Dekanatspfarrkirche St. Johann in Tirol

Dekanatspfarrkirche St. Johann in Tirol

Die römisch-katholische Dekanatspfarrkirche St. Johann in Tirol, geweiht der Himmelfahrt Mariens, Johannes dem Täufer, Johannes dem Evangelisten sowie der hl. Katharina, befindet sich im Ortszentrum von St. Johann in Tirol auf 660 Meter Seehöhe. Sie ist eine der größten und schönsten Barockkirchen des Tiroler Unterlandes und ist die Mutterpfarre des gesamten Leukentales.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die Erwähnung einer Kirche reicht bereits ins 7. Jahrhundert zurück. Damals errichteten vermutlich die Bajuwaren eine Kirche in der heutigen Weitau, die heute ein Ortsteil von St. Johann in Tirol ist.

Innenansicht der Dekanatskirche

Als in den Jahren 788/90 der erste Salzburger Erzbischof Arn mehrere Sakralbauten, die der Erzdiözese Salzburg gehörten, in einem Güterverzeichnis erwähnte, bestand die Pfarre bereits. Deshalb gilt sie auch als Ur- und Mutterpfarre des Tales, vom Pass Thurn bis zur bayrischen Grenze in Kössen und für das gesamte Pillerseetal. Auch der heutige Ortsname St. Johann leitet sich von der ersten Kirche ab.

Aus dem Jahr 1150/60 stammt die erste urkundliche Erwähnung einer Kirche in St. Johann in Tirol. Am 28. Januar 1216 wurde dann der Ort als Pfarreisitz bei der Gründung des Bistums Chiemsee genannt. Das gestiftete Spital in der Weitau, das schon immer zur Pfarre St. Johann in Tirol gehörte, wurde 1262 genannt. Etwa 200 Jahre später musste sich die Pfarre direkt den Chiemseer Bischöfen unterstellen. Damit galt auch der damalige Bischof von Chiemsee Silvester Pflieger als Pfarrer von St. Johann in Tirol. Jedoch stellte Pflieger Vikare zur Vertretung ein. Außerdem war St. Johann damals ein bevorzugter Aufenthalt der Bischöfe von Chiemsee. Sie nutzten den Ort als Sommerresidenz und erledigten von hier ihre Amtsgeschäfte.

1621 wurde St. Johann in Tirol Dekanatssitz.

Im Jahr 1808 wurde das Bistum Chiemsee als Folge der Napoleonischen Kriege aufgehoben. Das Dekanat St. Johann kam wieder, wie schon bis 1216, zum Erzbistum Salzburg.

1786 trat die josephinische Pfarrregulierung in Kraft, die zahlreiche Aus- und Umpfarrungen beinhaltete.

1940 wurde die südlich gelegene Gemeinde Oberndorf in Tirol von der Pfarre St. Johann abgetrennt und selbständig.

Der heutige Bau

Der heutige Bau ist eine der größten Kirchen im Tiroler Unterland. Sie ist 44 Meter lang und etwa 16 Meter breit. Die Höhe der Kirchtürme beträgt circa 55 Meter. Mit der heutigen Doppelturmfassade wirkt sie wie ein Dom.

1725 wurde das alte Gotteshaus - es handelte sich wahrscheinlich um einen romanischen Bau, der links neben dem Pfarrwidum stand (heute befindet sich hier das Postamt) - abgetragen, da Überschwemmungen schwere Schäden anrichteten und sie außerdem für die rasch wachsende Bevölkerung zu klein wurde. 1723 hatte der damalige Dekan Jodok Adrian Helman schon einen Plan erstellt, wo und wie die neue Pfarrkirche gebaut werden sollte. Dabei holte er sich den aus Bayern stammenden Baumeister Abraham Millauer, der den Bau durchführen sollte. Baubeginn war im Herbst 1723, die Fertigstellung im Jahre 1732. Im Frühjahr desselben Jahres wurde die Kirche vom Chiemseer Fürstbischof Joseph Franz Valerian von Arco geweiht.

Von der alten Pfarrkirche übernahm man wertvolle Kunstwerke, wie zum Beispiel die Madonna, die auf dem Bergwerksaltar steht. Sie gilt als die älteste Figur der Kirche, denn sie entstand im Jahre 1450.

Die Kirche wurde im Frühbarockstil errichtet. Wenn man durch das große Tor eintritt, durchquert man zunächst die Vorhalle, das so genannte Marmorportal. Von hier aus gelangt man ins Innere. Das Gotteshaus ist überaus reich und festlich ausgemalt. Die sechs Deckengemälde zeigen die Aufnahme der Büßerin Magdalena in den Himmel, den Evangelisten Johannes bei der Niederschrift des Evangeliums, die Taufe Jesu am Jordan durch Johannes den Täufer und eine Scheinkuppel mit Säulenrotunde beim Heiliggeistloch. Diese Gemälde stammen sämtlich von Simon Benedikt Faistenberger (1695–1759].

Hochaltar mit der Himmelfahrt Mariens

Kanzel

Blickt man in Richtung Altar, so erkennt man an der linken Seite eine prachtvolle Kanzel, die 1735 entworfen wurde. Sie wurde vor dem Bau des Hochaltars errichtet.

Der Hochaltar und seine Seitenaltäre

Der Hochaltar wurde im Stil des Frühbarocks errichtet. Zwischen seinen Marmorsäulen findet man zwei Figuren, die zum Teil vergoldet sind. Das figurenreiche Hochaltarblatt zeigt die von Engeln flankierte Himmelfahrt Mariens, die Heiligen Barbara, Katharina, Johannes den Täufer und Johannes den Evangelisten. Weiters besitzt die Kirche vier Seitenaltäre. Der linke Choraltar zeigt Johannes von Nepomuk, der Altar gegenüber ist dem heiligen Franziskus gewidmet. Die vorderen zwei Altäre zeigen den heiligen Dominikus (links) und die heilige Magdalena mit der Bergwerkspatronin Barbara.

Orgel

Die Orgel, die 1985 gebaut wurde, stammt von der Firma Reinisch-Pirchner aus Steinach am Brenner. Die Struktur wurde von der alten Orgel von 1858 übernommen. Sie hat 25 Register.

Glocken

Das Geläut der Dekanatspfarrkirche St. Johann in Tirol zählt zu dem schönsten und größten Tirols. Es besteht aus fünf Glocken, von denen die große Glocke die wertvollste ist. Alle Glocken besitzen einen Klöppelfänger.

Nr. Name Gussjahr Gießer,
Gussort
Durchmesser
(mm)
Gewicht
(kg)
Nominal
1 Marien- und Wetterglocke 1773 Grassmayr,
Ötz
1800 3800 A0+0
2 k. A. 1948 Oberascher,
Salzburg
k. A. 2085 c1+2
3 k. A. 1948 Oberascher,
Salzburg
k. A. 1035 e1+0
4 k. A. 1948 Oberascher,
Salzburg
k. A. 615 g1+0
5 k. A. 1948 Oberascher,
Salzburg
k. A. 443 a1+0

Weblinks

 Commons: Dekanatspfarrkirche Mariä Himmelfahrt (Sankt Johann in Tirol) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

47.52239612.428732Koordinaten: 47° 31′ 20,6″ N, 12° 25′ 43,4″ O