wurde die neue „Pirchnerorgel“ mit 22 Registern eingeweiht.

Pfarrwidum

Das mächtige Pfarrwidum steht nördlich der Pfarrkirche und wurde im 14. Jahrhundert errichtet.

Das Pfarrwidum von Brixen im Thale gehört zu den ältesten Bauwerken des Brixentals. Das große viereckige Haus stammt aus dem 14. Jahrhundert und wurde bis heute mehrmals umgebaut. Das Innere des Gebäudes ist von etlichen gotischen Baudetails geprägt. Außerdem ist bis heute ein spätgotisches Fresko aus 1480 erhalten geblieben, das das Wappen des Richters von Itter, des Landrichters von Kitzbühel und des Pfarrers Wilhelm Taz von Brixen zeigt.

Kapellen

Die wichtigsten Kapellen in und um Brixen im Thale:

  • Wallfahrtskirche Hohe Salve: Sie ist dem hl. Johannes dem Täufer geweiht
  • Wallfahrtskapelle am Harlaßanger: Die Kapelle Mariä Heimsuchung wurde 1732 erbaut. Auf dem Weg zum Harlaßanger ist ein beeindruckender Kreuzweg mit den Bildern der Tiroler Künstlerin Patricia Karg.
  • Friedhofskapelle (Kriegerdenkmal): Der dreiteilige offene Bildstock mit der Kreuzigungsgruppe stammt aus der Mitte des 18. Jahrhundert
  • sowie Grabnerkapelle (1874 erbaut); Häuslkapelle; Jagerkapelle; Jaggeikapelle; Samerkapelle; Straifkapelle; Weidachkapelle; Ahornaukapelle; Obingerkapelle

Glocken

Nr. Name Gussjahr Gießer,
Gussort
Durchmesser
(mm)
Gewicht
(kg)
Nominal Ton
1 Friedens- und
Wetterglocke
1948 Grassmayr,
Innsbruck
1670 3045 H0+2 Friedensglocke
2 Heimkehrerglocke 1948 Grassmayr,
Innsbruck
1330 1495 dis1-7 Heimkehrerglocke
3 Familienglocke 1948 Grassmayr,
Innsbruck
1110 875 fis1+0 Familienglocke
4 Jugendglocke 1948 Grassmayr,
Innsbruck
1000 637 gis1+0
5 Sterbeglocke 1948 Grassmayr,
Innsbruck
0830 350 h1+0 Sterbeglocke
6 Geläute aller Glocken H0-dis1-fis1-gis1-h1 Zusammenläuten

Weblinks

 Commons: Dekanatspfarrkirche Brixen im Thale – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. http://www.kirchen.net/portal/pfarre.asp?Iid={9286764A-68B8-4FE3-B84A-484A7BC66D23}
  2. http://religion.orf.at/projekt02/tvradio/ra_gottesdienste/ra_got040523_brixen.htm

47.450412.2506Koordinaten: 47° 27′ 1″ N, 12° 15′ 2″ O