Der Besuch der alten Dame (2008)

Filmdaten
Deutscher Titel Der Besuch der alten Dame
Produktionsland Österreich, Deutschland
Originalsprache Deutsch
Erscheinungsjahr 2008
Länge 88 Minuten
Stab
Regie Nikolaus Leytner
Drehbuch Susanne Beck
Thomas Eifler
Produktion Regina Ziegler
Musik Matthias Weber
Kamera Hermann Dunzendorfer
Schnitt Andreas Kopriva
Besetzung

Der Besuch der alten Dame ist ein österreichisch-deutscher Fernsehfilm von Nikolaus Leytner aus dem Jahr 2008. Die Literaturverfilmung basiert auf dem gleichnamigen Drama von Friedrich Dürrenmatt

Inhaltsverzeichnis

Handlung

Die Handlung ist am Drama orientiert, beinhaltet aber einige Abweichungen und modernisierte Stilmittel, die nicht im Originaltext zu finden sind. Zum einen wurde die Handlung in die Gegenwart verlegt, zum anderen wurde mit Mia Mohr eine neue Person eingeführt.

Güllen, ein einst blühender Ort, ist nach dem Schließen der größten Fabrik völlig verarmt. Die Hoffnungen der Kleinstadtbewohner ruhen auf dem Besuch der schwerreichen Claire Zachanassian, die einst in Güllen lebte und angeblich mit einer kräftigen Finanzspritze die Güllener von ihrem schweren Schicksal befreien möchte. Als Claire überraschend mit einem Hubschrauber landet (eigentlich sollte sie mit dem Zug kommen), schicken die Einwohner ihren ehemaligen Geliebten Alfred Ill, den Autohändler des Ortes, vor. Dieser frischt Erinnerungen auf, indem er sie durch die schöne Gegend um Güllen und zu ihren alten Liebesnestern führt. Die traute Zweisamkeit wird nur durch die Tatsache gestört, dass er den Wagen benutzt, in dem Claire und er einen schweren Autounfall hatten. Als er bei einer Bootstour die Frage nach Kindern stellt, bricht Claire das Rendezvous ab. Dennoch stellt sie eine kräftige Finanzspritze in Aussicht.

Bei einem Bankett zu ihren Ehren kündet sie an, dass eine Summe von zwei Milliarden Euro unter den Dorfbewohnern aufgeteilt werden soll. Sie knüpft das Ganze aber an eine Bedingung: Sie möchte Gerechtigkeit für das, was ihr einst in Güllen angetan wurde, und würde den Scheck nur ausstellen, wenn Alfred Ill stirbt. Entschieden weisen die Dorfbewohner den Vorschlag von Claire zurück und stellen sich hinter den Autohändler. Die Presse fällt daraufhin in die Stadt ein, auch die engagierte Fernsehreporterin Mia Mohr, die Tochter von Alfred Ill und seiner Frau Angelika.

Als jedoch immer mehr Fakten über den tragischen Unfall von Claire ans Tageslicht kommen, schlägt die Stimmung um: Claire ist, nachdem sie im Zustand der Trunkenheit gegen einen Baum gefahren waren, noch am Krankenbett von Ill verlassen worden, der daraufhin Angelika wegen des Geldes geheiratet hat, obwohl Claire von ihm schwanger war. Claire hat jedoch überlebt. In einem anschließenden Prozess hat Ill zusammen mit anderen Einwohnern Claire verleugnet und sie als Hure dargestellt. Claire hat sich selbst wieder das Gehen beigebracht und Güllen verlassen. Das Kind ist tot zur Welt gekommen, und Claire ist seither kinderlos.

Nach diesen Enthüllungen beginnen die Güllener plötzlich, Kredite aufzunehmen, die von dem schmierigen Sparkassenbesitzer Oliver Marx auch noch genehmigt werden.

Alfred sucht Hilfe beim Polizisten Lutz Wolff, der jedoch behauptet, nichts gegen die Anstiftung zum Mord machen zu können, da Claire ja nicht explizit zum Mord aufgefordert hätte. Als Alfred gehen will, entdeckt er die Akte vom damaligen Unfall auf dem Schreibtisch. Währenddessen bietet sich Oliver Marx als Auftragsmörder bei Claire an, diese lehnt jedoch scharf ab. Es ginge ihr um Gerechtigkeit. Die Stimmung spitzt sich weiter zu, Alfred wird gemieden, und auch seiner Frau kommen langsam Zweifel an der Ehrlichkeit ihres Mannes. Alfred selbst wird paranoid und wittert überall Mörder. Die Güllener tun so, als hätten sie von Alfreds damaliger Intrige nichts gewusst, obwohl sich mehrere Personen des Meineids schuldig gemacht haben. Dies wird dadurch gesteigert, dass selbst seine Freunde, wie der Bürgermeister, dessen Frau gerade Zwillinge bekommen hat, und der Pfarrer plötzlich neue Investitionen tätigen. Mia Mohr unterhält sich mit Claire und berichtet auch von ihrem Schicksal: Auch sie ist aus Güllen geflohen, da ihr Vater etwas gegen ihre Beziehung zu einem Mann hatte. Sie hat seitdem nie wieder mit ihrem Vater gesprochen.

