Der Mörder

Der Mörder ist eine Erzählung von Arthur Schnitzler, die, 1910 entstanden, am 4. Juni 1911 in der Neuen Freien Presse in Wien erschien. Der Autor nahm das kleine Werk in seine 1912 erschienene Novellensammlung „Masken und Wunder“ auf.[1]

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

Alfred, ein junger Wiener, „Doktor beider Rechte“, elternlos, muss sein Brot nicht durch Arbeit verdienen. Er überredet Elise, die Geliebte, ein sanftes Wesen, ihre Stellung an den Nagel zu hängen. Eine Frau reicht ihm nicht. So wirbt Alfred um Adele, die Tochter eines vermögenden Fabrikbesitzers. Letzterer rät dem stürmischen Liebhaber jedoch zu einer einjährigen Bedenkzeit. Auf einer längeren Reise solle er zu sich finden. Alfred geht notgedrungen auf die freundlich vorgetragene Forderung ein, nimmt aber heimlich Elise mit aufs Schiff nach Übersee. Obzwar Elise gelegentlich an Herzkrämpfen leidet, schont er sie bei keiner Gelegenheit. Im Gegenteil, durch herzloses Betragen provoziert er die Verschlimmerung der Krankheit. Einerseits schreibt Alfred liebesglühende Briefe an Adele und andererseits spielt er vor Elise überzeugend den Eifersüchtigen. Als sich ein deutscher Baron an Bord für die junge Frau interessiert, macht er ihr eine Szene. Viel mehr noch – Alfred besorgt sich Morphium und bringt Elise schließlich damit um. Nun – so wähnt der Mörder – ist der Weg frei zu Adele.

Aber als das Jahr um ist und Alfred, daheim angekommen, erwartungsvoll Adele wieder begegnet, teilt ihm diese mit, sie sei inzwischen mit einem anderen verlobt. Alfred will das nicht wahrhaben. Adele widerspricht. Vor einem Jahr habe sie sich zu nichts verpflichtet. Selbst als Alfred das Äußerste wagt und Adele den Mord an Elise als „Beweis“ seiner Liebe zu ihr gesteht, erhält der Mörder ein abweisendes, endgültiges "Nein".

Ein letztes Mal schlägt das Schicksal zu. Der Baron sagt Alfred ins Gesicht, er halte ihn für einen Schurken. Alfreds letzter Gedanke, als er im Duell vom Baron erschossen wird, geht zu der „unsäglich Geliebten“, zu Elise. Zu ihr entschwindet er als Entsühnter ins Nichts.

Form

Schnitzler trägt die kurze Geschichte raffiniert vor. Der Erzähler teilt die Geschehnisse überwiegend aus der Sicht Alfreds mit. Dieser Protagonist wiegt sich in Sicherheit; glaubt, er habe sein bigamisches Gebaren und den Giftmord ausreichend vor der Welt verborgen. Der Leser muss sich seinen Reim auf die Sicht der anderen Figuren machen: Sowohl Adele sowie deren Vater als auch der Baron durchschauen Alfred.

Rezeption

  • Scheffel[2] bezeichnet Alfred als charakter- und gefühllos.
  • Sprengel[3] erkennt das Tändeln Alfreds zwischen zwei Frauen als verhängnisvoll.

Weblinks

Literatur

Quelle
  • Arthur Schnitzler: Der Mörder. S. 50–70 in Heinz Ludwig Arnold (Hrsg.): Arthur Schnitzler: Casanovas Heimfahrt. Erzählungen 1909–1917. Mit einem Nachwort von Michael Scheffel. S. Fischer, Frankfurt am Main 1961 (Ausgabe 1999). 495 Seiten, ISBN 3-10-073553-6
Erstausgabe in Buchform
  • Arthur Schnitzler: Masken und Wunder. Novellen. S. Fischer Verlag Berlin 1912. 189 Seiten. Enthält Die Hirtenflöte, Der Tod des Junggesellen, Der Mörder, Der tote Gabriel, Das Tagebuch der Redegonda und Die dreifache Warnung.
Ausgaben
  • Arthur Schnitzler: Der Mörder. Mit acht ganzseitigen Holzschnitten von Ernst Huber. Paul Knepler Verlag, Wallishaussersche Buchhandlung. Wien 1922. 82 Seiten
Hörbuch
  • Arthur Schnitzler: Der Mörder. Das Tagebuch der Redegonda. Gelesen von Wolfgang Hinze. Naxos Verlag. Reihe Klassiker der Literatur. 22. September 2003, ISBN 978-3-89816-122-0
Sekundärliteratur

Einzelnachweise

  1. Quelle, S. 489, dritter Eintrag
  2. Scheffel im Nachwort der Quelle, S. 485, 7. Z.v.o.
  3. Sprengel, S. 242, 3. Z.v.o.