Denkmalschutzgesetz

Ein Denkmalschutzgesetz dient dem Schutz von Denkmalen als Zeugnis vergangener Kulturgeschichte, teilweise auch als Kulturdenkmal bezeichnet.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Deutsches Reich

Im Deutschen Reich wurde mit dem Gesetz, den Denkmalschutz betreffend vom 16. Juli 1902 im Großherzogtum Hessen das erste moderne, kodifizierte Denkmalschutzgesetz Deutschlands verabschiedet.[1] In Sachsen erging 1909 das Gesetz gegen Verunstaltung von Stadt und Land (Verunstaltungsgesetz), dem 1934 das in der Weimarer Republik entwickelte Gesetz zum Schutze von Kunst-, Kultur- und Naturdenkmalen (Heimatschutzgesetz) folgte.

Deutsche Demokratische Republik

In der DDR wurden seit 1952 verschiedene Verordnungen und Gesetze über die Erhaltung, Pflege und den Schutz von Denkmalen erlassen, siehe Denkmalschutz in der DDR.

Deutschland

Da der Denkmalschutz dem in Art. 14 GG garantierten Eigentumsrecht Schranken setzt, ist nach Abs. 1 S. 2 dieses Artikels dafür eine gesetzliche Regelung notwendig. Aufgrund der Kulturhoheit der Länder (Art. 30 GG) ist die Denkmalschutz-Gesetzgebung Sache der 16 Bundesländer. Ferner werden bestimmte Kulturdenkmäler durch § 304 Abs. 1 StGB (Gemeinschädliche Sachbeschädigung) geschützt. Denkmalschutzgesetze der Länder (DSchG):[2]

Vergleich

Die Gesetze unterscheiden sich bereits bei der Definition ihres Gegenstandes. Die Denkmalschutzgesetze von Baden-Württemberg, Berlin, Bremen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen definieren das Kulturdenkmal als etwas, das im öffentlichen Interesse dauernd erhalten wird. Die Denkmalschutzgesetze von Bayern, Berlin, Brandenburg, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Nordrhein-Westfalen definieren auf gleiche Weise den Begriff Denkmal.

Als Kriterium für die Einstufung als Kulturdenkmal bzw. Denkmal nennen die Gesetze von Baden-Württemberg, Bremen, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz, Saarland und Thüringen bestimmte Gründe. Dagegen erfordern die Gesetze von Bayern, Berlin, Brandenburg, Hamburg, Niedersachsen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein dass die Kulturdenkmäler von Bedeutung für bestimmte Bereiche sind. In Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein ist darüber hinaus die besondere Bedeutung erforderlich. In Nordrhein-Westfalen wird beides erfordert.

Die Gebiete, auf denen die Begründung gegeben sein muss oder für die das Denkmal bedeutsam sein muss und die damit die Denkmaleigenschaft und den Denkmalwert begründen, sind:

  • Arbeits- und Produktionsverhältnisse, Entwicklung der: Nordrhein-Westfalen
  • Dorfbildpflege, historische: Thüringen
  • Geschichte: Bayern, Berlin, Brandenburg, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein, Thüringen
  • Heimatgeschichte: Baden-Württemberg, Bremen
  • Kultur: Sachsen-Anhalt
  • Kulturlandschaft: Schleswig-Holstein
  • Kult: Sachsen-Anhalt
  • Kunst: alle Länder
  • Landschaftsgestaltung: Sachsen
  • Städtebau: Bayern, Berlin, Brandenburg, Hamburg (Bewahrung charakteristischer Eigenheiten des Stadtbildes), Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen (auch: Städte und Siedlungen), Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein, Thüringen
  • Technik: Brandenburg, Bremen (Technikgeschichte), Hessen, Sachsen-Anhalt (technisch-wirtschaftlich), Schleswig-Holstein, Thüringen
  • Volkskunde: Bayern, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen, Thüringen
  • Wirtschaft: Sachsen-Anhalt (technisch-wirtschaftlich)
  • Wissenschaft: alle Länder

Österreich

In Österreich ist die Denkmalschutz-Gesetzgebung Bundesangelegenheit. Hier gilt das Bundesgesetz betreffend den Schutz von Denkmalen wegen ihrer geschichtlichen, künstlerischen oder sonstigen kulturellen Bedeutung (Denkmalschutzgesetz – DMSG)[6]. Das Denkmalschutzgesetz regelt auch die Angelegenheiten von Bundesdenkmalamt und Denkmalbeirat.

Schweiz

Für die Denkmalschutz-Gesetzgebung sind in der Schweiz die 26 Kantone zuständig (Art. 78 BV). Der Bund hat mit dem Bundesgesetz über den Natur- und Heimatschutz (NHG) eine Rahmengesetzgebung geschaffen, die im Denkmalschutzbereich in erster Linie finanzielle Leistungen zugunsten der Kantone ermöglicht.

Weitere

Literatur

Deutschland
Österreich
  • Wolfgang Huber: Begriffsbestimmungen und Literatur zum österreichischen Denkmalschutzgesetz, In: Kunsthistoriker aktuell, Nr. 2/2003.

Einzelnachweise

  1. Eckhart Franz: „Habe Ehrfurcht vor dem Alten und Mut, das Neue frisch zu wagen!“ Die Denkmalpflege im kulturpolitischen Konzept Großherzog Ernst Ludwigs. In: 100 Jahre Denkmalschutzgesetz in Hessen. Geschichte – Bedeutung – Wirkung. Stuttgart 2003, S. 23-28. ISBN 3-8062-1855-2; Winfried Speitkamp: Entstehung und Bedeutung des Denkmalschutzgesetzes für das Großherzogtum Hessen von 1902. In: 100 Jahre Denkmalschutzgesetz in Hessen. Geschichte – Bedeutung – Wirkung. Stuttgart 2003. ISBN 3-8062-1855-2; Jan Nikolaus Viebrock: Hessisches Denkmalschutzrecht. (= Kommunale Schriften für Hessen). 3. Auflage. W. Kohlhammer Verlag, Stuttgart 2007. ISBN 978-3-555-40310-6, S. 9, Rdnr. 18.
  2. Volltexte aller deutschen Denkmalschutzgesetze (DSchG) als PDF, denkmalliste.org
  3. Amtlicher Text
  4. Amtlicher Text
  5. Amtlicher Text. - Dieter Martin u.a.: Sächsisches Denkmalschutzgesetz (Sächs.DSchG) – Kommentar. Wiesbaden 1999. ISBN 3-8293-0213-4
  6. Österreichisches Denkmalschutzgesetz, ris.bka
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