Überraschend wird Alfred zur Treibjagd eingeladen und schöpft neue Hoffnung. Während der Jagd eröffnen Unbekannte das Feuer auf ihn, und er flieht zu seinem Autohaus. Dort wird die Scheibe eingeschossen. Alfred will fliehen, doch am Bahnhof wird er von den Einwohnern von Güllen festgehalten und so lange „herzlich verabschiedet“, bis sein Zug ohne ihn abfährt. Der Bürgermeister, immer noch nicht ganz von einem Mord an Alfred überzeugt, unterbreitet Claire den Vorschlag, die alte Fabrik zu kaufen, um das Dorf nicht in eine moralische Krise zu stürzen. Claire gibt aber unumwunden zu, dass ihr die Fabrik längst gehöre und sie sie schließen ließ.

Der Bürgermeister beruft nun eine Volksabstimmung ein, die über Leben und Tod Alfreds entscheiden soll. Alfred bekommt von Lutz Wolff eine Pistole, weigert sich jedoch, den Güllenern die Entscheidung abzunehmen. Er geht ein letztes Mal zu Claire und gesteht ihr, dass er damals am Steuer des Unfallwagens saß. Das weiß sie jedoch längst. Sie küssen sich noch einmal. Anschließend schließt er Frieden mit seiner Tochter.

Bei der Volksabstimmung wird er zum Tode verurteilt. Mia versucht, mit einer Kamera zu verhindern, dass ihr Vater ermordet wird, doch die Güllener haben Ill völlig umschlossen. Als Claire in der Halle auftaucht und sich die Menschentraube auflöst, ist er schon tot. Claire übergibt dem Bürgermeister den Scheck und bezeichnet den Bürgermeister, stellvertretend für alle Güllener, als „Mörder“. Danach besteigt sie ihren Hubschrauber und verlässt Güllen.

Hintergrund

Susanne Beck und Thomas Efler schrieben das Drehbuch zur Verfilmung, verlegten das Stück in die Gegenwart und entfernten etliche groteske Elemente. So wurde aus dem Gemischtwarenhändler Alfred Ill ein Autohaus-Besitzer, Mobiltelefone sind vorhanden und Claire reist nicht mit dem Zug, sondern einem Learjet und einem Hubschrauber an. Auch weitere Einzelheiten wurden geändert, am stärksten die Einführung von Alfred Ills Tochter. Ebenso wurde die weitere Lebensgeschichte von Claire entfernt. Der Verlauf der Handlung richtet sich aber dennoch nach der literarischen Vorlage.

Produziert wurde der Film von ARD und ORF. Am 13. Oktober 2008 wurde der Film zu Ehren des 70. Geburtstags von Hauptdarstellerin Christiane Hörbiger gleichzeitig im ORF 2 und auf Das Erste ausgestrahlt.[1] Eine DVD-Fassung folgte am 20. Oktober 2008 über Universum Film.[2]

Kritiken

Gelobt wurde der Film vor allem durch seine Werktreue und die moderne Inszenierung. Auch die hochkarätigen Schauspieler hätten zu der Verfilmung beigetragen.

„Weitgehend werkgetreue Fernseh-Neuverfilmung von Friedrich Dürrenmatts Tragikomödie, deren Handlung in die Jetztzeit verlegt wurde. Ein Klassiker der Moderne über Rache, Bigotterie, Duckmäuser und Korrumpierbarkeit, getragen von einem hochklassigen Ensemble.“

Lexikon des Internationalen Films[2]

Der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki bezeichnete den Film als „ganz ernst gemeint“ und lobte die Leistung der Schauspieler, meinte aber: „Letztlich war es […] nicht gut. Die zweite Hälfte wurde immer schlechter.“[3]

Auszeichnungen

Beim 15. Shanghai International TV Festival 2009 erhielten Susanne Beck und Thomas Eifler für Der Besuch der alten Dame den Preis für das beste Drehbuch eines Fernsehfilms.[4]

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Der Besuch der alten Dame. ORF präsentierte Dürrenmatt-Neuverfilmung mit Christiane Hörbiger. TV-Premiere und ORF-Präsent zum 70. Geburtstag. Kundendienst des ORF, abgerufen am 8. Februar 2010.
  2. a b Der Besuch der alten Dame im Lexikon des Internationalen Films, abgerufen am 8. Februar 2010
  3. Aus gegebenem Anlass. Gespräch zwischen Marcel Reich-Ranicki und Thomas Gottschalk im ZDF, 17. Oktober 2008, 22:30 Uhr.
  4. Auszeichnungen für deutsche Produktionen in Shanghai und Monte Carlo, abgerufen am 9. Februar 2010